Standortbestimmung: Das Karriereende im Blick?

Die Welt verändert sich – was bedeutet das für mich? Auch erfolgreiche Berufstätige "mittleren Alters" schlagen sich oft mit Unsicherheiten herum.

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War das alles? Eine Frage, die sich viele im „mittleren Alter“ stellen. Man hat Karriere gemacht, steht voll im Leben, voll im Job – aber was liegt noch vor einem, was kann man vom Leben noch erwarten?

Karriereende im Blick?

War das alles? Eine Frage, die sich viele im „mittleren Alter“ stellen. Man hat Karriere gemacht, steht voll im Leben, voll im Job – aber was liegt noch vor einem, was kann man vom Leben noch erwarten? In dieser Phase der „Midlife-Crisis“ gehen einem so einige verwirrende Gedanken durch den Kopf.

Pressemeldungen sorgen zusätzlich für Verunsicherung. Schlagworte wie „Altersarmut“, „Personalabbau“, „Globalisierung“, „Jugendwahn“ und dergleichen mehr drängen sich unwillkürlich in die eigene Gedankenwelt. Die öffentlichen Diskussionen um den Renteneintritt mit 63, 65, 67 oder gar 70 Jahren sorgen auch nicht unbedingt für ein Gefühl der Zukunftssicherheit. Da kommt man leicht ins Grübeln, wie und wo man die nächsten Jahre verbringen wird.

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Ihre Checkliste!

  • Welche Entwicklungen und Trends können Sie in Ihrer Branche verfolgen?

    Dank moderner und meist kostenfreier Informationskanäle lässt sich heute das gesammelte Wissen der Welt auf den heimischen Bildschirm bringen. Man erhält Zugriff auf Informationen, die im eigenen Unternehmen vielleicht nicht vorhanden sind oder viel zu subjektiv bewertet werden.

    Aus der Fülle der teils widersprüchlichen Daten lässt sich bei objektiver Betrachtung oft ein sich abzeichnender Trend erkennen. Seien es Entwicklungen im Bereich der Energiewirtschaft (neue Energiequellen, neue Verteilungsnetze), des Fahrzeugbaus (neue Antriebsquellen, gedankengesteuertes Fahren), der Medizintechnik (individuelle Implantate, personifizierte Überwachungssysteme) oder der Informationstechnik (Robotik, künstliche Intelligenz): Kein Bereich des Wirtschaftslebens bleibt von Änderungen verschont – Änderungen, die sich in immer kürzeren Zeitabständen einstellen. Bei der Prognose von Zukunftsentwicklungen ist nun Kreativität gefordert. Stellen Sie sich zunächst einmal die für Sie denkbar schlechteste Entwicklung vor, das Worst-Case–Szenario. Nicht, um Sie möglichst zu verunsichern, sondern um ganz realistisch eine mögliche Entwicklungsrichtung vor Augen zu haben. Und nun projizieren Sie die für Sie beste Entwicklung vor Ihren Augen, das Best-Case-Szenario. Welche Auswirkungen könnte sowohl die eine als die andere Entwicklung für Sie bedeuten? Bei der Betrachtung aller möglichen Alternativen stoßen Sie zwangsweise auf die Frage: Was würde das für mich bedeuten? Welche Auswirkungen hätte diese Entwicklung für mein berufliches und privates Leben? Nun haben Sie den ersten Schritt getan, sich in ein verändertes Umfeld hineinzudenken.

  • Welche Stärken können Ihnen bei der Erreichung dieses Ziels nützlich sein?

    Ein Punkt, der von vielen Menschen bei ihrer Selbstbetrachtung unterschätzt oder gar übersehen wird, ist die Fähigkeit, mit anderen gut zu kommunizieren. Eigentlich selbstverständlich, denkt so mancher. Andererseits erlebt man immer wieder Menschen, die nicht in der Lage sind, ihre Botschaft prägnant und präzise Ihrem Gegenüber zu vermitteln.

    Nun ist es schwer, sich selbst objektiv zu beurteilen, ohne überheblich oder zu bescheiden zu sein. Hier ist es hilfreich, sich bei anderen zu erkundigen, wie man selbst gesehen wird. Wie aber findet man heraus, welche Wirkung man auf andere hat? Die Frage „Wie finden Sie mich?“ ist etwas sehr direkt, um nicht zu sagen plump. Hier ist Fingerspitzengefühl gefordert. Die Frage „Wir kennen uns nun schon einige Zeit. Welchen Eindruck haben Sie von mir?“ gibt dem Gesprächspartner mehr Freiraum bei der Beantwortung. (Diese Frage sollten Sie allerdings niemandem stellen, mit dem Sie im Dauerclinch liegen oder der von Ihnen abhängig ist.)

    Eine solche Frage überhaupt zu stellen, empfiehlt sich aber durchaus, um den eigenen Eindruck auf sein Umfeld zu erfahren. Gerade Menschen in Führungspositionen schätzen häufig ihre Wirkung auf andere nicht realitätsgetreu ein. Für Ihre Überlegungen zu einer zukünftig anderen Position im Leben sind solche Informationen allerdings wichtig.

    Weitere Fragen zu Ihren Stärken: Sind Sie ein guter Zuhörer? Können Sie problemlos Kontakte zu anderen Menschen herstellen? Wie schätzt man Ihre Fähigkeit als Vermittler oder Mediator? All das sind Punkte, die für eine neue Rolle entscheidend sein können. Eine ganz wichtige Eigenschaft, die immer häufiger über die berufliche Zukunft eines Menschen entscheidet, ist Empathie, die Fähigkeit (und der Wille), sich in andere hineinversetzen zu können. Diese Fähigkeit in Verbindung mit der mittlerweile angesammelten Lebenserfahrung ist ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil gegenüber „Konkurrenten“, denen noch einige Jahre Lebenserfahrung fehlen.

  • Haben Sie bisher regelmäßig Ihre berufliche Situation auf Fortschritte hin überprüft?

    Bilden Sie sich regelmäßig weiter, auch in anderen Bereichen als Ihrem direkten Fachgebiet? An dieser Stelle kommt so mancher ins Grübeln. Wer seit vielen Jahren immer in derselben Funktion immer dieselbe Tätigkeit ausübt, der mag vielleicht ganz zufrieden sein mit seinem Aufgabengebiet. Bei der Frage nach einer Änderung seiner Situation stellt er dann häufig fest, dass er irgendwie wissensmäßig stehengeblieben ist. In vielen Firmen wird der Weiterentwicklung der Mitarbeiter wenig Interesse geschenkt, und ab einem gewissen Lebensalter wird sogar davon ausgegangen, dass Mitarbeiter nach einiger Zeit nicht mehr weiterbildbar sind. Nun rächt es sich, dass man nicht von sich aus die Initiative zum Neulernen ergriffen hat. Neues muss nicht unbedingt unmittelbar mit der bezahlten Tätigkeit zusammenhängen. Wer den Blick über den Tellerrand hinaus wagt, der entdeckt zwangsweise neue Blickwinkel und Themen und wird zum Weiterdenken angeregt. Nun gibt es Branchen, in denen Änderungen sehr langsam vorangehen, und es gibt Branchen, in denen sich die Änderungsgeschwindigkeit überschlägt, zum Beispiel in der EDV oder Netzwerktechnik. Durch die neuen und schnelleren Kommunikationsmittel wird der Druck nach schnellerer Informationsaufnahme und -wiedergabe immer größer. Haben frühere Generationen in der Schule noch „konservativ“ lesen gelernt, Zeile für Zeile von links nach rechts, so wird heute immer häufiger im „Hyperlink-Stil“ gelesen. Der Text wird sozusagen gescannt, auf relevante Stichworte hin optisch überflogen. Es wird also mit einer anderen Lesetechnik gearbeitet. Alleine die Fähigkeit, Informationen schneller aufnehmen zu können, ist ein Wettbewerbsvorteil.

  • Wissen Sie, welche Faktoren Ihre Motivation beeinflussen?

    Zur Analyse der eigenen Person gehört auch, dass man sich über motivierende und demotivierende Fakten im Klaren ist. Wissen Sie, wodurch Sie sich am schnellsten entmutigen und einschüchtern lassen? Wer weiß, was ihm Spaß macht und womit er sich selbst anhaltend motivieren kann, der hat einen klaren Vorsprung gegenüber demjenigen, der sich über diese Frage noch nie Gedanken machte. Ebenso wichtig ist das Kennen der persönlichen Demotivationsfaktoren. Dazu gehören zum Beispiel fehlende Anerkennung, als Person nicht geschätzt zu werden, Überforderung (oder auch Unterforderung), fehlende Anweisungen oder was immer dazu dient, jemanden herunterzubremsen. Wer weiß, was ihn antreibt, was er noch gerne alles im Leben bewegen möchte, wem er noch etwas beweisen möchte (und warum), der sieht seine Zukunft bedeutend klarer als diejenige, der sich über seine eigenen Antriebskräfte noch nie Gedanken machte. Bei der Überlegung zum Thema kommt man an die eigentlichen Gründe für die eigene Motivation heran. Man stößt sehr schnell auf die Ursachen, warum man manche Ziele im Leben bislang noch nicht erreichte, warum man manche Hindernisse vielleicht überbewertet hat und warum man nicht konsequent seinen Weg gegangen ist. Dies sollte nun kein Anlass sein, rückblickend in Traurigkeit zu versinken, sondern man sollte die Fakten klar betrachten und Schlussfolgerungen für die Zukunft ziehen. Denn was früher war, das ist Vergangenheit, vorbei.

  • Begrüßen Sie Veränderungen oder werden Sie durch Neues eher verunsichert?

    Bei der Beantwortung dieser Frage ist absolute Ehrlichkeit erforderlich. Veränderungen bedeuten immer, dass sich etwas ändert. Hier setzt eine gewisse menschliche Schizophrenie ein. Alles soll besser werden, aber es darf sich nichts ändern. Eine Frage des Blickwinkels. Wo der eine befürchtet, dass durch eine Änderung etwas schlechter wird, sieht der andere die Chance, dass die Änderung Verbesserungen bewirkt. An diesem Punkt sollte allerdings positiver Realismus den Vorrang vor unrealistischem Optimismus besitzen. Dass Änderungen häufig auch veränderte Abläufe und Gewohnheiten bedeuten, liegt auf der Hand. Eine gravierende Änderung im Leben der Menschheit brachte zum Beispiel die Erfindung des Buchdrucks mit sich. Eine Erfindung, über die sich jeder freute, mit Ausnahme der 40.000 Schreiber in Deutschland, die dadurch arbeitslos wurden. (Die Abschaffung der Todesstrafe zum Beispiel machte den Henker arbeitslos). Denn bei jeder Änderung findet man Menschen aus der Fraktion der „Reichsbedenkenträger“, die kritisch bis überkritisch jede Veränderung betrachten und vielleicht sogar sabotieren. Klassische Beispiele heutzutage sind die Diskussionen über Arbeitsplatzsicherheit. Es gibt Berufe, die braucht man zukünftig nicht mehr, und es gibt Berufe, die wir heute noch nicht kennen. Die Einstellung zu Änderungen ist tatsächlich eine Einstellungssache, Ihre persönliche Entscheidung über die Beurteilung einer Veränderung. Und wer mag schon Menschen, die Veränderungen ablehnen ohne tieferes Nachdenken über die Chancen von Veränderungen?

  • Besitzen Sie ein Netzwerk von Kontakten und wer aus Ihrem Netzwerk könnte Sie hilfreich unterstützen?

    Beziehungen waren schon immer hilfreich, sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld. Beziehungen und Kontakte werden heute in einem sich schneller drehenden Umfeld immer wichtiger. Hierbei sind konkrete Verbindungen gemeint und nicht die vielen der in elektronischen Netzwerken zusammengewürfelten „Freunde“, von denen man höchstens das PR-gestylte Foto kennt. Gerade bei der Suche nach einem neuen beruflichen Umfeld sind echte Kontakte unbezahlbar. Das bedeutet nicht, dass eine Kontaktperson Ihnen eine neue Position beschaffen kann (auch das ist schon vorgekommen). Eine Kontaktperson, die Sie persönlich kennt und von Ihren Leistungen und Fähigkeiten überzeugt ist, ist ein wertvoller Multiplikator bei einem beruflichen Wechsel. Wenn Sie von jemandem empfohlen werden, dann sind Sie einen ganzen Schritt weiter als diejenige, der sich als Unbekannter um eine Stelle bewirbt. Wenn Sie mittlerweile noch nicht über ein Kontaktnetzwerk verfügen, dann stellt sich die Frage: Wen kenne ich eigentlich? Spontan fallen einem dann höchstens Menschen im allerengsten Umfeld ein. Eine bewährte Methode, sich auch an „Vergessene“ zu erinnern, ist die Mindmap-Methode. Auf einem Blatt Papier zeichnen Sie grafisch alle Verbindungen auf, mit denen Sie zu tun hatten. So werden auf einem Zweig Ihre Schulkameraden aufgelistet, auf einem anderen Zweig Personen, mit denen Sie während Ihrer Ausbildungsphase zusammen waren; ein weiterer Zweig könnte berufliche Kontakte oder Urlaubsbekanntschaften auflisten usw. Es ist immer wieder überraschend, wie viele Menschen man kennenlernte im Lauf des Lebens – und aus dem einen oder anderen Kontakt, den man reaktivieren kann, ergeben sich wieder neue Ansatzpunkte. Seien es neue Informationen, die man erhält (auch über zu vermeidende Ziele) oder konkrete Tipps für die eigene Weiterentwicklung.

  • Können Sie andere Menschen für Ihre Ideen gewinnen und begeistern?

    Eine der erfolgreichsten Eigenschaften eines Menschen ist die Fähigkeit, andere zu überzeugen und zu begeistern. Dazu gehört allerdings, dass man von seinen Ideen und Überzeugungen nach reiflicher intensiver Prüfung tatsächlich auch selbst überzeugt ist. Um jemanden von irgendetwas zu überzeugen, sollte man sich zuerst die Frage stellen: Was hat der andere von meiner Idee, welchen Vorteil, welchen Nutzen biete ich ihm damit? Eine ganz entscheidende Frage, wenn Sie auf der Suche nach einer neuen Aufgabe, einer neuen Position, einer neuen Herausforderung sind. Dazu gehört auch, dass Sie Ihre Ideen, Ihr Angebot, empfängergerecht präsentieren können. Egal ob in einem Schreiben, einer PC-Präsentation oder im direkten Gespräch – Ihr Gegenüber muss von Ihrem Auftritt überzeugt sein. Dazu gehört selbstverständlich auch eine überzeugende Körpersprache, um den verbalen Eindruck nicht zu konterkarieren. Ein Lächeln, überzeugende Mimik, eine klare und deutliche Aussprache – das sind wichtige Elemente, die Ihren Gesprächspartner von Ihnen überzeugen.

    Ein wertvoller Tipp: Machen Sie gelegentlich einmal Videoaufnahmen von sich in diversen Gesprächssituationen und analysieren Sie anschließend den optischen und akustischen Eindruck, den Sie hinterlassen. Vielleicht stellen Sie auch fest, dass Ihr Dialekt nicht für jeden verständlich erscheint. Die Beurteilung der Aufzeichnungen kann schmerzhaft sei, hilfreich ist sie aber auf jeden Fall.

  • Achten Sie auf Ihr äußeres Erscheinungsbild?

    Zum Thema Auftritt und Überzeugungskraft gehört auch Ihr Erscheinungsbild. Passt Ihr Kleidungsstil zum angestrebten Umfeld? Wirken Sie entspannt oder gestresst? Finden Sie die Balance zwischen Arbeits- und Berufsleben? Achten Sie auf Ihre Gesundheit und Ihre körperliche Fitness? Nun erwartet im normalen Berufsleben niemand, dass Sie als athletischer Zehnkämpfer auftreten. Aber der erste Eindruck ist oft entscheidend. Häufig werden Tattoos und auffälliger Gesichtsschmuck als Hindernis bei der weiteren beruflichen Entwicklung gesehen. Wer entspannt, freundlich, zuversichtlich und humorvoll auftritt, der gewinnt schneller die Sympathie seines Gegenübers. Schließlich werden Entscheidungen (noch) nicht von seelenlosen Robotern aufgrund eines Fragenkatalogs getroffen, sondern von lebendigen Menschen mit nicht immer objektiven Auswahlkriterien.

  • Haben Sie Versionen und Träume, die Sie noch verwirklichen möchten?

    Welche „unmöglichen“ Möglichkeiten können Sie sich vorstellen? Hier ist Ihre Kreativität und Vorstellungskraft voll gefragt. Lassen Sie sich von dem Wort „unmöglich“ bereits davon abhalten, sich unmögliche Ideen vorzustellen? Der Satz „Das kann ich mir nicht vorstellen“ ist eines der größten Hindernisse auf dem Weg in eine neue Zukunft. Auch wenn Sie ein rational denkender, analytischer Mensch sind, bei der Suche nach Neuem sollte man wieder zum "Spinner" werden, der man als Kind einmal war. Damals konnte man sich noch alles vorstellen, die Denksperren der Erwachsenen waren noch nicht vorhanden. Lassen Sie Ihre Kreativität nicht von Fakten beeinflussen, die morgen schon nicht mehr gelten.

Dass man sich aufgrund der eigenen Erfahrungen häufig nicht vorstellen kann, was in Zukunft alles möglich ist, das zeigen einige Beispiele namhafter Fachleute.

So sagte der Präsident einer amerikanischen Bank 1903: „Das Reitpferd wird es immer geben, doch das Automobil ist lediglich eine vorübergehende Modeerscheinung.“

Der Chef einer amerikanischen Filmfirma im Jahre 1946: „Das Fernsehen wird sich auf keinem Markt länger als sechs Monate behaupten können. Den Leuten wird es langweilig werden, jeden Abend in so eine kleine Holzkiste zu starren.“

1911 behauptete ein französischer Marschall: „Flugzeuge sind interessant, haben aber keinerlei militärischen Wert.“

Der Chef eines EDV-Pionierunternehmens 1977: „Es gibt überhaupt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer bei sich zu Hause haben will.“

Und der Leiter des US-Patentamts 1899: „Alles, was erfunden werden kann, ist bereits erfunden worden.“ Er empfahl deshalb die Schließung der Patentämter.

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