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Fotorecht im Alltag

Wann Sie was wo wie fotografieren dürfen (und was besser nicht)

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Stand: 13. Oktober 2006

Motiv Mensch

Persönlichkeitsrecht

Menschen sind das meistfotografierte Motiv. Ob private Urlaubsfotos oder professioneller Werbe-Hochglanz: Fast überall sind auf den Bildern Menschen zu sehen.

Auch hier gilt: So lange die Fotos zu rein privaten Zwecken gemacht und nicht veröffentlicht werden, besteht für den Fotografen kaum Gefahr, juristisch belangt zu werden. Die Rechtsprechung entwickelt sich jedoch weiter, und der Schutz der Privatsphäre - zu der auch das Recht am eigenen Bild gehört - wird strenger. Derzeit ist das Fotografieren von Personen in der Öffentlichkeit erlaubt, eine Nutzung der Bilder jedoch nicht (siehe unten). Ein Fotografierverbot von Personen in der Öffentlichkeit wäre in der Praxis zwar kaum durchzusetzen, aber alle Fotografen - Amateure wie Profis - sollten entsprechend sensibel mit diesem Thema umgehen. Heimlich fotografierte Bilder mögen interessant oder witzig sein, aber dem Fotografen sind die Hände gebunden. Höchstens wenn die Person bemerkt, dass sie fotografiert wird, und der Kamera nicht ausweicht, kann das als Einverständnis zur Aufnahme gewertet werden.

Wie ist es aber mit der öffentlichen bzw. kommerziellen Nutzung? Dürfen Sie die Bilder nutzen, wenn Sie eine Webseite betreiben, einen Diavortrag halten oder Bildmaterial für eine Reportage brauchen?

Wenn alle Fotografierenden die rechtlichen Vorschriften absolut konsequent einhalten würden, gäbe es wohl nur noch menschenfreie Bilder im Web. Für eine Veröffentlichung ist eine Einwilligung der abgebildeten Personen erforderlich, sobald der oder die Abgebildete individuell erkennbar ist. Die Erkennbarkeit kann sich auch aus begleitenden Umständen ergeben. Auch die aus Presseveröffentlichungen bekannte Anonymisierung durch Augenbalken beseitigt diese individuelle Erkennbarkeit nicht unbedingt.

Im Klartext gesprochen heißt das: alle Fotos, die Sie heimlich bzw. unbemerkt, jedenfalls aber ohne Zustimmung, von anderen Menschen gemacht haben, dürfen - formal juristisch betrachtet - weder auf Ihrer Homepage noch bei einem Diavortrag, noch in einer Ausstellung oder dergleichen erscheinen. Auch dann nicht, wenn Sie für die Veröffentlichung kein Honorar bekommen. Nur wenn die abgebildeten Personen einverstanden sind, haben Sie freie Bahn. Deshalb: Suchen Sie den Augenkontakt zu ihrem Fotomotiv.

Beispiel: Fotokalender mit Folgen

Ein Fotoclub veröffentlicht alle zwei Jahre einen Fotokalender, in dem 13 Aufnahmen von Amateurfotografen zu sehen sind. Unter dem Thema "Am Fluss" fotografierte einer der Amateure ein Liebespaar am Flussufer. Beide Personen waren nur von hinten zu sehen. Unglücklicherweise handelte es sich dabei um einen verheirateten Mann, der mit seiner Freundin flirtete. Durch seine Frisur war er auch über den Hinterkopf individuell zu erkennen. Der Mann wurde auf das Bild angesprochen, klagte gegen die Veröffentlichung und bekam Recht: Die gesamte Kalenderproduktion musste eingestampft werden.

Einverständniserklärung

Vor einer Veröffentlichung die Zustimmung der abgebildeten Person einzuholen ist eine Anforderung, die selbst gutwilligen Fotografen nicht leicht fällt, wenn die Aufnahmen irgendwo in der Öffentlichkeit gemacht wurden.

Szenario Fußball-WM 2006: auf den Straßen Deutschlands wird gefeiert und fotografiert, was das Zeug hält. Viele der fotografierten Personen sprechen weder Deutsch noch Englisch und sind schon wieder verschwunden, noch bevor man nach ihrer Mailadresse für eine Kontaktaufnahme fragen kann. Taugen die Fotos deshalb nur für die private Festplatte? Nein. Wenn die fotografierten Personen sehen und merken, dass der Fotograf die Aufnahme für gewerbliche Zwecke nutzt (z.B. Pressefotograf), gilt die Zustimmung zur Aufnahme auch als Zustimmung zur Nutzung. Im Juristendeutsch nennt man das "konkludentes Verhalten" (z.B. Posieren vor der Kamera). Die fotografierten Personen müssen dafür jedoch erkennen können, dass ihre Bilder veröffentlicht werden könnten.

Bild vergrößernPosieren vor der Kamera

Ebenfalls keine Einverständniserklärung benötigt man, wenn auf dem Bild größere Menschenmengen zu sehen sind, wenn die Aufnahmen bei einer öffentlichen Veranstaltung (Demonstration, Sportstadion, Straßenfest...) gemacht werden, oder wenn die Personen nur als Beiwerk, nicht als Hauptmotiv zu verstehen sind. Auch wenn ein Passant auf einem Foto als Person individuell zu erkennen ist, kann er gegen die Aufnahme nichts ausrichten, wenn der Kölner Dom das Hauptmotiv ist.

Nicht zulässig ist jedoch das "Herauspicken" einzelner Personen aus einer Gruppe: Beispiel: Sie fotografieren unbemerkt ein vollformatiges Porträt einer Frau, die als Passantin am Rande einer Karnevalsveranstaltung steht - hier benötigen Sie streng genommen das OK für eine Veröffentlichung - es sei denn, die Frau ist so maskiert, dass sie nicht mehr individuell erkennbar ist.

Wenn Sie häufiger in der Öffentlichkeit fotografieren, nehmen Sie ein Notizbuch mit. Sprechen Sie nach einer heimlichen Aufnahme die Person/en an und machen Sie weitere Aufnahmen mit dem Einverständnis der Person/en. Lassen Sie sich die Mailadresse geben und schicken Sie den Fotografierten ihre digitalen Bilder. Schreiben Sie dazu, dass Sie die Fotos gerne für diesen oder jenen Zweck verwenden möchten, und lassen Sie sich dazu das OK geben. Das macht Arbeit, aber Sie sind auf der sicheren Seite.

Für die Veröffentlichung von Kinderfotos benötigen Sie die Einverständniserklärung der Eltern bzw. der gesetzlichen Vertreter. Wenn Sie das Foto einer verstorbenen Person veröffentlichen möchten, benötigen Sie dazu das OK der Hinterbliebenen. Erst zehn Jahre nach dem Ableben der Person können Sie frei über das Bild verfügen.

Wird für Fotoaufnahmen eine Gegenleistung erbracht, geht das Gesetz auch davon aus, dass ein Einverständnis für eine Nutzung der Bilder vorliegt. Beispiel: Foto-Session mit einem Modell, das vom Hobbyfotografen als Gegenleistung eine Foto-CD mit allen Aufnahmen erhält.

Berühmtheiten

Prominente Persönlichkeiten, wie Sportler, Musiker, Politiker, Adelige etc. dürfen auch ohne ihre Einwilligung fotografiert und das Material darf verbreitet werden. Man bezeichnet solche Menschen als "absolute Personen der Zeitgeschichte". Privatleben und Intimsphäre sind aber auch bei diesen Personen geschützt. Die "eigenen vier Wände" sowie Bereiche der Privatsphäre in der Öffentlichkeit, wie z. B. ein Abendessen in einer abgeschiedenen Ecke eines Restaurants, müssen auch von Paparazzi als fotofreie Zonen respektiert werden.

Relative Personen der Zeitgeschichte sind Menschen, die in Zusammenhang mit einem zeitgeschichtlichen Ereignis in den Blick der Öffentlichkeit geraten sind (z. B. die Opfer des Gladbecker Geiseldramas oder Sportler während eines Spiels). Bilder dieser Personen dürfen nur im Zusammenhang mit diesem Ereignis ohne Einwilligung veröffentlicht werden.

Die Siemens-Manager Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld sind aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung Personen der Zeitgeschichte und ihre Bilder dürfen ohne Einwilligung veröffentlicht werden.

Respekt oder Recht?

Für manche Hobbyfotografen ist es eine Art Sport, Fotografierverbote zu umgehen. Da wird mal schnell das Fotohandy gezückt und man macht trotzdem sein Bild - im Museum, in der Kirche, am FKK-Strand, heimlich und unbemerkt. So lange die Fotos für den Privatgebrauch gemacht und nirgends veröffentlicht werden, können die Fotografierten in der Praxis wenig dagegen ausrichten. Verboten ist es trotzdem und kann zivil- wie strafrechtlich verfolgt werden. Die fotografierte Person kann - wenn sie bemerkt, dass sie fotografiert wurde - verlangen, dass das aufgenommene Foto gelöscht wird. Und sie kann - zumindest unter bestimmten Umständen - auch Anzeige gegen den Fotografen erstatten.

Andererseits: Viele hervorragende und wichtige Fotos wären nie entstanden, wenn sich alle Fotografen immer gesetzestreu an die bestehenden Regelungen gehalten hätten. Der berühmte Street-Photograph Henri Cartier-Bresson hat seine Kamera beispielsweise unter einem großen Taschentuch versteckt und tat so, als würde er sich die Nase putzen, während er in Wirklichkeit fotografierte.

Die überwiegende Mehrzahl der heimlich fotografierten Personen bekommen wahrscheinlich nie Wind davon, dass sie abgelichtet wurden - es sei denn, sie entdecken sich selbst zufällig im Internet oder in einer Ausstellung. Zugegeben, keine besonders angenehme Vorstellung! Spätestens in solchen Fällen der öffentlichen Nutzung von Portraits o.ä. ohne Zustimmung droht auch dem Fotografen Ärger.

So lange Personen würdevoll, ästhetisch und respektvoll fotografiert und in einem ebensolchen Kontext präsentiert werden, besteht die Chance, dass die Sache außergerichtlich geregelt werden kann. Sobald wirtschaftliche Interessen ins Spiel kommen wittern die Betroffenen jedoch oft die Chance, dass Geld zu holen ist. Da hilft es dem Fotografen auch die Beteuerung nicht viel, dass er doch eigentlich nur Fotokunst erschaffen wollte, die sich unerwartet gut verkaufen ließ...

Besonders unschön sind Geschmacklosigkeiten, auf die der Gesetzgeber 2004 mit einer Änderung des Strafgesetzbuches reagiert hat: Ursprünglich war das bloße Erstellen eines Fotos, ohne es zu veröffentlichen, in der Öffentlichkeit nicht verboten, doch am 30. Juli 2004 trat § 201 a ("Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen") Strafgesetzbuch (StGB) in Kraft, der unter bestimmten Umständen schon für das bloße Erstellen eine Kriminalstrafe vorsieht. Danach wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wer

(1) von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt.

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine durch eine Tat nach Absatz 1 hergestellte Bildaufnahme gebraucht oder einem Dritten zugänglich macht.

Ein Gesetzestext, den man auch als Hobby- oder Handyfotograf nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Sicher wird nicht jedes heimlich geschossene Foto gleich ein Gerichtsverfahren nach sich ziehen, aber die fotografierte Person hat das Recht, gegen die Aufnahmen vorzugehen. Wie streng die Vorschriften noch werden und wie konsequent sie verfolgt werden, hängt sicher auch davon ab, welche Vergehen tatsächlich vor Gericht enden. Die neu vorgestellte Kamera, mit der man durch die getönten Scheiben von Fahrzeugen fotografieren kann, ist eine Einladung zum Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht. Man sollte also wissen, worauf man sich einlässt, wenn man sie benutzt.

Arbeiten mit Fotomodellen

Professionelle Fotografen arbeiten aufgrund der juristischen Lage lieber gleich mit Fotomodellen. Egal, ob Sie ein professionelles Model verpflichten oder mit einem Amateur-Modell aus dem Bekanntenkreis anfangen: Sie sollten in jedem Fall einen einfachen, schriftlichen Vertrag abschließen, in dem Sie sich ggf. auch darauf verständigen, zu welchem Zweck die Aufnahmen später verwendet werden können oder auch nicht.

Das Arbeiten mit Fotomodellen ist mehr als sinnvoll, wenn man Bilder veröffentlichen möchte.

Dem Fotografen - vor allem dem Profi - ist es stets angenehm, so viel Handlungsspielraum wie möglich heraus zu schlagen, und die Nutzung der Bilder nicht einzuschränken. Das würde es ihm beispielsweise erlauben, Aktaufnahmen auch auf Erotikseiten im Internet zu verwenden - ein Tabu für die Mehrzahl aller Fotomodelle. Wer sich in bestimmten Branchen fotografisch betätigen möchte, wählt am besten von vorneherein Modelle, die damit keine Probleme haben. Ein Vertrag mit klaren Formulierungen hilft Missverständnisse vermeiden, und erspart den späteren Gang vor den Kadi.

Ein so genanntes Model Release finden Sie z.B. bei Freelens. Für akademie.de-Mitglieder bieten wir auch einen Muster-Modelvertrag als PDF-Dokument zum Download an.

Ein Fotomodell kann die Einwilligung für die Nutzung von Bildern auch nachträglich zurückziehen. Enthält der Vertrag jedoch die Klausel, dass die Rechte "unwiderruflich" übertragen werden, ist der Fotograf auf der sicheren Seite. Die Gerichte gehen davon aus, dass volljährige Personen, die sich fotografieren lassen, wissen, was sie tun. Wenn sich eine junge Frau zur Finanzierung ihres Studiums leicht bekleidet fotografieren lässt, und später um ihre Karriere fürchtet, ist es nicht so leicht, aus dem Vertrag heraus zu kommen. Frühestens nach drei bis fünf Jahren kann sie darlegen, dass sich ihre "innere Einstellung gewandelt hat" und die Aufnahmen nunmehr ihr Persönlichkeitsrecht verletzen. Wenn widerrufen wird, und das Gericht zustimmt, muss der Fotograf jedoch angemessen entschädigt werden. Minimum sind die Herstellungskosten für die Bilder. Hat der Fotograf an den Fotos gut verdient, kann ein Widerruf für das Fotomodell sehr teuer werden.

Fazit

  • Für das Fotografieren gibt es mehr juristische Einschränkungen als allgemein angenommen wird. Als reiner Amateur ist man nur dann auf der (einigermaßen) sicheren Seite, so lange man keine Bilder ins Internet stellt oder anderweitig veröffentlicht.

  • Die kommerzielle Nutzung von Bildern unterliegt strengen Auflagen, deren Missachtung Schadensersatzforderungen nach sich ziehen kann.

  • Auf nicht öffentlichen Grundstücken und innerhalb von Gebäuden schränkt das Hausrecht die Fotografierfreiheit ein.

  • Auch auf öffentlichen Plätzen darf nur aus normaler Perspektive fotografiert werden.

  • Für Werbeaufnahmen sind bestimmte Locations tabu, auch wenn sie von der öffentlichen Straße gemacht werden.

  • Wo immer möglich, sollte sich der Fotograf mit einer offiziellen Fotografiererlaubnis absichern.

  • Das Markenrecht schränkt die Verwendung von Bildern ein, auf denen Produkte, Markennamen oder Logos von Herstellern erkennbar sind.

  • Kunstwerke sind urheberrechtlich geschützt, eine Veröffentlichung der Bilder ist nur mit Einverständnis des Urhebers des Kunstwerkes erlaubt. Ausnahme: Denkmäler, die bleibend an öffentlichen Plätzen installiert sind.

  • Fotografiert man heimlich eine Person und wird dabei ertappt, kann der/die Fotografierte verlangen, dass das Bild gelöscht wird.

  • Das Fotografieren in die Fenster von Wohnungen und anderen Gebäuden stellt einen Eingriff in die Privatsphäre dar und ist nicht zulässig. Das Strafgesetzbuch sieht dafür bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe vor.

  • Für die Veröffentlichung von Personenaufnahmen wird in den meisten Fällen eine schriftliche Einverständniserklärung der aufgenommenen Person/en benötigt. Ausnahmen: Personen der Zeitgeschichte, Personen als Beiwerk, Menschenansammlungen, abgebildete Person ist länger als 10 Jahre tot.

  • Das Arbeiten mit professionellen Fotomodellen ist das beste Mittel, um sich gegen juristische Risiken abzusichern.

  • Dabei gilt jedoch: Kein Fotoshooting ohne schriftlichen Vertrag mit dem Modell.

  • Im Ausland gelten andere Gesetze.

Links zum Thema Fotorecht

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Ihre Wertung:

 

Hallo Niels,
danke für den Kommentar. Ich habe mir mit einer Antwort etwas Zeit gelassen, komme gerade wieder von einem Workshop mit einem Profi und habe auch die Ausgabe 3/2007 der Zeitschrift Profifoto im Hinterkopf... In beiden ging es, wie so oft, ums Fotorecht.

Es herrscht gerade zur Zeit sehr viel Verwirrung, was all diese Themen angeht und man findet bei der Recherche stets unterschiedliche, mitunter sich widersprechende Quellen. Die Tendenz geht derzeit in die Richtung, dass die Richter härter GEGEN Fotografen urteilen.

//Wenn ich Menschen auf der Straße photographiere, können sie höchstens verlangen, dass das Bild nicht veröffentlicht wird,//

Nicht höchstens, mindestens. Aktuelle Aussage eines Profifotografen: es ist nicht erlaubt. Wenn ich jemanden fotografiere und das Foto anschließend nicht einmal im privaten Kreis herzeigen darf - welchen Sinn macht dann das Foto? Recht wenig, meines Erachtens. Fotos sind dazu da, um angeschaut und vielleicht sogar diskutiert zu werden - nicht um in irgendwelchen Schubladen oder auf Festplatten zu verrotten. Hilft aber nichts, wenn der Abgebildete dagegen klagt und das Gericht ihm Recht gibt.

Zur Frage "Skulptur" und Kunstwerk: hierzu passt Profifoto 3/2007, ein Beitrag von RA Dr. Wolfgang Maaßen, Düsseldorf: ein Fotograf hatte für den Produzenten einer grünen Verpackung ein Werbefoto gemacht, auf dem die grüne Verpackung, ein Mann im grünen Anzug und ein grünes Sofa zu sehen waren. Daraufhin bekam er Post von der VG Bild-Kunst, denn bei dem Sofa handelte es sich um ein LC 3 Sofa von Le Corbusier - und das durfte nicht einfach so fotografiert werden. Und das, obwohl es eigentlich ein Gebrauchsgegenstand war. Nur leider von Le Corbusier ;-)

Ich glaube kaum, dass man als Fotograf in einem Rechtsstreit Recht bekommt, wenn man eine Plastik fotografiert und behauptet, das Foto sei ein Kunstwerk - und die Plastik nur Nebensache. Da muss man schon sehr viel Kreativität mitbringen und die Plastik so fotografieren, dass selbst ein Jurist den Unterschied zwischen Kunst-Objekt und Kunst-Foto sieht. Was mich angeht: ich bin da eher skeptisch... und mit dem Fotografieren bzw. Online-Stellen von Kunstwerken inzwischen auch sehr vorsichtig geworden.

Ich denke, das Thema wird uns noch lange beschäftigen.

Fotografieren ohne Erlaubnis

Sorry, es geht nicht um Sinn oder Unsinn, sondern um Verbot oder nicht.

Das Fotografieren an sich ist nicht verboten, so lange nicht ein schwerwiegender (!) Eingriff in das Persönlichkeitsrecht stattfindet.

Dieser ist bei "normalen" Fotos, welche die Person nicht herabwürdigen (wie z.B das Fotografieren unter den Rock es täte) nicht gegeben.

Die Löschung des Bildes kann nur (!) ein Richter im Einzelfall (!) verlangen.

Wenn jmd aus Spass an der Freude oder zur Inspiration (wenn er z.B. Mode entwirft oder Gedichte/Geschichten über Menschen schreibt) sein persönliches Fototagebuch mit interessanten Menschen, die er auf der Strasse gesehen hat, füllt, ist das allein seine Sache, so lange er das eben nicht weiter verbreitet/veröffentlicht.

Fotografieren ohne Erlaubnis.

Was macht es für einen Sinn,wenn ich Personen fotografiere dieses Foto jedoch noch nicht mal unter Gleichgesinnte zu zeigen und zu diskutieren.Wenn ich dieses Foto unter Freunden zeige um es zu diskutieren verstoß ich bereits gegen Geltendes Recht

Fotografieren gegen den Willen der Fotografierten

Es stimmt schon dass das eine Einzelfallentscheidung ist rechtlich betrachtet aber sie werden vor Gericht schon Mühe haben darzulegen dass Ihr Interesse am Fotografieren höher zu bewerten wäre als das Persönlichkeitsrecht und das Selbstbestimmungsrecht des Motivs wider Willen. Außerdem ganz nebenbei ist das auch eine Frage der Höflichkeit, auch wenn das für manche Leute vielleicht kein Argument darstellet.

Sehr schöner Artikel, aber zwei Punkte, die meiner Meinung nach fehlerhaft sind:

"Kunstwerke sind urheberrechtlich geschützt, eine Veröffentlichung der Bilder ist nur mit Einverständnis des Urhebers des Kunstwerkes erlaubt. Ausnahme: Denkmäler, die bleibend an öffentlichen Plätzen installiert sind."

Dies gilt meines Wissens nach nur für zweidimensionale Kunstwerke (Gemälde etc). Durch das Photographieren eines dreidimensionalen Kunstwerks (Skulptur o.ä.) wird ein neues Kunstwerk geschaffen. Damit hat der ursprüngliche Künstler keine Rechte mehr am entstehenden Bild, kann also die Veröffentlichung nicht verhindern. Es ist sozusagen nur ein Zitat.

"Fotografiert man heimlich eine Person und wird dabei ertappt, kann der/die Fotografierte verlangen, dass das Bild gelöscht wird."

Das gilt doch auch nur außerhalb des öffentlichen Raums, beziehungsweise wenn der "höchstpersönliche Lebensbereich verletzt" wird. Wenn ich Menschen auf der Straße photographiere, können sie höchstens verlangen, dass das Bild nicht veröffentlicht wird, solange ich nicht gerade die Kamera einer Frau unter den Rock gehalten habe oder ähnliches.

"Das hieße ja, ich klau mir ein Bild von einer fremden Website, mache ein c drauf und schon ist es meins."

Nicht ganz. Das "c" macht das Bild nicht zu Ihrem Eigentum, nur: der wirkliche Urheber hat es damit schwerer nachzuweisen, dass er das Bild erschaffen hat.

Die Vorannahme, dass ein Copyright Vermerk "echt" ist, begünstigt in so einem Fall die Dreistigkeit von Bilderklauern. Das einzige, was der redliche Fotograf tun kann: er wird fortan seine Bilder mit Schriftzügen verunstalten :-(

"Das hieße ja, ich klau mir ein Bild von einer fremden Website, mache ein c drauf und schon ist es meins."

Nicht ganz. Das "c" macht das Bild nicht zu Ihrem Eigentum, nur: der wirkliche Urheber hat es damit schwerer nachzuweisen, dass er das Bild erschaffen hat.

Die Vorannahme, dass ein Copyright Vermerk "echt" ist, begünstigt in so einem Fall die Dreistigkeit von Bilderklauern. Das einzige, was der redliche Fotograf tun kann: er wird fortan seine Bilder mit Schriftzügen verunstalten :-(

Der Satz ist aber gefährlich:

Das Anbringen eines Copyright-Zeichens ist zwar nicht erforderlich, aber empfehlenswert, denn im Streitfall gilt derjenige als Urheber, dessen Copyright auf dem Bild angebracht ist!

Das hieße ja, ich klau mir ein Bild von einer fremden Website, mache ein c drauf und schon ist es meins. Das kann ja nicht sein, oder?

;) Wenn wir versuchen würden, in einem Artikel alle fotojuristischen Fragen flächendeckend abzuhandeln, hätten die Kollegen Rechtsanwälte und Gerichte weniger Arbeit, stimmt.

Übersichtlicher Artikel
nicht enthalten für Fotografen sind alle Probleme mit im Rahmen der Pressefreiheit, mit Dokumentation in der Folge von öffentlichem Interesse, mit der Aufnhame von beweisen in Straffällen und so weiter, wo die Privatsphäre unter Umständen dem Interesse der Öffentlichkeit zurück zu stehen hat.

@Christoph Baumgarten:
Ja, davon ist auszugehen. Ich denke, das gibt keine Probleme.

@alle Schweizer und Österreicher: Sorry, ich bin Fotografin und keine Juristin - und nicht mit der (sich stetig wandelnden) Rechtslage in allen Ländern dieser Welt vertraut. Wenn ich auf Informationen stoße, in denen speziell auf schweizer oder österreichisches Recht eingegangen wird, liefere ich die entsprechenden Links gerne nach.

Leider für mich als Schweizer einseitig nur am deutschen Recht orientiert; Was wenn ein Deutscher im Urlaub in einem der Nachbarländer fotographiert?

Super, dann hatte ich recht, als ich
http://www.sport-iptv.com/
produzierte.

Aber was ist mit den Typen mit dem NACKTEN HINTERN?

Eigentlich hat er diesen ja in die Menge gehalten, was einer Absicht der Veröffentlichung entspricht, oder?

bis denne

Christoph Baumgarten

Grundsätzlich greift das Recht am eigenen Bild, das eine uniformierte Person nicht verliert, auch wenn sie sich im Einsatz/Dienst befindet und uniformiert ist. D.h. ohne Einverständnis der abgebildeten Person keine Veröffentlichung.

Darüber hinaus kann die Behörde, für die der Polizist im Einsatz ist, eine Veröffentlichung von Bildern untersagen. Selbst Feuerwehrmänner, die im Dienst Fotos anfertigen, dürfen diese nicht publizieren (u.a. aus versicherungsrechtlichen Gründen).

Bei Demonstrationen und anderen Veranstaltungen könnte der öffentliche Anlass und die Anzahl der Personen, die auf dem Foto zu sehen sind, eine Veröffentlichung erlauben. Auf Ihre Frage gibt es also kein generelles JA oder NEIN, auch ein Gericht müsste im Streitfall den Kontext berücksichtigen.

Prinzipiell gilt jedoch: wenn sie einen Menschen fotografieren, brauchen Sie dessen Einverständnis für eine Veröffentlichung des Bildes.

Darf man als Laie uniformierte Polizisten fotografieren und diese z.B. in einem Blog online stellen?

Informativer Artikel! Aber wie sieht es mit uniformierten Personen aus. Polizisten, Ordnungsamtdienst, Soldaten, Wachschutz, Feuerwehr?

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Über die Autorin:

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Jacqueline Esen ist freiberufliche Fotografin und gibt ihr Wissen in Foto-Kursen, Online-Workshops und Fachbüchern weiter. Ihre Bücher "Der große Fotokurs" und "Digitale Fotografie" sind Bestseller ...

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