Überblick Unternehmensteuerreform 2008 - Wer gewinnt, wer verliert, was ist zu tun?

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Abschaffung der degressiven AfA

Für alle Unternehmen wird die degressive AfA nach § 7 Abs. 2, 3 EStG abgeschafft. Sie können die degressive AfA letztmalig für vor dem 1. Januar 2008 angeschaffte oder hergestellte bewegliche Wirtschaftsgüter anwenden.

Nach dem 31. Dezember 2007 angeschaffte oder hergestellte Wirtschaftsgüter werden in der Regel nach der linearen AfA abgeschrieben.

Folgende Darstellung gibt Ihnen einen Überblick über den zeitlichen Anwendungsbereich der degressiven AfA:

Bis 31. Dezember 2005 angeschaffte Wirtschaftsgüter

2-fache der linearen AfA, max. 20%

In 2006 und 2007 angeschaffte Wirtschaftsgüter

3-fache der linearen AfA, max. 30%

Ab 1. Januar 2008 angeschaffte Wirtschaftsgüter

Keine degressive AfA

Die Abschaffung der degressiven AfA ist ein Element der Gegenfinanzierung der Unternehmensteuerreform.

Beispiel:

Ein Wirtschaftsgut wird zu Anschaffungskosten in Höhe von 100.000 Euro und einer Nutzungszeit von 10 Jahren gemäß AfA-Tabelle mit 10 % oder 10.000 Euro pro Jahr linear abgeschrieben. Wurde die Anlage bis einschließlich 2000 angeschafft, konnten 30 % p.a. oder 30.000 Euro im ersten Jahr degressiv abgeschrieben werden, eine Ersparnis von 20.000 Euro. Bei Anschaffung in den Jahren 2001 bis 2005 beträgt die maximale Abschreibung im ersten Nutzungsjahr nur 20.000 Euro, also 10.000 Euro weniger. In 2006 und 2007 wurde wieder eine Abschreibung von 30.000 Euro im ersten Jahr zugelassen - um dem Mittelstand einen Investitionsanreiz zu geben, denn KMU profitieren am meisten von der degressiven AfA. Die bestehenden degressiven Abschreibungspläne für Anlagen, die bis zum 31.12.2007 in Dienst gestellt werden, bleiben erhalten.

Sofortabschreibung von Geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG)

Die Regelungen zur Sofortabschreibung so genannter geringwertiger Wirtschaftsgüter werden neu geordnet. Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sind bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die zu einer selbständigen Nutzung fähig sind und deren Anschaffungskosten abzüglich Vorsteuerbetrag nach aktueller Rechtslage 410 Euro nicht übersteigen. Für diese besteht sowohl für Gewinn- als auch für Überschusseinkünfte nach aktueller Rechtslage gemäß § 6 Abs. 2 EStG im Jahr der Anschaffung ein Wahlrecht zur Sofortabschreibung.

Ab 2008 gilt eine Neuregelung, nach der eine Einschränkung der sofortigen Abzugsfähigkeit von geringwertigen Wirtschaftsgütern bei den Gewinneinkünften vorgesehen ist. Danach wird folgendermaßen differenziert:

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Nach der Neuregelung können Sie als Selbständiger oder Unternehmer mit Gewinneinkünften einen Sofortabzug bei selbständig nutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens durchführen, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten jeweils 150 Euro nicht übersteigen. Wirtschaftsgüter von derart geringfügigem Wert sollen Ihre Buchführung nicht belasten. Daher wird auf die bisherigen besonderen Aufzeichnungspflichten vollständig verzichtet. Diese Regelung gilt auch bei der Einnahme-Überschussrechnung, hier mit der Maßgabe, dass die Anschaffungskosten kleiner oder gleich 410 Euro betragen müssen, um einen vollen Abzug als Werbungskosten zu erzielen. Die strengen Nachweis- und Aufzeichnungspflichten sind hingegen aufgehoben.

Bewegliche abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten von mehr als 150 Euro bis zu 1.000 Euro müssen Sie ab 2008 in einen jahrgangsbezogenen Sammelposten einzustellen. Dieser ist jeweils im Wirtschaftsjahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage zu bilden und über eine Dauer von fünf Jahren gleichmäßig verteilt gewinnmindernd aufzulösen. Abgesehen von der buchmäßigen Erfassung des Zugangs des jeweiligen Wirtschaftsguts bestehen keine weiteren Dokumentationspflichten. Ihre Bürokratiekosten sollen dadurch deutlich reduziert werden.

Die Neuregelung soll erstmals für Wirtschaftsgüter gelten, die in Wirtschaftsjahren angeschafft oder hergestellt wurden, die nach dem 31. Dezember 2007 enden. Die Einbeziehung der Wirtschaftsgüter in einem Sammelposten bedingt eine zusammenfassende Behandlung der einzelnen Wirtschaftsgüter. In der Folge wirken sich Vorgänge nicht aus, die sich nur auf das einzelne Wirtschaftsgut beziehen. Durch Veräußerungen, Entnahmen oder Wertminderungen wird der Wert des Sammelpostens nicht beeinflusst.

Bei entgeltlichem Übergang des gesamten Betriebs oder Teilbetriebs auf einen Rechtsnachfolger erwirbt dieser die einzelnen Wirtschaftsgüter, die in dem Sammelposten enthalten sind. Diese Wirtschaftsgüter sind - soweit die Anschaffungskosten innerhalb der genannten Werte liegen - entsprechend der Neuregelung in einem Sammelposten auszuweisen. Bei unentgeltlichem Übergang werden die jeweiligen Sammelposten mit ihren Buchwerten fortgeführt.

Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung

Zweck der Neuregelung

Zweck der Neuregelung ist die Vorverlagerung von Abschreibungspotential in ein Wirtschaftsjahr vor der Anschaffung oder Herstellung eines begünstigten Anlageguts. Erreicht wird damit eine Steuerstundung, wodurch Sie Mittel für spätere Investitionen ansparen können und vor allem kleine und mittlere Betriebe in ihrer Innovations- und Investitionskraft gestärkt werden.

Anwendungsbereich

Folgende Übersicht zeigt Ihnen den Anwendungsbereich des § 7 g EStG-E:

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Wer ist begünstigt?

Die Möglichkeit eines Investitionsabzugsbetrags besteht bei Einkünften aus Gewerbebetrieb, selbständiger Arbeit oder aus Land- und Forstwirtschaft, und zwar sowohl bei bilanzierenden Unternehmern als auch bei den Einnahmen-Überschuss-Rechnern.

Im Falle neu gegründeter Betriebe kann der Investitionsabzugsbetrag bereits im Jahr vor der Betriebseröffnung in Anspruch genommen werden.

Entsprechend dem Zweck der Neuregelung, kleine und mittlere Unternehmen in deren Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, wird nach Größenkriterien der Betriebe gestaffelt. Die Betriebsgrößenbegrenzung ist hierbei betriebs- und nicht etwa personenbezogen. Die Klassifizierung erfolgt daher für jeden Betrieb gesondert. Investitionsabzugsberechtigt sind:

  • Gewerbebetriebe oder der selbstständigen Arbeit dienende Betriebe mit Gewinnermittlung durch Bilanzierung nach § 4 Abs. 1 oder § 5 EStG: Betriebsvermögen bis 235.000 Euro.

  • Betriebe der Land- und Forstwirtschaft: Einheitswert bis 125.000 Euro (ohne Wohnungswert).

  • Einnahmen-Überschuss-Rechner gemäß § 4 Abs. 3 EStG: Gewinn ohne Berücksichtigung des Investitionsabzugsbetrages bis 100.000 Euro.

Maßgeblicher Zeitpunkt ist dabei stets das Größenkriterium am Ende des Wirtschaftsjahres, in dem der Investitionsabzugsbetrag in Anspruch genommen wird.

Was ist begünstigt?

Begünstigt werden abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, wobei es unerheblich ist, ob es sich um ein neues oder ein gebrauchtes Wirtschaftsgut handelt. Zudem müssen Sie die Absicht haben, das begünstigte Wirtschaftsgut voraussichtlich mindestens bis zum Ende des dem Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung folgenden Wirtschaftsjahres in einer inländischen Betriebsstätte des Betriebs ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich zu nutzen. Das bedeutet, dass das begünstigte Wirtschaftsgut in der Bilanz Ihrer inländischen Betriebsstätte aktiviert und mindestens zu 90 % betrieblich genutzt werden muss.

Diese sog. Verbleibens-Voraussetzung ist nicht (mehr) erfüllt, wenn das begünstigte Wirtschaftsgut von Ihnen

  • verkauft wird,

  • (für mehr als drei Monate) vermietet oder verpachtet wird oder

  • in einen anderen Betrieb, eine ausländische Betriebsstätte, das Umlaufvermögen oder das Privatvermögen überführt wird.

Nachweispflicht

Weitere Voraussetzung für die Anwendbarkeit des Investitionsabzugsbetrags ist Ihre Absicht, das begünstigte Wirtschaftsgut voraussichtlich innerhalb der dem Wirtschaftsjahr des Abzugs folgenden drei Wirtschaftsjahre anzuschaffen bzw. herzustellen. Ein Abzug im Wirtschaftsjahr der Investition selbst ist nicht vorgesehen.

Diese Absicht muss hinreichend konkretisiert sein, d. h. eine aus der Sicht am Ende des Wirtschaftsjahres der Geltendmachung zu treffende Prognose über die voraussichtlichen Investitionen ist darzustellen. Die Bildung von Investitionsabzugsbeträgen "ins Blaue hinein" ist unzulässig. Die geplanten Investitionen sind nach den Neuregelungen der Unternehmensteuerreform aber nur noch ihrer Funktion nach zu bezeichnen.