Kopie Rentenversicherungspflicht für Selbstständige

Pflichtversicherte Berufe und Branchen

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Pflichtversicherte Berufe und Branchen

Bestehende RV-Pflicht für Selbstständige

Recht bekannt ist, dass selbstständige Künstler und Publizisten (z. B. Journalisten, Musiker und Tänzer, aber auch manche Fotografen oder Designer und andere kreative Berufsgruppen) in die gesetzliche Sozialversicherung eingebunden sind - das Stichwort lautet "Künstlersozialkasse".

Staat und Auftraggeber ("Verwerter") bezahlen diesem Personenkreis einen 50-prozentigen "Arbeitgeber"-Anteil an den Beiträgen zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Entsprechend begehrt ist bei Kreativen die (eigentlich Zwangs-)Mitgliedschaft in der KSK. Welche Berufsgruppen sich über die KSK versichern können (bzw. müssen), erklärt unser Beitrag "Kreative Berufe: Sozialversicherung über die Künstlersozialkasse".

Neben Künstlern und Publizisten nennt § 2 SGB VI aber noch eine ganze Reihe weiterer "selbstständig Tätiger", die rentenversicherungspflichtig sind. Dazu gehören:

  • Erzieher und Lehrer (inklusive Dozenten, Trainer, Sprach-, Fahr- und Nachhilfelehrer),

  • Pflegepersonen, Hebammen und Entbindungspfleger,

  • Seelotsen, Küstenschiffer und Küstenfischer,

  • Hausgewerbetreibende (= selbstständige Heimarbeiter),

  • Handwerker sowie

  • Selbstständige ohne eigene sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter, die "auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind" ("arbeitnehmerähnliche Selbstständige").

Bitte beachten Sie: Das Bundessozialgericht hat vor einiger Zeit ausdrücklich festgestellt, dass die Versicherungspflicht für diese Berufsgruppen selbst dann besteht, wenn die betreffenden Tätigkeiten nebenberuflich ausgeübt werden!

Zwei verschiedene Dinge: Scheinselbstständigkeit und Rentenversicherungspflicht

Die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung darf nicht mit einer eventuellen Scheinselbstständigkeit verwechselt werden. Die Rentenversicherungspflicht tritt bei freiberuflichen Dozenten, Trainern, Nachhilfelehrern, bei Pflegern, Lotsen oder Handwerkern in der Regel auch dann ein, wenn sie unzweifelhaft selbstständig und sehr erfolgreich für viele verschiedene Kunden arbeiten! Eine mögliche Überschneidung mit dem Scheinselbstständigkeits-Status gibt es nur bei den arbeitnehmerähnlichen Selbstständigen. Eine klare Unterscheidung der Fälle...

  • "selbstständig ohne Versicherungspflicht",

  • "selbstständig mit Rentenversicherungspflicht" und

  • "scheinselbstständig"

... finden Sie in unserem Beitrag "Vorwurf der Scheinselbstständigkeit: Kriterien und Gegenargumente".

Teure Versicherungspflicht: Die Höhe der Rentenversicherungsbeiträge

Selbstständige haben die Wahl, einen Regelbeitrag auf Basis der "Bezugsgröße" oder einkommensgerechte Beiträge zu entrichten. Im Jahr 2018 gelten dabei die folgenden Eckwerte:

  • Mindestbeitrag 73,70 Euro (= 18,6 % auf das Mindesteinkommen von 450 Euro)

  • Regelbeitrag alte Bundesländer: 566 Euro (= 18,6 % auf die Bezugsgröße - West - von 3.045 Euro)

  • Regelbeitrag neue Bundesländer: 501 Euro (= 18,6 % auf die Bezugsgröße - Ost - von 2.695 Euro)

  • Höchstbeitrag: 1.209 Euro (= 18,6 % auf die Beitragsbemessungsgrenze - von 6.500 Euro)

Existenzgründer dürfen ihre Beiträge im ersten Jahr ihrer Selbstständigkeit auf Basis des halben Regelbeitrags entrichten: Die Beiträge liegen in dem Fall bei 283 Euro (West) bzw. 250,50 Euro (Ost). Sondervorschriften in Bezug auf die beitragspflichtigen Einnahmen gelten darüber hinaus für selbstständig tätige Hebammen mit Niederlassungserlaubnis sowie Alleinhandwerker. Diese Ausnahmen sind in § 279 SGB VI geregelt.

Besonders schmerzhaft: Selbstständige, die als rentenversicherungspflichtig eingestuft werden, müssen ihre Rentenbeiträge grundsätzlich in voller Höhe selbst bezahlen. Zuschüsse in Form eines fiktiven 50-prozentigen "Arbeitgeberanteils" bekommen nur Künstler und Publizisten (über die Künstlersozialversicherung) sowie Hausgewerbetreibende (direkt von ihren Auftraggebern).

Ausnahmen von der Versicherungspflicht

Die gute Nachricht vorweg: Generell nicht pflichtversichert sind Sie, wenn Sie zwar in den genannten Branchen selbstständig tätig sind, dabei jedoch ...

  • eigene Mitarbeiter beschäftigen, die mehr als 450 Euro pro Monat verdienen (= sozialversichert beschäftigt sind),

  • bereits eine (Alters-)Rente oder Pension beziehen,

  • für Ihre selbstständige Tätigkeit nur eine Übungsleiterpauschale oder Ehrenamtspauschale bekommen,

  • geringfügig selbstständig tätig sind (mit Einnahmen von bis zu 450 Euro pro Monat) oder

  • nur gelegentlich kurzfristig Aufträge übernehmen (bis zu zwei Monaten bzw. 50 Tagen pro Jahr).

Sofern Sie zu den prinzipiell rentenversicherungspflichtigen Selbstständigen zählen und dieser Versicherungspflicht entgehen möchten, sind damit auch schon die wichtigsten Auswege aufgezählt.

DRV-Brancheninformationen

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) stellt auf ihrer Website ausführliche Informationen über die einzelnen Branchen und Berufe bereit, in denen Selbstständige rentenversicherungspflichtig werden können. Dort steht auch der "Fragebogen zur Feststellung der Pflichtversicherung" zum Download bereit.

Erwerbsminderungsrente bei Berufsunfähigkeit - aber nur für ältere Semester

Die Rentenversicherungspflicht wird in den meisten Fällen als Ärgernis und Belastung empfunden, zumal, wenn sie sich unverhofft herausstellt. Die Vorsorge kann sich aber durchaus als Segen herausstellen. Das gilt vor allem dann, wenn Sie plötzlich berufs- oder erwerbsunfähig werden. Eine Rente wegen Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit können allerdings nur noch Pflichtversicherte bekommen, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind.

Dass die gesetzliche Rentenversicherung aus Sicht der Deutschen Rentenversicherung (DRV) auch für Selbstständige vor allem Vorteile bringt, ist natürlich wenig überraschend. DRV-Informationen können Sie in der 32-seitigen Info-Broschüre "Selbstständig - wie die Rentenversicherung Sie schützt" nachlesen. Informationen über die verschiedenen Formen der "Rente wegen Erwerbsminderung" finden Sie auf der DRV-Übersichtsseite.