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Sprüche klopfen - So würzen Sie Ihren Vortrag

Sprüche, Zitate und Aphorismen gezielt einsetzen

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Stand: 20. September 2011

Gute Vorträge und ein gutes Essen haben eines gemeinsam - nämlich ausreichend Würze. Lorenz Hölscher verrät hier seine Rezeptur für eine gelungene Rede.

Vermeiden Sie Schlaftabletten-Vorträge

Es gibt optimale Techniken, um Ihr Publikum mit wenigen Worten das Grausen zu lehren:

  • Beginnen Sie mit "Sehr geehrte Damen und Herren", das hat schon tausendmal funktioniert und bietet keine Gefahr für Herz und Kreislauf. Ihre Zuhörer können sich entspannt zurücklehnen und müssen nichts Neues befürchten.

  • Gnadenlos geht es weiter mit "Ich begrüße unseren lieben Ehrenvorsitzenden Willi Wichtig nebst seiner reizenden Gattin sowie den langjährigen Sitzungspräsidenten ..." und alle Honoratioren, die den Fehler gemacht haben, zu Ihrem Vortrag zu kommen. Vergessen Sie auf keinen Fall, den Dackel des stellvertretenden Kulturdezernenten der Nachbargemeinde zu erwähnen. Nebst Gattin.

  • "Bevor ich zum eigentlichen Thema meines Vortrags komme, ..." ist der nächste garantierte Stimmungstöter für die letzten im Saal, die den ermüdenden Anfang überstanden haben.

  • Sie können es auch später im Vortrag durch ein "Lassen Sie mich nun zum Schluss meiner Ausführungen kommen" ergänzen. Während alle Welt heimlich aufatmet, machen Sie locker noch eine halbe Stunde weiter.

  • Vergessen Sie vor allem nicht, ein "Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit" anzuhängen. Spät, aber immerhin, schimmert so Ihr launiger Humor durch, nachdem Sie die Aufmerksamkeit ja so nachhaltig zerstört haben.

Wenn Sie all diese Sünden vermeiden, haben Sie schon mal keine grottenschlechte Rede vorbereitet. Jetzt muss sie nur noch besser als durchschnittlich langweilig werden.

Geben Sie Ihrem Vortrag Leben

Mal angenommen, Sie hätten bereits Thema und Inhalt leidlich vorbereitet. Wie mag das auf die Zuschauer wirken? Ordentlich? Trocken? Sachlich?

Halten Sie einen Prüfungsvortrag, bei dem die Jury Ihr Fachwissen beurteilen soll, mag das ausreichen. Normalerweise ist es aber umgekehrt: Ihr Fachwissen ist selbstverständlich und also nebensächliche Voraussetzung für die Tatsache, dass Sie Ihrem Publikum etwas nahebringen wollen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Sobald Ihr Vortragsinhalt fertig ist, beginnt die eigentliche Arbeit, denn Sie müssen die trockene Materie würzen. Jetzt muss Fleisch auf die Knochen und "Butter bei die Fische".

Es ist kein Zufall, dass hier so viele Küchen-Metaphern auftauchen, schließlich wollen Sie Ihr Thema ja auch mundgerecht servieren.

Zitate

Die typischen Leckerchen eines Vortrags sind Bonmots, Aphorismen oder ähnliche Zitate. Sie sind das Salz, wenn die Suppe langweilig schmeckt.

Suchen Sie im Internet nach Stichwörtern wie Aphorismen, werden Sie mit Links auf Datenbanken voller Sprüche geradezu erschlagen. Selbst wenn viele Sammlungen von eher schwacher Qualität sind, zählt hier schlicht die Menge. Je mehr Sand Sie sieben, desto wahrscheinlicher finden Sie Gold.

Früher oder später werden Sie einige Autoren immer wieder entdecken. Meine persönlichen Favoriten sind Heinz Erhardt, Eugen Roth und Mark Twain. Joachim Ringelnatz ist zwar auch allgemein bekannt und daher als Quelle geeignet, aber nur beim Sauerampfer, bei zwei Ameisen oder einem Kater lustig. Wer den Rest seiner Gedichte liest, wirft sich noch mit dem Buch in der Hand vor den Zug.

Natürlich können Sie auch gerne etwas Griechisches oder Römisches zitieren, das prahlt mit humanistischer Bildung. Aber Pepp hat es nicht. Den meisten dieser Zitate fehlt es nicht nur an Kürze, sondern auch an Würze.

Ich gebe gerne zu, dass auch meine Lieblings-Autoren längst zu Staub zerfallen sind. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass es eine Zeitlang braucht, bis jemand berühmt wird und auch noch genug Zitierbares aufgeschrieben hat.

Im Tagesgeschäft werden jedoch vor allem Politikersprüche bekannt, die zu zitieren wegen der damit verbundenen politischen Ausrichtung immer heikel ist.

Weniger ist mehr

Natürlich sollen Zitate nicht von Ihrem Vortrag ablenken, sondern ihn verbessern. Seien Sie also sparsam damit, je nach Länge reicht ein einziges.

Weniger ...

... ist mehr: Dieser Ausspruch ist durch den Architekten Ludwig Mies van der Rohe berühmt geworden und meint, dass man sich immer auf das Wesentliche konzentrieren soll.

Beginnen Sie Ihre Rede beispielsweise statt der ewigen Begrüßungsfloskeln mit einem kurzen Gedicht von Eugen Roth ("Ein Mensch...") und beginnen erst danach mit der Anrede.

Oder lassen Sie Luther zusammenfassen, wie eine Rede beziehungsweise Predigt zu halten sei: "Tritt fest auf, mach's Maul auf, hör bald auf!"
Besser hätte ich es auch nicht zusammenfassen können.

Vorträge halten - leicht gemacht

Egal, ob PowerPoint-Präsentation oder Geburtstags-Ansprache: Einen schlechten Vortrag zu halten ist schlimmer, als gar keinen Vortrag zu halten. Wir verraten, wie Sie überzeugend auftreten:

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