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Wettbewerbsvorteil Familienfreundlichkeit

Wie familienbewusste Unternehmen Fachkräfte gewinnen und ihr Unternehmensimage aufpolieren können

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Stand: 27. Juli 2011

Innerbetriebliche Familienförderung

Innerbetriebliche Familienförderung

Ein starker Motivationsschub geht insbesondere für männliche Mitarbeiter von einem Dienstwagen aus, der auch privat genutzt werden darf. Er muss zwar versteuert werden, aber es erfüllt die Mitarbeiter mit einem gewissen Stolz, damit zu Hause "vorfahren" zu können.

Die Aspekte der Familienförderung könnten z. B. dadurch berücksichtigt werden, dass ein Kombi oder ein Van - statt einer Limousine - angeschafft wird. Der Mitarbeiter wird nur gebeten, die Kindersitze bei Fahrten zu den Kunden im Kofferraum unterzubringen!

Eine originelle (und steuerfreie!) Alternative ist ein betriebliches Dienstfahrrad, mit dem die Mitarbeiter, die in der Nähe des Unternehmens wohnen, nach Hause radeln können.

Welche betrieblichen Unterstützungen bei Transporten gäbe es noch?

  • Übertragbare Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV-Abonnement)

  • Betriebliche Taxifahrten (Sondervereinbarung mit einer Taxigesellschaft, die der Arbeitgeber gut kennt?)

  • Betriebliche Anmietung von Leihfahrzeugen für private Transporte des Mitarbeiters

  • Unterstützungen bei privaten Transporten mit einem Betriebsfahrzeug

  • Unkomplizierte Regelungen des Kilometergeldes

  • Betriebliche EDV-Hilfe beim Führen eines Fahrtenbuchs (z. B. mit einem CRM-System?)

  • Einrichtung oder Anmietung eines Betriebsparkplatzes (bei einem Nachbarbetrieb, in einem Parkhaus oder in der Nähe)

  • Eine Netzkarte der (regionalen) Bahn

  • Eventuelle Freiflüge von Fluggesellschaften

  • Zusätzliche Heimfahrten bei auswärtigen Einsätzen

  • Betrieblich mitfinanzierte Besuche von Familienangehörigen am auswärtigen Einsatzort der Mitarbeiter

Transporte, Autoreinigung und Kofferraumgeld

Es kommt gelegentlich vor, dass Mitarbeiter Materialien oder Werkzeuge mit ihren privaten Kraftfahrzeugen befördern. Das ist oft nicht ganz einfach, weil in den Autos nicht immer genügend Platz ist. Zum anderen kann es passieren, dass dabei die Privatfahrzeuge verschmutzen oder in Mitleidenschaft gezogen werden. In diesen Fällen sollte der Arbeitgeber großzügig für Reinigung oder Schadensersatz sorgen, denn ein Transport mit einem Taxi oder einer Spedition wäre wahrscheinlich trotz Reinigungsentschädigung und Kofferraumgeld wesentlich teurer geworden!

Was für weitere Möglichkeiten der Transporterleichterungen gäbe es?

Für etwas sperrigere Transportgüter könnte es einen Anhänger geben, der einfach an ein Privatfahrzeug angekoppelt wird. Diesen Anhänger könnten die Mitarbeiter auch für private Transporte nutzen.

Da diese Anhänger meistens auch werbemäßig mit einer bunten Folie beklebt sind, unterstützen sie zugleich die Werbebemühungen und das Unternehmensimage, wenn Sie auch am Wochenende damit herumfahren!

Ebenso großzügig sollte mit Transportfahrzeugen aus dem Unternehmen umgegangen werden. Auch Umzugshilfen im begrenzen Rahmen sind denkbar. Die Möglichkeiten, private Transportprobleme mit betrieblichen Fahrzeugen kostengünstig lösen zu können, sind für viele Mitarbeiter sehr attraktiv, weil sie dadurch erhebliche Kosten sparen.

Private Nutzung von Betriebsmitteln

Der Arbeitgeber könnten den Mitarbeitern gebrauchte Werkzeuge, Maschinen, Büromöbel oder dergleichen kostenlos überlassen. Das gilt auch für abgeschriebene Materialien, die noch gebrauchsfähig sind oder Reste, Rohstoffe und dergleichen. Diese dürfen die Mitarbeiter kostenlos oder gegen ein symbolisches Entgelt mitnehmen. (Hierzu sollte der Steuerberater gefragt werden.)

Ähnliches gilt für die private Nutzung von Betriebseinrichtungen oder Fahrzeugen. In jedem Falle sollte darauf geachtet werden, dass eine schriftliche Vereinbarung getroffen wird, dass die Mitarbeiter eine Gegenleistung für diese Vergünstigung zu leisten haben. Es gilt das Prinzip "Geben und Nehmen".

Welche Arten von Vergünstigungen könnten in Frage kommen?

  • die private Benutzung von Werkzeugen

  • die Nutzung von Betriebseinrichtungen (die Werkstatt)

  • der Verleih von Fahrzeugen

  • Hilfestellungen des Unternehmens bei privaten Baumaßnahmen

  • der Verkauf von Resten

  • der Verkauf von gebrauchten Büromöbeln

  • der verbilligte Einkauf bei Großhändlern

  • der günstige Einkauf bei Geschäftspartnern/Nachbarfirmen

Es käme bei den Mitarbeitern schlecht an, wenn der Arbeitgeber aus solchen "Geschenken" einen allzu offensichtlichen Vorteil gewönne. Geschenke, die sich dann als Geschäfte für die Inhaber herausstellen, stoßen sauer auf und verfehlen ihren Motivationszweck!

Kindergartenplatz

Junge Mütter und Väter finden nur mit großer Mühe geeignete Kindergarten- oder Krippenplätze für ihre Sprösslinge. Sie bleiben dann für die Kinderbetreuung zu Hause, obwohl sie eigentlich gern wieder im Betrieb arbeiten würden. Den Unternehmern fällt es in der Regel leichter, einen Platz zu bekommen.

Der Arbeitgeber würde die eingearbeiteten Mitarbeiter in Elternzeit gern - zumindest halbtags - wieder beschäftigen. Deshalb sollte vom Betrieb überlegt werden, ob nicht bei einem nahe gelegenen Kindergarten für die Mitarbeiterkinder ein oder zwei Plätze reserviert werden sollten, die in Notfällen kurzfristig von den betreffenden Eltern in Anspruch genommen werden könnten.

Wie könnte solch ein Kindergartenplatz organisiert werden?

Der Arbeitgeber fragt nach, wer an einem solchen betrieblichen Kindergartenplatz Interesse hätte und wer dann wieder im Betrieb arbeiten würde.

Dann müssen geeignete Kindergärten mit freien Plätzen für Notfälle gefunden werden. Das fällt am Ort bekannten Unternehmern meistens leichter als neu hinzugezogenen Eltern.

Eventuell gibt es in der Nachbarschaft des Unternehmens auch geeignete Tagesmütter. Alternativ könnten auch eine oder zwei ausgebildete Kindergärtnerinnen eingestellt werden, die die Kinder betriebsintern (im Garten oder in der Werkstatt) betreuen.

Die Kinder mit in den Betrieb zu bringen ist meist nicht möglich, weil die jeweiligen Eltern stark abgelenkt wären und viele Unternehmen nicht "kindergeeignet" sind.

Diese Betreuungsarbeit würde für alle Kinder von Mitarbeitern "bei Bedarf" organisiert werden. Deshalb müsste eine solche Maßnahme nicht als "geldwerter Vorteil" von den Eltern versteuert werden. Es würde aber die betroffenen Familien erheblich entlasten und daher sehr motivierend wirken!

Der Unternehmer könnte Kindergärten in der Nähe ein Sponsoring anbieten, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Vielleicht ergibt sich umgekehrt die Möglichkeit, damit Aushilfskräfte zu bekommen oder auch bei den Eltern und Großeltern zu werben?

Solche Sponsoring-Aktionen werden wahrscheinlich eine deutliche Imagesteigerung zur Folge haben - nicht nur bei den unmittelbar betroffenen Kindergartenfamilien.

Kindergartenzuschuss

Eine weitere Möglichkeit ist der "steuerfreie Kindergartenzuschuss", der für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber gleichermaßen attraktiv ist. Denn beide Seiten sparen Steuern und Sozialabgaben. Mehr dazu im Beitrag: "Kitakostenzuschuss - wenn der Chef die Kitagebühren zahlt".

Förderung von Wiedereinsteigern nach der Elternzeit

Die meisten Mütter nehmen nach der Geburt ihrer Kinder Elternzeit in Anspruch und haben in dieser Zeit auch keinen beruflichen Kontakt mehr zu ihren früheren Arbeitgebern. Das gilt in wachsendem Maße auch für Väter, die ihre Sprösslinge nicht nur am Wochenende erleben möchten.

Dabei kann auch der Arbeitgeber helfen, der es den Vätern ermöglicht, an einem Nachmittag in der Woche früher nach Hause zu gehen, indem er zum Ausgleich an anderen Tagen länger arbeitet.

Die Elternzeit birgt für die Unternehmen die Gefahr, dass sie hochqualifizierte Fachkräfte auf Dauer verlieren. Deshalb bemühen sich viele Unternehmen, den Kontakt zu den Mitarbeitern in Elternzeit aufrecht zu erhalten.

Sie laden sie zu Betriebsfesten oder -ausflügen ein. Sie verschicken interne Betriebsinformationen an die Elternzeitler. Sie beraten die Betroffenen beim Wiedereinstieg und finanzieren entsprechende Fortbildungsmaßnahmen. Vor dem Wiedereintritt wird mit den Rückkehrerinnen ein ausführliches Gespräch geführt.

Die Elternzeitler dürfen im begrenzten Umfang weiter im Betrieb mitarbeiten. Dadurch entsteht ein Pool von qualifizierten Mitarbeitern, die im Notfall als Krankheits- oder Urlaubsvertretung einspringen könnten.

Andererseits verlieren die Mitarbeiterinnen den Kontakt zu ihrem Arbeitgeber und den Kolleginnen nicht.

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Über den Autor:

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Dr. phil. Joachim von Hein wurde 1953 in Hamburg-Wandsbek geboren und ist in St. Andreasberg im Oberharz aufgewachsen und zur Schule gegangen.

Nach dem Studium der Politischen Wissenschaften, Volkswi ...

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