Arbeitslos, was nun?

Selbstständig machen?

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Selbstständig machen?

Erhalte ich Arbeitslosengeld auch nach einer Selbständigkeit?

Unter Umständen haben Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn Sie Ihre Selbstständigkeit aufgeben: Falls Sie nur kurz selbstständig waren und innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens zwölf Monate (360 Tage) versicherungspflichtig beschäftigt waren, erfüllen Sie die Anwartschaftszeit. Und wenn Sie vor dem Start in die Selbstständigkeit bereits Arbeitslosengeld bezogen haben, können Sie diesen Anspruch mit seiner Restdauer wieder geltend machen. Voraussetzung ist, dass seit Bezugsbeginn noch keine vier Jahre vergangen sind.

Wichtig für Selbstständige, die aus der Arbeitslosigkeit gegründet haben: Die Dauer des Restanspruchs auf Arbeitslosengeld verringert sich um die Anzahl von Tagen, für die Sie einen Gründungszuschuss in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes bezogen haben!

Als Selbstständiger können Sie sich außerdem seit 2006 unter bestimmten Voraussetzungen freiwillig in der Arbeitslosenversicherung versichern (§ 28a SGB III). Wer mindestens zwölf Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, hat ebenfalls Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Die (ehemals sehr geringen) einkommensunabhängigen Beiträge sind zu Jahresbeginn 2011 stark angehoben worden, auf rund 38 Euro monatlich in Westdeutschland (Ostdeutschland 33 Euro), und werden 2012 nochmals erheblich ansteigen. Dann zahlt man rund 70 Euro im Monat. (Im ersten Kalenderjahr nach Aufnahme der selbständigen Tätigkeit zahlen Gründer nur den hälftigen Beitrag.) Den Antrag können Sie innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme Ihrer Selbständigkeit bei der Arbeitsagentur stellen. Zeiten der freiwilligen Weiterversicherung werden bei der Berechnung der Anwartschaftszeiten wie ein Versicherungspflichtverhältnis gezählt. Eine Kündigung ist erst nach fünf Jahren möglich, wenn man nicht das Sonderkündigungsrecht (wegen der Beitragserhöhungen) nutzt. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat unter 01805 / 676 712 (14 Cent/Minute) eine Telefonberatung eingerichtet.

Trotz der gestiegenen Beiträge kann diese Absicherung interessant sein für Gründer, die nicht sicher sind, ob sie mit ihrer Selbstständigkeit auf Dauer ein ausreichendes Einkommen erwirtschaften können. Die Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich nämlich nicht nach dem tatsächlichen selbstständigen Einkommen, sondern entweder nach dem früheren versicherungspflichtigen Arbeitsentgelt oder nach einem fiktiven Einkommen, das sich pauschal nach der beruflichen Qualifikation richtet. Zur Orientierung: Ein arbeitsloser Selbstständiger mit Hochschulabschluss (ohne Kinder, Steuerklasse III) würde nach dieser Regelung monatlich rund 1.275 Arbeitslosengeld bekommen.

Alles, was Sie zur Arbeitslosenversicherung für Selbstständige wissen müssen, lesen Sie in unserem Praxisleitfaden "Die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige".

Soll ich mich als Arbeitsloser selbstständig machen?

Haben Sie schon darüber nachgedacht, sich selbstständig zu machen, um Ihre Arbeitslosigkeit zu beenden? Vielleicht haben Sie auch schon längst eine Geschäftsidee und sehen jetzt die Chance, sie zu verwirklichen?

Eine Gründung ist ein interessanter und lohnender Weg aus der Arbeitslosigkeit. Weil dieser Weg auch risikoreich ist, sollten Sie eine Gründung sorgfältig abwägen und gut planen.

Neben Mut und Tatkraft gehören zur erfolgreichen Existenzgründung vor allem:

  • eine Geschäftsidee

  • eine sichere Grundlage: Was haben Sie gelernt? Passen Ihr Wissen und Ihre Erfahrung zu Ihrer Geschäftsidee?

  • ein Unternehmenskonzept mit allen Punkten, die für die Gründung und den Erfolg Ihrer selbstständigen Existenz wichtig sind: Angebot, Standort, Kundenkreis, Marktsituation, Finanzierung ...

  • Belastbarkeit, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen, um auch Zeiten der Unsicherheit durchzustehen

  • Freude an neuen Erfahrungen und am selbstständigen Planen und Entscheiden

  • Fertigwerden mit gelegentlichem Misserfolg

  • Unterstützung durch Ihre Familie

  • Gründungskapital: Wie viel können Sie selbst auftreiben, inwieweit sind Sie auf finanzielle Hilfe angewiesen? Es gibt zahlreiche Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, z. B. durch Bundes- und Länderprogramme.

  • Verantwortung für die eigene soziale Absicherung: Schließlich haben Sie keinen Anspruch auf Kündigungsschutz, bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall mehr.

  • ein langer Atem für die Erledigung der Gründungsformalitäten, das Meistern bürokratischer Hürden und eine ordnungsgemäße Buchführung

  • Überblick über Beratungsangebote, Gründungsinitiativen, finanzielle Hilfen etc.

  • Bereitschaft, immer dazuzulernen und profunde Fachkenntnisse zu erwerben - egal, welches Arbeitsfeld Sie wählen

Wer sich aus der Arbeitslosigkeit selbstständig machen will, hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Förderung: den Gründungszuschuss. Er wird in zwei Phasen gezahlt: Für neun Monate bekommen Sie einen Zuschuss in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes und zusätzlich 300 Euro monatlich für Ihre soziale Absicherung. Danach erhalten Sie für weitere sechs Monate 300 Euro pro Monat, wenn Sie darlegen können, dass Sie hauptberuflich unternehmerisch tätig sind. Den Gründungszuschuss beantragen Sie bei der Arbeitsagentur, und zwar bevor Sie in die Selbstständigkeit starten.

Zugegeben: Der Schritt in die Selbstständigkeit ist nicht ohne. Aber mit unseren Praxis-Ratgebern, Tipps und Hilfen sind Sie in jedem Fall gewappnet: