GmbH-Reform und Unternehmergesellschaft

1-Euro-GmbH

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1-Euro-GmbH

GmbH mit einem Euro Startkapital: Was ist mit der Unternehmergesellschaft?

Die neue GmbH-Variante heißt Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) oder UG (haftungsbeschränkt). Sie stellt jedoch keine neue Rechtsform dar, sondern eine GmbH, die ohne bestimmtes Mindeststammkapital gegründet werden kann, schon mit nur einem Euro.

Die UG ist damit die Einstiegsvariante der GmbH.

Die Unternehmergesellschaft darf ihre Gewinne nicht voll ausschütten. Mindestens ein Viertel der Gewinne muss jedes Jahr auf das Stammkapital eingezahlt werden, bis 25.000 Euro erreicht sind. Auf diese Weise soll sie das Mindeststammkapital einer normalen GmbH nach und nach ansparen.

Die Gründung einer UG (haftungsbeschränkt) mit geringem Stammkapital führt - unter Verwendung eines Musterprotokolls - zu deutlich verringerten Kosten: Alles zusammen soll die Eintragung einer "Ein-Mann-GmbH" nicht mehr als 120 EUR kosten.

Unternehmergesellschaft: Für und wider

Für wen/wann kommt die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) in Frage?

  • für Gründer, die nicht genug Englisch können und die Kosten und Umstände des Betriebs einer Limited in Großbritannien scheuen, und die auch keine Geschäfte im anglo-amerikanischen Raum vorhaben;

  • für Gründer, die das nötige Stammkapital für eine klassische GmbH nicht aufbringen wollen oder können, weil sie das Geld z. B. auch besser anders investieren können;

  • wenn das positive Image der klassischen GmbH nicht gebraucht wird;

  • wenn keine Kredite erforderlich sind;

  • wenn jedoch auf die Haftungsbeschränkung Wert gelegt wird:

    Soll die Haftung mit dem gesamten persönlichen Vermögen vermieden werden? Reicht Ihnen die durch gute Verträge und AGBs mögliche Haftungsbeschränkung nicht aus? Ist das Haftungsrisiko in Ihrer Branche relativ hoch (etwa wegen der Produkthaftung oder des Risikos von Vermögensschäden)? Reicht eine Berufshaftpflichtversicherung o. ä. nicht oder ist sie zu teuer? (Mehr dazu steht in den Beiträgen "Betriebshaftpflichtversicherung: Auch für Kleinunternehmer, Selbstständige und Freiberufler ein Muss!" und "Vermögensschadenhaftpflicht: Echte Vermögensschäden richtig versichern").

  • wenn mehrere Gründer eine gemeinsame Rechtsform brauchen, eine GbR, Partnerschaftsgesellschaft, eingetragene Genossenschaft eG und andere Formen aber nicht in Frage kommen;

  • wenn der Firmen-Name geschützt werden soll und der Schutz durch Urheber- oder Markenschutzrecht als nicht ausreichend angesehen wird (Mehr dazu im Beitrag "Firma und Geschäftsbezeichnung: Namensrecht für Unternehmen".);

  • wenn Sozialversicherungsschutz als Arbeitnehmer angestrebt wird.

Ein Tipp: Wenn Sie sich für die Unternehmergesellschaft entscheiden, sollten Sie zumindest so viel Stammkapital schon bei Gründung einzahlen, dass die Mindestgebühren voll ausschöpft werden.

Nicht in Frage kommt die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) für Sie,

  • wenn Sie keine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse erwerben möchten;

  • wenn Sie keine Bilanzen anfertigen und veröffentlichen möchten;

  • wenn Sie bei mehr als drei Gesellschaftern verhindern wollen, dass sich Notars- und Registerkosten peu à peu auftürmen, je höher das gezeichnete Kapital mit den Gewinnabführungen wächst;

  • wenn Sie Körperschafts- und Gewerbesteuer vermeiden wollen.

Andere Aspekte, die gegen eine Unternehmergesellschaft sprechen:

  • Wenn Sie Kredite aufnehmen, müssen Sie ohnehin persönlich gegenüber dem Darlehensgeber haften. Deshalb stellt sich die Frage, ob dann die GmbHUG noch Sinn macht.

  • Der Imagegewinn für das Unternehmen wird für diese spezielle Form der GmbH wohl eher gering einzuschätzen sein.

  • Wer in der GmbH geschäftsführender Gesellschafter wird, ist als Angestellter nicht sozialversicherungspflichtig. (Ausnahme: Künstler als dominierender Geschäftsführer.)

  • Neugründer, die mit bisheriger Gründung in Konkurs gingen, haben in Deutschland zunächst keine Chance.

Neuerungen allerorten: Die Reform der britischen Limited und die Pläne zur "EU-GmbH" SPE

Fast zeitgleich wurde auch der britische "company's act" und damit die Limited reformiert. Der bisher nötige Secretary wurde abgeschafft. Eine Anmeldung ist ab 2009 online und per Kreditkarte möglich. Ein Notar wird weitgehend überflüssig. Eine Jahreshauptversammlung der Gesellschafter muss nicht mehr sein. Weiterhin nötig ist aber ein Büro in Großbritannien. Bilanz, Steuererklärung etc. müssen auf Englisch und nach britischem Recht erfolgen. Für Gründer, die an den anglo-amerikanischen Markt oder auch an Südostasien denken, wo die "Limited" bekannt und anerkannt ist, ist sie weiterhin sicherlich eine gute Option.

Ebenso zeitgleich wurde auch die europäische Privatgesellschaft (Societas Privata Europaea, SPE) - eine Art europäische GmbH - von der EU-Kommission vorgestellt. Die SPE soll sich ab Juli 2010 vor allem für kleine und mittelgroße Unternehmen eignen, die EU-weit aktiv sein wollen. Sie soll sämtliche nationale Regelungen ablösen - und dürfte damit auf erheblichen Widerstand stoßen.

Da es bereits rund 40.000 Limited-Gründungen in Deutschland gibt, war es höchste Zeit, den Wirtschaftsstandort Deutschland auch auf dem Gebiet des Gesellschaftsrecht attraktiver zu gestalten. Das soll auch dadurch erreicht werden, dass der Verwaltungssitz der deutschen GmbH nicht mehr am Registerort, sondern künftig auch im Ausland liegen kann.