Überblick Unternehmensteuerreform 2008 - Wer gewinnt, wer verliert, was ist zu tun?

Entlastungen, Belastungen

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Entlastungen, Belastungen

Am 6. Juli 2007 hat der Bundesrat dem Gesetzentwurf zur Reform der Unternehmensteuer zugestimmt. Damit ist der Weg frei für das Inkrafttreten der Reform. Doch wer gewinnt, wer verliert, was müssen Sie jetzt tun?

Mit der Senkung der Körperschaftsteuer auf 15 % und der Gesamttarifbelastung in die Nähe von 30 % sowie mit der pragmatischen Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge in Höhe von 25 % ab 2009 setzt Deutschland ein gutes Signal: Durch die niedrigen Sätze werden Investitionen attraktiver; niedrigere Steuern sind gleichbedeutend mit höheren Renditen.

Dennoch bleibt die Reform deutlich hinter den Bedürfnissen der kleinen und mittelständischen Unternehmen zurück: Mit Hinzurechnungen, Zinsschranke, Steuer auf Funktionsverlagerung und Thesaurierungsrücklage wird das Steuerrecht undurchsichtiger. Für viele Selbständige und kleinere Unternehmen bringt der Wegfall der degressiven Abschreibung zudem steuerliche Nachteile - ohne Tariferleichterung (wie hoch der Steueranteil heute ist, sehen Sie in Tabelle 1 am Beitragsende).

Die Tarifsenkung bringt denjenigen Kapitalgesellschaften die größte Entlastung, die aus dem Vollen schöpfen können: mit viel Eigenkapital, wenig Schulden und guten Gewinnen. Die zusätzlichen freien Mittel können investiert oder ausgeschüttet werden. Allerdings: Wer ausschüttet, muss nachversteuern. Die Abgeltungsteuer kostet zwar nur 25 %. In der Summe kann es für viele aber doch teurer kommen, als beim geltenden Halbeinkünfteverfahren, weil Aufwand und Verluste nur noch begrenzt absetzbar sind.

Hier heißt es: Genau rechnen! Dies gilt erst recht für Personengesellschaften und Einzelunternehmen. Sie bekommen eine sog. Thesaurierungsrücklage für einbehaltene Gewinne mit einem investitionsfördernden Steuersatz von gut 28 %. Bei Entnahme steigt die Belastung aber auf über 47 % (siehe Praxisbeispiel in Tabelle 2). Die Rücklage ist zudem sehr kompliziert und kommt deshalb nur für ganz wenige Mittelständler in Frage.

Erhebliche Mehrbelastungen haben zum Beispiel Filialbetriebe im Einzelhandel, in der Gastronomie und im Hotelgewerbe zu befürchten: Überall dort, wo das Gewerbe in gemieteten Räumen ausgeübt wird, wo Einrichtungen oder der Fuhrpark geleast sind, steigt die Gewerbesteuer durch die neuen Hinzurechnungen durch eine Substanzbesteuerung.

Es gibt zwar einen Freibetrag von 100.000 Euro, der hilft aber nur den wirklich kleinen Unternehmen. Der Zuwachs an Gewerbesteuer wird bei vielen Betrieben durch die positiven Elemente der Reform nicht kompensiert.

Sie müssen daher jetzt schon prüfen, wie sich die Unternehmensteuerreform individuell für Sie auswirkt. Dies gilt umso mehr, als einige Regeln schon jetzt zu beachten sind.

Entlastungsmaßnahmen im Überblick

  • Senkung des Körperschaftsteuersatzes von 25 auf 15 Prozent

  • Senkung der Gewerbesteuermesszahl auf 3,5 Prozent (unter Streichung der Staffelstufen von ein, zwei und drei Prozent für Personenunternehmen)

  • Anhebung des Anrechnungsfaktors der Gewerbesteuer bei der Einkommensteuer von 1,8 auf 3,8

  • Gewinnthesaurierung für bilanzierende Unternehmen zu einem Einkommensteuersatz von 28,25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag; ausgeschüttete Gewinne müssen allerdings nach versteuert werden.

  • Änderung der Sonder- und Ansparabschreibung für kleine und mittlere Betriebe in einen Investitionsabzugsbetrag. Der zulässige Höchstbetrag wird auf 200.000 Euro angehoben. Für Selbständige mit Einnahme-Überschuss-Rechnung wird der Abzug an die Bedingung geknüpft, dass kein Gewinn von mehr als 100.000 Euro erwirtschaftet wird. Im Übrigen gilt für die Inanspruchnahme eine Betriebsvermögensgrenze von 235.000 Euro.

  • Einführung einer Abgeltungssteuer mit Veranlagungsoption in Höhe von 25 Prozent ab 1. Januar 2009 auf private Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne bei Wertpapieren). Streichung der Spekulationsfrist von einem Jahr.

Prüfen Sie, ob Sie Betriebsausgaben noch ins Jahr 2007 vorziehen können, um damit Ihren Gewinn zu mindern!

Ein Praxisbeispiel unter Berücksichtigung der Senkung der Körperschaftsteuer, der Gewerbesteuermesszahl, der Anhebung des Anrechnungsfaktors der Gewerbesteuer zur Einkommensteuer bei Anwendung der Gewinnthesaurierung finden Sie am Ende des Beitrags (Tabelle 2).

Belastungsmaßnahmen im Überblick

  • Wegfall des Betriebsausgabenabzugs der Gewerbesteuer

  • Hinzurechnung von Zinsen sowie von Finanzierungsanteilen von Mieten, Pachten, Leasingraten und Lizenzen bei der Gewerbesteuer mit einem Freibetrag von 100.000 Euro (dafür Wegfall der bisherigen 50%-igen Hinzurechnung von Dauerschuldzinsen) in Form von:

    - Hinzurechnung von 25 % aller Zinsen (Dauerschuld- und Kurzfristzinsen) bei der Gewerbesteuer

    - Hinzurechnung von 25 % der pauschalierten Finanzierungsanteile bei Mieten, Pachten, Leasingraten und Lizenzen. Der jeweilige Finanzierungsanteil beträgt:

    - 20 % bei beweglichen Wirtschaftsgütern,

    - 25 % bei Lizenzen mit Ausnahme von Lizenzen, die ausschließlich zum Weiterverkauf daraus abgeleiteter Rechte berechtigen

    - 75 % bei unbeweglichen Wirtschaftsgütern (Siehe Schnellcheck zur Ermittlung der Hinzurechnungen).

  • Einführung einer Zinsschranke von 30 % mit einer Freigrenze von einer Million Euro mit einer "Escape-Klausel" in der Einkommen- und Körperschaftsteuer.

  • Verschärfung der Mantelkaufregelung (§ 8 Abs. 4 KStG)

  • Abschaffung der degressiven Abschreibung für Wirtschaftsgüter, die nach dem 31. Dezember 2007 angeschafft werden.

  • Begrenzung der Sofortabschreibung für geringwertige Wirtschaftsgüter bis zu einer Grenze von einschließlich 150 Euro für alle Unternehmen. Für Wirtschaftsgüter von über 150 bis zu einschließlich 1.000 Euro ist eine Poolbewertung vorgesehen. Hierfür sollen die entsprechenden Wirtschaftsgüter in einen jahrgangsbezogenen Sammelposten eingestellt werden. Dieser Sammelposten ist über eine Dauer von fünf Jahren gleichmäßig verteilt gewinnmindernd aufzulösen. Der Pool ist festgeschrieben. Vorzeitige Entnahmen oder Veräußerungen von in dem Pool erfassten Wirtschaftsgütern wirken sich hierauf nicht aus.

Prüfen Sie, ob Sie Anschaffungen noch ins Jahr 2007 vorziehen können, um für diese noch die degressive Abschreibung nutzen zu können!