Vergessen Sie den PageRank!

PageRank: Mythos und Wahrheit

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PageRank: Mythos und Wahrheit

Ein weitverbreiteter Irrtum: Der Google PageRank, dargestellt als kleiner grüner Balken mit Werten wie "3/10" oder "6/10" sei ein echter, fester Maßstab dafür, für wie gut Google eine Seite schlechthin hält. Und deshalb zeige sich daran der Wert, den ein Link von dort für den eigenen Suchmaschinenerfolg hat. Das ist leicht widerlegt. Nur: Woran erkenne ich denn die Seiten, die den Suchmaschinen-Erfolg meiner Seiten wirklich beflügeln, wenn sie einen Link zu mir setzen? Dieser Beitrag liefert eine praktische Einführung in die Bewertung von Links für die Suchmaschinenoptimierung, die Sie selbst praktisch umsetzen können.

Der PageRank: Legende und Wahrheit

(Falls Sie in Sachen "PageRank" längst Bescheid wissen, können Sie gleich beim nächsten Abschnitt weiterlesen.)

Zunächst mal: Der PageRank ist nur noch ein Faktor unter vielen. Googles "Meister des Algorithmus" Amit Singhal sagte der N. Y. Times (englischsprachig, kostenlose Registrierung erforderlich) vor kurzem, dass in das Ranking einer Seite mehr als 200 Faktoren einfließen, bei Google Signale genannt. Über den PageRank wird wohl am meisten geredet - aber dennoch ist er nur eines der Signale und nicht einmal mehr unbedingt eines der wichtigsten.

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Screenshot: Google-Toolbar - PageRank-Beispiel

Den PageRank gibt es gleich in doppelter Ausführung. Die bekannteste Form ist der grüne Balken in der Google-Toolbar (s. o.), bei dessen Anblick viele Webmaster ganz grundlos weiche Knie bekommen. Der "echte PageRank" ist die mathematische Grundlage für die Berechnung der Qualität von so genannten eingehenden Links (Links, die jemand zu Ihren Seiten setzt). Mathematisch gesehen sieht das dann so aus:

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PageRank Formel: Grafik aus der Wikipedia

Diese Grafik stammt übrigens aus der Wikipedia. Der - recht gute - Beitrag dort zum Thema PageRank geht auch (anders als wir) auf die mathematischen Aspekte ein.

Die Unterschiede zwischen dem "Pixelstaub-PageRank" und dem echten PageRank

Während der echte PageRank kontinuierlich (bei jedem erneuten Indizieren einer Seite oder einmal täglich) berechnet wird, gibt es für den kleinen grünen Balken nur ca. alle Vierteljahre ein Update: Dann mobilisiert Google die Computerarmee, die sich durch die große Datenbank des Unternehmens kämpft, den sogenannten Index, und den echten PageRank für alle Webseiten rauszieht, ordentlich verhackstückt und den verstümmelten Wert (Google will nicht wirklich, dass wir wissen, wie viel PageRank eine Seite hat) in eine eigene Datenbank schreibt. Aus dieser Datenbank wird er dann für die nächsten drei Monate von der PageRank-Toolbar abgerufen und als grüner Balken dargestellt.

Zusammenfassend ist der Toolbar-PageRank

  • lediglich eine Annäherung an den echten Wert,

  • welcher an einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit berechnet wurde und

  • welcher nur ein einziges Signal berücksichtigt, nämlich die Linkpopularität einer einzelnen Seite.

Es ist also denkbar, dass der PageRank für eine bestimmte Seite so aussieht (jede Zahl für einen Tag):

Montag

4

Dienstag

3

Mittwoch

6 (=> Toolbar)

Donnerstag

4

... 3 Monate

... vergehen

Samstag

7

Sonntag

6 (=> Toolbar)

Montag

3

...und so weiter...

...und so fort...

Welchen Sinn macht es da noch zu sagen: "Meine Seite hat einen PageRank von 6?" - selbst wenn der Wert der grünen Nummer akkurat ist? Der PageRank kann zwischen den Updates so stark fluktuieren, dass diese Angabe nichts Zuverlässiges mehr über meine Seiten besagt.

Ein leicht genervter Bericht aus dem Alltag.

Für Linktauschdienste wie für andere Webmaster ist der grüne Balken nach wie vor die Grundlage für die Berechnung der Qualität eines Links: Ein Link mit Toolbar-PageRank 6 ist mehr wert als ein Link mit PageRank 4 - und das nur, weil der grüne Balken das einzig "Sichtbare" ist, woran man sich klammern kann.

Die Folge ist PageRank-Hysterie und ein ganzes geschäftliches Ökosystem rund um den grünen Balken. Alle drei Monate rufen mich Webmaster und Kunden an: Der "PR 5 Link" auf ihre Seiten hat nur noch einen PageRank von 3 - deshalb wollen sie weniger bezahlen oder den Gegen-Link auf meine Seiten entfernen. Ich solle gefälligst dafür sorgen, dass ihr Link auf eine Seite mit mehr PR kommt! Wenn ich dann zu erklären versuche, was es mit dem PageRank auf sich hat, dann stoße ich oft auf totales Unverständnis.

Schuld an diesen ewigen Diskussion ist natürlich letzlich Google. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte von Google, dann wäre das, den Balken mit seinem absoluten Wert durch eine Verlaufskurve zu ersetzen, wie wir sie von Aktienkursen kennen. Das wäre ein wenig nützlicher - auch wenn dann die PageRank-Massenhysterie erst recht ausbrechen würde.

Genug zum Google PageRank. Viel interessanter ist es, nach alternativen Möglichkeiten zu suchen, um die Qualität eines Links zu messen - ohne grünen Balken. Denn es ist ja tatsächlich so, dass nicht jeder Link gleich wertvoll ist. Wir brauchen feste Methoden, um zu beurteilen, wie hoch der "tatsächliche Wert" eines Links ist. Darum geht es im nächsten Abschnitt.