Der Kinderzuschlag: Mehr Geld für Familien mit geringem Einkommen

Berechnung allgemein

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Berechnung allgemein

Was zählt zum Einkommen und Vermögen?

Einkommen:

Einkommen sind alle Einnahmen in Geld oder Geldeswert. Ob sie einmalig oder wiederholt anfallen, steuerpflichtig oder steuerfrei sind, spielt keine Rolle.

Diese Einnahmen gehören jedenfalls zum Einkommen:

  • Einnahmen aus einem Angestelltenverhältnis oder aus Selbstständigkeit

  • Einnahmen des Kindes (Unterhaltsleistungen oder Unterhaltsvorschuss)

  • Arbeitslosen- und Krankengeld

  • Renten aus der Sozialversicherung

  • Kapital- und Zinserträge

  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung

  • Elterngeld (Ein Elterngeldfreibetrag von bis zu 300 Euro bleibt anrechnungsfrei, wenn Sie vor der Geburt Ihres Kindes gearbeitet haben.)

Regelmäßige Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld werden ebenso wie einmalige Zahlungen - dazu gehören etwa Prämien oder Abfindungen - auf einen "angemessenen Zeitraum" aufgeteilt und mit einem entsprechenden Teilbetrag zum monatlichen Bruttoeinkommen dazugerechnet. Was angemessen ist, liegt im Ermessen des zuständigen Sachbearbeiters! Es kann also angemessenen sein, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld auf sechs Monate zu verteilen oder die Zahlungen nur im Monat des Zuflusses zu berücksichtigen.

Durch die Anrechnung der Teilbeträge aus einmaligen Zahlungen erhöht sich das Einkommen der Eltern für die folgenden Monate. Die Eltern bekommen dann weniger Geld ausbezahlt, weil der Kinderzuschlag durch das höhere Einkommen gemindert wird. Oder ihr Anspruch auf den Kinderzuschlag erlischt, weil sie die Höchsteinkommensgrenze überschreiten. Wenn eine Einmalzahlung nur im Zuflussmonat berücksichtigt wird und dadurch der Anspruch auf Kinderzuschlag entfällt, erfolgt in der Regel nur eine befristete Ablehnung für den jeweiligen Monat. Danach lebt der Anspruch wieder auf, ohne dass die Eltern einen neuen Antrag stellen. Wird der Anspruch jedoch unbefristet abgelehnt, ist später ein neuer Antrag nötig.

Folgende Einnahmen werden nicht zum Einkommen gezählt:

  • Kindergeld

  • Wohngeld

  • Erziehungsgeld und vergleichbare Leistungen der Länder

  • Mutterschaftsgeld und andere Leistungen, die auf das Erziehungsgeld angerechnet werden

  • Leistungen der Pflegeversicherung

  • Grundrenten nach dem Bundesversorgungsgesetz

  • Zuwendungen der freien Wohlfahrtspflege wie z. B. Lebensmittel- oder Möbelspenden

Von den Bruttoeinnahmen werden abgezogen:

  • Steuern (z. B. Lohn- bzw. Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer)

  • Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, Arbeitsförderung)

  • Beiträge zu sonstigen Versicherungen, wenn sie gesetzlich vorgeschrieben oder angemessen sind (z. B. für eine freiwillige oder private Kranken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung, private Haftpflicht-, Kfz-Haftpflicht oder Gebäudeversicherung)

  • Beiträge zur Riester-Rente

  • Werbungskosten

  • ein pauschalierter Freibetrag für Erwerbstätige, abhängig vom Einkommen

  • gesetzliche Unterhaltsverpflichtungen

  • bei erwerbsfähigen Hilfebedürftigen der nach den Vorschriften der Ausbildungsförderung berücksichtigte Betrag, wenn ihr Einkommen bei der Berechnung der Leistungen der Ausbildungsförderungen für mindestens ein Kind berücksichtigt wird.

Vermögen:

Außerdem wird das Vermögen der Eltern und ihrer Kinder berücksichtigt, wenn es für den Lebensunterhalt verwendbar ist oder durch Verkauf, Vermietung oder Verpachtung genutzt werden kann. Zum Vermögen zählen insbesondere Bargeld, Sparguthaben wie z. B. Wertpapiere oder Aktien, Bausparguthaben und Haus- und Grundbesitz, aber auch Antiquitäten, Gemälde oder Schmuck.

Beim Kinderzuschlag wird nicht als Vermögen angerechnet:

  • angemessener Hausrat (alle üblichen Haushaltsgegenstände)

  • zur Altersvorsorge bestimmtes Vermögen von nicht Rentenversicherungspflichtigen

  • eine selbst bewohnte Immobilie (Wohnfläche bis zu 130 qm bzw. Grundstücke mit bis zu 500 qm im städtischen und bis zu 800 qm im ländlichen Gebiet)

Von dem zu berücksichtigenden verwertbaren Vermögen werden abgezogen:

  • ein Freibetrag von 150 Euro je vollendetem Lebensjahr (mindestens 3.100 Euro und höchstens 9.750 Euro je Elternteil und volljähriges Kind im gemeinsamen Haushalt)

  • ein Grundfreibetrag von 3.100 Euro vom Vermögen eines im Haushalt lebenden minderjährigen Kindes

  • staatlich gefördertes Altersvorsorgevermögen (Riester-Rente) einschließlich der Erträge und der geförderten Beiträge

  • sonstige Beträge, die der Altersvorsorge dienen (z. B. Lebensversicherungsverträge) bis zu einem Wert von 250 Euro je vollendetem Lebensjahr, maximal aber 16.250 Euro (nicht für Kinder unter 15 Jahren)

  • ein Freibetrag für notwendige Anschaffungen von 750 Euro je Elternteil und Kind im gemeinsamen Haushalt

Wie werden Einkommen und Vermögen angerechnet?

Einkommen der Kinder

Der Kinderzuschlag beträgt maximal 140 Euro monatlich je Kind und soll zusammen mit dem Kindergeld von monatlich 184 Euro den gesamten Bedarf eines Kindes decken (= 324 Euro). Wer Mindest- und Höchsteinkommensgrenze errechnet hat, muss nun Einkommen und Vermögen der Familie zum Teil wieder abziehen, und das ist ziemlich kompliziert.

Wenn ein Kind ein eigenes Einkommen oder Vermögen hat, z. B. Unterhalt oder Halbwaisenrente bekommt, wird dies immer in voller Höhe auf den Höchstbetrag des Kinderzuschlags angerechnet. Wenn das Einkommen des Kindes über 140 Euro im Monat liegt, hat die Familie keinen Anspruch auf den Zuschlag.

Bei mehreren Kindern werden zuerst die Kinderzuschläge für jedes einzelne Kind berechnet. Dann werden die einzelnen Kinderzuschläge zu einem Gesamtkinderzuschlag zusammengerechnet.

Beispiel: Die beiden 3- und 8-jährigen Kinder eines alleinerziehenden Vaters bekommen monatlich 100 bzw. 160 Euro Unterhalt. Für das 3-jährige Kind erhält der Vater 40 Euro Kinderzuschlag (= 140 minus 100), für das größere Kind bekommt er kein Geld. Der Gesamtkinderzuschlag beträgt also 40 Euro im Monat. (Würde man zuerst das Einkommen der Kinder zusammenrechnen und vom maximalen Gesamtkinderzuschlag abziehen, würde die Familie schlechter gestellt: 280 minus 260 Euro = 20 Euro Gesamtkinderzuschlag.)

Einkommen der Eltern

Wenn Einkommen und Vermögen der Kinder vom Kinderzuschlag abgezogen wurde, wird in einem zweiten Schritt der restliche Gesamtkinderzuschlag noch gemindert, wenn das Einkommen und Vermögen der Eltern über deren Gesamtbedarf liegt.

Einkommen der Eltern aus einer selbstständigen oder angestellten Arbeit wird nur zu 50 Prozent vom Gesamtkinderzuschlag abgezogen: Pro volle 10 Euro Erwerbseinkünfte oberhalb der Bemessungsgrenze werden fünf Euro vom Kinderzuschlag abgezogen. Andere Einkünfte und Vermögen werden dagegen in vollem Umfang abgezogen, wenn sie höher sind als der Bedarf der Eltern. Wenn das Einkommen zum Teil aus Erwerbseinkünften und zum Teil aus anderem Einkommen besteht, muss zugunsten des Antragstellers gerechnet werden: Dann wird es nur zu 50 Prozent abgezogen.

Im Klartext: Nur wenn Einkommen und Vermögen der Eltern genau ihren eigenen Bedarf decken und die Kinder kein eigenes Einkommen haben, erhalten sie Kinderzuschlag in voller Höhe.

Beispiel: Das Einkommen von Eltern mit zwei Kindern ohne eigenes Einkommen übersteigt den Gesamtbedarf der Eltern um 250 Euro. Als Gesamtkinderzuschlag erhält die Familie dann 155 Euro. Die Rechnung lautet: 250 Euro geteilt durch 10 = 25 volle Minderungsstufen x 5 = 125 Euro. Der maximale Gesamtkinderzuschlag von 280 Euro für zwei Kinder wird um 125 Euro gemindert, übrig bleiben 155 Euro.

Und noch ein ausführlicheres Beispiel: Ein Ehepaar mit 3 Kindern bezahlt für Miete und Heizung monatlich 900 Euro. Der Vater verdient 1.221 Euro, die Kinder haben kein eigenes Einkommen oder Vermögen. Das monatliche Einkommen der Eltern liegt über der Mindesteinkommensgrenze. Wenn es gleichzeitig nicht höher ist als die Summe aus ihrem Bedarf (Bemessungsgrenze) zuzüglich des Gesamtkinderzuschlages, hat die Familie Anspruch auf den Kinderzuschlag.

Der Kinderzuschlag für die Familie berechnet sich so:

1. Schritt: Berechnung der Bemessungs- und Obergrenzen

1. Grundbedarf der Eltern

656 Euro

2. Wohnbedarf der Eltern
(62,27 % der Kosten für Unterkunft und Heizung), gerundet

560 Euro

3. Gesamtbedarf der Eltern = Bemessungsgrenze
(Summe aus 1. und 2.)

1.216 Euro

4. zuzüglich Gesamtkinderzuschlag
(3 x 140 Euro)

420 Euro

5. Summe aus 3. und 4.
Höchsteinkommensgrenze

1.636 Euro

2. Schritt: Anrechnung des Elterneinkommens:

Das Gehalt des Vaters liegt bei 1.221 Euro. Das Einkommen der Eltern übersteigt deren Bedarf um 5 Euro, also um weniger als eine Minderungsstufe und überschreitet die Höchsteinkommensgrenze nicht. Die Familie bekommt für ihre drei Kinder den maximalen Gesamtkinderzuschlag von 420 Euro (140 Euro x 3).

Führen wir das Beispiel weiter und nehmen an, dass die Mutter einen Minijob annimmt, in dem sie monatlich 355 Euro verdient. Dann sieht die Rechnung so aus:

Gesamtbedarf der Eltern (wie oben)

1.216 Euro

Höchsteinkommensgrenze

1.636 Euro

Berechnung des Elterneinkommens:

1. Gehalt des Vaters

1.221 Euro

2. Gehalt der Mutter

355 Euro

3. Gesamteinkommen
(Summe aus 1. und 2.)

1.576 Euro

Weil das Einkommen der Eltern über der Bemessungsgrenze liegt, mindert der übersteigende Betrag von 360 Euro (= 1.576 Euro abzüglich 1.216 Euro) den Kinderzuschlag für die drei Kinder. Für je 10 volle Euro des übersteigenden Betrages werden 5 Euro angerechnet, weil das Einkommen aus Erwerbseinkünften besteht.

3. Schritt: Ermittlung des insgesamt zustehenden Kinderzuschlages:

Maximaler Gesamtkinderzuschlag (140 Euro x 3)

420 Euro

abzüglich anzurechnendes Elterneinkommen
(360 Euro geteilt durch 10 = 36 volle Minderungsstufen x 5)

180 Euro

verbleibender Gesamtkinderzuschlag

240 Euro

Wenn die Mutter arbeitet, bleiben der Familie also insgesamt 175 Euro mehr, als wenn sie zu Hause bleibt (240 Euro Gesamtkinderzuschlag zuzüglich 355 Euro Gehalt = 595 Euro, verglichen mit 420 Euro Gesamtkinderzuschlag, wenn die Mutter nicht arbeitet).

Der Kinderzuschlag kann eine finanzielle Falle sein!

Der Kinderzuschlag hat Nachteile für Eltern, die, wenn sie stattdessen Arbeitslosengeld II beantragen würden, auch den befristeten Zuschlag zum Arbeitslosengeld II laut § 24 SGB II bekommen würden. Beim Übergang von Arbeitslosengeld I zu Arbeitslosengeld II wird nämlich ein auf zwei Jahre befristeter jährlicher Zuschlag gezahlt.

Eltern, die den Kinderzuschlag anstelle von Arbeitslosengeld II bekommen, müssen sich zwar nicht mit der Arbeitsagentur herumschlagen, verlieren aber dadurch auch den Anspruch auf den befristeten Zuschlag und werden unter Umständen schlechter gestellt. Deshalb haben Familien in dieser Situation seit dem 1. August 2006 ein Wahlrecht, ob sie den Kinderzuschlag in Anspruch nehmen wollen oder nicht.