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ALG II und Selbstständigkeit

Das Anrechnungsverfahren und die Ermittlung des Erwerbseinkommens bei Selbstständigen

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Stand: 22. März 2011 (aktualisiert)

Rechenbeispiele

Steuern und Abgaben nicht vergessen!

Damit Sie sich einen schnellen Überblick über die Anrechnung von Hinzuverdiensten aus selbstständigen Tätigkeiten verschaffen können, fassen wir im Folgenden die wichtigsten Informationen zum Anrechnungsverfahren noch einmal zusammen:

Vom monatlichen Einnahmenüberschuss dürfen Selbstständige - wie alle anderen erwerbstätigen ALG-II-Empfänger auch - zunächst einen Grundfreibetrag von 100 Euro für sich behalten. Bis zu einem "Brutto-Einkommen" von 400 Euro sind damit die folgenden Ausgaben abgedeckt:

  • private Steuern,

  • Pflichtbeiträge zu gesetzlichen Sozialversicherungen oder entsprechende, "angemessene" Beiträge zur privaten sozialen Sicherung,

  • weitere private Versicherungen wie die Haftpflicht- oder Gebäude-Brandversicherung oder auch

  • Fahrtkosten zwischen Wohnung und Betriebsstätte.

Sollten die tatsächlichen Ausgaben im Einzelfall höher liegen, können sie vom Antragsteller geltend gemacht werden.

Erwerbstätigen-Freibeträge

Zusätzlich zum Grundfreibetrag von 100 Euro dürfen Erwerbstätige ...

  • 20 Prozent ihrer Brutto-Einkünfte zwischen 100 Euro und 800 Euro (ab Juli 2011: 1.000 Euro) - (maximal also 20 Prozent auf 700 Euro = 140 Euro - ab Juli: 180 Euro)

  • plus 10 Prozent der Brutto-Einkünfte zwischen 800 und 1.200 Euro (ab Juli 2011: 1.000 Euro bis 1.200 Euro) - (weitere maximal 40 Euro - ab Juli: 20 Euro).

... für sich beanspruchen. Sofern der Bedürftige mindestens ein Kind hat, erhöht sich die Obergrenze der Freibetrags-Basis auf 1.500 Euro (maximal 70 Euro - ab Juli: 50 Euro).

Die nach allen Abzügen und Freibeträgen verbleibenden Einkünfte stellen anrechenbares Einkommen dar, das vom zunächst ermittelten ALG-II-Bedarf abgezogen wird.

Bitte beachten Sie: Wer von Vereinen oder anderen gemeinnützigen Einrichtungen eine steuerfreie Übungsleiter- oder Ehrenamtspauschale erhält, darf diese Einkünfte seit 2011 bis zu einer Obergrenze von monatlich 175 Euro ganz für sich behalten. Bis zu diesem Betrag werden Aufwandsentschädigungen für bürgerschaftliches Engagement nicht mehr vom Arbeitslosengeld II abgezogen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Beiträgen zur Übungsleiterpauschale und zur Ehrenamtspauschale.

Rechen-Beispiele zur Ermittlung des anrechenbaren Einkommens aus selbstständiger Tätigkeit

Die folgende Tabelle verdeutlicht den Weg vom Umsatz über den Gewinn und die verschiedenen Freibeträge bis hin zum anrechenbaren Einkommen (Stand: März 2011 - Hinzuverdienstgrenzen gelten noch bis 30. Juni 2011):

kinderlos

kinderlos

mit Kind

Einnahmen

550 Euro

1.400 Euro

2.000 Euro

minus notwendige
Betriebsausgaben

200 Euro

400 Euro

600 Euro

= Gewinn/
"Brutto-Einkommen"

350 Euro

1.000 Euro

1.400 Euro

minus Grundfreibetrag

100 Euro

(100 Euro)*

(100 Euro)*

minus private
Einkommensteuer

-

50 Euro

-

minus Sozialversicherung

-

320 Euro

450 Euro

minus
Versicherungspauschale

-

30 Euro

30 Euro

minus Fahrkosten

-

40 Euro

40 Euro

= "Netto-Einkommen"

250 Euro

560 Euro

880 Euro

minus 20-%-Freibetrag
auf Bruttoanteil zwischen
100 Euro und 800 Euro

50 Euro

140 Euro

140 Euro

minus 10-%-Freibetrag
auf Bruttoanteil zwischen
800 Euro und 1.200 Euro

-

20 Euro

-

minus 10-%-Freibetrag
auf Bruttoanteil zwischen
800 Euro und 1.500 Euro

-

-

60 Euro

= anrechenbares
Einkommen

200 Euro

400 Euro

680 Euro

*) tatsächliche Abzüge höher als der Grundfreibetrag

Durch die ab Juli 2011 geltenden neuen Hinzuverdienstgrenzen (1.000 Euro statt bisher 800 Euro in Stufe 2), ändert sich das Bild ein wenig:

kinderlos

kinderlos

mit Kind

Einnahmen

550 Euro

1.400 Euro

2.000 Euro

minus notwendige
Betriebsausgaben

200 Euro

400 Euro

600 Euro

= Gewinn/
"Brutto-Einkommen"

350 Euro

1.000 Euro

1.400 Euro

minus Grundfreibetrag

100 Euro

(100 Euro)*

(100 Euro)*

minus private
Einkommensteuer

-

50 Euro

-

minus Sozialversicherung

-

320 Euro

450 Euro

minus
Versicherungspauschale

-

30 Euro

30 Euro

minus Fahrkosten

-

40 Euro

40 Euro

= "Netto-Einkommen"

250 Euro

560 Euro

880 Euro

minus 20-%-Freibetrag
auf Bruttoanteil zwischen
100 Euro und 1.000 Euro

50 Euro

180 Euro

180 Euro

minus 10-%-Freibetrag
auf Bruttoanteil zwischen
1.000 Euro und 1.200 Euro

-

-

-

minus 10-%-Freibetrag
auf Bruttoanteil zwischen
1.000 Euro und 1.500 Euro

-

-

40 Euro

= anrechenbares
Einkommen

200 Euro

380 Euro

660 Euro

*) tatsächliche Abzüge höher als der Grundfreibetrag

Die dargestellten Überschlagsrechnungen dienen nur der Illustration des Anrechnungsverfahrens bei selbstständigen (Neben-)Einkünften: Zusätzliche Einkommen von Angehörigen der "Bedarfsgemeinschaft" (erwerbsfähigen Familienangehörigen oder Partnern) sind darin ebenso wenig berücksichtigt wie eventuelle Vermögenswerte.

Weiterführende Informationen und Rechenhilfen

Recht gut verständliche Basisinformationen zum Arbeitslosengeld II finden Sie in der Bundesagentur-Broschüre "SGB II: Grundsicherung für Arbeitsuchende" (PDF, 241 KB).

Das Bundesarbeitsministerium stellt auf seiner Website einen "Einkommensrechner Arbeitnehmer" zur Verfügung. Mit dessen Hilfe können auch Selbstständige ermitteln, welcher Teil ihres Hinzuverdienstes auf das Arbeitslosengeld II angerechnet wird. Die Bedienung des Einkommensrechners wird in einem vierseitigen Infoblatt erklärt (PDF, 3,7 MB).

Ihre persönlichen Steuerabzüge ermitteln Sie bei Bedarf mithilfe des Einkommensteuerrechners, der vom Bundesfinanzministerium bereitgestellt wird.

Sofern Sie mit dem Gedanken spielen, sich beim Einstieg in die Selbstständigkeit von der Arbeitsagentur unterstützen zu lassen, sollten Sie einen Blick auf den Beitrag "Existenzgründung mit Einstiegsgeld" werfen. Dort werden auch die betrieblichen Zuschüsse und Darlehen für selbstständige ALG-II-Bezieher vorgestellt. Anspruch auf den Gründungszuschuss haben ALG-II-Bezieher bei Gründung aus der Arbeitslosigkeit leider nicht.

Fazit

Dass auch Selbstständige ALG II bekommen können, ist sinnvoll und notwendig. Die bürokratischen Sondervorschriften zur Gewinnermittlung empfinden viele Betroffenen aber verständlicherweise als ungerecht, ja diskriminierend. Zumal die zuständigen Fallmanager vielfach beim besten Willen nicht beurteilen können, ob eine konkrete Ausgabe notwendig und angemessen ist oder nicht.

Besserung ist leider nicht in Sicht: Die ab Juli 2011 geltende Anhebung der Hinzuverdienstgrenze in Stufe 2 von 800 Euro auf 1.000 Euro klingt vielversprechend. Damit erhöht sich das tatsächlich verfügbare Zusatzeinkommen jedoch um gerade einmal 20 Euro - und auch nur bei sehr wenigen hilfsbedürftigen Selbstständigen.

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Ihre Wertung:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich soll meinem neuen Fallmanager bei der Arge Lübeck eine Firmeninventarliste vorlegen.

Hintergrund des Ganzen ist,das besagter Fallmanager anhand dieser Liste entscheiden will ob meine zukünftigen Betriebsausgaben bzw. Investitionen notwendig sind oder nicht.Bisher wurden von allen Fallmanagern meine Betriebsausgeaben anstandlos akzeptiert.

Darf der Fallmanager eine solche Inventarliste anfoerdern?

Vielen Dank

Mit freundl. Gruss

Hallo Herr Bohne,
vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage. Und gleich eine Nachfrage hinterher: Erwarten Sie im Jahresabschluss / Steuerbescheid gravierende Abweichungen gegenüber der letzten BWA - oder geht es "nur" um den Zeitpunkt der Rückzahlung?
Was den Zeitpunkt der Abrechnung betrifft: Nein, das Job Center muss "den offiziellen und abschließenden Jahresabschluss und Einkommensteuerbescheid" nicht abwarten. In § 3 Ab. 6 der ALGII-Verordnung
http://bundesrecht.juris.de/algiiv_2008/__3.html
heißt es dazu:
------------ Zitat ----------------
(6) Soweit über die Gewährung von Leistungen zum Lebensunterhalt [..]vorläufig entschieden wurde, kann das Einkommen im Bewilligungszeitraum für die abschließende Entscheidung geschätzt werden, wenn das tatsächliche Einkommen nicht innerhalb eines Zeitraums von zwei Monaten nach Ende des Bewilligungszeitraums nachgewiesen wird.
----------Zitat-Ende --------------
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Sehr geehrter Chromow
Im Jahr 2008 habe ich als selbstständiger Kaufmann Lebensunterhaltzuschüsse nach SGB II erhalten.
Obwohl bis jetzt nur eine vorläufige BWA existiert, nach welcher mein Einkommen doch ausreichend war, fordert das Job Center bereits alle Leistungen zurück. Ist das rechtens? Auf welcher Gesetzesgrundlage (§) und wann werden endgültige Berechnungen frühestens vor genommen? Muss das Job Center nicht den offiziellen und abschließenden Jahresabschluss und Einkommensteuerbescheid abwarten?
Für eine Antwort wäre ich dankbar.
M.f.G.
Frank Bohne
Hannovers

Vielen Dank für Ihre Antwort Herr Chromow, sie haben mir damit wirklich weitergeholfen.

Von der FA-Seite her betrachtet ist das ganze Einnahme-Ausgabe-Heck-Meck kein Problem.

Die Problematik stand eher im Zusammenhang mit der ARGE! Wie es sich herausgestellt hat, war auch in diesem Fall Unwissenheit des Leistungsbearbeiters im Spiel!

>>Bei 200 € Gage (inkl.! UST) - wollte das Amt die kompletten 200 € als Einkommen anrechnen - wovon ich jedoch noch 19% an das FA abgeben musste. Mein "wirkliches" anrechenbares Einkommen waren ja somit nur ~ 168 €!.<<

Hallo Sammy,
wenn Sie sich freiwillig für die Umsatzsteuer entscheiden, dann gelten Ihre Umsatzsteuereinnahmen als Betriebseinnahmen und Ihre Umsatzsteuerzahlungen als Betriebsausgaben. Das gilt auch für Zahlungen vom / an das Finanzamt: Eventuelle Vorsteuer-Erstattungen gelten als Einnahme, das Abführen der Zahllast aus Ausgabe. Unterm Strich ist das normalerweise ein Nullsummenspiel. Warum, meinen Sie, dass das Einkommen "überbewertet" wird? Die ca. 32 Euro USt-Einnahme aus Ihrem Beispiel stellen doch gleichzeitig eine Ausgabe dar, wenn sie sie in Fomr der Zahllast ans FA überweisen!?
Bitte helfen Sie mir weiter, wenn ich auf der Verständnis-Leitung stehe. :-)
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Ich beziehe derzeit ALG2 und mir wurde auch Einstiegsgeld bewilligt. Ich melde mich ab 01.11.2008 hauptberuflich als freiberuflicher Musiker an.

Problem 1 - Vorsteuer

Da ich in der Vorbereitungsphase (etwa halbes Jahr) bereits einige notwendige Geräte kaufte, möchte ich diese nach Anmeldung der Selbstständigkeit rückwirkend beim FA als Betriebsausgabe steuerlich absetzen (also die Vorsteuer einfordern - ca. 300 EUR). Sehe ich das richtig, dass die ARGE diese BETRIEBLICHE Steuererstattung dann als Einkommen wertet? Geschweige denn dieses auch für die künftigen betrieblichen Anschaffungen vorsieht?

Problem 2 - Umsatzsteuer

Wie verhält sich das Ganze mit der Umsatzsteuer die ich von meiner Gage an das FA abgeben muss? Laut ARGE gilt ja das Zuflussprinzip für die Berechnung. Bei 200 € Gage (inkl. UST) - nimmt das Amt also 200 € als Einkommen - wovon ich doch aber noch 19% an das FA übermitteln muss. Mein "wirkliches" Einkommen ist doch somit nur ~ 168 €.

Das überbewertete Einkommen in Verbindung mit der Verrechnung der VST-Erstattungen auf mein ALG2 ist doch damit eine völlig destruktive Berechnungsgrundlage, die mir als Freiberufler erhebliche finanzielle Nachteile bringt oder habe ich da etwas falsch Verstanden?

Für mich war es gerade aufgrund der hohen Anfangsinvestitionen wichtig die Steuerpflicht zu besitzen.

Viele Grüße,
Sammy

Herzlichen Dank, GiZi,
für Ihr nettes nachträgliches Dankeschön: Das freut mich! Schön, dass Ihnen die Hinweise weitergeholfen haben!
Viele Grüße
Robert Chromow

Lieber Hr. Chromow, habe es versäumt, mich für Ihre so schnelle Antwort vom 11.09.2008 zu bedanken. Dies möchte ich jetzt und auf diesem Wege tun. Vielen Dank, Ihre Hinweise haben mir sehr geholfen. Ich wünsche Ihnen alles Gute. GiZi

Hallo,
ich bin nicht ganz sicher, worauf Ihre Frage abzielt. Aus meiner Sicht müssen Sie die Nachteile als "hilfebedürftiger Selbstständiger" (z. B. Offenlegung der Vermögensverhältnisse) nur dann ertragen, wenn Sie auch die Vorteile (z. B. ALG II füßr die Bedarfsgemeinschaft) in Anspruch nehmen.
Freundliche Grüße
Robert Chromow

Mein Einkommen aus Selbstständigkeit reicht, um meinen eigenen Lebensunterhalt komplett zu decken.
Allerdings lebe ich in einer Bedarfsgemeinschaft, mein EInkommen dient also auch der Deckung der Lebenshaltungskosten der gesamten Bedarfsgemeinschaft.
Bin ich im Sinne des Gesetzes nun per Gesetzeskraft ein "hilfebedürftiger Selbstständiger" mit all den daraus resultierenden Nachteilen?

Die umsatzsteuerliche Behandlung von ambulanten Heil- und Pflegeleistungen hängt oberhalb der genannten Kleinunternehmergrenze von verschiedenen Faktoren ab - neben der Art der Tätigkeit ist Ihr Berufsabschluss wichtig. Einzelheiten können Sie dem VDAK-Infoblatt
"Umsatzsteuer-Befreiung von ambulanten Pflegeeinrichtungen"
http://www.pflegebudget.de/wbforschung/0510_umsatzsteuer.pdf
entnehmen. Im Zweifel fragen Sie am besten bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer oder direkt beim Steuerberater oder Finanzamt nach.
Was die Anerkennung von Reisekosten angeht: Sofern Sie die gesetzlich vorgeschriebenen Pauschalen ansetzen und es sich um notwendige und angemessene Betriebsausgaben handelt, dürfte es keine Probleme mit dem Finanzamt geben. Absolute Ausgabenhöchstgrenzen gibt es m. W. nicht. Einzelheiten über die aktuellen Reisekostenpauschalen entnehmen Sie dem Beitrag
"Reisekosten: Nichts vergessen?"
http://www.akademie.de/direkt?pid=16140
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

GiZi: Bin selbständig im Hauswirtschaftlichen und Pflegerischen Bereich, ohne Harz IV und ohne ALG-Zuschuß. Habe bisher USt.-frei (Jahreseinkommen max. 17.500 Euro/Jahr)gearbeitet, werde aber die nächsten Jahre ca. 21.000 - 22.000 Euro/Jahr Einnahmen erreichen. Stimmt es, daß man im pflegerischen Bereich auf Antrag beim Finanzamt auf Umsatzsteuerbefreiung, mehr als nur 17.500 Euro/Jahr verdienen kann, wenn ja wieviel - bis 25.000 etwa? 2.) Ich bin immer 14 Tage im Einsatz und habe dann 14 Tage frei. Ich nutze zur An- und Abreise an die Pflegestelle meinen Privat-PKW, rechne daher gefahrene km x 0,30 € hin und zurück ab, zzgl. die anfallenden Tagespauschalen (entspr. der tatsächl. Übernachtungen 24 €/Tag) ab. Gibt es für diesen Fall eine abrechenbare Höchstgrenze (4.500 €), denn diese Kosten beeinflussen ja nicht unerheblich und für das FA vielleicht unglaubwürdig das Betriebsergebnis? Weiß da
Jemand Bescheid?

Der Freibetrag von 100 EUR steht in absolut keinem Bezug zu den Betriebsausgaben.

Der Freibetrag von 100 EUR steht in absolut keinem Bezug zu dem in §11 genannten Freibetrag.
Mit den Betriebsausgaben im Verhältnis zu den Betriebseinnahmen ergibt sich erst die "Eingangsgröße=unbereinigtes Einkommen=Gewinn", welche mittels §11 bereinigt wird.

MFG Christian

Guten Tag und vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage. Leider können wir an dieser Stelle keine Einzelfallberatung anbieten. Anhand der Informationen des Beitrags und der Rechen-Beispiele sollten Sie das anrechenbare Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit aber zumindest überschlägig ermitteln können.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Ich bin ein Freiberufler Informatiker, der wegen einer chronischen Krankheit in diesem Jahr nur ca. 400±50Euro/Monat Einnahmen haben wird. Im nächsten Jahr plane ich monatliche Einnahmen ca. 800 Euro/Monat zu bekommen. Ich beziehe deswegen ALG II
Meine Betriebsausgaben: in diesem Jahr ca. 120Euro/Monat (Computer, DSL, Drucker) Im nächstem Jahr 550 Euro/Monat (Ich plane einen Informatiker-MiniJobber einzustellen)
Krankenkasse: AOK
Ledig
Kaltmiete 150Euro
Warmmiete 73Euro
Strom ca. 25Euro
Ich habe folgende Fragen:
Wie viel ALG II + Netto Einkommen werde ich in diesem Jahr haben?
Was ist in diesem Jahr besser mehr oder weniger als 400 Einnahmen zu haben?
Danke im Voraus!!!

Bitte beachten Sie, dass die Antwort nur auf die allgemeine Gesetzeslage verweist - je nach Lage des Einzelfalles gibt es bestimmt die ein oder andere Möglichkeit, gegen einen Ablehnungsbescheid vorzugehen. Vielleicht finden Sie im Tacheles-Forum
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/forum/default.asp
ja Menschen mit entsprechenden Erfahrungen oder andere Unterstützung...
Viel Glück und schöne Grüße
Robert Chromow

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Die Anwort gefällt mir zwar nicht, aber wenn das Gesetz es so vorsieht, dann ist das so.

Freundliche Grüße!

Hallo,
wenn es sich um Ihr eigenes Geld handelt, dann wird es von der ARGE grundsätzlich zu recht als Vermögen behandelt. Daran ändert auch die Absicht nichts, es nur für betriebliche Zwecke zu verwenden. Laut § 12 SGB II
http://bundesrecht.juris.de/sgb_2/__12.html
sind "alle verwertbaren Vermögensgegenstände" als Vermögen zu berücksichtigen.
Die Unterscheidung zwischen Betriebs- und Privatvermögen greift insofern, als Betriebsvermögen solange unantastabr ist, als es "zur Aufnahme oder Fortsetzung der [...] der Erwerbstätigkeit unentbehrlich" ist. Das ist in § 7 ALG-II-VO
http://bundesrecht.juris.de/algiiv_2008/__7.html
nachzulesen. Mit anderen Worten: Sie können zwar nicht gezwungen werden, den (angemessenen) Geschäftswagen zu verkaufen. Die ARGE darf aber unter Umständen durchaus erwarten, dass Sie Ihr Guthaben auf dem Geschäfts-Girokonto verwenden, um damit Ihre Lebensmitteleinkäufe zu bezahlen (jedenfalls solange damit nicht das Überleben des grundsätzlich tragfähigen Betriebs gefährdet wird.)
Auch wenn das vermutlich keine guten Nachrichten für Sie sind: Hilft Ihnen das ein wenig weiter?
Freundliche Grüße
Robert Chromow

Vielen Dank für die schnelle Anwort!

Tatsächlich handelt es sich um ein Geschenk. Es ist also schon mein Geld.

Zu dem Zeitpunkt der Schenkung habe ich ein getrenntes Sparkonto angelegt, auf das das Geld eingezahlt wurde. Dies wurde bei Antragstellung auch der ARGE mitgeteilt. Ich habe also ein Sparkonto für mich priva und ein weiteres für geplante geschäftliche Investitionen.

Wenn ich Sie recht verstanden habe, meinen Sie aber, dass dieses Geld nicht angerechnet werden kann?

Ja, es gibt durchaus einen Unterschied zwischen Betriebs- und Privatvermögen. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, handelt es sich in Ihrem Fall aber weder um das eine noch das andere: Vielmehr war es ja wohl das Darlehen eines Verwandten, oder? Bei Ihrer Antragstellung haben Sie offenbar nicht deutlich genug gemacht, dass es sich gar nicht um Ihr eigenes Geld handelt. Sie sollten das gegenüber der ARGE durch Vorlage des Darlehensvertrages und der damaligen Gutschrift auf Ihrem Konto unbedingt nachträglich glaubhaft machen.
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo,

ich hab auch mal eine kurze Frage: Habe mich im Juli vergangenen Jahres selbständig gemacht. Von Verwandten habe ich Geld bekommen, damit ich in der Anfangszeit und bei schleppendem Zahlungseingang meine Selbständigkeit aufrecht erhalten kann.

Im Rahmen eines SGB II- Antrages wurde dieses Geld jetzt von der ARGE als privates Vermögen deklariert. Es sollte aber gerade nicht in meinen eigenen Unterhalt fließen, sondern der Aufrechterhaltung meines Betriebes dienen. Meines Erachtens ist dieses Geld doch betriebliches Vermögen gewesen und deswegen nicht anrechenbar. Mittlerweile ist es auch aufgebraucht.

Gibt es diesen Unterschied betriebliches/ privates Vermögen, wie ich ihn verstehe?

Danke schon mal im Voraus!

Hallo Jesso,
Sie haben völlig Recht: Die Bestimmungen der neuen ALG-II-Verordnung gelten erst für Bewilligungszeiträume ab 1.1.2008. Sofern Abrechnungen für das Vorjahr sich auf die neue Verordnung beziehen, sollten Sie unbedingt Widerspruch einlegen.
Größere Anschaffungen (z. B. PC-Neukauf) waren allerdings auch bisher schon umstritten: Deshalb haben wir immer empfohlen, die Notwendigkeit größerer Ausgaben von der Arbeitsagentur / ARGE sicherheitshalber "absegnen" zu lassen.
Dass Sie künftig "nichts" mehr absetzen dürfen, trifft im Übrigen nicht zu: Die wichtigsten Regelungen sowie Verweise auf weiterführende Informationen finden Sie weiter oben im Text.
Viel Glück und alles Gute
Robert Chromow

hallo,

ich bin selbstständig und da ich aber unregelmässige einkünfte habe, bekomme ich noch ALGII, was dann verrechnet wird.

nun habe ich meine jahresabschlussrechnung abgegeben und nun heißt es, dass sich einiges verändert hat... (01.2008)

wie z.b. man kann/darf nichts mehr absetzen, sprich pc oder monitor kauf.

Meine Jahresabrechnung 2007, wurde nach den neuen Regelungen für 2008 berechnet, dass kann doch nicht sein!!!!!!

Gruß Jesso

Hallo und vielen Dank für die vertrauensvolle Anfrage. Sie haben recht: So ganz konnte ich die Problemlage nicht nachvollziehen. Nur so viel: Ohne Einnahmen aus selbstständiger Nebentätigkeit dürfen Sie keine Ausgaben geltend machen - und sei es auch "nur" der Mietanteil. Ihre Berechnung der effektiven Miete klingt ansonsten plausibel. Bitte beachten Sie aber, dass Einzelfallberatungen an dieser Stelle leider nicht möglich sind. Vielleicht finden Sie im Tacheles-Forum
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/forum/default.asp
weitergehende Unterstützung.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo,
... ich bin seit zwei Tagen ALG II/Hartz IV - Empfänger nach auslaufender Ich-AG am 31.12.2007. Ich fallle unter die 58er-regelung, die ich zunächst auch beansprucht habe.
Ich möchte jedoch gerne meine Selbstständigkeit beibehalten, da ich noch nicht ganz zum "alten Eisen" gehören möchte.
Zwar erzielte meine Ich-AG keine Gewinne, das Resultat jedoch (eine kleine Monatszeitschrift) ist regional angeshen und erwünscht, so dass ich mich quasi "ehrenamtlich" für dessen Fortführung entscheiden möchte.
Meine Fragen:
1. Verringert sich meine Mietwohnung bezüglich der qm durch mein noch darin existierendes Büro aus Ich-AG-Zeiten?
2. Ich erhalte eine Hausmeistervergütung, die mit meiner Mietwohnung verrechnet wird. Was habe ich hier zu berücksichtigen? (Ich erhalte derzeit keinen Mietzuschuss oder dergleichen, lediglich den reinen monatlichen Hartz IV-Satz von 347-- €) Meine Hausmeistertätigkeit wird mit ca. 200,-- € berechnet, Nebenkosten (kein Strom) schlagen mit ca. 100,-- € zu Buche. Es besteht derzeit noch kein Mietvertrag.
Wie hätte ich einen künftigen Mietvertrag in Höhe von ca. 400,-- € zzgl. 100,-- € Nk, also pauschal ca. 500,-- € abzüglich meiner geleisteten Hausmeistertätigkeit (200,-- €)zu handeln? Kann ich die unterm Strich entstehenden € 300,-- als relevante Miete ansehen?

Bin über jede Information dankbar, weiß auch, dass meinerseits vielleicht noch Details erforderlich sind! aber, es pressiert!!

Danke

Hallo, Erkenntnisse über die entsprechende Verwaltungspraxis liegen m. W. noch nicht vor. Vermutlich wird die Anerkennung als Betriebsausgabe nur in Ausnahmefällen möglich sein. Und zwar dann, wenn die zugrundeliegende kreditfinanzierte Investition mit Zustimmung der Arbeitsagentur erfolgt ist oder aber den neuen Kriterien für Betriebsausgaben (s. o.) entspricht, sofern das Darlehen schon vor der ALG-II-Antragstellung aufgenommen worden ist.
Das ist aber nur meine ganz persönliche Einschätzung. Welche Erfahrungen / Einschätzungen haben andere Leser?
Schöne Grüße
Robert Chromow

Hallo, wenn die Abschreibung nicht mehr als Ausgabe Zählt werden dann Kreditraten mit Zins und Tilgung als Ausgaben geshen. Das Geld jeht ja jeden Monat weg und ist nicht Verfügbar.

Hallo Marius,
danke für die vertrauensvolle Anfrage. Leider kann ich anhand Ihrer Schilderung die Problemlage nicht so richtig nachvollziehen. Warum sind Sie pleite, wenn Sie "eine fette Nachzahlung" bekommen!? Außerdem geht aus Ihren Angaben nicht hervor, welche (Zwischen-)Abrechnungen Sie bislang bei der Arbeitsagentur eingereicht haben.
Vielen Dank für Ihr Verständnis und freundliche Grüße
Robert Chromow
PS: Bitte beachten Sie, dass eine Einzelfallberatung an dieser Stelle nicht möglich

Hallo Herr Chromow!
Vielen Dank für die interessante Seite und auch im Namen der anderen Fragesteller.
Selbstständig bin ich schon seit 2006 mit gleichzeitigem Bezug von ALG2. Seit Mai 2007 arbeite ich als Selbstständiger für ein Unternehmen und erziehle monatliche Einkommen anfangs von 400 € oder knapp darüber später dann ca. 800 €.
Nun nach der Abrechnung des Jahres muss ich feststellen das sich die monatlichen Einnahmen des Umsatzes nur auf ca. 372 € belaufen. Betriebsausgaben sind hier nicht berücksichtigt. Weil ich die Übernahme des Geschäftes plane, um nun endlich aus diesem Hartz4 herauszukommen, habe ich von meinem verdienten Geld so gut wie alles wieder investiert.
Heißt das nun das die ARGE mich nach dem Verfahren "unter 400 Einnahme" abrechnet ich eine fette Nachzahlung bekomme und somit komplett pleite bin oder müsste ich zusehen meinen monatlichen Einahmendurchnitt über 400 zu bekommen um meine Ausgaben komplett anrechnen zu können?
Danke für Ihre Hilfe und mit frdl. Grüßen Marius

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit mehr als fünfzehn Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Autor und Berater im eigenen Redaktionsbüro. Prin ...

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