Neuerungen zur Krankenversicherung - Was Versicherte 2012 erwartet

Gesetzlich oder doch besser Privat?

∅ 3.7 / 3 Bewertungen

Gesetzlich oder doch besser Privat?

Gesetzlich oder Privat? Wann ist ein Wechsel sinnvoll?

Aufgrund der höheren Beitragsbemessungsgrenze in der GKV im Jahre 2012 kann der Wechsel zu einem privaten Anbieter insbesondere für gutverdienende Angestellte sowie Selbständige und Freiberufler eine gute Alternative darstellen. Vor allem junge und gesunde Versicherte können durch einen Wechsel in die PKV Beiträge sparen.

Ein Wechsel innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung kann sich lohnen, wenn ein Versicherter von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch macht und von einer Krankenkasse mit Zusatzbeitrag in eine Kasse ohne Extrabeitrag oder gar mit Prämien wechselt. Zudem können die Zusatzleistungen, Wahltarife oder Bonusprogramme einer neuen Krankenkasse besser auf die individuellen Wünsche des Versicherten zugeschnitten sein.

Trotz der Beitragserhöhungen in der PKV 2012 ist ein Wechsel des PKV-Tarifs nicht immer ratsam. Vor allem dann nicht, wenn angesparte Altersrückstellungen nicht bzw. nicht vollständig mitgenommen werden können. Zudem muss bei einem neuen Anbieter stets eine neue Gesundheitsprüfung absolviert werden. Wechselinteressierte sollten daher stets abwägen, inwieweit ein günstigerer Tarif die verlorengegangenen Altersrückstellungen aus dem Alttarif ausgleichen kann.

Eine Alternative im Falle von Beitragserhöhungen ist der Wechsel in einen günstigeren Tarif beim bisherigen Versicherer. Problem ist: Viele Unternehmen sträuben sich, Bestandskunden einen günstigeren Tarif anzubieten, weil dies für die Gesellschaft mit höheren Kosten verbunden ist. Doch laut Versicherungsvertragsgesetz ist so ein Wechsel gestattet, ohne dass Altersrückstellungen verloren gehen und ohne erneute Gesundheitsprüfung. Unterstützung bietet der Bund der Versicherten (BdV).

Folgende Punkte sollten Versicherte vor einem Wechsel beachten:

  • Vergleich der Tarife und Anbieter: Dieser sollte langfristig und systematisch erfolgen

  • jeweilige Lebenslage als Indikator: Berücksichtigung von Alter, Einkommen, Gesundheitszustand, Bedürfnissen, Familienplanung etc.

  • Kündigungsfristen und Einkommensgrenzen beachten: Sonderkündigungsrecht bei Zusatzbeiträgen oder PKV-Beitragsanpassungen, längere Kündigungsfrist bei Wahltarifen; höhere Einkommensgrenzen in 2012

  • Mitnahme von Altersrückstellungen in der PKV: Mitnahme ist möglich, sofern die Versicherung nach dem 1. Januar 2009 abgeschlossen worden ist

Debatte um Finanzierung der Krankenversicherung geht weiter

Auch 2012 wird die politische Debatte um eine langfristige Lösung der Finanzierungsprobleme in der gesetzlichen Krankenversicherung fortgesetzt werden. Dabei geht es um die Frage, ob das bestehende duale System zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung um eine Bürgerversicherung (SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, DGB) oder eine einkommensunabhängige Kopfpauschale (FDP, CDU/CSU) ersetzt wird.

Einige PKV-Anbieter, wie beispielsweise die Central Krankenversicherung, haben bereits angekündigt, sich auf tiefgreifende Änderungen vorzubereiten. Setzt sich beispielsweise die Bürgerversicherung durch, müssten auch Selbständige und Beamte in die GKV einzahlen. Die private Krankenversicherung würde langfristig nur noch im Bereich der Krankenzusatzversicherung tätig sein.

Unisex-Tarife - Neue Beitragskalkulation in der PKV ab Dezember 2012

Durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom 1. März 2011 müssen auch private Krankenversicherer in allen Versicherungsverträgen ab dem 21. Dezember 2012 sogenannte Unisex-Tarife anbieten. Konkret bedeutet dies, dass das Geschlecht eines Versicherungsnehmers nicht mehr als Risikofaktor bei der Beitragskalkulation verwendet werden darf. Traditionell waren die Tarife für Frauen aufgrund ihres gesteigerten Risikos (höhere Lebenserwartung, größerer Bedarf an medizinischen Leistungen) bedeutend teurer.

Inwieweit die neuen Unisex-Tarife Auswirkungen auf die Höhe der Prämien in den jeweiligen Tarifen haben werden, ist umstritten. Die Umsetzung des Urteils stellt die private Versicherungswirtschaft allerdings vor gravierende Hürden. Denn: Die Richter in Luxemburg ließen offen, ob die Änderungen auch für den Bestand gelten, demnach also auch auf Altverträge übertragen werden müssen. Ist dies der Fall, rechnen Experten mit Beitragserhöhungen für einzelne Altersgruppen. Insbesondere für junge Männer und ältere Frauen könnten die Kosten erheblich steigen.