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Checkliste Urheberrecht: Beugen Sie urheberrechtlichen Abmahnungen vor

Hilfe für Autoren: Wann und wie darf man fremde Texte und Bilder, etwa als Zitat, übernehmen?

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Stand: 5. Februar 2008

Veröffentlichung von Fotos

Veröffentlichung von Fotos

Die Fotografie nimmt sowohl im digitalen als auch im analogen Zustand eine Sonderstellung ein. Sie ist nicht nur als Werk, sondern auch als Leistung geschützt, unabhängig von der Schöpfungshöhe. Zusätzlich zum Urheberrecht gibt es nämlich das Lichtbildschutzrecht. Es garantiert, dass auch Schnappschüsse, also Lichtbilder, die die Schöpfungshöhe nicht erreichen, unter ein Schutzrecht fallen. Die Konsequenz daraus ist ein nahezu hundertprozentiger Schutz, egal ob die Fotografie künstlerisch wertvoll ist oder nicht.

In den meisten Fällen macht sich ein Gericht auch wenig Mühe, zwischen dem Foto als Werk (dem ein überdurchschnittliches individuelles Schaffen zugrunde liegt) und dem Schnappschuss zu unterscheiden. Der einzige wesentliche Unterschied liegt allein in der Schutzdauer: Während Schnappschüsse lediglich 50 Jahre nach ihrem erstmaligen Erscheinen geschützt sind, gilt für Fotos mit individuellem Werkcharakter die Schutzdauer von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers. Sind die Fotos anonym oder unter einem Pseudonym veröffentlicht, erlischt der Schutz bereits 70 Jahre nach der Veröffentlichung, es sei denn, das Foto wurde in die Urheberrolle eingetragen.

Urheber ist immer der Fotograf, nicht der Auftraggeber. Dem Auftraggeber steht, je nach vertraglicher Vereinbarung, "nur" ein einfaches oder absolutes Nutzungsrecht an dem Foto zu. Der Fotograf hat auch immer das Recht auf Namensnennung (Urheberpersönlichkeitsrecht).

Um Fotos im Rahmen eines Artikels zu verwenden, ist grundsätzlich die Zustimmung des Urhebers (Fotografen) erforderlich.

Auch das Einbinden Ihres Bewerbungsfotos auf der eigenen Webpräsenz kann beispielsweise eine Urheberrechtsverletzung darstellen, jedenfalls dann, wenn nur eine einfache "Onlinenutzung" vom Fotografen erlaubt wurde. Denn darunter ist im Zweifel nur das elektronische Versenden an einzelne Arbeitgeber, nicht "das öffentliche Zugänglichmachen" des Fotos auf einer werbenden Internetseite zu verstehen; so das Landgericht Köln im Urteil vom 20.12.2006 (AZ: 28 O 468/06.)

Beispiel:

Ein Anbieter bei Ebay, der Produktfotos für zwei Auktionen ungefragt bei der Konkurrenz kopierte, wurde in einem Urteil des LG Düsseldorf zu Schadensersatz in Höhe von 250 Euro pro Bild "verdonnert".

Mehr zu dem Fall sowie zur Berechnung von Schadensersatz bei "Bilderklau" finden Sie in unserem Beitrag "Bilderklau kann teuer werden".

Panoramafreiheit (Straßenbildfreiheit)

Fotos geschützter Werke, die von einem allgemein zugänglichen Ort wie der Straße aufgenommen werden können, dürfen ohne Zustimmung des Künstlers veröffentlicht werden. Aber nur die Werke, die von der Straße aus sichtbar sind. Nicht erlaubt ist das Fotografieren des Werkes aus der Wohnung von gegenüber, vor allem wenn diese Perspektive mehr Einblicke gewährt.

Somit ist die Veröffentlichung von Fotos urheberrechtlich geschützter Architektur, oder Skulpturen, die dauerhaft in der Öffentlichkeit aufgestellt werden auch ohne Zustimmung des jeweiligen Urhebers (Architekt, Bildhauer ...) erlaubt. Es dürfen aber keine Änderungen an der Wiedergabe des Werkes vorgenommen werden und der Urheber muss bei der Veröffentlichung genannt werden.

Die Reichstagsverhüllung von Christo war nicht dauerhaft. Deshalb traf die Panoramafreiheit auf dieses Kunstwerk beispielsweise nicht zu.

Bildschirmkopien (Screenshots) und Grafiken

Screenshots: Auch Screenshots von Software oder TV-Sendungen, die ein urheberrechtlich geschütztes Werk darstellen, dürfen nicht ohne Zustimmung des Rechteinhabers wie des Softwareherstellers oder des Sendeunternehmens veröffentlicht werden. Bildschirmfotos von Software unter freier Lizenz sind hingegen zustimmungsfrei, vorausgesetzt, dass keine urheberrechtlich geschützten Werke anderer auf dem Bildschirmfoto erkennbar sind, wie beispielsweise eine fremde Webseite.

Microsoft hat für die Bildschirmkopien seiner Produkte exakte Regeln aufgestellt, die allerdings die Vorschriften zum Zitatrecht voraussetzen.

Grafiken: Grafiken, Logos, u.ä. sind als Werke der bildenden Kunst geschützt.

Nur einfach gestaltete Elemente, die die Schöpfungshöhe nicht erreichen, sind frei nutzbar. Siehe dazu das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm AZ. 4 U 51/04.

Im Zweifelsfall sollten Sie also auch bei Grafiken, Icons, Logos und Softwareoberflächen von einem Urheberrechtsschutz ausgehen! Schnellschüsse per Copy&Paste können nämlich teuer werden: "Urheberrechtsverletzung im Internet".

Fotos von Werken der bildenden Künste: Sollen Fotos von Werken wie der Bildhauerei, Architektur oder Fotos von Designermöbeln oder Bühnenbilder in einem Artikel veröffentlicht werden, müssen sowohl der Fotograf als auch der Künstler zustimmen.

Recht am eigenen Bild: Einwilligung der abgebildeten Personen

Gleichgültig, ob es sich um ein fremdes oder ein selbst gemachtes Foto handelt: Wenn Personen abgebildet sind, ist eine Veröffentlichung nur mit Einwilligung der Abgebildeten erlaubt. Nach dem Tod des Abgebildeten bedarf es bis zum Ablauf von zehn Jahren der Einwilligung der Angehörigen.

Bei Personen der Zeitgeschichte (Politiker, Schauspieler, Wissenschaftler, ...) ist die Verwendung der Bilder auch ohne Einwilligung zulässig, es sei denn, die Fotos verletzen die Privat- oder Intimsphäre des Prominenten. Auch bei Personen, die als zufällige Passanten etwa neben der Berliner Siegessäule mit erkennbaren Gesichtern abgebildet sind, ist keine Zustimmung einzuholen. Es ist aber zu beachten, dass das Bauwerk sichtbar im Vordergrund stehen muss. Auch Fotos von öffentlichen Veranstaltungen wie z.B. Demonstrationen mit wiedererkennbaren Personen sind grundsätzlich zulässig.

Personenfotos von geschlossenen Veranstaltungen, wie Schulfeste oder Betriebsfeiern, sollten hingegen nicht ohne Zustimmung der Beteiligten veröffentlicht werden.

Bildzitat

Ein Foto oder Screenshot kann als ein Bildzitat im eigenen Werk zustimmungsfrei verwendet werden. Ein Bildzitat erfordert, ähnlich wie ein Textzitat, einen Zitatzweck und eine Auseinandersetzung mit dem Bild im Text, wobei das Bild nur unverändert und mit zutreffender Quellen- und Urheberangabe veröffentlicht werden darf. Das Bild darf nicht als bloße Verschönerung des Textes dienen, das gilt nicht als Zitatzweck.

Sind Personen auf dem Bild, muss zudem auch hier das Recht am eigenen Bild (Persönlichkeitsrecht) berücksichtigt werden.

Freie Fotos

Auch Fotos, die unter freier Lizenz im Internet angeboten werden, sind mit Vorsicht zu nutzen. Denn auch die "freie" Lizenz schützt nicht vor Ansprüchen Dritter. Es ist immerhin möglich, dass jemand (etwa über Flickr) ein Foto als unter Creative Commons (CC)-Lizenz stehend anbietet, ohne der Urheber zu sein. Oder vielleicht hat der Fotograf vergessen, sich die Erlaubnis der abgebildeten Personen einzuholen? Die "Creative Commons"-Lizenzgeber übernehmen im Falle einer Urheberrechtsverletzung keine Garantien! Die Nutzung von Fotos ist also nur von vertrauenswürdigen Anbietern ratsam.

Wer "freie" Fotos kommerziell nutzen möchte, muss sich zudem unbedingt die Bedingungen in der Lizenz durchlesen. Denn gelegentlich ist eine kommerzielle Nutzung von Fotos unter CC-Lizenz unerwünscht.

Fotorecht aus praktischer Sicht

Ausführlichere Informationen darüber, unter welchen Bedingungen Sie fotografieren bzw. Ihre Fotos veröffentlichen dürfen, stehen im Beitrag "Fotorecht aus praktischer Sicht".

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Audiobuch

Guten Tag,
Danke für den Artikel. Ich möchte gerne ein Hörbuch zu einem Reclam Heft eines Stoischen Philosophen (v.Chr.) aufnehmen und auch verkaufen. Gäbe es da rechtliche Probleme?
Herzlichen Dank für Ihre Antwort.
C. O.

Antwort: Audiobuch

Guten Tag, C.O.,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Eine rechtliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Ihre Frage berührt das Urheberrecht in doppelter Hinsicht: Neben dem Verfasser des Originaltextes genießt auch die Übersetzung bzw. der Übersetzer Urheberrechtsschutz.

2.
Rechtliche Probleme sind in dem von Ihnen genannten Fall nicht auszuschließen: Da der antike Philosoph gewiss nicht auf deutsch geschrieben hat, kann der vom Reclam-Verlag veröffentlichte Text auf einer modernen Übersetzung beruhen.

3.
In dem Fall wäre eine nicht autorisierte Hörbuch-Veröffentlichung auf jeden Fall eine Verletzung des Urheberrechts des Übersetzers (bzw. des Verwertungsrechts des Verlags).

4.
Ein exemplarischer Blick in die von Reclam veröffentlichten "Selbstbetrachtungen" des Stoikers Marc Aurel zeigt, dass sich der Reclam-Verlag "alle Rechte vorbehält".

5.
Der Schutz des Urheberrechts von Albert Wittstock an der Übersetzung des Werks ist zwar abgelaufen - trotzdem würde ich nicht einfach das Reclam-Heft zur Grundlage einer kommerziellen Hörbuch-Produktion machen.

6.
Zwar finden sich viele Übersetzungen klassischer Stoa-Texte auch in Sammlungen gemeinfreier Werke. Doch selbst bei solchen Plattformen machen manche Betreiber die kommerzielle Nutzung der Textbestände von einer ausdrücklichen Zustimmung oder gar Lizenzgebühren abhängig (z. B. beim Projekt Gutenberg-DE
http://gutenberg.spiegel.de, in dem übrigens der Marc-Aurel-Text in der Wittstock-Übersetzung vorhanden ist :-)
http://gutenberg.spiegel.de/buch/des-kaisers-marcus-aurelius-antonius-se...)

7.
Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn Sie eine kommerzielle Hörbuchproduktion planen, sollten Sie unbedingt sicherstellen, dass Originaltext _und_ Übersetzung nicht dem Urheberrechtsschutz unterliegen. Am besten holen Sie sich außerdem das OK des Verlags bzw. der Online-Publikationsplattform.

8.
Nachtrag: Da eine kommerzielle Hörbuchproduktion kostspielig ist und Sie auch Ihre eigenen Verwertungsrechte im Blick haben müssen, holen Sie sich am besten rechtlichen Rat bei einem Rechtsanwalt, der sich mit dem Urheberrecht auskennt. Oder Sie fragen bei Ihrem Berufs- oder Branchenverband nach!

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Geschenktes Gedicht

Hallo,
mein Exmann hat mir vor Jahren ein selbst geschriebenes Gedicht zum Hochzeitstag geschenkt, das ich nun gern in meinem neuen Roman verwenden möchte. Brauche ich im Falle einer Veröffentlichung dafür seine Einwilligung? Oder sind seine Urheber-/Autoren-/Eigentumsrechte durch den Schenkungsakt erloschen?
Viele Grüße, V.

Antwort: Geschenktes Gedicht

Guten Tag, Frau V.,
vielen Dank für die interessante Anfrage. Eine rechtliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle leider nicht möglich. Rechtsanwalt bin ich auch nicht - daher nur ein paar allgemeine Einschätzungen:

1.
Sein Urheberrecht hat Ihr Mann durch die Schenkung des Gedichts auf keinen Fall an Sie übertragen. Erloschen ist es schon gar nicht. Das Urheberrecht bleibt grundsätzlich beim Autor - auch wenn er anderen Personen auf Dauer oder zeitlich befristet bestimmte _Nutzungs_rechte überträgt.

2.
Wird ein urheberrechtlich geschütztes Werk an eine andere Person verschenkt, ist damit keineswegs automatisch das Nutzungsrecht verbunden, es zu veröffentlichen - auch nicht im Rahmen des (seinerseits urheberrechtlich geschützten) Werkes eines anderen Autors oder einer anderen Autorin.

3.
Für die Verwertung des Gedichts im Rahmen Ihres eigenen Romans brauchen Sie daher aus meiner Sicht die Einwilligung Ihres Ex-Mannes.

4.
Etwas anderes wäre es m. E., wenn Sie das geschenkte Gedicht im Rahmen Ihrer eigenen Autobiografie wiedergeben. Insbesondere der Abdruck in Form eines Fotos/Faksimiles wäre aus meiner Sicht unbedenklich.

Aber wie gesagt: Das sind nur meine völlig unmaßgeblichen Überlegungen.

Viel Erfolg mit Ihrem Roman und freundliche Grüße
Robert Chromow

verstorbener Autor

Sehr geehrte Damen und Herren!
Mein Lebensgefährte wurde im Ausland ermordet, überliess mir jedoch ein von ihm abgefasstes - unveröffentlichtes - Buch zur Korrektur, Übersetzung und Veröffentlichung.
Wie ist die Rechtslage bezüglich der beiden in Österreich lebenden Söhne, wenn ich den Text nun unter dem von meinem Partner gewählten Pseudonym im Internet veröffentliche? Mir liegt daran, nicht durch den Verwandten, der seinen Tod verursacht hat, als "Waffe" zur Manipulation der Verwandtschaft benutzt zu werden und nicht rechtlich und finanziell in Probleme verwickelt zu werden, zugleich möchte ich den Text schützen und möglichst bald veröffentlicht sehen, damit er nicht in falsche Hände gerät oder verschwindet oder gar manipuliert wird.
Wie gesagt: die Situation war nicht vorhersehbar, ich habe ausser Zeugen nicht viel, keinen Vertrag über die urheberrechtliche Situation und auch keine eingetragene Lebenspartnerschaft oder einen Ehevertrag.
Derzeit erscheint es nicht sinnvoll, den Söhnen Mitteilung zu machen, weil derjenige Verwandte im Ausland, der den Tod meines Lebensgefährten herbeigeführt hat, die Person des Toten nutzen will ( und wollte), um mir zu schaden. Es ist dieser Person somit völlig egal, ob der Text - im Sinne des Toten - veröffentlicht wird oder nicht, Hauptsache er ist eine Waffe gegen mich, wie der Tote übrigens auch.
Mich interessiert, den Text zu schützen, daher mochte ich ihn in Europa veröffentlichen, und zwar unter dem Pseudonym des Verstorbenen.
Was können Sie mir raten?
Herzlichen Dank und besten Gruss
V-

Antwort: verstorbener Autor

Guten Tag, Frau V.,
vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage und herzliches Beileid zu Ihrem Verlust.

Einen rechtlichen Rat können und dürfen wir Ihnen an dieser Stelle nicht geben - selbst eine allgemeine Einschätzung der rechtlichen Situation ist auf Grundlage der vorliegenden Informationen nicht möglich.

Daher nur so viel:

1.
Es handelt sich nicht primär um eine urheberrechtliches Problem: Wenn ich Sie recht verstanden habe, steht nicht in Zweifel, dass Ihr Lebensgefährte der Autor ist.

2.
Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage der Erbschaft und dabei wiederum die Beweisbarkeit der Manuskript-Überlassung sowie der Verwertungsrechte.

3.
Sie äußern zudem einen weitreichenden, möglicherweise strafrechtlich relevanten Verdacht gegen Familienmitglieder.

Sie sollten daher vor einer Veröffentlichung unbedingt den Rat eines Rechtsanwaltes einholen, der sich im Erb- und Urheberrecht auskennt und Sie vor den Folgen unbedachter strafrechtlicher Anschuldigungen bewahrt.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Urheberrecht für Kurzzitate

Hallo und guten Tag, ich habe ein Trauerfotobuch mit eigenen Bildern aber teilweise Trauersprüchen von fremden Autoren erstellt.
Bonhoeffer, Gibran usw. die alle min. schon 70Jahre verstorben sind.Die Texte habe ich alle mit Namen der Verfasser angegeben. Ich würde diesen Fotoband gerne veröffentlichen, bin mir aber nicht sicher, ob ich die Zitate so mitveröffentlichen darf.
Vielleicht können Sie mir weiterhelfen.
Vielen Dank im voraus.

70-Jahres-Frist, Zitate

hallo,

zum einen ist die Frage, in wieweit Zitate Urheberrecht genießen, meines Wissens rechtlich umstritten - zumindest gab es schon in großem Umfang Abmahnung wegen einzelnen Zitaten, etwa durch die Erben von Karl Valentin.
Zum anderen gilt die Frist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers (oder nach Veröffentlichung, bei Werken unter Pseudonym) zwar im deutschen Urheberrecht, nicht aber in anderen Ländern.
Wenn Sie Dietrich Bonhoeffer meinen - der wurde 1945 ermordet, seine Werke werden damit wohl erst 2015 gemeinfrei. Khalil Gibrans Werke sind nach deutschem Recht dagegen bereits gemeinfrei, weil er 1931 starb. In anderen Ländern - etwa den USA, wo Gibran ja seine Werke veröffentlicht - gelten allerdings z.T. andere Fristen (vgl. http://www.copyright.gov/help/faq/faq-duration.html ). Aber wird Ihr Trauerfotobuch auch dort veröffentlicht werden? Glaubt, hofft und vor allem publiziert! - und ihr werdet die Juristerei überwinden.

beste Grüße
Simon Hengel
Redaktion akademie.de
--
“Half of what I say is meaningless; but I say it so that the other half may reach you.”

Dietrich Bonhoeffer

Guten Tag,

bedeutet es, dass Zitate von Dietrich Bonhoeffer jetzt 2016 frei sind für die Verwendung z.B. Kommerzieller Kalender?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Grüße
Christian Zimpel

Schutzfrist 70 Jahre

Guten Tag Herr Zimpel,

bitte beachten Sie, dass eine Rechts- oder Einzelfallberatung nicht möglich ist. Deshalb nur ganz allgemein: Urheberrechte erlöschen 70 Jahre nach Tod des Urhebers, dann wird das Werk gemeinfrei (§ 64 UrhG). Die Schutzfrist beginnt mit Ablauf des Todesjahrs des Autors (§ 69 UrhG). (Für nachgelassene Schriften gilt eine verkürzte Schutzfrist von 25 Jahren, § 71 UrhG).

Wenn ein Autor also im Jahre 1945 von deutschen Staatsbeamten ermordet wurde, wofür die beteiligten sogenannten Richter später von ihren Berufskollegen am BGH freigesprochen wurden, ist die Schutzfrist seiner Werke meines Erachtens in der Tat im Jahr 2016 abgelaufen, diese sind somit gemeinfrei.

Beste Grüße
Simon Hengel
Redaktion akademie.de

Guten Tag, Frau/Herr Liebman,

ich glaube nicht, dass nach fast zwei Jahrtausenden noch ein Erbe bzw. Verlag einen Rechtsanpruch aus die Verwertungsrechte vorweisen kann :-). Und das "Leistungsschutzrecht", das die Verlage fordern, haben Sie auch noch nicht bekommen, das würde das Abschreiben der Zitate aus den von Ihnen verlegten Büchern wohl sowieso nicht verbieten können. Trösten Sie sich ruhig mit dieser Wahrheit: Omnia aliena sunt, tempus tantum nostrum est.
beste Grüße
Simon Hengel
Redaktion akademie.de

Guten Tag,

erst einmal vielen Dank für diesen informativen Artikel!

Allerdings stellt sich mir jetzt doch eine essentielle Frage. Ich möchte in Kürze ein Kalenderbuch mit Fotos (Urheberrecht liegt bei mir) und Zitaten griechischer und römischer Philosopen veröffentlichen. Unbestreitbar sind Personen wie Seneca, Marc Aurel, etc seit mehr als 70 Jahren tot, so dass die Schutzdauer von 70 Jahren definitv abgelaufen ist. Jetzt stellt sich mir die Frage, ob ich beim Zitieren dennoch eine Quellenangabe angeben muss und somit die Zustimmung zur Veröffentlichung eines Verlages benötige.
Ich danke Ihnen bereits jetzt für Ihre Hilfe und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Liebman

@anonym vom 25.2.2010

nein, ich bitte um Verständnis, aber die Übernahme dieses Textes pauschal erlauben, hier per Foren-Kommentar, das können wir leider nicht!

Ihre akademie.de Redaktion
S.Hengel

Hallo...

darf ich von dieser Seite hier (längere) Textpassagen zitieren? :D
Bin Forenbetreiber und wäre über Einstellnutzung einzelner Textpassagen dort dankbar.

Mfg

Guten Tag,

Rezepte selbst sind nicht urheberrechtlich geschützt. Nur die Darstellung, die Formulierung der Anleitung, Bilder/Grafiken oder die individuelle Gestaltung der Zutatenliste erreichen eine eigene Schöpfungshöhe.

Hierzu siehe auch: http://www.irights.info/index.php?id=523.

Dieser Hinweis erfolgt ohne Rechtsgewähr. Sie sollten im Falle einer Veröffentlichung den Rat eines Fachanwalts hinzuziehen.

Viele Grüße,
Redaktion akademie.de

Wie sieht es bei rezepten ohne Bilder mit dem Urheberrecht aus? Möchte gerne eine Broschüre rausbringen mit vielen Rezepten aus verschiedenen Länder.

@ anonym vom 16.2.09.:
Selbstverständlich müssen Sie auch die Urheberrechte bei Bildern beachten, die Sie über die Google-Bildersuche oder sonst eine Grafik-Suche gefunden haben! Und das Urheberrecht muss nicht extra vermerkt werden, es liegt an Ihnen als Nutzer, sicherzustellen, dass Sie keine Rechte verletzten. So ist nun mal die Rechtslage in Deutschland.

Was ist eigendlich mit Bildern die man z.B. bei der Googlebilder suche zusehen bekommt, wo kein copyright draufzusehen ist oder sonstiges in der Art. Noch nicht einmal eine Quelle erfährt, da dieses Bild von mehreren Seiten im Internet her beziehen kann, und somit in der "Öffendlichkeit" stehen?

@Carlo,
Die urheberrechtlichen Voraussetzungen für einen elektronischen Pressespiegel sind unter diesen Links erläutert:

http://www.vgwort.de/pre_erlaeuterungen.php

http://www.bpb.de/publikationen/C2PQDV,3,0,Urheberrecht_in_der_Wissensge...

Vielleicht hilft Ihnen das weiter.

Frage: Ich plane einen Branchennewsletter, in dem der wesentliche Bestandteil kurze Zitate aus Artikeln anderer Newsletter sind. Das können Text- und Bildzitate sein. Sinn des Newsletter ist, für eine Branche aus allen möglichen Newslettern das essentielle zusammenstellen mit Quellenangabe und Link zur Quelle. wie siehts damit aus?

mfg
Carlo

@ Anonym vom 05.03.2008 17:40:19

Ja, also warum in Groß Kösel Eigentum gleich Diebstahl sein soll, weiß ich leider auch nicht. Da müssten Sie den Verfasser des denkwürdigen Einwandes wohl selber fragen.

@ vom 05.03.2008 17:35:47

Sie haben die Sache mit dem Begriff „Copyright“ völlig richtig eingeschätzt. Es handelte sich hierbei auch eher um einen redaktionellen Fehler. Denn leider ist es ja so, dass viele, besonders auch die Medien, immer gerne angloamerikanische Begriffe mehr oder weniger sinnvoll nutzen. Ich denke, viele nutzen den Begriff Copyright einfach als Synonym für das deutsche Urheberrecht. Es soll auf der Homepage als Hinweis dienen, dass der Inhalt urheberrechtlich geschützt ist. Und so sehen es auch einige Richter. Das ist formaljuristisch sicher nicht einwandfrei, denn Copyright bedeutet ja eher Nutzungsrecht, als Urheberrecht. Aber die Sprachhüter aller Zwiebelfisch werden ja leider nicht gehört ;-)!

Der Artikel bezieht sich natürlich nur auf das deutsche bzw. kontinentaleuropäische Urheberrecht. Die Problematik internationaler Verträge ist natürlich gegeben, dass sollte aber nicht Gegenstand des Artikels sein.

Warum "Eigentum ist und bleibt Diebstahl" sein soll verstehe wer will, ich nicht. Artikel 14 unserer Verfassung garantiert das Privateigentum. Warum man das nun mit einer Strafnorm gleichsetzen soll, entzieht sich meinem Verständnis. Oder herrscht in Groß-Kösel ein anderes Rechtssystem?

Am Anfang des Artikels und auch in der Überschrift gehen Copyrights und Urheberrechte völlig durcheinander. Man sollte doch erst mal klar und deutlich sagen, dass in Deutschland und dem meisten Ländern die Urheber- und Verwertungsrechte kraft Gesetzes geschützt sind. Copyrights dagegen gehören in den angelsächsischen Rechtsraum. Hier entsteht der Schutz durch Kenntlichmachung. Bevor man irgend etwas anderes sagt, muss man erst einmal klären, nach welchem Recht sich die Rechte beurteilen. Dies ist eine Frage des sog. Internationalen Privatrechts. Und dann muss man sich überlegen, was passiert, wenn angelsächsische Vertragspartner die Kennzeichnungspflicht - auch von Übersetzungen - per Vertrag im deutschen Markt erzwingen. So einfach wie hier dargestellt ist die Sache nicht.

Eigentum ist und bleibt Diebstahl. Das gilt auch im geistigen Bereich und für elektronische Objekte.

MLPD, Ortsgruppe Groß-Kösel

Hallo Herr Post,
Urteile zu Screenshots von Software bzw. Webseiten gibt es meines Wissens noch nicht. Deshalb ist vieles im Dunkeln. Aber eine Veröffentlichung von möglicherweise urheberrechtlich geschütztem Material liegt im Rahmen eines Workshops vor. Der § 52a UrhG greift hier eher nicht.

Wenn ich als Workshop-Leiter nun Screencast und Screenshots unter den Teilnehmern in den Unterlagen verbreite, gilt das eigentlich als Veröffentlichung? Es ist ja ein geschlossener Workshop? Der aber wird öffentlich angeboten?

Viele Grüße
Ruediger Post

Bei selbst geschossenen Hardwarefotos sehe ich auch keine Urheberverletzung. Bei einem Screencast sieht das schon anders aus. Da empfehle ich die detaillierten Regeln von Microsoft (http://www.microsoft.com/germany/unternehmen/informationen/rechtlichehin...) als Anhaltspunkt.

Und wie sieht es mit einem Screencast einer Software aus? Fallen die unter die Rubrik "laufende Screenshots"?

Bei Screenshots, Firmen-Logos und dergleichen gilt natürlich wie überall: Wo kein Kläger, da kein Richter. Schließlich ist den Unternehmen im Allgemeinen daran gelegen, in die Öffentlichkeit zu kommen. Ein juristisch stichhaltiges Argument ist "Das ist doch auch in deren Interesse." freilich nicht.

Als Laie würde ich vermuten, dass man i.A. sehr wohl Fotos von Gegenständen und Produkten veröffentlichen kann, wenn man die Rechte am Foto besitzt, jedenfalls, wenn die abgebildeten Gegenstände nicht selbst Schutz als "Werke" genießen. Das ist bei Netzwerkkarten oder Headsets eher selten der Fall, nehme ich an ... selbst wenn da ein Designer dran war.

Sonst dürfte man ja nicht einmal Fotos von seinem Auto machen ...

Ich mag aber falsch liegen - schließlich bin ich weder Anwalt noch Fachmann, ich lasse mich ggf. also gern eines besseren belehren.

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Über die Autorin:

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Karin Seidel ist Wirtschaftsjuristin (FH) und Trainerin für Wirtschaftsrecht. Besonders spannend findet sie es, die durch das Internet bedingten Veränderungen des Rechts zu beleuchten und zu hinterfra ...

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