Der Kinderzuschlag: Mehr Geld für Familien mit geringem Einkommen

Zahlungsweise, Antrag, Fazit

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Zahlungsweise, Antrag, Fazit

Wann und wie wird der Kinderzuschlag gezahlt?

Der Kinderzuschlag wird von der Familienkasse zusammen mit dem Kindergeld monatlich ausgezahlt (auch für Angestellte des öffentlichen Dienstes), und zwar normalerweise an den Elternteil, der auch das Kindergeld beantragt hat bzw. bezieht. Eltern, die kein Kindergeld bekommen, können untereinander bestimmen, wer den Zuschlag erhalten soll. Seit 2008 können Familien den Kinderzuschlag unbefristet beziehen, längstens jedoch bis zum 25. Geburtstag des Kindes.

Wenn der Anspruch erlischt, weil die Familie ein höheres Einkommen hat, kann der Zuschlag später neu beantragt werden. Beispiel: Zwischen der Geburt ihres ersten und zweiten Kindes arbeitet die Mutter ein halbes Jahr lang in Teilzeit. Das Familieneinkommen liegt in dieser Zeit über der errechneten Obergrenze. Als die Mutter aufhört zu arbeiten, erfüllt die Familie wieder die Voraussetzungen und beantragt den Kinderzuschlag erneut.

Schulstarterpaket zusätzlich zum Kinderzuschlag

Seit dem Schuljahr 2009/10 erhalten Familien, die den Kinderzuschlag bekommen, erstmals das jährliche Schulstarterpaket (bzw. Schulbedarfspaket) als zusätzliche Leistung: Jedes Kind erhält zu jedem Schuljahresbeginn 100 Euro, und zwar von der ersten Klasse an bis zum Abitur (auch für den Unterricht in Berufsschulen). Mit dem Geld sollen die Familien Ranzen, Hefte, Stifte und weiteren Schulbedarf kaufen. Die zuständigen Behörden können Nachweise darüber verlangen, ob das Geld für diesen Zweck verwendet wurde. Das Schulstarterpaket zahlen die zuständigen Familienkasse zusammen mit dem Kinderzuschlag aus.

So beantragen Sie den Kinderzuschlag

Den Kinderzuschlag beantragt man bei der Familienkasse der örtlichen Bundesagentur für Arbeit. Für das fünfseitige Formular brauchen Sie genauso viel Geduld und gute Nerven wie für die Steuererklärung. Im Antrag wird unter anderem gefragt, wie hoch Verdienst und Miete sind, wie hoch die Ausgaben für Versicherungen sind und vieles mehr. Alle Angaben zu Einkommen und Vermögen müssen Eltern durch entsprechende Nachweise belegen, die der Antrag aufführt.

Die Eltern werden schriftlich informiert, ob sie den Kinderzuschlag bekommen oder nicht. Gegen diesen Bescheid können sie bei der Familienkasse Widerspruch einlegen.

Fazit

Der Kinderzuschlag verfolgt ein lobenswertes Ziel: Eltern mit geringem Einkommen sollen nicht wegen ihrer Kinder zum Sozialfall werden. Die Realität sieht anders aus: Laut Kinderschutzbund leben in Deutschland mehr als 2,6 Millionen Kinder in Armut, den Kinderzuschlag bekommen aber nur rund 250.000 Kinder. Die meisten Anträge auf den Kinderzuschlag werden unter hohem Verwaltungs- und Kostenaufwand von den Familienkassen abgelehnt! Der Grund: Nur wenige Familien liegen in dem engen Fenster zwischen oberer und unterer Einkommensgrenze. Die anderen sind zu arm oder zu reich. Alleinerziehende, die mit dem Kinderzuschlag entlastet werden sollten, bekommen oft nicht den vollen Betrag oder gehen sogar leer aus, weil der Unterhalt, den sie für ihre Kinder bekommen, in voller Höhe auf den Kinderzuschlag angerechnet wird.

Mit den neuen Regelungen, die seit Oktober 2008 gelten, wurden zwar die Mindesteinkommensgrenzen vereinheitlicht, und berufstätige Eltern dürfen mehr von ihrem Lohn behalten, da Einkommen aus Erwerbstätigkeit nur noch zu 50 Prozent auf den Kinderzuschlag angerechnet wird. Aber das Antragsverfahren ist immer noch so kompliziert, dass Familien nicht abschätzen können, ob sie einen Anspruch auf den Kinderzuschlag haben und ob es sich überhaupt lohnt, den Antrag auszufüllen. Also werden erst seitenlange Anträge ausgefüllt und am Ende klappt es doch nicht. Immerhin erhalten bedürftige Eltern den Zuschlag inzwischen unbefristet. Diese Übergangslösung soll gelten, bis ein Gesamtkonzept zur Bekämpfung der Kinderarmut beschlossen ist.

Weitere Informationen

Weitere Informationen und Rechenbeispiele finden Sie im Merkblatt Kinderzuschlag der Familienkasse, das tatsächlich eine 20-seitige Broschüre ist.

Den Antrag können Sie hier herunterladen.

Rechtsgrundlage für den Kinderzuschlag ist § 6a Bundeskindergeldgesetz.

Die rechtliche Grundlage für die Berücksichtigung von Sonderzahlungen bei der Einkommensberechnung findet sich in § 2 Abs. 4 Satz 3 der Verordnung zur Berechnung von Einkommen sowie zur Nichtberücksichtigung von Einkommen und Vermögen beim Arbeitslosengeld II / Sozialgeld (AlgII -V).

Die neue Verordnung zur Berechnung der Einkommensgrenzen bei Selbstständigen können Sie hier nachlesen.