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"Anlage EÜR": So muss 2010 Ihre Gewinnermittlung fürs Finanzamt aussehen

Keine Angst vorm neuen EÜR-Formular!

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Stand: 15. Februar 2011

Das Formular

In diesem Beitrag geht es um die "Anlage EÜR" in der für die Steuererklärung 2010 gültigen Fassung. Die Jahr für Jahr überarbeitete "Anlage EÜR" enthält genaue Vorschriften über die äußere Form der Gewinnermittlung von Freiberuflern und nicht bilanzierungspflichtigen Unternehmen. Daraus ergeben sich auch Konsequenzen für die sachliche Gliederung der laufenden EÜR-Buchführung.

EÜR-Gewinnermittlung für andere Wirtschaftsjahre

Bei der äußeren Form ihrer Gewinnermittlung hatten Freiberufler und nicht bilanzierungspflichtige Unternehmen bis vor ein paar Jahren völlig freie Hand. Mittlerweile hat es mit der weitgehenden Formfreiheit bei der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) jedoch ein Ende: Denn § 60 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung verlangt die Vorlage einer Einnahmenüberschussrechnung nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck. (Für die Jahre ab 2011 muss das EÜR-Formular sogar "durch Datenfernübertragung übermittelt" werden, aber das nur am Rande.)

Bild vergrößernSeite 1 des EÜR-Vordrucks für das Jahr 2010

Gegen die Umsetzung dieser Bestimmung hatte sich unter Experten und Praktikern von Anfang an erheblicher Widerstand geregt. Die erste Version des Formulars musste auf Druck des Bundestags und sämtlicher Länderfinanzminister eingestampft werden. Ungeachtet dessen ist der mittlerweile mehrfach geänderte Vordruck immer noch umstritten - zuletzt ist das Finanzgericht Münster in einer Grundsatzentscheidung zu dem Ergebnis gekommen, dass es weder in der Abgabenordnung noch im Einkommensteuergesetz und der dazugehörigen Durchführungsverordnung eine rechtliche Grundlage für die Vorgabe eines EÜR-Formulars gibt (Az.: 6 K 2187/08 vom 17.12.2008). Da die Münsteraner Richter die Revision vor dem Bundesfinanzhof zugelassen haben, ist das Urteil aber bislang noch nicht rechtskräftig (Stand: 2/2011). Das anhängige Revisionsverfahren hat das BFH-Aktenzeichen X R 18/09.

Keine Panik: Alles halb so wild!

Ganz gleich, wie der BFH sich letztlich zum umstrittenen EÜR-Formular stellt: Sie sollten sich durch aufgeregte Kommentare zum angeblichen "Folterwerkzeug des Fiskus" nicht unnötig erschrecken lassen.

  1. Zusätzliche Informationen werden nicht erhoben. Das Finanzamt bekommt die Daten allerdings von vornherein in leichter vergleichbarer Form. Abweichungen vom Branchendurchschnitt und damit Anhaltspunkte für "lohnende" Betriebsprüfungen fallen somit leichter ins Auge.

  2. Für Kleinstbetriebe mit einem Jahresumsatz von bis zu 17.500 Euro gilt der Vordruck nicht. Sie dürfen die Ergebnisse ihrer EÜR weiterhin formfrei einreichen.

  3. Art und Umfang Ihrer eigenen Buchführungsunterlagen schreibt Ihnen der EÜR-Vordruck nicht vor. Sie müssen bei der abschließenden Steuererklärung lediglich in der Lage sein, Ihre betrieblichen Auswertungen den passenden Zeilen des Vordrucks zuzuordnen. Mit anderen Worten: Die Gliederung Ihrer Aufzeichnungen muss mindestens den Anforderungen des Formulars entsprechen. Sie dürfen aber selbstverständlich an einer davon abweichenden sachlichen Unterteilung Ihrer Buchhaltung festhalten! (Genau genommen brauchen Sie gar keine Aufzeichnungen - dann müssen Sie bei der Steuererklärung allerdings jeden einzelnen Beleg in die Hand nehmen und nachträglich den verschiedenen Zeilen des Vordrucks zuordnen.)

  4. Die Gesetzesformulierung "nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck" heißt schließlich, dass Sie nicht unbedingt das Originalformular des Finanzamts ausfüllen müssen: Sofern Sie zum Beispiel mit einer Software arbeiten, deren EÜR-Ausdrucke der vorgeschriebenen Systematik entsprechen, dürfen Sie auch die einreichen.

Bitte beachten Sie: Gegenüber der Vorjahresversion bringt die aktuelle "Anlage EÜR" in der Version für das Steuerjahr 2010 wieder eine Reihe von Änderungen. Dabei handelt es sich jedoch im Wesentlichen um eine Neuanordnung der Eingabezeilen. Die stiftet zwar reichlich Verwirrung - wirklich bedrohliche Neuerungen bringt aber auch sie nicht.

Kleinvieh macht auch Arbeit

Alte EÜR-Hasen werden vor allem über die Änderungen bei den "Peanuts" stolpern. Denn auf Seite 2 im "Kleingedruckten" der Abschnitte "Sonstige unbeschränkt abziehbare Betriebsausgaben" (Zeilen 39 bis 47) sowie "Beschränkt abziehbare Betriebsausgaben und Gewerbesteuer" (Zeilen 48 bis 53) hat es Änderungen gegeben im Bereich der Ausgaben für ...

  • "Porto, Telefon und Büromaterial": Die neue Rubrik lautet "Telekommunikation (z. B. Telefon)" (Zeile 39), Porto und Büromaterial gehören jetzt zu den "Übrigen unbeschränkt abziehbaren Betriebsausgaben" (Zeile 47).

  • "Fortbildung und Fachliteratur": Die neue Rubrik lautet "Fortbildungskosten " (Zeile 40), Fachliteratur gehören jetzt auch zu den "Übrigen unbeschränkt abziehbaren Betriebsausgaben" (Zeile 47).

  • "Reisekosten": Die neue Rubrik lautet "Verpflegungsmehrauswendungen" (Zeile 50). Übernachtungskosten gehören ebenfalls in den großen Sammeltopf der "Übrigen unbeschränkt abziehbaren Betriebsausgaben" (Zeile 47). Die im Rahmen von Geschäftsreisen entstandenen Fahrtkosten fallen in die Kategorie "Tatsächliche Kraftfahrzeugkosten und anderen Fahrtkosten" (Zeile 54).

Die erst Ende des Jahres 2010 veröffentlichten Änderungen sind deshalb besonders ärgerlich, weil sie bei pingeliger Auslegung zu viel Arbeit führen könnten: Denn wer zum Beispiel seine Reisekosten oder seine Ausgaben für Porto, Telefon und Büromaterial das ganze Jahr über fein säuberlich auf den dafür vorgesehenen Buchungskonten zusammengefasst hat, müsste theoretisch jeden einzelnen Vorgang im Nachhinein korrigieren.

Das ist nach Ansicht von Praktikern aber nicht erforderlich. Sie empfehlen, die neue Systematik erst ab Anfang 2011 zu berücksichtigen, nicht aber für 2010. Selbstständige und Kleinbetriebe, die ihre Belege im Bereich der "Sonstigen unbeschränkt abziehbaren Betriebsausgaben" (Zeilen 39 bis 47) sowie "Beschränkt abziehbaren Betriebsausgaben und Gewerbesteuer" (Zeilen 48 bis 53) noch nach der alten EÜR-Logik gegliedert haben, können die Beträge ruhig in die passenden Zeilen der Anlage EÜR 2010 eintragen.

Hintergrund: Die Finanzämter vor Ort sind selbst von den bundesweiten Vorgaben überrascht worden. Sie werden nachvollziehbare Abweichungen im Bereich der Telefon-, Porto-, Büromaterial-, Fortbildungs-, Fachliteratur- und Reisekosten sowie der "Übrigen unbeschränkt abziehbaren Betriebsausgaben" in aller Regel tolerieren. Schon allein deshalb, weil alles andere für sie unnötige Mehrarbeit bedeuten würde. Im Zweifel sprechen Sie mit dem zuständigen Sachbearbeiter Ihres Finanzamts.

Downloads und Ausfüllhilfen

Die "Anlage EÜR" für das Jahr 2010, das dazugehörige Anlageverzeichnis, eine Rechenhilfe zur Ermittlung der "nichtabziehbaren Schuldzinsen" sowie eine Ausfüllanleitung stehen auf der Website des Bundesfinanzministeriums zum Download bereit. Im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung steht inzwischen auch die Online-Version der Anlage EÜR 2010 zur Verfügung: Dort können Sie die Vordrucke bei Bedarf gleich am Monitor ausfüllen, abspeichern und ausdrucken.

Auf den ersten drei Seiten des EÜR-Formulars wird der steuerliche Gewinn (oder Verlust) auf insgesamt 79 Zeilen ermittelt. Die erforderlichen Angaben im Überblick:

Betriebseinnahmen

  • In den Zeilen 1 bis 7 machen Sie allgemeine Angaben zu Ihrem Betrieb.

  • Nicht umsatzsteuerpflichtige Kleinunternehmer tragen die Summe ihrer Einnahmen aus Dienstleistungshonoraren und Warenverkäufen in den Zeilen 8 und 9 ein.

  • Umsatzsteuerpflichtige Land- und Forstwirte tragen ihre (Netto-)Betriebseinnahmen in der Zeile 10 ein, die umsatzsteuerpflichtigen Betriebseinnahmen von Selbstständigen und Gewerbetreibenden gehören in Zeile 11 und umsatzsteuerfreie Betriebseinnahmen den Zeilen 12 und 13).

  • Zeile 14 ist für die Umsatzsteuer-Einnahmen von Kunden reserviert.

  • Auch Umsatzsteuererstattungen des Finanzamts gelten als Betriebseinnahme: Sie werden in Zeile 15 eingetragen.

  • Die Zeilen 16 bis 18 sind für Erlöse aus dem Verkauf von Anlagevermögen sowie Einnahmen aufgrund von Privatentnahmen vorgesehen (z. B. private Kfz- oder Telefon-Nutzung oder Warenentnahmen).

  • In Zeile 19 wird die (positive) Differenz zwischen aufgelösten und gebildeten Rücklagen bzw. Ansparabschreibungen eingetragen, die ggf. zuvor in der Tabelle auf Seite 3 des EÜR-Formulars (Zeilen 73 bis 77) ermittelt worden ist.

  • Zeile 20 schließlich ist für die Summe der Betriebseinnahmen reserviert.

Betriebsausgaben

In den folgenden Zeilen 21 bis 57 geben Sie einen Überblick über Ihre Betriebsausgaben. Die Zeilen 21 und 22 sind dabei für spezielle Berufsgruppen (z. B. Landwirte und Journalisten) reserviert, die Betriebsausgaben-Pauschalen in Anspruch nehmen können, und denen die folgende differenzierte Auflistung von Ausgaben ganz oder teilweise erspart bleibt.

Alle anderen Steuerpflichtigen machen die folgenden Angaben:

  • Zeilen 23 bis 25: die Summen der Ausgaben für Wareneinkäufe, Fremdleistungen sowie eigenes Personal,

  • Zeilen 26 bis 35: Abschreibungen.

  • Zeilen 36 bis 38: Raumkosten (z. B. Miete für Geschäftsräume, nicht jedoch die Ausgaben für ein häusliches Arbeitszimmer: die gehören in Zeile 51 - s. u.),

  • Zeilen 39 bis 47: alle anderen unbeschränkt abziehbaren Betriebsausgaben (z. B. Telekommunikation, Fortbildungen, Beratungskosten, Schuldzinsen, an andere Unternehmen gezahlte Vorsteuer, ans Finanzamt überwiesene Umsatzsteuer, Bildung von Rücklagen),

  • Zeilen 48 bis 53: beschränkt abziehbare Aufwendungen (Geschenke, Bewirtungskosten, Verpflegungsmehraufwand bei Geschäftsreisen, Kosten eines heimischen Arbeitszimmers, Gewerbesteuer),

  • Zeilen 54 bis 56: Kfz- und andere Fahrtkosten, Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte (= Pendler- oder Entfernungspauschale) sowie Familienheimfahrten.

  • Zeile 57 schließlich enthält die Gesamtsumme aller laufenden Betriebsausgaben.

Aus der Summe der zuvor ermittelten Betriebseinnahmen und -ausgaben wird oben auf Seite 3 in den Zeilen 61 bis 71 schließlich der zu versteuernde Gewinn ermittelt. Dabei werden sowohl Investitionsabzüge berücksichtigt als auch erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten sowie einige andere, seltener in Anspruch genommene Gewinnkorrekturen. Der endgültige steuerpflichtige Gewinn oder Verlust findet sich dann in Zeile 72.

Die Zeilen 73 bis 77 sind für die bereits erwähnten Nebenrechnungen zu Rücklagen, stillen Reserven und Ansparabschreibungen reserviert: Die Summe aufgelöster Rücklagen wird als Betriebseinnahme in Zeile 19 übertragen, die Summe neu gebildeter Rücklagen findet sich in Zeile 46 als Betriebsausgabe wieder.

In den Zeilen 78 und 79 schließlich tragen Sie die Summe aller privaten Entnahmen und Einlagen. Diese Angaben sind aber nur dann von Belang, wenn Sie bei Ihren Betriebsausgaben mehr als 2.050 Euro Schuldzinsen geltend machen, die nicht Investitionen dienten. Ausführlichere Informationen zum Thema Schuldzinsen finden Sie auf der nächsten Seite.

Ein Beispiel: Webdesigners "Kontenrahmen"

Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie Ihre interne Buchführungssystematik 1:1 auf das EÜR-Formular abstimmen. Andererseits: Wenn die Einnahme- und Ausgabekategorien der laufenden Buchführung mit den Eingabefeldern des EÜR-Formulars übereinstimmen, ist die abschließende Einnahmeüberschussrechnung schneller erledigt. Die nach Einnahmen und Ausgaben unterteilten "Sachkonten" eines selbstständigen Webdesigners (sein Buchführungs-"Kontenplan" oder auch "Kontenrahmen") könnten dann zum Beispiel so aussehen:

Beispiel:

Einnahmen:

  • Netto-Einnahmen,

  • von Kunden eingenommene Umsatzsteuern,

  • vom Finanzamt erhaltene Umsatzsteuererstattungen.

  • private Kfz- und Telefon-Nutzung

Ausgaben:

  • Kfz-Kosten und andere Fahrtkosten,

  • Raumkosten,

  • Telekommunikation,

  • Geschenke,

  • Bewirtung,

  • Verpflegungsmehraufwand (Reisekosten)

  • Fortbildung,

  • Rechts- und Steuerberatung, Buchführung

  • bezogene Fremdleistungen (Leistungen anderer Unternehmen für Ihren Betrieb),

  • Schuldzinsen

  • Abschreibungen

  • Übrige Betriebsausgaben,

  • an Lieferanten und Dienstleister gezahlte Umsatzsteuer (=Vorsteuer) sowie

  • ans Finanzamt gezahlte Umsatzsteuern

Um zum Beispiel die Entwicklung Ihrer Ausgaben für Werbeanzeigen oder Büromaterial genauer verfolgen zu können, dürfen Sie die "übrigen Betriebsausgaben" für Ihre eigenen Zwecke selbstverständlich weiter ausdifferenzieren. Dasselbe gilt für die "Kfz-Kosten und anderen Fahrtkosten", wenn Sie etwa die laufenden Kosten für Ihren Geschäftswagen von anderen Fahrtkosten (z. B. für Taxis, Flug-, Bahn- oder Busreisen) abgrenzen wollen. Sie müssen am Jahresende lediglich in der Lage sein, sie der passenden übergeordneten Rubrik des Finanzamt-Vordrucks zuzuordnen.

Wenn umgekehrt z. B. Geschenke, Bewirtungen oder auch Fortbildung nur sehr selten vorkommen, dürfen Sie diese Positionen bei der laufenden Buchhaltung zunächst auch unter "Sonstiges" buchen, um die zusammengehörenden Positionen dann bei der Steuererklärung von Hand herauszurechnen und in den Vordruck zu übertragen.

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Großes Lob! Ich bin beim Ausfüllen der Anlage EÜR "über die Peanuts gestolpert", wie es im Artikel heißt. Nach einer Internetrecherche war dies der mit Abstand hilfreichste Artikel.
A.B., Karlsruhe

Hervorragend! Wie immer. Und wie eigentlich alles von Robert Chronow!

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