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Ideen schützen, Ideenklau verhindern

Auf Ideen gibt es kein Copyright. Deshalb schützen Sie Ihre Ideen oft am besten dadurch, dass Sie sie freilassen.

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Stand: 11. Februar 2013 (aktualisiert)

Ideen freilassen!

Die Kunst des Loslassens

Eine ganz andere Frage ist, ob Sie sich wirklich einen Gefallen tun, wenn Sie mit Ihren Ideen knausern. Noch wesentlich schädlicher als der unerwünschte Ideenklau ist der weitverbreitete "Selbstmord aus Angst vor dem Tod": Vor lauter Paranoia, jemand könne ihn um die Früchte der eigenen Kreativität bringen, beschneidet manch übervorsichtiger Unternehmer seine eigenen Erfolgschancen.

Da sich heutzutage ohnehin nur noch die wenigsten Geschäftskonzepte im stillen Kämmerlein vorbereiten und als Einzelkämpfer verwirklichen lassen, bleiben auf diese Weise viele aussichtsreiche Vorhaben mangels Initiative, Finanzkraft und Durchsetzungsvermögen im fruchtlosen "Man-müsste-mal-Stadium" stecken.

Umgekehrt hat nicht jeder scheinbar vielversprechende Einfall das Potenzial zur Killer-Anwendung oder zum Jahrhundert-Produkt: Die nüchterne Überprüfung durch den fremden Blick ist da oftmals geradezu segensreich und verhindert die Verschwendung von Zeit, Geld und Nerven.

Fazit

So wichtig Ideen im Geschäftsleben sind: Wirkung entfalten sie nur, wenn sie unvoreingenommen überprüft und bei Eignung zügig und konsequent umgesetzt werden. Überschätzen Sie dabei die Einmaligkeit und die geschäftliche Substanz Ihrer eigenen Ideen nicht! Unterschätzen Sie zugleich die Aufnahmefähigkeit des Marktes nicht: Vermeintliche Konkurrenten können bei genauerer Betrachtung zu potenziellen Kooperationspartnern werden.

Gehen Sie großzügig und "verschwenderisch" mit Ihren Einfällen um: Kommunizieren Sie, inspirieren Sie Ihre Umgebung! Dann bekommen Sie umgekehrt wichtige Anregungen zurück - und erhöhen so die Wahrscheinlichkeit, gemeinsam mit seriösen Partnern tatsächlich etwas auf die Beine zu stellen.

Und wenn Sie einen wirklich großen Ideen-Fisch an der Angel zu haben glauben, dann versichern Sie sich professioneller Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Kapitalgebern oder Kooperationspartnern. Sichern Sie Ihre Verhandlungsposition konsequent durch Vertraulichkeitserklärungen ab und sorgen Sie dafür, dass Urheberschaft und Zeitpunkt von Entwürfen und Plänen möglichst zweifelsfrei dokumentiert sind.

Den Ideenvirus entfesseln

Apropos "Ideen-Management": Mindestens ebenso wichtig wie das Umgehen mit mehr oder weniger tragfähigen "neuen" Geschäftsideen ist das Herausarbeiten einer pfiffigen "Idee", die in bereits vorhandenen Produkten und Dienstleistungen steckt - und dafür zu sorgen, dass die Kundschaft von diesem Virus infiziert wird.

Unter dem Motto "Unleashing the Ideavirus" zeigt Marketing-Profi Seth Godin, wie Sie den "Ideenvirus entfesseln". Der Bestseller ist - selbstverständlich - als kostenloses E-Book (PDF, 893 KB) verfügbar.

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Antwort

Hallo,
grundsätzlich muss Ihr Arbeitgeber Sie nicht gesondert für Ideen entlohnen, die sich aus Ihrer Tätigkeit ergeben. Die Nutzungsrechte an kreativen Leistungen, die Sie in Erfüllung Ihrer Arbeitspflicht erbringen, werden Ihrem Arbeitgeber zugeordnet - es sei denn, im Arbeitsvertrag ist ausdrücklich etwas anderes geregelt.

Was mit kreativen Leistungen passiert, die Sie _nicht_ in Erfüllung Ihrer eigentlichen Arbeitspflicht entstehen (weil Sie im erwähnten Beispiel bloß als gewerbliche Hilfskraft, etwa als Totengräber arbeiten), ist im Urheberrecht m. W. nicht geregelt. Es steht Ihnen frei, mit Ihrem Arbeitgeber über Ihren bestehenden Arbeitsvertrag hinaus über eine Entlohnung für besondere kreative Leistungen zu verhandeln. In dem Fall gelten alle Vorkehrungen wie bei Verhandlungen mit fremden Dritten.

Das Thema Arbeitnehmer-Urheberrecht ist ziemlich heikel: Im Zweifel wenden Sie sich am besten an einen Rechtsanwalt, der sich auf Urheberrecht spezialisiert hat.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Urheberrecht in Arbeits- und Dienstverhältnissen

Dass die "Nutzungsrechte an kreativen Leistungen, die Sie in Erfüllung Ihrer Arbeitspflicht erbringen", dem Arbeitgeber zustehen, ist eine besondere Vorschrift in Bezug auf Computerprogramme: http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__69b.html (§ 69b Urheber in Arbeits- oder Dienstverhältnissen des Unterabschnitt 8 Besondere Bestimmungen für Computerprogramme)

Ansonsten gilt http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__43.html (§ 43 Urheber in Arbeits- oder Dienstverhältnissen des Unterabschnitts 2 Nutzungsrechte): "Die Vorschriften dieses Unterabschnitts sind auch anzuwenden, wenn der Urheber das Werk in Erfüllung seiner Verpflichtungen aus einem Arbeits- oder Dienstverhältnis geschaffen hat, soweit sich aus dem Inhalt oder dem Wesen des Arbeits- oder Dienstverhältnisses nichts anderes ergibt."

Allerdings gilt es eben nur für urheberrechtsfähige Werke, nicht für bloße Ideen.

Keine Regelung im Vertrag - Urheberrechte beim AN?

Heisst das, das der Arbeitnehmer das Urheberrecht an allen Texten, Fotos etc hat, die er im Job erstellt, wenn der Arbeitsvertrag, Tarifvertrag etc. nichts gegenteiliges bestimmt?

Das wäre ja erstaunlich.

Antwort: Keine Regelung im Vertrag - Urheberrechte beim AN?

Hallo,
§ 7 UrhG
http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__7.html
sagt dazu recht unmissverständlich: "Urheber ist der Schöpfer des Werkes." Die Urheberrechte liegen also grundsätzlich beim Arbeitnehmer, wie der Autor des gestrigen Kommentars zu Recht betont:
http://www.akademie.de/wissen/ideen-schuetzen-freilassen#comment-12099
Vertraglich regelbar sind demnach "nur" die Nutzungs- und Verwertungsrechte. Zumindest die einfachen Nutzungsrechte liegen im Fall von Arbeitnehmern, die in Erfüllung ihrer arbeitsvertraglichen Pflichten "Texte, Fotos etc." erstellen, normalerweise beim Arbeitgeber. Sonst ergäbe ein Beschäftigungsverhältnis in der Kreativbranche normalerweise ja keinen Sinn. Es sei denn, ein Arbeitgeber will sich bloß mit dem Namen eines Autors oder Fotografen schmücken und / oder andere Vorteile aus der Beschäftigung eines Texters oder Fotografen ziehen (z. B. Personalführung, Mitarbeiterschulung o.ä.) - ihm die Verwertung der während der Arbeitszeit erzeugten Werke aber selbst überlassen. Klingt konstruiert, ist aber denkbar und möglich ...
Freundliche Grüße
Robert Chromow

roc? Brockt dem guten Mann bloß keine Markenrechtsklage ein...

Muß aber auch sagen, seine Artikel sind immer wieder Highlights!

interessant und hilfreich

Interessant, frisch, anregend, amüsant und hilfreich: ein echter "roc" eben!

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Über den Autor:

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit über zwanzig Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Autor und Berater im eigenen Redaktionsbüro. Print- un ...

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