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Wie steht es um Ihre Work-Life-Balance?

In zwei Schritten zur Bestandsaufnahme

Am liebsten wollen wir alles zugleich: Erfolg im Beruf, viele Freunde, einen tollen Körper, eine glückliche Familie. Die Realität sieht oft etwas anders aus. Der Begriff "Work-Life-Balance" steht für ein ausgewogenes Verhältnis von Karriere und anderen Kernbereichen des eigenen Lebens. Wenn wir in allen Bereichen das für uns Optimale erreichen möchten, müssen wir Zeit und Energie gezielt einsetzen. Wie steht es um Ihre Work-Life-Balance? Wir geben Tipps zur Bestandsaufnahme und zur Verbesserung.

Work-Life-Balance

"Work-Life-Balance" steht für ein ausgewogenes Verhältnis von Berufs- und Privatleben. Ziel ist, private Interessen und Familienleben mit den Anforderungen der Arbeitswelt in Einklang zu bringen. Das persönliche Engagement auf nur einen Bereich einzuschränken, heißt auch, die eigene Lebensqualität einzuschränken.

Beispiel:

Wie fühlt sich eine Person, die im Beruf tolle Erfolge verzeichnen kann, im Privatleben jedoch keine Freunde oder Hobbys hat? Sie wird alles tun, um so wenig private Zeit wie möglich zu haben. Die Arbeit steht an erster und einziger Stelle. Und wie reagiert eine Person, die nur fürs Private lebt? Der Beruf steht an letzter Stelle und häufig auch das Engagement dafür. Dies wiederum zieht mangelnde Anerkennung nach sich, was letztendlich dazu führt, täglich den Feierabend herbeizusehnen. In beiden Fällen grenzen die Personen einen Bereich Ihres Lebens aus. Kein Erfolg, kein Spaß, keine Freude. Sehr einseitig, finden Sie nicht auch?

Weder der Beruf noch das Privatleben sollte so hoch angesiedelt sein, dass es daneben nichts mehr gibt. Es geht nicht um ein "entweder ... oder", sondern um das Nebeneinander beider Bereiche. Damit kann das Hauptaugenmerk nach wie vor auf einem der beiden Lebensbereiche liegen.

Wie der Einzelne "ausgeglichenes Leben" definiert, ist individuell verschieden.

Sind Sie arbeitssüchtig?

Wenn Sie wissen möchten, wohin Ihre derzeitige Ausrichtung zielt, finden Sie hier einen Test zum Thema Arbeitssucht: Test "Arbeitssucht" (PDF-Datei).

Arbeitssucht kann sich schleichend entwickeln. Umso wichtiger ist es, bereits bei ersten Anzeichen auf die Ursachen zu schauen, um die eigene Ausrichtung wieder neu zu gestalten.

Vier Lebensbereiche

Die Einteilung in Beruf und Privat reicht nicht aus, um alles zu erfassen. Der private Teil wird deshalb in der Work-Life-Balance noch einmal untergliedert, und zwar in Kontakt, Körper, Sinn. Nehmen wir zu diesen dreien noch den Beruf dazu, haben wir vier Lebensbereiche, mit deren Hilfe Sie Ihre persönliche Work-Life-Balance ermitteln können. Jeder Einzelne trägt zu einem ausgeglichenen, erfolgreichen Leben bei.

Bild vergrößernWork-Life-Balance

Unter Sinn, genauer gesagt Lebens-Sinn, versteht man die Vision, die jeder Einzelne von seinem idealen Leben hat. Hier stehen unsere Werte, Wünsche und Anforderungen, die wir haben. Hier entscheiden wir, was für uns wirklich wichtig ist.

Im Bereich Leistung, Arbeit geht es um unsere beruflichen Erwartungen. Unter diesem Aspekt verfolgen wir unsere berufliche Verwirklichung und unseren beruflichen Erfolg. Unterschiedliche Einstellungen zum Thema Beruf haben auch eine unterschiedliche Wertigkeit dieses Bereichs zur Folge.

Inhalt des Bereichs Kontakt sind unsere sozialen Beziehungen, Freunde, Familie, Partner. Soziale Kontakte benötigen Zeit und sind gekennzeichnet durch ein ständiges Geben und Nehmen. Unser Leben wird durch vielfältige Beziehungen bereichert. Durch Kontakte lernen wir uns auch selbst besser kennen.

Der vierte Bereich, Körper, beinhaltet alles, was mit Gesundheit, Erholung und Fitness zu tun hat. Bereits vor Jahrhunderten wurde der Spruch 'Mens sana in corpore sana' geprägt. Ein gesunder Geist steckt in einem gesunden Körper.

Alle vier Bereiche gehören zu unserem Leben. Die Anteile sind allerdings nicht je 25 %, sprich gleich groß. Vielmehr geht es um die Ausgewogenheit des Verhältnisses der einzelnen Bereiche zueinander.

Lebensbalance-Analyse

Das für Sie Optimale ist wichtig, nicht das für andere! Sie werden schnell merken, dass die Ansprüche für die einzelnen Bereiche nicht gleich hoch sind. Auch der Zeitaufwand ist unterschiedlich intensiv.

Deshalb ist es notwendig, sich anzusehen, wie Sie Ihre Zeit aktuell nutzen. Im nächste Schritt geht es darum, zu erfassen, wie Sie sich dies zukünftig vorstellen.

Zeit gewinnen, Lebensqualität erhöhen

Wo vertun Sie Zeit? Wo ist der Aufwand zu hoch und für Sie bleibt nichts mehr? Was kann hier geändert werden? - Downloaden Sie hierzu das Arbeitsblatt Zeitbalance (PDF-Datei).

Analyse: Nehmen Sie sich bitte ausreichend Zeit und gehen Sie die einzelnen Fragen für sich durch. Um die eigene Zeiteinteilung analysieren zu können, benötigen wir nur die Wachzeit. (Die Formel ergibt sich aus der Rechnung "24 Stunden abzüglich XY Stunden Schlaf". Rechnen Sie diese Zeit auf eine normale Woche hoch. Damit erhalten Sie die durchschnittliche Schlafzeit/Woche.)

Überlegen Sie nun, wie sich die Wachzeit in Ihrem Leben verteilt:

  • Lebensbereich Arbeit

    Für die meisten Menschen der höchste Zeitanteil. Rechnen Sie zu Ihrer wöchentlichen regulären Arbeitszeit An- und Abreise sowie Pausen hinzu. Nehmen Sie Arbeit mit nach Hause, addieren Sie diese Zeit zu Ihrem Wochenergebnis.

    Meine Arbeitszeit: ..... Stunden/ Woche

  • Lebensbereich Körper/Gesundheit

    Was tun Sie tatsächlich für Ihre Gesundheit? Sport, regelmäßige Spaziergänge, Fahrradfahren, Gymnastik etc. Schreiben Sie alles auf und addieren Sie die Stunden.

    Gesamtzeit: ..... Stunden / Woche

  • Lebensbereich Kontakte

    Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihren Freunden, Ihrer Familie, Ihrem Partner? Notieren Sie Kontaktpartner, Grund und Zeit, die Sie gemeinsam verbringen. Addieren Sie auch diese Stunden.

    Gesamtzeit für Kontakte: ..... Stunden / Woche

  • Lebensbereich Sinn

    Dieser Bereich betrifft ausschließlich Sie persönlich. Einfach zu greifen ist dieser sicherlich nicht. Es ist eher selten, dass man sich bewusst Zeit für die Planung der eigenen Selbstverwirklichung nimmt. Trotzdem ist dies der wichtigste Punkt. Von diesem hängt Ihr persönliches Leben ab.

    Meine Vision/Mein Lebenskonzept: ........................ Stunden/Woche

Erfassen Sie jetzt Ihre Stunden in der nachfolgenden Tabelle und übertragen Sie diese in das Koordinatensystem.

Bereich

Zeitkontingent

in Prozent

Arbeit

Gesundheit

Kontakte

Lebens-Sinn

Bild vergrößernKoordinaten

Sie kennen nun den Ist-Zustand. Im nächsten Schritt überlegen Sie, wie Sie sich Ihre optimale Einteilung vorstellen. Notieren Sie, in welchen Segmenten ein übermäßig hoher Zeitaufwand steckt und in welchen Segmenten Sie etwas unternehmen möchten.

Dazu halten Sie fest, was genau Sie ändern wollen; wie die Veränderung aussehen soll; wer davon profitiert; wo Sie auf eigene und fremde Widerstände stoßen könnten, wenn Sie etwas ändern; welche Lösungsansätze es hierfür geben kann; welche Ideen haben Sie für Veränderungen?

Zusammenfassung

Das Zusammenspiel unserer vier Lebensbereiche ist ein wichtiger Faktor, um Erfolg und Erfüllung zu erhalten. Auch wenn sich Schwerpunkte immer wieder verlagern, so ist doch darauf zu achten, dass jeder zu seinem Recht kommt und so bald möglich wieder an die richtige Stelle gerückt wird. Arbeiten rund um die Uhr wird nicht länger als Garant für Erfolg gewertet. Denn was nützt es, wenn man mit 50 ausgebrannt ist und seine Erfolge nicht mehr genießen kann? Notwendigen Rückhalt finden Sie in der Familie und bei Ihren Freunden. Vernachlässigen Sie diese Unterstützung auf keinen Fall.

Und wenn wieder einmal ein Bereich aus dem Ruder zu geraten droht, denken Sie daran: Jeder Bereich nimmt sich soviel Zeit, wie Sie ihm lassen!

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Das Konzept bleibt, wie das meiste auf diesem Sektor, viel zu kopfig und funktioniert deshalb nicht. Das gibt auch Lothar Seiwert, der Papst des Zeitmanagements, längst zu. Das Verhältnis zwischen unseren verschiedenen Lebensbereichen bildet unsere Lebensumstände und unsere Persönlichkeit ab; beides ist bekanntlich ziemlich schwierig zu verändern. All den Selbständigen z.B., die unter permanenter Selbstausbeutung ums finanzielle Überleben kämpfen, nützt die rechnerische Betrachtung der harten Realität nix, oder denen, die einen alten Menschen pflegen. Auch Kinder nehmen auf diese Art von Balancen wenig Rücksicht.
Wer also ein Stück mehr Freiheit und Selbstgestaltung haben will, muß die Wunschliste durch eine intensive Auseinandersetzung mit sich und seinen Realitäten ersetzen.

Erwin Heller
www.zeitverein.com

Mir ist leider nicht klar, wie ich "Zeit gewinnen" kann? Gibt es dafür eine Lotterie oder ein Gewinnspiel, bei dem ich mitmachen kann? Wohl eher nicht! Ich denke, es ist gar nicht möglich Zeit zu gewinnen. Ich kann jedoch anderere Prämissen setzen und dadurch meine Zeit (die definitiv begrenzt ist!) anders aufteilen. D och Zeit gewinnen, geht gar nicht.
Wie verhält es sich überhaupt mit der "Work-Life-Banance"? Habe ich zwei Leben? Eines, das nenne ich "Work" und ein zweites, das nenne ich "Life"? Natürlich nicht! Es gibt immer nur ein Leben; und darin nimmt - zumindest bei den meisten Menschen - die Arbeit einen großen Teil der Zeit ein. Weshalb eine Trennung zwischen Arbeit und Leben überhaupt einen Sinn machen soll, weiß ich nicht. Ich sehe keinen! Wenn mir meine Arbeit nicht gefällt, sie mir nichts gibt und ich morgens schon darauf warte, das endlich der "Arbeitstag" vorbei ist, sollte ich mich schleunigst nach etwas anderem umsehen. Eine Arbeit, die mich ausfüllt, die ich zusammen mit lieben Menschen ausführe, die für mich einen Sinn hat, ist ein guter Bestandteil meines Lebens. Da ist eine Trennung zwischen Arbeit und Leben überflüssig. Übrigens: Noch vor nicht allzulanger Zeit hatten die Menschen - z.B. die Bauern - einen Arbeitstag von 14 - 16 Stunden. Der Schwatz mit dem Nachbarn gehörte ebenso zur "Arbeitszeit", wie das Flügen der Felder. Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit kam mit der Industrialisierung. Wenn wir schon unbedingt etwas trennen wollen, dann sollten wir eine Linie Ziehen zwischen Arbeit und Freizeit. Aber eine Trennung von Arbeit und Leben ist weder sinnvoll noch zielführend. Finde ich zumindest.

Glücklichsein läßt sich nicht als Prozentrechnung abbilden. Das ist ein sehr statistischer Blick. Wichtiger wären konkrete Tipps, wie sich entsprechende Zeitkontigente bilden lassen. Das ist in dem Artikel leider überhaupt nicht berücksichtigt.

hallo,

an die beiden Fragesteller vom 11.07.: Der Beitrag wurde neu überarbeitet. Dass Sie die Bilder nicht sehen konnten, tut uns leid, aber das ist kein Fehler der Seite - die Bilder sind vorhanden. Unter
http://www.akademie.de/img/assets/1010/47157_koordinaten.gif
und
http://www.akademie.de/img/assets/1010/47156_wlb.gif
können Sie sich auch einzeln aufrufen.
freundliche Grüße
Ihre akademie.de-Redaktion

gab es diesen Beitrag nicht schon am 08.02.2007?

Sehr interessanter Artikel, wenn man ihn sich jedoch wirklich genau einverleiben will, fällt auf, dass die größeren Originaldateien zur Illustration nicht hochgeladen / nicht einsehbar sind. Ein Lob also an alle vorherigen KommentatorInnen zur gestochenen Blickschärfe für Thumbnails.

sehr schön ausgearbeitet und sehr hilfreich. Vielen Dank

Da ich gerade selbst eine gesundheitsbedingte "Selbstfindungsphase" durchmache, finde ich den obigen Text gut und hilfreich.

Sehr gute und hilfreiche Seite! Super!

Diese Seite müssten alle Arbeitgeber/Personalchefs/Führungsebene der "Raubtier Generation " zwischen 29 und 49
lesen ! Die sind alle geradzu unmenschlich !

super seite!

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Über die Autorin:

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Ursula Vormwald, Betriebswirtin (VwA) und Change Managerin, ist Inhaberin von time for business. Sie berät Einzelunternehmer und KMU im Bereich Wissenstransfer. Ihr Angebot umfasst Seminare, Workshop ...

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