Zugängliche Web-Inhalte: Barrierearme Redaktionsarbeit mit Content-Management-Systemen

Worauf Sie bei der redaktionellen Arbeit achten können, um Texte und Bilder zugänglich zu gestalten

Gute, zugängliche Web-Texte

Dieser Leitfaden hilft Ihnen dabei, die Alltagsarbeit der Online-Redaktion und das Management des Online-Contents barrierearm und zugänglich zu gestalten. Denn beim Thema Barrierefreiheit sind eben nicht nur Web-Entwickler und Seitengestalter gefordert, sondern auch Web-Texter und Online-Redakteure.

Zugänglichkeit ist auch eine Redaktionsaufgabe!

Wenn Ihre Website zugänglich und barrierearm sein soll, müssen Sie nicht nur auf die technische Zugänglichkeit von Internetseiten achten. Auch die eigentlichen Inhalte, die Texte und Informationen, müssen kurz, verständlich und ansprechend sein - und zwar für alle Besucher, also zum Beispiel auch für die mit Sehbehinderungen oder anderen Einschränkungen oder Besonderheiten.

Um die Zugänglichkeit von Inhalten zu sichern, sollten Sie besonders darauf achten, dass ...

  1. für jeden Audio- oder visuellen Inhalt ein geeigneter äquivalenter Inhalte angeboten wird (Alternativtexte und Zusammenfassungen für Diagramme und Tabellen).

  2. Texte und Grafiken auch dann verständlich sind, wenn sie ohne Farbe betrachtet werden. Vermitteln Sie Informationen nicht allein über Farben. Sorgen Sie für ausreichende Kontraste der Texte und Bilder. Drucken Sie die zu überprüfenden Textdokumente Schwarz-Weiß aus.

  3. sprachliche Besonderheiten erkennbar sind, etwa Wechsel der Sprache oder Abkürzungen (Akronyme).

  4. die Navigation eindeutig ist (Inhaltsverzeichnis, Metadaten).

Web-Texte: Generelle Regeln

Aus Studien (vgl. die "Eyetrack"-Studien im Quellenteil am Ende) ist bekannt, dass Texte am Bildschirm nicht so intensiv gelesen werden wie Texte auf Papier. Besucher einer Webseite scannen die Inhalte, d. h. sie überfliegen den Text und suchen nach "Schlüsselwörtern".

Um Webseiten-Lesern in kurzer Zeit die dargebotenen Informationen zugänglich zu machen, sollten deshalb ganz generell drei wichtige Grundregeln beachtet werden:

  1. einfache, klare Sprache verwenden

  2. kurze Texte, viele Abschnitte - klare Gliederung mit vielen Überschriften

  3. Wichtiges hervorheben

Der Küchenzuruf

Wenn Sie etwas kurz und klar formulieren wollen, denken Sie dabei an folgende Situation:

Sie kommen von der Arbeit nach Hause und rufen Ihrer Frau/Ihrem Mann in der Küche zu: "Du Schatz, stell dir vor, was heute passiert ist: ..."

Checkliste für gute Web-Texte

Ganz allgemein:

  • Verzicht auf Stolpersteine, wie Klammern, Abkürzungen, ungewohnte Schriftbilder

  • Steigerung der Lesegeschwindigkeit durch Kürze, Voranstellen wichtiger Fakten, verständliche Sprache und Unterteilung des Textes in kleine Portionen

  • Berücksichtigung des Vorwissens und Anknüpfen an Bekanntes

  • Bildhafte Sprache durch Metaphern, Bilder und Beispiele

  • Wo man im Printbereich ein Komma setzt, sollte bei Online-Texten ein Punkt gesetzt werden.

  • Kurze Sätze, keine verschachtelten Sätze

  • Wenig Fremdwörter

  • Anglizismen sind eher geeignet (Beispiel: "Hyperlink" ist besser als "Verknüpfung")

  • Viele Absätze mit Überschriften

  • Viel Weißraum

  • Wichtige Aussagen fett oder farblich hervorheben

  • Texte sollten max. zwei Bildschirmseiten lang sein; in thematische Blöcke aufteilen

  • Links sollten am Ende und nicht mitten im Text stehen (Ausnahme: Worterklärungen)

  • Redundante Links vermeiden (wie z. B. "mehr", "weiter") und unklare Ziele ("klicken Sie hier")

  • Standardschriftarten verwenden (Arial, Helvetica, Verdana bzw. Schriftfamilie: sans-serif)

  • Archiv anbieten

  • Druckversion bei lange Texten anbieten

  • Aufforderung zur Meinungsäußerung

  • Kontakt / Ansprechpartner nennen

  • Individuelle 404 (Fehler-) Seite mit Kontakt und Link zur Startseite erstellen

  • Korrekte Rechtschreibung schafft Vertrauen!

Übersichtlichkeit:

  • Hervorhebungen machen Text scan-fähig.

  • Jede Seite muss für sich alleine stehen können.

  • Die Navigation muss immer klar sein. Zu jeder Zeit muss erkennbar sein, wo man sich im Angebot befindet.

Struktur:

  • Aufzählungen

  • zeitliche Abfolge

  • Hierarchie

  • Argumente (Pro und Contra)

Lesbarkeit:

  • Zentrale Begriffe fetten oder farblich hervorheben

  • Kursiv, GROSSBUCHSTABEN oder S P E R R U N G E N vermeiden

  • Unterstreichungen Links vorbehalten

Mehrwert bieten!

Um Leser für Inhalte zu interessieren, müssen die auf Webseiten angebotenen Informationen einen Mehrwert bieten. Dies können z. B. Tutorials, How-To-Anleitungen, Hintergrundinformationen oder Zusammenfassungen von Studien sein. Die Qualität der Inhalte lockt langfristig die meisten Leser auf die Website, da auf vielen Internetseiten mittels des Facebook-"Like"- oder Twitter-Buttons die für interessant befundenen Informationen einfach per Klick über das eigene Netzwerk verbreitet werden können.

In diesem Zusammenhang ist natürlich die Zielgruppe entscheidend. Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Was könnte meine Zielgruppe interessant und nützlich finden?

  • Welche Sprache spricht oder erwartet die Zielgruppe (eher förmlich oder lässig)?

  • Was sucht die Zielgruppe auf meinen Webseiten (Informationen, Unterhaltung ...)?

  • Im Hinblick auf die Zugänglichkeit: Welche Fachbegriffe sind bekannt; welche müssen erläutert werden? Wie einfach muss die Sprache sein, um von der Zielgruppe verstanden zu werden?

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