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Gute Vorsätze? Besser keine schlechten!

Lorenz Hölscher will anstatt guter Vorsätze keine schlechten mehr fassen

Lorenz Hölscher rät, besser keine schlechten Vorsätze mehr zu fassen. Sonst geraten Sie noch außer Fassung!

Der Jahreswechsel ist immer wieder ein willkommener Anlass, demnächst alles besser zu machen. Oder wenigstens anders. Das ist auf Dauer aber langweilig, denn am 3. Januar sind die meisten guten Vorsätze sowieso schon wieder vergessen. Manchmal sogar schon Neujahr mittags, falls Sie sich dann überhaupt noch an etwas erinnern können.

Haben Sie auch die üblichen Vorsätze à la Ich will mit dem Rauchen aufhören oder Ich will abnehmen? Ich kann gar nicht glauben, dass es so viele Raucher und Dicke gibt, wie jedes Jahr aufhören und abnehmen wollen.

Vielleicht wechseln die sich auch immer ab? Die Ex-Raucher wechseln zur Völlerei und fangen nach einem Diät-Jahr wieder mit der Qualmerei an? Fragen über Fragen, die auch nicht schöner werden, wenn man sie sich zu Silvester stellt.

Überhaupt sind die typischen guten Vorsätze zum neuen Jahr von einer gewissen Langweiligkeit geprägt. Die Hitliste zu Silvester lautet:

  1. Ich will mit dem Rauchen/Essen aufhören.

  2. Ich will zu ... (hier wahllos einen Namen einsetzen) netter sein.

  3. Aber nicht, wenn ... (gleicher Name) immer noch so eklig zu mir ist.

  4. Und überhaupt, was bildet der/die sich eigentlich ein?!

  5. Ähem, räusper...

  6. Ich will Silvester endlich richtig schreiben und nicht so wie diesen amerikanischen Schauspieler. Schauspieler? Na ja, Sie wissen schon, wen ich meine. Laut Wikipedia bedeutet der Vorname Silvester (lat. silva, Wald) übersetzt Waldmensch. Stimmt auch irgendwie.

  7. Ich werde keine kleinen süßen Entchen mehr in den Teich schubsen.

  8. Überhaupt werde ich ein besserer Mensch.

  9. Was muss ich denn da machen?

  10. Ach, egal.

Aber der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Deswegen ist mein guter Vorsatz für dieses Silvester, dass ich keine guten Vorsätze mehr fasse. Diesen Vorsatz haben Sie auch schon mal gehört? So weit schon, aber ich mache stattdessen etwas anders.

Ich fasse schlechte Vorsätze. Und alle werden dankbar sein, wenn ich meine Vorsätze endlich vergesse. Machen Sie doch einfach mal mit!

Wie wäre es mit Im nächsten Jahr arbeite ich nicht mehr? Nein, nein, so nicht. Sie lesen das ganz falsch. Ich will gar nicht mit der Arbeit aufhören, ich will bloß nicht noch mehr arbeiten. Warum das ein schlechter Vorsatz ist? Sagen Sie das mal einem Kunden, wenn Sie sein Projekt bis übermorgen fertig haben sollen.

Oder probieren Sie mal Ich will mich mehr um meine Familie kümmern. Kochen Sie nächsten Donnerstag mittags ein köstliches Seehecht-Soufflé an Zitronen-Melisse-Reis mit einer Weinschaum-Crème als Nachtisch. Ihre Kinder ("Boah, krass, ich geh' lieber zu McBurger, da gibt es voll die fetten Pommes!") und Ihr Ehepartner ("Wer hat diese Sauerei in der Küche gemacht?") werden es noch lange in Erinnerung behalten.

Natürlich müssen Sie sich auch um die Hausaufgaben ("Ey, Du nervst!") und die Freunde Ihrer Kindern ("Wie peinlich! Willst Du so zum Chillen mitkommen?") kümmern. Oh je, ich merke schon, Sie sind schwer von diesem Konzept zu überzeugen. Vielleicht sollten wir es doch mit einem einfacheren Vorsatz versuchen?

Ich will keine schlechten Vorsätze mehr fassen. Das ist ein schöner schlechter Vorsatz für Ungeübte.

Zuerst einmal müssen Sie gar nichts tun, sondern nur etwas lassen, das ist schon mal gut. Andererseits müssen Sie auf nichts Wichtiges verzichten, nur auf ein paar schlechte Vorsätze. Wäre jetzt ja doch irgendwie blöd, wenn es um den Verzicht auf Wein oder Schokolade ginge.

Außerdem hatten Sie ja sowieso nicht vor, schlechte Vorsätze zu fassen. Das macht es noch einfacher, darauf zu verzichten, verleiht Ihnen aber trotzdem eine Aura von Entschlußfreudigkeit, Willensstärke und Zukunftsvision.

Aber das Beste dabei ist: der Vorsatz ist nicht ausführbar, er verbietet sich selbst. Wenn Sie sich an sein Motto halten, dürfen Sie ihn schon nicht aussprechen, denn Sie wollten genau solche schlechten Vorsätze nicht mehr fassen.

Umgekehrt führen Sie diesen Vorsatz genau dann aus, wenn Sie ihn gerade nicht fassen. Da sind Sie fassungslos, nicht wahr?

Mit Ihnen um Fassung ringend,
Lorenz Hölscher

Zum Jahreswechsel: Gute Vorsätze in Serie

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Entchen ins Wasser schubsen ist doch harmlos, a) können die schwimmen und b) warten die nicht, bis ich sie schubsen komme.

Alte Omas ins Wasser schubsen ist viel effektiver!

Oder im Büro das Damenklo zusperren :-)

Oder bei Akademie.de blöde Kommetare schreiben...

Witzig!

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