Spezielle Perspektiven für Innenräume

Innenräume "von oben" herab sichtbar machen

Von: Lorenz Hölscher
Stand: 3. März 2010
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Über den Autor: Lorenz Hölscher

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Lorenz Hölscher ist freiberuflicher Dozent, Berater und Programmierer mit Schwerpunkt Anwendungs-Programmierung. Vorrangig widmet er sich Access, Word und Excel sowie begleitenden grafischen Arbeiten. Er legt viel Wert auf benutzerfreundliche Oberflächen und ordentliches Design in Optik und Programmierung. Zu Hilfe kommen ihm da seine langjährigen "branchenfremden" Erfahrungen als Architekt, Layouter und Designer.

Lorenz Hölscher bietet eigene Hilfeseiten an und hat bei Microsoft Press mehrere Bücher veröffentlicht zu Access 2007, Access 2007 VBA, Word 2007 VBA und Access 2010.

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Im Beitrag "Fluchtpunkt-Perspektiven einfach und richtig konstruieren" haben Sie gesehen, wie einfach 2-Punkt-Perspektiven mit zwei bis drei wiederholten Schritten realistisch konstruiert werden können. Für die Darstellung von Innenräumen eignet sich das Verfahren jedoch nicht. Lorenz Hölscher zeigt Ihnen hier, wie Sie diese perspektivisch richtig und ebenso einfach von oben zeichnen.

Blick von oben

Die einzige Möglichkeit, einen Innenraum wirklich komplett zu sehen, besteht darin, wie bei einer Puppenstube die Decke zu entfernen und von oben hineinzublicken.

Das ist im Grunde eine ganz normale Zentralperspektive mit einem einzigen Fluchtpunkt irgendwo in der Mitte des Raums. Dadurch wird die Konstruktion erfreulich einfach:

  • Der Grundriss bleibt maßstabsgerecht und rechtwinklig.

  • Nur die Höhen müssen ermittelt werden.

Konstruktion der Höhen

Nehmen wir einen beliebigen Raum, wie im nächsten Beispiel mit zwei Fenstern, einer Tür und einer typischen Mauerecke.

Bild vergrößernDer Beispielraum als Grundriss.

Transparente

Es ist natürlich bequemer, wenn Sie transparentes Skizzenpapier benutzen. Diese Konstruktion hat aber so wenige Hilfslinien, dass alles auch auf dem gleichen Papier gezeichnet werden kann.

Suchen Sie sich irgendwo in diesem Grundriss einfach einen Punkt aus, den Sie zum Fluchtpunkt erklären. Alle lotrechten Kanten führen dorthin, vor allem natürlich die Zimmerecken:

Vom Fluchtpunkt gehen alle lotrechten Linien aus.

Je nach Höhe des Betrachtungspunktes enden diese "Senkrechten" früher oder später. Blickt das fiktive Auge knapp oberhalb der Zimmerdecke hinein, sieht es sehr viel von der Wand. Ist der Blickpunkt viel höher, verkürzen sich die Wände deutlich.

Berechnung der Höhen

Natürlich lassen sich die Höhen in der perspektivischen Innenansicht auch exakt ermitteln. Dazu blenden Sie im oder neben dem Grundriss einen Schnitt ein. Von der Seite sieht der Blick in den Raum so aus:

Im Schnitt legen Sie die Höhe des Blickpunktes fest.

Alle Höhen werden durch einen Lichtstrahl vom Blickpunkt durch die Höhe an der Wand auf die Grundfläche außerhalb des Raumes projiziert. Sie werfen sozusagen Schatten, so als ob Ihr Auge eine Lichtquelle wäre.

Die Entfernung zwischen Blickpunkt und Fluchtpunkt (immer im gleichen Maßstab wie der Grundriss!) gibt also die Höhe an, aus der Sie den Raum betrachten.

Raumhöhe

Ein typischer Wohnraum ist zwischen 2,30 m (sozialer Wohnungsbau) und über 4 m (Altbau aus der Gründerzeit) hoch, der jeweilige Blickpunkt sollte dann wenigstens die doppelte Höhe haben, damit alles gut zu erkennen ist.

Nimmt man eine Raumhöhe von 3 m und eine Blickhöhe von 8,50 m an, dann ergibt sich diese Konstruktion:

Bild vergrößernAnsicht und Schnitt liegen nebeneinander.

Vom Augenpunkt im Schnitt (oben) führt die blaue Konstruktionslinie zur Oberkante der Wand und weiter bis zur Grundlinie. Der Schnittpunkt dort (grüner Kreis) wird in den Grundriss nach unten übertragen (rote Linie) und bildet dort die gesuchte Linie.

Wenn die Wände jetzt ein wenig eingefärbt werden, ist das Zimmer schon gut zu erkennen:

Bild vergrößernGrundfläche und Wände sind fertig.

Da der Raum in jeder Ebene nur skaliert wird, aber seine Proportionen oder Winkel nie ändert, lassen sich alle waagerechten Linien immer parallel verschieben. So können Sie die Tür (2 m Höhe) und die Fenster (vereinfacht: 1 m Brüstung und 2 m Sturz) bequem hinzufügen.

Bild vergrößernDie Tür ist auch fertig.

Die senkrechten Kanten der Tür sind einfach, weil Sie diese mit (blauen) Linien einfach vom Fluchtpunkt durch den Grundriss der Tür ziehen.

Die Höhe ist schon ein wenig kniffliger, weil Sie die hier "um die Ecke" ermitteln müssen. Aus dem Schnitt (vom mittleren grünen Kreis aus) führt der (rote) Pfeil nämlich nur zur perspektivischen Höhe der kurzen Seitenwand. Von dort aus müssen Sie waagerecht und senkrecht einfach jeweils zur nächsten Ecke zeichnen, bis Sie die lange Seitenwand erreicht haben.

Blick in den Nachbarraum

Eigentlich müsste die (dunkel gemalte) Innenöffnung der Tür einen Blick in den Flur oder Nachbarraum ermöglichen, was hier zu aufwändig wird. Aber wenigstens die Dicke der Wand sollte in der Türlaibung erkennbar sein.

Bei den Fenstern wird es wieder etwas einfacher gemacht, nämlich ohne die Laibung zu konstruieren. Wenn Sie das später per Hand auf einem Transparent durchzeichnen, lässt sich das schneller malen als hier konstruieren.

Bild vergrößernJetzt sind die Fenster ergänzt.

Das funktioniert selbstverständlich auch für mehrere Räume aneinander, also komplette Wohnungen, wie das nächste (mit der Hand auf einer Bleistiftkonstruktion gezeichnete) Beispiel zeigt:

Bild vergrößernEine komplette Wohnung aus der Vogelperspektive.

Achten Sie dabei vor allem darauf, dass die gesamte Zeichnung natürlich nur einen einzigen Fluchtpunkt besitzen darf.

Fazit

Innenräume lassen sich nicht mit den herkömmlichen Perspektiven darstellen. Ein spezieller Blick senkrecht von oben löst das Problem, alle Seiten gleichzeitig sehen zu wollen. Mit wenigen Konstruktionslinien können Sie sich schnell einen Eindruck vom zukünftigen Raum machen.

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