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Wettbewerbsvorteil Familienfreundlichkeit

Wie familienbewusste Unternehmen Fachkräfte gewinnen und ihr Unternehmensimage aufpolieren können

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Stand: 28. Juli 2011

Weitere Aspekte

Unterstützung bei der Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen

Während sich die Familien auf die Geburt eines neuen Familienmitglieds durch die Zeit der Schwangerschaft vorbereiten können, bricht die Pflegebedürftigkeit eines Familienmitglieds möglicherweise plötzlich und unerwartet über die Mitarbeitenden herein. Das kann ein Unfall sein oder eine schwere Krankheit.

Die Notwendigkeit der Familienpflege überfordert viele Angehörige, die diese Arbeit in der Regel nie gelernt haben. Die Arbeitgeber oder auch erfahrene Mitarbeiter können in solchen Notfällen mit Rat und Tat zur Seite stehen, weil sie andererseits auch die wertvollen Mitarbeiter nicht verlieren wollen.

Welche Hilfestellungen wären möglich?

  • Sonderurlaub oder freie halbe Tage

  • Kontaktherstellung zu ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtungen

  • Finanzielle Hilfen, Notfall-Darlehen

  • Unterstützung bei der Anschaffung eines neuen PKW (Kombi statt Cabrio!)

  • Vermittlung von Pflegehilfsmitteln, Rollstühlen usw. aus dem Bekannten- oder Kundenkreis

  • Unterstützung bei Schriftverkehr und Antragstellungen

  • Haushaltshilfen oder Reinigungsdienste

  • Essen auf Rädern, Home-Friseur, Fußpflege, Handwerkervermittlung

Betriebliche Sozialberatung für die Mitarbeitenden

Vertiefte Sozialberatungen werden die wenigsten Betriebe selber leisten können, sondern sie verweisen auf staatliche, kirchliche oder gemeinnützige Einrichtungen. Die Mitarbeiter können durch diese Hinweise schneller geeignete Gesprächspartner finden.

In vielen Fällen kommen die Berater auch ins Haus. Sie führen Einzelberatungen durch, halten Vorträge oder veranstalten Seminare. Diese Dienste müssen nur teilweise vom Unternehmen bezahlt werden.

Mit welchen Themen beschäftigt sich die Sozialberatung?

  • Organigramm, Leitbild der Arbeit, Grundsätze, Qualität

  • Teamentwicklung, Coaching, Führung, Mitarbeiterentwicklung

  • Konflikte am Arbeitsplatz bis hin zu Mobbing, Beschwerdemanagement

  • Umgang mit dem Datenschutz, Aufbewahrungsfristen, Betriebsgeheimnisse

  • Umgang mit interkulturellen Konflikten, Migrationsproblematik

  • Fragen der Gesundheitsvorsorge, Ergonomie bis hin zur Ernährungsberatung

  • Hygiene und Sauberkeit, Ordnung am Arbeitsplatz

  • Psychosomatische Erkrankungen, Stress und Burnout

  • Psychische Erkrankungen, Depressionen, Neurosen

  • Alkohol oder Drogen am Arbeitsplatz

  • Betriebsärztlicher Dienst, Vorbeugung von Berufskrankheiten und Unfällen

  • Reaktion auf Unfälle, Notfallpläne, Schadensmeldungen, Dokumentation

  • Betriebssport, Fitness- und Hobbygruppen

  • Ehe- Familien- und Erziehungsprobleme

  • Pflegebedürftige Angehörige

  • Lebenskrisen, Todesfälle, Krankenbesuche usw.

  • Finanzielle Probleme, Schuldnerberatung

  • Hilfe bei behördlichen Anträgen

  • Vorbereitung auf den Ruhestand

Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der zeitlichen Arbeitsorganisation unter Berücksichtigung von Familienbelangen

  • Angebot eines Familienseminars zur Arbeitsorganisation und zum Zeitmanagement

  • Einrichtung eines digitalen Terminkalenders (mit oder ohne Handy?, eventuell mit Familien- oder Freizeitkalender mit oder ohne zentrale Terminübersicht)

  • Rücksichtnahme auf Ferienwünsche der Familienangehörigen in zeitlich Hinsicht

  • Längerfristige Urlaubsplanung mit Rücksicht auf Schulferien

  • Längerfristige Ansparmöglichkeit von Überstunden für längere "Auszeiten"

  • Ermöglichung von längeren Familienwochenenden

  • Besuchsmöglichkeit von Familienangehörigen am auswärtigen Einsatzort der Mitarbeiter

  • Gleitzeitsysteme mit familienfreundlichen Kernarbeitszeiten

  • Väter werden für Schwangerschaftsuntersuchungen und Geburtsvorbereitungen mit ihren Partnerinnen freigestellt

  • Flexible Arbeitszeitmodelle

  • Stunden- oder tageweise Mitarbeit

  • Partielle Verlängerung der Ladenöffnungszeiten mit Teilzeitkräften

  • Einrichtung von Heimarbeitsplätzen

Weitere Ideen

  • Gezielte Ansprache von kinderreichen Familien in der Personalwerbung

  • Kontaktaufnahme zu entsprechenden Beratungsstellen und sonstigen Multiplikatoren

  • Schaffung von familienfreundlichen Betriebsstrukturen (Imagewerbung)

  • Eltern-Kind-Zimmer, Still-Zimmer für Mütter, Ruheraum

  • Notfallbetreuung, Kurzzeitpflege, Ferienbetreuung, Reisegutscheine

  • Eine Glückwunschpostkarte der Unternehmen zur Geburt von Kindern im Ort (als Reaktion auf eine Geburtsanzeige in der Zeitung)

  • Unterstützung für die Eltern von Mitarbeiterkindern mit Behinderungen

  • Betrieblicher Reinigungsdienst auch für die Mitarbeiterfamilie

  • Ausleihmöglichkeiten von Gehstützen, Rollstühlen, Kinderwagen usw.

  • Betriebliche Kinderbetreuung (zum Beispiel externe Notfall-Betreuung)

  • Betreuungsplätze für Mitarbeiterkinder oder pflegebedürftige Angehörige

  • Steuerfreier Kindergarten- oder Pflegezuschuss des Unternehmens

  • Unterstützung bei der Wohnungs-, Kindergarten- oder Pflegeplatzsuche

  • Unterstützung (Sponsoring) für die Schulen der Mitarbeiterkinder oder der Pflegeeinrichtungen für ältere Familienangehörige

  • Fundraising und Sponsoreneinsatz für Vereine der Mitarbeiter

  • Haushaltshilfe/Tagesmütter für Kinder, Pflege- oder Au-Pair-Betreuung,

  • Bring- und Abholservice für Kinder, Taxiservice mit Elternbegleitung

  • Fundraising und Sponsoring für Schulen der Umgebung

  • Ausstellung von Bastelarbeiten der Mitarbeiterkinder

  • Preisausschreiben für Kinder

  • Wettbewerb im Internet: Wer bekommt die meisten Klicks

  • Formulierungs- und Ideenwettbewerbe

  • Senioren- oder Familienseiten auf der Firmenhomepage

  • Beteiligung am jährlichen "Girl's Day" als Schnuppertag für potentielle Auszubildende

  • Teilnahme an Frauenförderprogrammen/Unternehmerfrauen

Fazit

Eine familienfreundliche Atmosphäre zahlt sich aus! Zum einen haben auch kleine Unternehmen damit einen Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter - aber auch bei neuen Aufträgen.

Zum Zweiten reagieren die Mitarbeitenden sehr positiv darauf, wenn die Arbeitgeber auf ihre Familienbelange Rücksicht nehmen. Sie arbeiten motivierter und bringen mehr Verantwortung ein.

Es entsteht ein Geben und Nehmen, das allmählich den "Gegensatz" von Arbeitgeber und Arbeitnehmer überwindet. Das gemeinsame Ziel, Mitglied eines erfolgreichen Unternehmens zu sein, tritt in den Vordergrund.

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Über den Autor:

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Dr. phil. Joachim von Hein wurde 1953 in Hamburg-Wandsbek geboren und ist in St. Andreasberg im Oberharz aufgewachsen und zur Schule gegangen.

Nach dem Studium der Politischen Wissenschaften, Volkswi ...

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