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Grundkurs Jahresabschluss

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Stand: 26. Juni 2009

Der Jahresabschluss

Der Jahresabschluss

Zu einem Jahresabschluss gehören neben der Bilanz noch weitere Bestandteile. In diesem Abschnitt erfahren Sie, um welche Angaben es sich dabei handelt und welche Anforderungen an einen Jahresabschluss gestellt werden.

Welche Funktion hat der Jahresabschluss?

Der Jahresabschluss dient der Gewinnermittlung. Ein Vergleich der Werte zu Beginn des Geschäftsjahres oder Berichtszeitraumes mit dem zum Bilanzstichtag ergibt entweder einen Gewinn oder einen Verlust.

Die Bilanz stellt sowohl unter handels- als auch steuerrechtlichen Gesichtspunkten den formalen Abschluss der Buchhaltung dar. Gleichzeitig erfüllt sie eine gewisse Dokumentationsfunktion: Sie spiegelt das vorhandene Vermögen in einer verbindlichen Form wieder.

Als Geschäftspartner sind Sie an den Informationen interessiert, die Sie aus dem Jahresabschluss entnehmen können; dem Unternehmen selbst dienen die gewonnenen Daten zur Unternehmenssteuerung.

Das Finanzamt schließlich interessiert sich dafür, wie viel Gewinn das Unternehmen in der abgelaufenen Periode erwirtschaftet hat und welche Steuern hieraus erwachsen.

Bei der Erstellung der Bilanz nach den IFRS steht dagegen die umfassende Information der Abschlussadressaten im Vordergrund, also der Finanzanalysten oder der Aufsichtsgremien, der Investoren, Lieferanten oder Gläubiger des Unternehmens.

Was gehört zum Jahresabschluss?

In § 242 Abs. 3 HGB steht: "Die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung bilden den Jahresabschluss." Die Bilanz ist also nur ein Teil des Jahresabschlusses; er kann unter Umständen neben Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung noch weitere Angaben erfordern. Kapitalgesellschaften (z. B. AG und GmbH) sind verpflichtet, ihren Jahresabschluss noch um einen Anhang und einen Lagebericht zu ergänzen. Das gleiche gilt für eingetragene Genossenschaften. Andere Rechtsformen können ebenfalls der Pflicht zur Veröffentlichung des Anhangs unterliegen.

Seit Inkrafttreten des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) sind kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften verpflichtet, den Jahresabschluss um eine Kapitalflussrechnung und einen Eigenkapitalspiegel zu ergänzen.

Bild vergrößernUmfang des Jahresabschlusses nach Handelsrecht

Die Bilanz

Eine Bilanz ist im Prinzip nichts anderes als eine Gegenüberstellung von Vermögen (Aktiva, Aktivseite) und Schulden (Passiva, Passivseite) eines Unternehmens in Kontenform.

Die Aktivseite zeigt dabei auf, wie die Mittel im Unternehmen eingesetzt werden. Deshalb werden an dieser Stelle neben materiellen und immateriellen Gütern auch Forderungen aufgeführt, die dem Unternehmen gegen Dritte zustehen. Die Passivseite zeigt hingegen auf, woher die Mittel stammen. Deshalb gehört auch das Eigenkapital in diese Bilanzposition.

Bild vergrößernDie Struktur einer Bilanz: Anlagevermögen und Umlaufvermögen bilden die Aktiva, auf der Passiva-Seite stehen das Eigenkapital, Rückstellungen und Verbindlichkeiten.

Unterschiede zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz

  • Die Handelsbilanz dient sowohl der unternehmensinternen als auch -externen Information. Sie bildet die Grundlage zu richtungsweisenden Entscheidungen im Unternehmen, aber auch für Investoren und Geschäftspartner. Der Erfolg des Unternehmens stellt sich unter handelsrechtlichen Gesichtspunkten als Jahresüberschuss oder -fehlbetrag dar.

  • Die Steuerbilanz dient hingegen als Grundlage für die Bemessung der Ertragssteuern, wie der Einkommen-, Körperschafts- und Gewerbesteuer. Für die Besteuerung ist der Gewinn des Unternehmens maßgeblich.

Handels- und Steuerbilanz sind über den unterschiedlichen Zweck hinaus auch deshalb nicht identisch, weil verschiedene steuerrechtliche Vorschriften für beträchtliche Unterschiede sorgen. Das gilt beispielsweise bei der Abschreibung oder auch bei Rückstellungen für drohende Verluste, die in der Handelsbilanz Pflicht, in der Steuerbilanz hingegen untersagt sind.

Was in der Steuerbilanz zu erfassen und wie sie aufzubauen ist, richtet sich zwar auch nach handelsrechtlichen Regelungen. Wie die im Einzelnen erfassten Bilanzpositionen jedoch zu bewerten sind, richtet sich nach steuerrechtlichen Vorschriften.

Prinzip der Maßgeblichkeit

Die Steuerbilanz baut auf der Handelsbilanz auf. Dies wird auch als "Prinzip der Maßgeblichkeit" bezeichnet und bedeutet nichts anderes, als dass Bilanz- und Wertungsansätze, die in der Handelsbilanz angewandt worden sind, in der Steuerbilanz zu berücksichtigen sind. Bislang war es so, dass bei Anwendung abweichender Ansätze in der Steuerbilanz die Handelsilanz entsprechend angepasst werden musste (umgekehrtes Prinzip der Maßgeblichkeit).

Dieser Grundsatz der umgekehrten Maßgeblichkeit hat zur Folge, dass ein Wahlrecht, das unter steuerrechtlichen Regeln zulässigerweise ausgeübt wird und eine Senkung des steuerlichen Gewinns zur Folge hat, auch den ausschüttungsfähigen Gewinn unter handelsrechtlichen Gesichtspunkten vermindert.

Dieser Grundsatz ist durch das Bilmog aufgehoben und durch eine steuerliche Hilfsrechnung ersetzt worden. Die bislang zulässigen steuerrechtlichen Abschreibungen gemäß §§ 254, 279 HGB a.F. sind jetzt nicht mehr zulässig. Stattdessen ist nun gemäß § 5 Abs. 1 S. 2 EStG ein fortlaufend zu führendes Verzeichnis zu erstellen.

Im Prinzip ist das Verzeichnis wie ein Anlagenspiegel i.S.d. § 268 Abs. 2 HGB n.F. aufzubauen:

  • Tag der Anschaffung oder Herstellung

  • Kosten

  • Art des Wahlrechts (z.B. § 6B EStG)

  • Vorgenommene Abschreibung in Euro

Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

Zum Jahresabschluss gehört neben der Bilanz eine Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) (§ 242 Abs. 3 HGB). Sie stellt Erträge und Aufwendungen eines bestimmten Zeitraumes dar. Beide bilden gemeinsam die wichtigsten Instrumente, um den Erfolg eines Unternehmens zu beurteilen.

Während die Bilanz zu einem ganz bestimmten Stichtag erstellt wird, in der Regel zum Ende des Geschäftsjahres, zeigt die GuV die Entstehung des Unternehmensgewinns oder -verlustes in dem genannten Berichtszeitraum auf.

Sie ist also keine Stichtags-, sondern im Gegensatz zur Bilanz eine Zeitraumrechnung.

Mehr über die GuV erfahren Sie hier: Die Form der Gewinn- und Verlustrechnung.

Vom Inventar zur Bilanz

Für den Jahresabschluss benötigen Sie eine umfassende und vollständige Bestandsaufnahme Ihres Vermögens. Sie machen Inventur. Zu einem bestimmten Stichtag werden sowohl das Vermögen als auch die Schulden des Unternehmens erfasst. Das Verzeichnis, das Sie dabei erstellen, wird als Inventar bezeichnet.

Die Bilanz ist letztendlich nichts anderes als eine Kurzdarstellung des Inventars in einer besonderen Form:

  • Die Aktiva (Aktivseite) zeigen die Vermögenswerte , getrennt nach Anlage- und Umlaufvermögen.

  • Die Passiva (Passivseite) zeigen die Schulden in Form des Fremdkapitals und als Saldo das Eigenkapital auf.

Mehr über das Inventar erfahren Sie hier: Inventar und Kontierung.

Was steht im Anhang?

Für Kapitalgesellschaften gilt die Pflicht, den Jahresabschluss um einen Anhang zu ergänzen (§§ 264 ff HGB). Durch das BilMoG sind kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaften eine Reihe neuer Pflichten auferlegt worden (§ 264 Abs. 1 S. 2 HGB n.F). Auch Personengesellschaften ohne natürliche Person als persönlich haftenden Gesellschafter sowie Genossenschaften und Unternehmen, die unter das Publizitätsgesetz (PublG) fallen, sind dazu verpflichtet. Für eingetragene Genossenschaften enthält das Handelsgesetzbuch ergänzende Vorschriften zum Jahresabschluss ( §§ 336 bis 339 HGB).

Der Anhang dient in erster Linie der Erläuterung verschiedener Bilanzpositionen, denn für sich gesehen sind die Zahlen oft nicht aussagekräftig. Die Angaben im Anhang dienen also in erster Linie Dritten zur Informationsgewinnung.

In welchem Umfang die Bilanz und die GuV im Anhang zu erläutern sind und welche Pflichtangaben der Anhang darüber hinaus enthalten muss, ist in den Vorschriften des § 284 und § 285 HGB im Einzelnen geregelt. So sind nicht nur die angewandten Bewertungs- und Bilanzierungsmethoden darzustellen, sondern es ist auch ein Wechsel der angewandten Methode zu erläutern und zu begründen. Daneben sind die jeweiligen Umrechnungskurse bei Forderungen und Verbindlichkeiten, die in Fremdwährung bestehen, anzugeben. Da es sich bei der Bilanz um eine verkürzte Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse handelt, müssen verschiedene Positionen zum besseren Verständnis nun im Anhang wieder aufgeschlüsselt werden. Das gilt zum Beispiel für die Anlagegüter, die im Anlagespiegel erläutert werden müssen. Die Vorschrift des § 285 HGB a.F. hat durch das BilMoG zahlreiche Änderungen und Ergänzungen erfahren.

Neben diesen recht zahlreichen Pflichtangaben gibt es auch Angaben, die das Unternehmen freiwillig machen kann.

Der Gesetzgeber hat kein besonderes Gliederungsschema für den Aufbau des Anhangs vorgesehen. Ein einmal gewählter Aufbau muss allerdings auf Dauer beibehalten werden.

Anhang-Muster für eine kleine GmbH

Einen Muster-Anhang zur Bilanz einer kleinen GmbH finden Sie hier: "Der Anhang zur Bilanz für die kleine GmbH".

Was gehört in den Lagebericht?

Im Lagebericht wird der Geschäftsverlauf und die Gesamtsituation des Unternehmens erläutert (§ 289 Abs. 1 HGB). Damit soll ein "den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt werden".

Die Vorschrift des § 289 HGB war bereits durch das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) erheblich erweitert worden. Durch das BilMoG ist die Vorschrift erweitert und ergänzt worden.

Die Vorschrift verpflichtet in erster Linie mittelgroße und große Kapitalgesellschaften zur Erstellung eines Lageberichtes. Aber auch kleinere Unternehmen kommen nicht immer umhin, einen Lagebericht zu erstellen, sie können etwa durch ihren Gesellschaftsvertrag oder durch Satzung dazu verpflichtet sein.

  • Der wesentliche Teil des Lageberichts ist der Wirtschaftsbericht, in dem der gesamte Geschäftsverlauf einschließlich des Geschäftsergebnisses erläutert werden soll.

    Ein Beispiel: Ein mittelständischer KFZ-Handel verkauft sowohl Neu- als auch Gebrauchtwagen und exportiert darüberhinaus regelmäßig ältere, noch fahrtaugliche Fahrzeuge in verschiedene Länder Osteuropas. Daneben unterhält das Unternehmen noch eine KFZ-Werkstatt. Aus jedem dieser drei Tätigkeitsbereiche erzielt das Unternehmen Umsatz. Schreibt der KFZ-Händler mit seiner Werkstatt Verluste, dann ist dies im Lagebericht darzulegen.

  • Darüber hinaus ist eine Prognose für die weitere Geschäftsentwicklung abzugeben. Neben Risiken sollen nach der Gesetzesänderung nun ausdrücklich auch künftige Chancen in der Entwicklung des Unternehmens dargestellt werden.

    Nehmen wir in Bezug auf unser Beispiel oben an, dass nun ein Mitbewerber seinen Standort verlagert hat. Es ist dem berichtenden Unternehmen gelungen, einen Teil der Werkstattkunden abzuwerben, die überwiegend Fahrzeuge einer Nobelmarke fahren, deren Reparatur und Wartung erheblich lukrativer ist. Im neuen Geschäftsjahr ist daher damit zu rechnen, dass die KFZ-Werkstatt zumindest eine "schwarze Null" schreibt, im Folgejahr sogar einen Gewinn abwerfen wird.

    Zu den darzustellenden Risiken gehört beispielsweise ein Rechtsstreit, der nicht nur erhebliche Kosten nach sich zieht, sondern von dessen Ausgang ein bestimmter Geschäftszweig oder gar der Fortbestand des gesamten Unternehmens abhängt. In diesem Fall müssen nicht nur die zu erwartenden Prozesskosten in den Jahresabschluss einfließen, die Relevanz des Rechtsstreits für die weitere Unternehmensentwicklung muss außerdem im Lagebericht erläutert werden. Denn gerade solche Umstände sind weder in der Bilanz noch in der GuV für einen Außenstehenden erkennbar. Ebenso sind Liquiditätsrisiken, die ganz unterschiedliche Ursachen haben können, im Lagebericht zu erwähnen.

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Über die Autorin:

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Dr. Ellen Ulbricht ist Juristin und Unternehmensberaterin, sie liefert unter Mahnen leicht gemacht Hilfen für das Forderungsmanagement. Dr. Ulbricht war 15 Jahre lang in leitender Position im Inkasso ...

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