Podcasts hören, selbst produzieren und veröffentlichen

Podcasts selbst produzieren

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Podcasts selbst produzieren

Podcast als Marketinginstrument

Viele große Unternehmen haben Podcasting bereits für sich als neues Kommunikationsmittel entdeckt. Starbucks informiert rund um die Kaffeebohne (und die Menschen hinter dem Tresen, die immer Ihren Vornamen wissen wollen...), Opel stellt seine Produkte vor, präsentiert aber auch kurze Interviews mit Umweltexperten oder lädt ein zu Touren durch die sächsische Schweiz (natürlich mit einem Opel-Cabrio).

Doch auch Selbstständige und Freiberufler produzieren Podcasts: Die Heilpraktikerin Silke Cronauge informiert einmal im Monat über Schüssler-Salze oder Bachblüten in ihrem Heilpraxis-Podcast. Marketingberater Alexander Wunschel, der schon zu den Pionieren in der Podosphäre gehört, wendet sich mit seinem Blick über den Tellerrand an die "Freunde der fröhlichen Marktbearbeitung" und bietet wöchentlich Neuigkeiten zu Podcast-Trends im Businessbereich.

Podcasting bietet also auch oder gerade für kleine Unternehmen und Freiberufler enorme Möglichkeiten der Kundenbindung und Neukundengewinnung:

  • Mit einem eigenen Podcast können Sie sich regelmäßig direkt an Ihre Kunden und Interessierte wenden. Die Hemmschwelle, einen Podcast zu abbonieren, ist geringer, als sich für einen Newsletter anzumelden: Beim Podcast fällt die Angst vor Spam weg, da keine E-Mailadresse angegeben werden muss.

  • Da nur abonniert, wer sich für das Thema interessiert, ist der Einsatz zielgerichtet und nicht nach dem "Gießkannenprinzip".

  • Hören ist persönlicher, emotionaler als Lesen. Das bedeutet, Sie stärken Ihre Marke durch die emotionale Ansprache.

  • Podcast ist ein Kind des Web 2.0, dem "Mitmach-Internet": Feedback von Ihren Podcast-Hörern liefert Ihnen wertvolle Informationen für Ihr Unternehmen oder Ihre Dienstleistung.

  • Sie können in Ihrem Podcast auf Seminare, Veranstaltungen, Angebote, Ihre Homepage und vieles mehr hinweisen.

Wer hört überhaupt Podcasts?

Die aktuelle Podcast-Umfrage von Alexander Wunschel hat nicht nur ergeben, dass sich Podcasting als wichtige Unterhaltungs- und Informationsquelle etabliert, sondern auch den Podcast-Hörer sichtbarer gemacht: Der typische Podcast-Nutzer ist zu 82 Prozent männlich und durchschnittlich 29,4 Jahre alt. Er ist gebildet, verfügt über ein Nettoeinkommen von 1.474 Euro monatlich. Er ist zu 55 Prozent berufstätig, zu 40 Prozent in Ausbildung. Der Podcast-Hörer arbeitet vorwiegend in der IT- und Kommunikationsbranche (Medien, Marketing etc.) sowie im Bereich Wissenschaft und Forschung.

Im Durchschnitt hört er oder sie 4,5 Stunden Podcast in der Woche, zur Unterhaltung (86%), um sich zu informieren (82%) und zur Weiterbildung (46%). Interessant sind diese Zahlen auch vor dem Hintergrund der letzten Podcast-Umfrage: Da lag die männliche Dominanz noch bei 89 Prozent und die Nutzung von Podcasts, um sich weiterzubilden, stieg um knapp 60 Prozent.

Und ganz wichtig: Podcast ist kein Hype! Über die Hälfte der befragten Hörer nutzt dieses Medium bereits länger als ein halbes Jahr, 29 Prozent bereits über ein Jahr.

Podcasts selbst produzieren: Die Grundausstattung

Podcasts zu produzieren ist gar nicht so schwer und die Grundausstattung ist übersichtlich. Sie brauchen fürs Podcasting:

  • einen multimediafähigen PC

  • ein Mikro und einen Kopfhörer

  • einen Audio-Editor

  • und evtl. noch einen digitalen Rekorder

Multimediafähiger PC

Ein Computer mit Soundkarte ist sowohl zum Aufnehmen, als auch zum Bearbeiten des Podcasts notwendig.

Mikro und Kopfhörer

Ein brauchbares Mikro bekommt man bereits ab 25 Euro. Bei der Podcast-Aufnahme ist es wichtig einen Kopfhörer zu tragen: So hören Sie, ob überhaupt aufgenommen wird und erkennen störende Geräusche leichter. Wenn man sich selbst hört, artikuliert man außerdem automatisch besser. Beim Kauf eines Kopfhörers sollten sie darauf achten, dass dieser "geschlossen" ist, also selbst wenig Geräusche nach außen abgibt, die dann wieder mit aufgenommen würden.

Für Ihre ersten Podcasting-Versuche reicht jedoch ein preiswertes Headset, wie es häufig bei Spracherkennungsprogrammen oder ähnlichem mitgeliefert wird oder auch das Mikro an Ihrem Laptop.

Wenn Sie kein Headset benutzen, sollten Sie sich einen Mikrofonständer (Stativ) zulegen. Erstens ist es lästig, das Mikro ständig in der Hand zu halten, zweitens entstehen störende Nebengeräusche durch das Umgreifen der Hand. Zu Ihrer Podcasting-Grundausstattung sollte auch ein sog. Poppschutz gehören. Der verhindert, dass die so genannten Explosivlaute, die Konsonanten "P", "B" und "T" unangenehme Geräusche verursachen. Als Poppschutz bezeichnet man in der Regel einen Ring, über den ein Nylontuch gespannt ist und den man vor das Mikro klemmt. Die andere, ebenso wirksame Variante ist ein Windschutz, eine kleine Kappe aus offenporigem Schaumstoff, die man über die Mikrofonkapsel stülpt.

Der Audio-Editor

Der Audio-Editor ist eine Software, die Sie bei der Aufnahme und Bearbeitung Ihres Podcasts unterstützt . Sehr beliebt ist Audacity, ein freies und kostenloses Programm, das Sie sich für Windows, Mac oder Linux herunterladen können. Aktuell werden die Version 1.2.6 und die Version 1.3.3 zum Download angeboten. Die Version 1.2.6 gilt als "fertige" Version, die stabil läuft. Einige interessante und hilfreiche Neuerungen bietet die Beta-Version 1.3.3. Sie kann ohne große Risiken genutzt werden, da sie nach meiner Erfahrung ebenfalls sehr zuverlässig läuft.

Um die Audiodatei in eine MP3-Datei umzuwandeln, als die sie am Ende ins Netz gestellt wird, müssen Sie außerdem den Lame Encoder herunterladen und installieren. Aus patentrechtlichen Gründen darf Audacity dieses Programm nicht integrieren.

Einführung in die Arbeit mit Audacity

Eine ausführliche Anleitung zur Arbeit mit diesem Audio-Editor bietet Brigitte Hagedorn im Beitrag Audio-Dateien erstellen und bearbeiten mit dem kostenlosen Audio-Editor Audacity.

MP3

MP3 ist eine Technik, die Audio-Daten reduziert und komprimiert. "Unbehandelte" digitale Audio-Daten brauchen für eine Minute Spielzeit etwa 10 MB Speicher. Wandelt man diese Daten ins MP3-Format um, so haben sie je nach Qualität nur noch eine Größe von knapp einem MB, sind also gut zehnmal so klein.

Diese Kompressionstechnik nutzt die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung und bildet nur die Töne ab, die das menschliche Ohr auch hören kann: Zum Beispiel unterscheiden wir Töne erst ab einer bestimmten Tonhöhendifferenz, und nach sehr lauten Geräuschen nehmen wir leise schlecht oder gar nicht wahr. Wahrnehmungsgerechte Klangformung oder "Perceptual Noise Shaping" nennt man das.

Bevor es mit der Podcast-Aufnahme losgeht, sollten Sie noch ein paar Einstellungen in Audacity, und auch bei anderen Audio-Editoren, beachten:

  • Die Standard-Samplefrequenz sollte bei 44,1 kHz bleiben. Verändern Sie diese, riskieren Sie, dass andere Player Ihren Podcast nicht richtig abspielen. (Mickey-Mouse-Effekt)

  • Ein Standard-Sampleformat von 16-bit ist für Podcasting ausreichend und braucht nicht so viel Platz auf Ihrer Festplatte.

  • Bitrate: Da der Podcast im Internet abgelegt wird, ist es wichtig, dass die Datei nicht zu groß wird. Zum einen für den Hörer, der sich die Datei runterlädt, aber auch für Ihren Hoster (dazu später mehr), bei dem Ihre Datei liegt und wo Sie eventuell Gebühren nach der Speichermenge zahlen. 192 Kbit/s ist CD-Qualität, also für einen Podcast nicht nötig. Unter 128 Kbit/s sollten Sie nicht gehen, wenn Musik in Ihrem Podcast ist. Für reine Sprache in Mono reichen 64 Kbit/s aus. Je niedriger die Bitrate, desto kleiner die Datei - aber auch umso schlechter ist die Qualität.

Faustregel zur Dateigröße

10 Minuten Audiodatei haben bei 128 Kbit/s eine Größe von ca. 10 MB

Um Ihren Podcast mit kleinen Einspielern oder Soundschnipseln aufzulockern, eignet sich der QuickTime-Player gut. Diesen Player können Sie ebenfalls für Windows oder Mac kostenlos im Internet herunterladen. Sie können mehrere Player gleichzeitig auf Ihrem Bildschirm öffnen und bei Bedarf jeweils abspielen. Auch Ihr Podcast-Intro und -Outro können Sie so in Ihre Aufnahme in Audacity integrieren.

Audio-Editoren zum Podcasten:

Natürlich gibt es noch mehr Audio-Editoren, mit denen Sie Ihren Podcast produzieren können. Sie helfen Ihnen Ihren Podcast ins Netz zu stellen oder haben Buttons, die man selbst mit Soundschnipseln belegen kann.

Beispiel:

CastBlaster für Windows: Eine zehnminütige Testversion ist kostenlos, die Vollversion kostet ca. 40 Euro.

GarageBand für Mac: gehört zum Multimediapaket von iLife und kostet ca. 80 Euro.

MAGIX Podcast Maker für Microsoft: 30 Tage kostenlos testen, 30 Euro.

Podcasts veröffentlichen

Sie haben Ihren Podcast produziert, in eine MP3-Datei umgewandelt und müssen ihn nur noch ins Netz stellen - Dafür benötigen Sie einen Webhoster. Kriterien um einen geeigneten Anbieter auszuwählen sind der Space, also der Speicherplatz, der Ihnen zur Verfügung gestellt wird, und der Traffic, das Volumen welches heruntergeladen wird. Der Traffic wird am Anfang nicht hoch sein, doch wenn die Nachfrage nach Ihrem Podcast wächst, kann da einiges zusammenkommen.

PodHost ist ideal für den Einsstieg ins Podcasting. PodHost bietet Ihnen pro Monat 30 MB Speicherplatz gratis an. Das sind also etwa 30 Minuten Podcast, wenn Sie auf die Größe achten auch mehr. Und diesen Platz bekommen Sie jeden Monat wieder neu zur Verfügung gestellt. Traffic ist frei bei Podhost, es fallen keine Einrichtungsgebühren oder sonstige versteckte Kosten an. Wird aus Podcasting eine Leidenschaft bei Ihnen, sind auch größere Pakete bei PodHost durchaus bezahlbar.

Nach dem Sie sich registriert haben, mit allgemeinen Informationen zu Ihrem Podcast und zu Ihrer Person, können Sie zwischen verschiedenen Layouts für Ihre neue Webseite wählen und geben vielleicht noch an, was den Podcast-Hörer hier erwartet. Dann laden Sie Ihren Beitrag hoch, mit Titel und einer kurze Zusammenfassung des Podcast-Inhalts. Alles das wird in einen Blog gepostet, in Ihre neue Webseite, und PodHost sorgt auch dafür, dass verschiedene Podcast-Verzeichnisse von Ihrer Sendung erfahren.

Aber natürlich können Sie Ihren Podcast auch hier hosten:

Zum Schluss zwei Zitate von Podcastern, die es wissen müssen:

"Loslegen!" Annik Rubens in "Podcasting. Das Buch zum Audiobloggen".

"Podcasting wirkt." Alex Wunschel in "Weblogs, Podcasting und Videojournalismus".