Der Schritt in die Selbstständigkeit: Wer wagt, gewinnt!

Alles wird gut!

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Alles wird gut!

Wird schon schiefgehen!

Das soll Sie jetzt gar nicht abschrecken, denn als überzeugter Selbstständiger könnte ich gar nicht mehr zurück ins Angestelltendasein. Es soll Ihnen nur die Augen öffnen für die Dimensionen, auf die Sie sich einlassen.

Viele Angestellte haben noch nie mit den Summen herumjongliert, die man als Selbstständiger plötzlich bewegt. Nicht wegen der märchenhaften Gewinne (die sind überschaubar ...), sondern wegen der Investitionen: Büroeinrichtung, Material- und Werkzeugbeschaffung, Werbemittel wie Flyer, Visitenkarten oder Fahrzeugaufkleber. Das läppert sich viel schneller und teurer, als man so denkt.

Sie brauchen also Geld, mehr Geld, viel mehr Geld, um loslegen zu können. Wer schon in der Startphase sein letztes Hemd verpfändet hat, wird von jeder kleinen Durststrecke unweigerlich in den Ruin getrieben. Soll Ihre Selbstständigkeit etwa scheitern, weil der Laserdrucker überraschend defekt ist und Sie ihn nicht ersetzen können?

Versuchen Sie daher, möglichst wenig Geld zu binden. Schaffen Sie sich keinen Farblaserdrucker an, sondern drucken Sie seltene Farbkopien im Kopiershop aus. Leasen Sie notwendige Fahrzeuge, anstatt sie zu kaufen. Suchen Sie gebrauchte Geräte, 1B-Ware, Ausstellungsstücke oder solche aus Firmenpleiten.

Ruf! Mich! An!

Wenn es losgeht mit der Selbstständigkeit, kommen täglich neue ungeliebte Aufgaben auf Sie zu: Geräte auswählen, mit deren Technik Sie sich eigentlich nicht beschäftigen wollen, oder Gewerberäume anmieten, zu denen Sie keine Vergleichsmöglichkeiten kennen, oder Verträge unterzeichnen, deren Folgen Sie nicht abschätzen können.

Ich bin Profi. Sie auch.

Von meinen Kunden erwarte ich, dass Sie mich als Profi das machen lassen, was ich besser kann als sie. Genau so muss ich umgekehrt argumentieren: Wenn ich etwas nicht kann, gehe ich zu einem Profi.

Ganz klare Ansage: Wenn Sie etwas nicht einschätzen können, sollten Sie sich beraten lassen, jedenfalls bei den teuren oder langfristigen Anlässen. Im schon erwähnten Gewerbe-Mietvertrag lauern beispielsweise ungeahnte Konsequenzen. Wer dabei an das Wohnungsmietrecht denkt, liegt völlig falsch, denn das greift hier nicht. Eine Sozialklausel gibt es nicht, die jederzeitige Kündigung zum nächsten Quartal typischerweise auch nicht und alles kann frei verhandelt werden.

Haben Sie beispielsweise unterschrieben, dass Sie Ihren Laden ab nächstem Monat ganzjährig sechs Tage die Woche zu den üblichen Geschäftszeiten geöffnet halten, dann sieht es schlecht aus mit Ihrem Jahresurlaub. Sie werden sich für die Zeit dann wohl eine Vertretung besorgen müssen.

Umfangreiche Verträge

Als wir unser Wohnhaus gekauft haben, war dort seit über zwanzig Jahren eine Bank drin, deren Mietvertrag aus einer mit Schreibmaschine getippten Seite bestand. Darin stand der Starttermin, die anfängliche Miete und deren regelmäßige Erhöhung, sonst nichts. Das war erfrischend übersichtlich.

Den Vertrag mit dem nächsten Mieter haben wir von einem Anwalt erstellen lassen. Das alleine ist sicherlich schon eine ausreichende Erklärung dafür, warum es fast 30 Seiten Text wurden.

Nun ist aber endlich geregelt, wer wo welche Mülltonnen hinstellen darf, dass der Rasen nicht als Verkaufsfläche nutzbar ist, dass die Ladenöffnungszeiten werktags maximal zwischen 6 und 22 Uhr liegen, dass kein Alkoholausschank erlaubt ist, welche Flächen für Werbung zulässig sind, wo Schneeräumpflicht besteht oder welche Nebenkosten wie aufgeschlüsselt werden.

Es mag kleinlich wirken, solche Sachen zu regeln. Im Wohnraum-Mietvertrag ist das auch nicht nötig, weil es dort ein verbindliches Gesetz gibt. Im Gewerbe-Mietrecht gibt es das nicht, Sie müssen also alles einzeln vereinbaren. Hat Ihr Vermieter vergessen, die Nebenkosten zu klären, bleibt er im Zweifelsfall darauf sitzen. Hatten Sie vergessen, die Anbringung von Werbung an der Fassade zu regeln, haben Sie ein Problem.

Es mag gerade in der ohnehin teuren Anfangszeit schmerzen, aber manche Berater sind ihr Geld wert. Dazu zählen:

  • ein Steuerberater für geordnete Finanzen,

  • ein Anwalt für Verträge und

  • eventuell ein Makler für notwendige Versicherungen.

Ganz vergessen wird dabei oft, dass andere Hilfen kostenlos oder wenigstens gefördert sind, allen voran die Industrie- und Handelskammer beziehungsweise die Handwerkskammer mit Kursen zu verschiedenen Themen oder mit individueller Beratung. Für die Vorbereitung der eigenen Selbstständigkeit gibt es Gründerzuschüsse und ähnliches, die oftmals einfach nur nicht beantragt werden.