Kleine Schriftkunde für Einsteiger

Wann passt welche Schrift?

Von: Lorenz Hölscher
Stand: 15. November 2011 (aktualisiert)
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Über den Autor: Lorenz Hölscher

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Lorenz Hölscher ist freiberuflicher Dozent, Berater und Programmierer mit Schwerpunkt Anwendungs-Programmierung. Vorrangig widmet er sich Access, Word und Excel sowie begleitenden grafischen Arbeiten. Er legt viel Wert auf benutzerfreundliche Oberflächen und ordentliches Design in Optik und Programmierung. Zu Hilfe kommen ihm da seine langjährigen "branchenfremden" Erfahrungen als Architekt, Layouter und Designer.

Lorenz Hölscher bietet eigene Hilfeseiten an und hat bei Microsoft Press mehrere Bücher veröffentlicht zu Access 2007, Access 2007 VBA, Word 2007 VBA und Access 2010.

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Varianten einer Schriftfamilie

Die Varianten einer Schriftfamilie

Früher waren Schriftgestalter ausgebildete Künstler, oft von hoher Anerkennung. Heute glaubt das jeder Hobby-PC-Nutzer zu können und so sieht es dann oft auch aus. Ich will hier gar nicht dem Rückfall in vorindustrielle Zeiten mit der Zeichenfeder das Wort reden, aber schon die einfachsten Grundbegriffe werden oft durcheinandergebracht.

Beispielsweise stellen viele Programme für eine kursive Schrift einfach alle Zeichen schräg. Das ist falsch, denn die kursive Auszeichnung bildet einen eigenen Schriftschnitt innerhalb der jeweiligen Schriftfamilie. Am deutlichsten wird dies daran, dass einige Buchstaben sogar ganz anders konstruiert sind, wie das folgende Bild vor allem für die Antiqua-Schrift zeigt:

Bild vergrößernSchriftunterschiede für kursive Auszeichnung (von oben: Antiqua, Grotesk, Antiqua kursiv, Grotesk kursiv)

Auch die Unsitte, eine magere Schrift einfach mit einem dickeren Umriss in eine angeblich fette Schrift zu verwandeln, gehört zu der traurigen Realität.

Noch viel schlimmer war die bei Nadeldruckern übliche Technik, "fette" Schrift durch horizontal versetzten, wiederholten Ausdruck zu erzeugen. Die englische Bezeichnung Poor man's bold (des armen Mannes fette Schrift) gibt wieder, wie das wirkt.

Bild vergrößernMagere (oben), fette (Mitte) und fehlerhaft durch Umriss verdickte Schrift (unten, rot).

Wenn Sie im Windows-Fonts-Ordner nachsehen, werden Sie feststellen, dass zu einer guten Schrift tatsächlich mehrere Schrift-Dateien vorliegen, nämlich für magere, fette und kursive Auszeichnungen getrennt:

Bild vergrößernMehrere Dateien für eine Schriftart

Der Einsatz von Schriften im Alltag

Wenn Sie nicht gerade ein Logo entwerfen (siehe "Logo gestalten - Wie Sie schnell und einfach Ihr eigenes Logo entwickeln"), geht es meistens um Massentexte und deren Überschriften, beispielsweise für Flyer. Die goldene Regel dabei heißt: Wenige Schriften, aber mit deutlichen Unterschieden! Typischerweise kommen Sie dabei mit zwei Schriften aus, etwa einer fetten Grotesk für die Überschriften und einer mageren Antiqua für den Lauftext.

Obwohl es durchaus üblich ist, eine Grotesk und eine Antiqua gleichzeitig einzusetzen, können Sie natürlich auch überall die gleiche Schriftart nutzen. Dann sollten die Überschriften aber nicht nur merklich größer, sondern auch fett sein, damit ein ausreichender Unterschied zu erkennen ist.

Schrift für Code

Nur ausnahmsweise kommt eine dritte Schrift in Frage, etwa um Code zu kennzeichnen. Da Programmcode nicht nur nach ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt wird, sondern oft bestimmte Einrückregeln hat, wird hier eine nicht-proportionale Schriftart bevorzugt. Eine solche ("äquidistant" genannte) Schrift ist beispielsweise die Courier New Roman.

Die juristische Seite der Schrift

Eine Schrift ist letzten Endes eine Grafik, deren Entwerfer also ein Urheberrecht daran hat. Eine der bekanntesten Schriften, die Times, wurde nach einem Wettbewerb von Stanley Morison für die gleichnamige englische Zeitschrift gestaltet. Sie müssen für den Einsatz dieser Schrift also entweder Lizenzgebühren zahlen oder verletzen das Urheberrecht (wie es für Fotos ja ebenso gilt).

Daher finden Sie oft Schriften, die ganz knapp neben dem Original liegen. Oftmals sind die Unterschiede mehr juristischer als optischer Natur, wie das folgende Beispiel zeigt:

Helvetica Roman

Swiss721 (die Rundungen sind breiter)

Da der Name ebenfalls geschützt ist, heißen die Schriften dann nicht Helvetica, sondern Swiss oder Times New Roman anstatt einfach nur Times.

Times

Times New Roman (die Abstände sind größer)

Schriften installieren

Wenn Sie eine neue Schrift installieren wollen, ist es inzwischen erfreulich einfach. Sie erhalten beim Download eine TTF-Datei und schieben diese mit gedrückter Maus in das Verzeichnis C:\Windows\Fonts\ (oder den entsprechenden Pfad, wenn Windows bei Ihnen anders installiert ist). Dann erscheint kurz der Dialog wie im folgenden Bild und das war's schon.

Schriftart installieren

Die meisten Programme zeigen die neue Schrift sofort in ihrer Auswahl an, manche (vor allem ältere) erst nach einem Neustart. Mit diesem kurzen Überblick über die Schriftkunde sollte Ihnen eine Auswahl der nächsten Schrift viel leichter gelingen.

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Als alter Schriftsetzer bin ich natürlich über diesen Artikel glücklich! :-) Schreien könnte ich oft, wie Schriften "vergewaltigt" werden. Vor allem in Werbeprospekten. Typografie ist eben out - leider!