Arbeitslos, was nun?

Steuern und Nebenjob

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Steuern und Nebenjob

Was erwartet mich beim Arbeitsvermittler?

Ihr Arbeitsvermittler hat die Aufgabe, Sie zu unterstützen, damit Sie so bald wie möglich eine neue Arbeit finden. Die Termine bei Ihrem Vermittler müssen Sie wahrnehmen, schon weil dies gesetzlich vorgeschrieben ist (ansonsten drohen Sperrzeiten!). Es ist aber auch in Ihrem Sinne, mit dem Arbeitsvermittler über Ihre berufliche Situation zu sprechen. Sie können herausfinden, wie die Vermittlungschancen stehen, welche Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt und mit welcher zusätzlichen finanziellen Unterstützung Sie rechnen können, z. B. für Ihre Bewerbungen (Bewerbungskostenzuschuss etc.).

Unter Umständen sollten Sie das nicht nur in Ihrem bisherigen Beruf tun, sondern auch eine Neuorientierung oder Existenzgründung ins Auge fassen.

Was passiert, wenn ich nur für einige Monate einen neuen Job finde?

Wenn Sie nach Ihrer Arbeitslosigkeit nur kurzfristige Jobs für einige Monate finden, dann lebt Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld wieder auf, wenn Sie sich erneut arbeitssuchend und arbeitslos melden. Er erlischt erst vier Jahre nach dem ersten Tag des Bezugs. (Solange Sie insgesamt weniger als 360 Tage beschäftigt sind, erwerben Sie aber keinen neuen Anspruch auf Arbeitslosengeld.)

Beispiel: Sie werden zum 01.07.2011 arbeitslos und haben einen Arbeitslosengeldanspruch für zwölf Monate. Zum 01.01.12 finden Sie einen neuen Job und melden sich zum 01.07.2012 erneut arbeitslos. Sie können noch 6 Monate Arbeitslosengeld beziehen. Ihr Anspruch erlischt erst am 01.07.2015.

Was ist, wenn mein Arbeitslosengeld nicht zum Leben reicht?

Wenn Ihr Arbeitslosengeld nicht zum Leben reicht, dann können Sie zusätzliche Sozialleistungen beantragen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie wenig verdient haben oder nach einer Ausbildung am Anfang Ihres Berufswegs stehen. Eventuell haben Sie Anspruch auf ergänzendes Arbeitslosengeld II. Der Antrag dafür ist allerdings erheblich aufwändiger als der auf Arbeitslosengeld, weil Ihr Vermögen auf das Arbeitslosengeld II angerechnet wird.

Wenn Ihr Arbeitslosengeld niedrig ist, Sie eine große Familie haben und Ihr Partner wenig oder gar nichts verdient, haben Sie möglicherweise Anspruch auf Wohngeld. Dieser Zuschuss zu den Raumkosten wird Mietern und Wohneigentümern gezahlt, die bestimmte Einkommensobergrenzen nicht überschreiten. Achtung: Wer Arbeitslosengeld II bezieht, hat keinen Anspruch auf Wohngeld, weil diese Leistungen bereits Unterkunftskosten enthalten. Anders sieht es beim Kinderzuschlag aus: Er schließt den Bezug von Wohngeld nicht aus.

Wie Sie Wohngeld beantragen und wie viel Ihnen zusteht, erklären wir im Leitfaden Wohngeld: Wer, wieviel, wie? - übrigens: auch Selbstständige haben Anrecht auf Wohngeld!

Wenn Sie vor der Arbeitslosigkeit bereits Kinderzuschlag erhalten haben, ändert sich daran nichts, sofern Sie innerhalb der Einkommensgrenzen bleiben. Wenn Sie bisher die Einkommensgrenze überschritten und keinen Kinderzuschlag erhalten haben, besteht während Ihrer Arbeitslosigkeit eventuell Anspruch darauf, da Ihr Arbeitslosengeld niedriger als Ihr Gehalt ist. Der Kinderzuschlag wird nur gewährt, wenn - zusammen mit dem anderweitigen Einkommen und Vermögen der Familie und gegebenenfalls Wohngeld - der Gesamtbedarf der Familie sichergestellt ist, also kein Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe bezogen wird.

Wie das mit dem Kinderzuschlag im Detail funktioniert, erklärt ausführlich der Beitrag "Kinderzuschlag - Mehr Geld für Familien mit geringem Einkommen".

Wie wirkt sich der Bezug von Arbeitslosengeld steuerlich aus?

Die Höhe des Arbeitslosengeldes hängt auch von der Steuerklasse ab! Verheiratete Arbeitnehmer sollten bei drohender Arbeitslosigkeit nicht die Steuerklasse wechseln, um ihrem Ehepartner die günstigere Steuerklasse III zu überlassen. In der Regel fahren Sie am besten, wenn Sie als Arbeitsloser die Steuerklasse IV oder III haben und Ihr Partner entsprechend IV oder V. Ihr Partner muss dann zwar monatlich deutlich mehr Steuern zahlen, beim Lohnsteuerjahresausgleich ergibt sich unterm Strich aber ein Gewinn und das Finanzamt zahlt die zu viel gezahlten Steuern zurück.

Wenn Sie frühzeitig wissen, dass Sie arbeitslos werden, können Sie problemlos in eine für Sie günstigere Steuerklasse wechseln. Für die Höhe des Arbeitslosengeldes ist maßgebend, welche Steuerklasse Sie am 1. Januar eines Jahres hatten. Der Wechsel in eine günstigere Steuerklasse ist also im Vorjahr vor der absehbaren Arbeitslosigkeit nötig. Lassen Sie sich vorher am besten von Steuerberater, Finanzamt oder Arbeitsagentur beraten.

Wie alle Lohnersatzleistungen ist das Arbeitslosengeld steuerfrei nach § 3 Nr. 2 EStG. Es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt (§ 32b Abs.1 Nr. 1 EStG): Das heißt, es erhöht unter Umständen Ihren persönlichen Steuersatz. Bezogenes Arbeitslosengeld müssen Sie daher in Ihrer Steuererklärung angeben. (Beim Arbeitslosengeld II ist dies nicht der Fall.)

Kann ich während meiner Arbeitslosigkeit einen Nebenjob annehmen?

Sie dürfen eine Nebentätigkeit ausüben, während Sie Arbeitslosengeld beziehen. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Arbeit weniger als 15 Wochenstunden umfasst. Ihr Einkommen aus dem Nebenjob wird nach Abzug von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen, Werbungskosten und eines Freibetrages von 165 Euro auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Es ist also sinnvoll, sich vorher auszurechnen, ob sich der Nebenerwerb finanziell überhaupt lohnt.