2010: Was gibt's Neues für Selbstständige?

Umsatzsteuer

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Umsatzsteuer

Umsatzsteuer I: Weniger Mehrwertsteuer - höherer Reisekosten-Privatanteil!?

Für reine Beherbergungsleistungen gilt ab Januar 2010 der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 Prozent. Sofern Sie geschäftlich unterwegs und zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, ist die Änderung für Sie grundsätzlich kostenneutral. Als Kleinunternehmer sollten Sie jedoch darauf achten, dass der Steuervorteil auch an Sie weitergereicht wird. Beispiel: Eine Übernachtung, die zuvor (brutto) 150 Euro gekostet hat, müsste künftig rund 15 Euro günstiger sein (150 Euro dividiert durch 1,19 multipliziert mit 1,07 = 134,87 Euro).

Doch auch für umsatzsteuerpflichtige Unternehmen hat die Neuregelung unter Umständen überraschend nachteilige Folgen. Hintergrund: Die meisten anderen Leistungen von Hotel- und Pensionsrechnungen - insbesondere der Bewirtungsanteil - unterliegen weiterhin dem vollen Umsatzsteuersatz. Auf finanzamtskonformen Rechnungen wird der Frühstücksanteil in Zukunft also wohl separat und betragsmäßig ausgewiesen sein. Sofern Sie den genauen Wert des Frühstücks kennen, müssen Sie die Gesamtrechnung um diesen Betrag mindern.

Die Folge: Liegt der Frühstücksanteil höher als die bislang vielfach genutzte 4,80-Euro-Pauschale (= 20 Prozent der Verpflegungspauschale bei 24-stündiger Abwesenheit = 24 Euro), führt die geringere Mehrwertsteuerbelastung unterm Strich also zu einem höheren Privatanteil an den Reisekosten!

Wie die Mehrwertsteuer-Differenzierung im Hotelgewerbe im Einzelnen zu handhaben ist, werden die Finanzbehörden im Laufe der nächsten Wochen oder Monate voraussichtlich in Form eines BMF-Schreibens mitteilen.

Umsatzsteuer II: Umkehr der Steuerschuld ("Reverse Charge")

Mit dem sogenannten "VAT-Package" bringt das neue Jahr vor allem bei grenzüberschreitenden Geschäften mit Unternehmern in anderen EU-Ländern einschneidende Änderungen. So sorgt das EU-Mehrwertsteuerpaket dafür, dass es in vielen Fällen zu einer Umkehrung der Steuerschuld bei der Umsatzsteuer kommen wird:

  • Bei Dienstleistungen für andere Unternehmen im EU-Raum gilt künftig grundsätzlich der Sitz des Leistungsempfängers als Leistungsort (Empfängerland-Prinzip). Vorausgesetzt, beide Unternehmen verfügen über eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, darf der Leistungserbringer eine umsatzsteuerfreie Netto-Rechnung stellen. Die Steuerschuld geht in dem Fall auf den Leistungsempfänger über ("Reverse-Charge-Verfahren"). Der Rechnungsempfänger muss den Umsatz bei der nächsten Umsatzsteuervoranmeldung angeben - kann die Ausgabe im Gegenzug aber meistens gleich wieder als Vorsteuer geltend machen.
    Bitte beachten Sie: Für nicht vorsteuerabzugsberechtigte Kleinunternehmer besteht diese Möglichkeit nicht. Für diesen Personenkreis stellt die Umsatzsteuer aufgrund der Reverse-Charge-Regelung - analog zur inländischen Vorsteuer - einen echten Kostenanteil dar.

  • Bei Dienstleistungen für Privatleute im EU-Raum bleibt der Sitz des Leistungserbringers Leistungsort. Bis auf einige Ausnahmen ändert sich bei Geschäften mit Verbrauchern im Ausland also nichts.

Praxistipp: Mit den Details der Umsatzsteuer-Vorschriften bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen beschäftigt sich Steuerberater Martin Winkler in seinem ebenso erhellenden wie unterhaltsamen Grundlagenkurs zum "VAT-Package".

Umsatzsteuer III: Zusammenfassende Meldung

Erschwert werden die Neuerungen bei der Umsatzsteuer durch die neu ins Umsatzsteuergesetz aufgenommene Pflicht, regelmäßig "Zusammenfassende Meldungen" über Auslands-Dienstleistungen an das Bundeszentralamt für Steuern abgeben zu müssen. Dienstleister sind künftig verpflichtet, der Behörde bis zum 25. Tag nach Ablauf des vierteljährlichen Meldezeitraums folgende Informationen zu übermitteln:

  • Name, Firma sowie eigene Umsatzsteuer-Identifikationsnummer,

  • Rechnungsbeträge der Auslandsumsätze sowie

  • die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer der jeweiligen Kunden.

Wer sich eine Dauerfristverlängerung für Umsatzsteuervoranmeldungen hat bewilligen lassen, darf sie auch bei den Zusammenfassenden Meldungen in Anspruch nehmen.

Zusammenfassende Meldungen waren bislang bereits bei Warenlieferungen und sogenannten innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäften vorgeschrieben. Für Exporteure ändert sich daher im neuen Jahr weniger - allerdings müssen grenzüberschreitende innergemeinschaftliche Lieferungen ab Juli 2010 voraussichtlich monatlich gemeldet werden. Festgelegt ist das im "Gesetz zur Umsetzung steuerrechtlicher EU-Vorgaben sowie weiterer steuerrechtlicher Regelungen", das bislang aber erst vom Bundeskabinett beschossen ist.

Bitte beachten Sie: Zusammenfassende Meldungen sind grundsätzlich auf elektronischem Weg abzugeben. Voraussetzung für die Nutzung des Online-Meldeformulars im Formular-Management-System des Bundes ist eine Teilnehmernummer, die der betrieblichen Umsatzsteuer-Identifikationsnummer zugeordnet ist. Den Antrag auf Vergabe der Teilnehmernummer können Sie beim Formularserver der Bundesfinanzverwaltung online ausfüllen. Den ausgedruckten und unterschriebenen Vordruck schicken Sie per Post ans Bundeszentralamt für Steuern.

Sie sollten sich rechtzeitig um Ihre Teilnehmernummer kümmern: Erst wenn Ihnen die vorliegt, können Sie Ihre erste Zusammenfassende Meldung abgeben.