Kleinunternehmer, aber Umsatzgrenze überschritten: Was ist nun mit der Umsatzsteuer?

Mehr als 17.500 Euro Umsatz sind kein Beinbruch. Hier lesen Sie, wie Sie reagieren sollten.

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Stand: 21. März 2014 (aktualisiert)

Wer nicht mehr als 17.500 Euro Umsatz pro Jahr macht, gilt als Kleinunternehmer und braucht seinen Kunden keine Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen. Doch was tun, wenn der laufende Umsatz die Kleinunternehmergrenze zu überschreiten "droht"? Keine Sorge: Eine positive Einnahme-Entwicklung ist auch dann Anlass zur Freude - und nicht etwa zur Panik.

Viele Gründerinnen und Gründer starten als "umsatzsteuerliche Kleinunternehmer": Als solche brauchen sie bis zu einem Jahresumsatz (nicht: Gewinn!) bis 17.500 Euro auf ihren Ausgangsrechnungen keine Umsatzsteuer (= Mehrwertsteuer) auszuweisen bzw. aufzuschlagen. Eine Sonderregelung in § 19 Umsatzsteuergesetz erspart ihnen die monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen und senkt die Preise für Endverbraucher.

Im Gegenzug können sie sich dann allerdings auch nicht die "Vorsteuer" vom Finanzamt zurückholen: Vorsteuer nennt man den Mehrwertsteuer-Anteil, der in den eigenen betrieblichen Ausgaben enthalten ist.

Was gehört zum Jahresumsatz?

Die gute Nachricht: Bei der Jahresumsatz-Grenze von 17.500 Euro werden ausschließlich umsatzsteuerpflichtige Einnahmen berücksichtigt - steuerfreie Erlöse hingegen nicht. Zu den steuerfreien Lieferungen und Leistungen gehören zum Beispiel ...

  • Heilbehandlungen,

  • berufsqualifizierende Lehre an öffentlichen Bildungseinrichtungen oder auch

  • bestimmte Exporte.

Auch der private Nutzungsanteil an den Kosten des Geschäftswagens (und andere private Nutzungsanteile) werden nicht als Umsatz im Sinne des § 19 UStG gewertet - vorausgesetzt, bei der Anschaffung der betreffenden Wirtschaftsgüter wurde keine Umsatzsteuer geltend gemacht.

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Antwort: Berechnung zu wenig gezahlter Umsatzsteuer

Hallo Thomas,
danke für die Rückmeldung: Dann ist ja alles gut. :-)
Alles Gute und viele Grüße
Robert Chromow

Umsatzgrenze im dritten Geschäftsjahr

Sehr geehrte Damen und Herren,

wo ist die Umsatzgrenze im dritten Geschäftsjahr als kleinunternehmer?

Im ersten Jahr sind es 17.000,00Euro und im zeiten Jahr 50.000,00Euro und im dritten Jahr....

Vielen Dank für eine Antwort

VieleGrüße
Jürgen

Antwort: Umsatzgrenze im dritten Geschäftsjahr

Hallo Jürgen,
da haben Sie etwas missverstanden: Eine aufsteigende Staffelung der Umsatzgrenze gibt es nicht. Entscheidend ist immer der Vorjahresumsatz:

Solange der Vorjahresumsatz 17.500 Euro nicht überschreitet _und_ der Umsatz des laufenden Jahres voraussichtlich 50.000 Euro nicht überschreiten wird, können Sie die Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch nehmen.

Viele Grüße
Robert Chromow

Kleinunternehmer, aber Umsatzgrenze überschritten

Bitte beachten!

Abschnitt 19.5 USTAE Wechsel der Besteuerungsform

Absatz 1:
"Umsätze, die der Unternehmer vor dem Übergang zur Regelbesteuerung ausgeführt hat, fallen auch dann unter § 19 Abs. 1 UStG, wenn die Entgelte nach diesem Zeitpunkt vereinnahmt werden."

Das bedeutet, entgegen der im Beitrag vertretenen Meinung, dass durch das bloße Verschieben der Rechnungsschreibung/Zahlungen der Kleinunternehmerstatus nicht aufrecht erhalten werden kann.
Sofern der Kunde mitspielt, besteht jedoch, bei voraussichtlich geringfügiger Überschreitung der Umsatzgrenze, die Möglichkeit, die Leistungserbringung auf das Folgejahr zu schieben, und so den Kleinunternehmerstatus für ein weiteres Jahr zu erhalten.

Viele Grüße
Daniela Schlegel

Antwort: Kleinunternehmer, aber Umsatzgrenze überschritten

Hallo Frau Schlegel,
vielen Dank für Ihren Hinweis:

Inhaltlich dient die von Ihnen zitierte Vorschrift nicht der Ermittlung der Kleinunternehmer-Umsatzsteuer, sondern der Abgrenzung von nicht erhobener und zu erhebender Umsatzsteuer im Fall des tatsächlich vollzogenen Übergangs zur Regelbesteuerung. Der verzögerten Rechnungstellung widerspricht die Vorschrift in der Praxis m. E. nicht.

Dass die Leistungserbringung aufs Folgejahr verschoben werden kann, versteht sich von selbst. Es empfiehlt sich aber immer, die Details des Einzelfalls mit einem Steuerberater zu besprechen.

Danke noch einmal für Ihre Unterstützung und freundliche Grüße
Robert Chromow

Im Gründungsjahr Umsatzgrenze überschritten

Hallo,

ich habe 2010 mich als Kleinunternehmer angemeldet. (Heizungsbau)Ich kaufe gebrauchte Kesselanlagen meist im EU Raum ein und bereite diese auf und verkaufe sie dann in Deutschland. Anfangs war es nur eine Idee die sich aber sehr schnell als gute Idee entpuppte. Mein Finanzamt möchte das ich jetzt rückwirkend auch für das erste Jahr die Mehrwertsteuer bezahle. Für die Folgejahre finde ich das OK. Aber für das Gründungsjahr finde ich das nicht. Es gibt leider keine ähnlichen Unternehmenskonzepte. Auch der damalige Steuerbeamte kannte so etwas nicht. Musste dort hin weil ich erst fälschlich auf die Kleinunternehmer Regelung verzichtet habe. Der hat es dann akzeptiert. Meine Steuererklärungen habe ich auch verzögert eingereicht. Aber bis auf 2010 dem Gründungsjahr ist soweit alles abgeharkt worden. Soll ich Einspruch erheben oder muss ich sogar Klagen. Mit freundlichen Grüßen

Antwort: Im Gründungsjahr Umsatzgrenze überschritten

Hallo,
eine Einzelfallberatung ist auf diesem Weg leider nicht möglich - daher nur ganz allgemein: Ein nachträglicher Übergang zur Regelbesteuerung wegen Überschreiten der Kleinunternehmer-Umsatzgrenze im Gründungsjahr ist ungewöhnlich. Am besten wenden Sie sich ganz schnell mit den Details Ihres Gründungsjahres an einen Steuerberater.

Wenn die Zeit drängt, können Sie aber schon jetzt Einspruch einlegen - die Begründung können Sie dann nachreichen.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Kleinunternehmerregelung

Sehr geehrter Herr Chromow,

ich lese immer mal ein paar Beiträge auf akademie.de, aber ich habe noch nie einen Kommentar geschrieben.

Hier muss ich jetzt jedoch meinen "Senf" dazu geben.

Schon die Überschrift ist falsch! Ein Kleinunternehmer ist nicht umsatzsteuerbefreit! §19 UStG enthält keine Befreiungsvorschrift für die Umsatzsteuer. Also schon mal wörtlich falsch dargestellt.

Der Kleinunternehmer darf aufgrund der Kleinunternehmerregelung §19 UStG auf den Ausweis der Umsatzsteuer in seiner Rechung und die Abführung an das Finanzamt verzichten.

Auch der auf Rechnung von Kleinunternehmern gern verwendete Satz "Laut §19 UStG von der Umsatzsteuer befreit" ist völliger Unsinn.

Die Leistungen die von der Umsatzsteuer freigestellt sind finden sich im §4 UStG und dort ist der Kleinunternehmer definitiv nicht genannt.
Eine Umsatzsteuerbefreiung hängt auch nicht mit einem Unternehmer/Unternehmen an sich sondern mit den Lieferungen und Leitungen die dieser Unternehmer/ das Unternehmen erbringt zusammen.

MfG

Thomas

Kleinunternehmer

Hallo Thomas,

das was Sie hier erzählen ist der größte Schwachsinn. Man ist als sogenannter Kleinunternehmer sogar gesetzlich verpflichtet laut § blala befreit auf seinen Rechnungen zu vermerken. Und man darf dann nicht auf die USt verzichten, sondern man darf sie garnicht berechnen. Damit macht man sich strafbar. Also bitte erst erkundigen bevor man so ein Quatsch erzählt

Antwort: Kleinunternehmer

Guten Tag,
und vielen Dank für Ihre Rückmeldung. "Schwachsinn" ist der Hinweis des Lesers Thomas vom März 2014 allerdings keineswegs: § 19 UStG enthält tatsächlich keine Bestimmung über eine Umsatzsteuer_befreiung_: Die Umsatzsteuer wird von Kleinunternehmern lediglich "nicht erhoben". Nachzulesen hier:
http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html
Das läuft im Ergebnis zwar meistens auf dasselbe hinaus und mag daher haarspalterisch klingen. In Einzelfällen kann der Unterschied zwischen einer Steuerbefreiung und einer nicht erhobenen Steuer aber beträchtlich sein.

Eine gesetzliche Verpflichtung "laut § blala befreit auf seinen Rechnungen zu vermerken" gibt es übrigens auch nicht: Umsatzsteuerliche Kleinunternehmer sind vielmehr verpflichtet, den Grund für den fehlenden Umsatzsteuerausweis auf ihren Rechnungen zu vermerken. Das geschieht oft mit dem Hinweis "Umsatzsteuerfreie Lieferung gemäß § 19 UStG". Die Formulierung ist sachlich zwar falsch (s.o.), wird jedoch selbst von Finanzamtsprüfern toleriert. Um eine gesetzliche Vorschrift handelt es sich trotzdem nicht.

Viele Grüße
Robert Chromow

Geändert

Wir haben nochmal darüber nachgedacht. Sie haben recht - wir haben die sachlich ja nicht wirklich zutreffende "Umsatzsteuerbefreiung" nun aus der Überschrift gestrichen.

beste Grüße
Ihre akademie.de-Redaktion.

Zur Ehrenrettung

Sehr geehrter Herr Thomas,

zur Ehrenrettung von Herrn Chromow sei gesagt, dass ihm dieser Unterschied zwischen der Umsatzsteuerbefreiung und der Nichtveranlagung durchaus bekannt ist. So schreibt er im Kapitel über Kleinunternehmer in unserem Umsatzsteuer-Leitfaden:

Keine Steuerbefreiung!

Die Kleinunternehmerregelung wirkt auf den ersten Blick wie eine Steuerbefreiung. Steuerexperten legen jedoch Wert auf die Klarstellung, dass Umsätze von Kleinunternehmern nicht steuerfrei sind. Vielmehr wird die fällige Umsatzsteuer aus Vereinfachungsgründen bloß "nicht erhoben". Bei genauem Hinsehen ist diese begriffliche Feinheit mehr als nur Haarspalterei: Umsätze mit tatsächlich umsatzsteuerfreien Waren und Dienstleistungen brauchen Sie nämlich gar nicht in die Kleinunternehmer-Umsatzgrenze mit einzurechnen!

Und als Rechnungshinweis wird dort empfohlen: "Der Rechnungsbetrag enthält gemäß § 19 UStG keine Umsatzsteuer."

Es ist also nicht Unwissenheit, die für die vereinfachte Darstellung der Sachlage sorgt, die Sie monieren, sondern das Interesse daran, die Erklärungen in diesem besonderen Kontext möglichst einfach zu halten. Das geht zwar auf Kosten der steuerrechtlichen Präzision, macht die Ausführungen für den gebeutelten Praktiker eben sehr viel besser verwertbar. Und praktischer Nutzen ist ja der Zweck unserer Anleitungen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass Sie uns die genau genommen tatsächlich "falsche" Überschrift verzeihen.

Mit freundlichen Grüßen

Simon Hengel
Redaktion akademie.de

Deutliche Überschreitung der Umsatzgrenze im 1. GJ

Hallo Herr Chromow,
zuerst mal vielen Dank für Ihre hilfreichen Beiträge bei akademie.
Ich berate Existenzgründer und habe jetzt einen Fall, der mir bisher noch nicht begegnet ist.
Einer meiner Gründer hat im Juli 2013 einen Internethandel über e-bay mit der Absicht eines Nebenerwerbs begonnen. Bei der Anmeldung hat er die Kleinunternehmerregelung gewählt, da er einen bescheidenen Umsatz vermutete. Bis zum Jahresende hat sich dieser Umstz aber so enorm entwickelt (vor allem im Weihnachtgeschäft), dass er am Ende des Geschäftsjahres bei 80.000 EUR lag. Das ist ja eine deutliche Überschreitung auch der 50.000 EUR-Grenze. Leider hat er auf diese Entwicklung nicht reagiert und sich nicht rechtzeitig mit dem Finanzamt in Verbindung gesetzt. Umsatzsteuer hat er aber auch nicht in seinen Rechnungen erhoben (er beliefert vorwiegend Endverbraucher).
Muss er damit rechnen, dass das Finanzamt von ihm nachträglich Umsatzsteuer verlangt? Was sollte er Ihrer Meinung nach tun?
Herzlichen Dank vorab für Ihre Information.
Viele Grüße
Wolfgang Poth

Antwort: Deutliche Überschreitung der Umsatzgrenze im 1. GJ

Hallo Herr Poth,
steuerliche Einzelfallberatungen sind an dieser Stelle leider nicht möglich. Daher nur ganz allgemein: Grundsätzlich kann der Kleinunternehmerstatus m. W. auch bei Überschreiten der 50.000-Euro-Grenze im laufenden Jahr erhalten bleiben. Der Gründer muss aber ggf. plausibel machen können, dass die ursprüngliche Schätzung sachgerecht war und wie die unverhoffte gravierende Überschreitung in einem so kurzen Zeitraum zustande kommen konnte.

Viel wichtiger: Angesichts der u. U. hohen Steuernachzahlungen von über 12.000 Euro sollte sich Ihr Mandant ganz schnell an einen Steuerberater wenden.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Antwort: Deutliche Überschreitung der Umsatzgrenze im 1. GJ

Hallo Herr Chromow,
danke für Ihre Information. Ich habe, um ganz sicher zu gehen, mit dem Sachbearbeiter bei meinem Finanzamt, der für meine Umsatzsteuer zuständig ist, telefoniert. Er hat mir eine gleichlautende Information gegeben wie Sie: Auch bei deutlicher Überschreitung der Kleinunternehmer-Regelung wird rückwirkend keine Umsatzsteuer erhoben (vorausgesetzt der Unternehmer hat auch selbst keine Umsatzsteuer berechnet). Aber natürlich wird er ab diesem Jahr sofort umsatzsteuerpflichtig. An dieser Stelle haben erfahrungsgemäß manche Unternehmer ein Problem, wenn sie Ihren Umsatz des Vorjahres nicht mitverfolgt haben.
Nochmals vielen Dank und beste Grüße
Wolfgang Poth

Wechsel von "nebenberuflich selbstständig" zu "selbstständig"

Danke für diesen informativen und verständlich formulierten Artikel und die Beantwortung der Fragen.

Ich sitze gerade an meiner ersten Steuererklärung und habe folgende Situation:
Januar 2013: sozialversicherungspflichtig tätig
Februar bis August 2013: arbeitslos
seit 1.09.2013: selbstständig (mit Gründungszuschuss).

Vor der Selbstständigkeit war ich dem Finanzamt als "nebenberuflich selbstständig" gemeldet und habe meiner "normalen" Steuererklärung eine Überschussrechnung beigefügt.

Jetzt zu meinem Anliegen:
Rechne ich alle Einnahmen aus 2013 zusammen, überschreite ich die Kleinunternehmergrenze.
Wenn ich nur die Einnahmen seit 1.09.2013 nehme, liege ich knappp unter der anteilig gerechneten Grenze (rd. 5830 Euro).

Ist es richtig, dass ich dem Finanzamt zwei Einnahmen-Überschussrechnungen einreiche? Eine für Januar bis August (nebenberuflich selbstständig, ohne Grenze) und eine für den Zeitraum ab September (mit Umsatzgrenze für Kleinunternehmer)?

Herzliche Grüße aus Hamburg,
Regina Koch

Antwort: Wechsel von "nebenberuflich selbstständig" zu "selbstst

Hallo Frau Koch,
danke für Ihre freundliche Rückmeldung. Zu Ihren Fragen:

Bei der Kleinunternehmerregelung geht es um die _Umsatz_steuer. Bei der Jahres-Umsatzsteuererklärung werden alle umsatzsteuerpflichtigen Umsätze eines Jahres zusammengerechnet - ganz gleich, mit welchen Betrieben und / oder selbstständigen Tätigkeiten sie erzielt worden sind.

Mit der Einnahmenüberschussrechnung (= Gewinnermittlung für die _Einkommen_steuer) hat die Kleinunternehmerregelung daher genau genommen nichts zu tun - auch wenn EÜR und Umsatzsteuererklärung meistens auf denselben Geschäftsvorgängen basieren.

Wenn Ihre nebenberuflich selbstständige Tätigkeit die gleiche ist, die Sie ab September hauptberuflich ausgeübt haben, genügt aus meiner Sicht eine EÜR fürs ganze Jahr. Vorteile in Bezug auf die Kleinunternehmerregelung ergeben sich aus einer EÜR-Splittung jedenfalls nicht.

Bitte beachten Sie: Falls Sie in 2013 tatsächliche die Kleinunternehmer-Umsatzgrenze überschritten haben, sind Sie seit 1.1.2014 keine Kleinunternehmerin mehr: Sie unterliegen auf jeden Fall der Regelbesteuerung. Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

präziser formuliert

Vielen Dank Herr Chromow,

in der Tat war ich VOR der Selbstständigkeit neben meinem Haupterwerb im selben Tätigkeitsgeld nebenberuflich selbstständig.

Ich werde mich im Finanzamt erkundigen, ob eine EÜR ausreicht.

Insgesamt, auf das ganze Jahr bezogen, hätte ich 17.500 Euro NICHT überschritten, wohl aber, wenn ich in den Monaten der Selbstständigkeit (4 Monate) nur anteilig 5830 Euro hätte umsetzen dürfen.

Das frage ich mich: Welche Grenze gilt für mich?

Mit freundlichen Grüßen
R. Koch

Antwort: präziser formuliert

Hallo Frau Koch,
die EÜR-Frage dürfte wirklich kein Problem darstellen. Falls Ihr Finanzamt Ihnen etwas anderes mitteilt, lassen Sie es uns bitte wissen.

Was die Umsatzsteuer betrifft: Eine Unterscheidung zwischen neben- und hauptberuflicher Selbstständigkeit gibt es in Bezug auf die Umsatzsteuer nicht. Wenn Sie das ganz Jahr über selbstständig tätig waren, zählen auch die Umsätze des ganzen Jahres. Und es gilt die 17.500-Euro-Grenze. Wenn Sie die nicht überschritten haben und in 2014 voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro umsetzen, können Sie die Kleinunternehmerregelung weiterhin in Anspruch nehmen.

Tipp: Wenn Sie wegen der EÜR beim Finanzamt vorsprechen, fragen Sie am besten auch gleich wegen der Umsatzsteuer nach.

Noch etwas: Falls Sie vorläufig als Kleinunternehmerin tätig sind, sollten Sie schon jetzt die Zeit danach im Auge behalten:
"Preiskalkulation für umsatzsteuerbefreite 'Kleinunternehmer': Den Preisvorteil klug nutzen!"
http://www.akademie.de/wissen/kleinunternehmer-preiskalkulation

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Kleinunternehmerregelung überschritten

Hallo Robert,

Noch eine Frage zur Kleinunternehmerregelung! Ich bin seit 2011 als Komponist tätig und lag bislang auch immer unter den 17.500€. Dieses Jahr werde ich voraussichtlich schon erfreulicher Weise im April/Mai die magische Grenze knacken :-) Wenn ich das richtig verstanden habe, ist man im laufenden Geschäftsjahr (in dem man die 17.500€) überschritten hat noch nicht Ust-pflichtig sondern erst im darauffolgenden Jahr sofern man die 50.000€ Umsatz nicht überschritten hat?

Ab welchem Zeitpunkt ist die Mwst auszuweisen? Nehmen wir an ich werde die 17500€ im Mai dieses Jahres überschreiten, müsste ich dann rückwirkend für die Vormonate die Mwst berechnen? Bleibt mir das Ganze selber überlassen, so das ich z.b auch erst im Januar 2015 damit beginne oder kann ich sie ab sofort schon ausweisen?

Vielen Dank schonmal :-)

LG Kai

Umsatz bis 50.000€ im ersten Jahr möglich?

Sehr geehrter Herr Chromow,

ich wollte nur noch mal kurz wegen einem für mich wichtigen Punkt eine Frage an Sie richten. Und zwar: Ich habe mein Gewerbe am 15.01.2014 angemeldet. Nun steht ja im Paragraphen 19, dass ich nur dann einen Umsatz bis 50.000€ haben darf, wenn ich im vorangegangenen Jahr unter dem Wert von 17.500€ lag. Nun gibt es in meinem Fall ja noch kein vorangeganenes Jahr. Sie schreiben in Ihrem Artikel aber, dass eine rückwirkende Erhebung der Umsatzsteuer durch das Finanzamt nur bei einem Überschreiten der 50.000€-Marke erhoben wird.

Kann ich also bereits in diesem Jahr bedenkenlos sagen wir mal 35.000€ Umsatz machen (kein Ausweis der Mehrwertssteuer an Kunden) ohne mir Sorgen darüber machen zu müssen, irgendwann eine Nachzahlung der Umsatzsteuer an das Finanzamt leisten zu müssen?

Schon mal tausend Dank für Ihre Antwort im Voraus!!!

Bin grad deswegen echt sehr stark am Grübeln und verzweifeln.

Mit freundlichen Grüßen

Jan Maier

Antwort: Umsatz bis 50.000€ im ersten Jahr möglich?

Hallo Herr Maier,
nein, Sie dürfen in diesem Jahr nicht "bedenkenlos [...] 35.000€ Umsatz machen" ohne Mehrwertsteuer auszuweisen! Im Jahr der Gründung gilt grundsätzlich die 17.500-Euro-Grenze.

Für echt starke Grübeleien und Verzweiflung :-) gibt es aber überhaupt keinen Anlass. Die Sache ist ganz einfach: Wenn Sie jetzt schon absehen können, dass Sie im Gründungsjahr deutlich über der Umsatzmarke von 17.500 Euro liegen werden, ist das doch höchst erfreulich! Sie sind dann zwar kein umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer - na und? Sie dürfen von vornherein Vorsteuer geltend machen und starten - wenn Sie mit Verbrauchern zu tun haben - gleich mit realistischen Preisen. Welche Probleme ein späterer Umstieg auf die Regelbesteuerung nach sich ziehen kann, entnehmen Sie zum Beispiel dem Beitrag
"Preiskalkulation für umsatzsteuerbefreite "Kleinunternehmer": Den Preisvorteil klug statt kurzsichtig nutzen!"
http://www.akademie.de/wissen/kleinunternehmer-preiskalkulation
Dessen Lektüre ist auch dann sinnvoll, wenn Sie zunächst doch als Kleinunternehmer starten und erst später zur Regelbesteuerung wechseln.

Am besten suchen Sie sich möglichst bald einen guten Steuerberater und / oder fragen Sie wegen der Details Ihres Einzelfalls beim Finanzamt nach.

Alles Gute und herzliche Grüße
Robert Chromow

Übergang von Klein- in Großgewerbe; Umsatzsteuernachzahlung

Sehr geehrter Herr Chromow,
ich habe auch eine sehr bittere Mitteilung erhalten. Ich bin auch 2012 vom Klein- ins Großgewerbe gerutscht. Mein damaliger Steuerberater hat mich darüber allerdings nicht informiert, auch habe ich von dem zuständigen FA keine Hinweise oder eine entsprechende Mitteilung erhalten. Nachdem mein Steuerberater jetzt meine Unterlagen für die abzugebende Steuerklärung gesichtet und die Erklärung erstellt hat, teilte er mir mit, dass es verabsäumt wurde mir mitzuteilen, dass ich seit 2012 umsatzsteuerpfichtig sei. Er rechnet mit einem zu zahlenden Erstattungsbetrag an das FA i.H.v. gut 6.000-7.000 €. Auch würde mir wohl eine Strafe seitens des Gewerbeamtes drohen, doch warum ist mir nicht klar. Können Sie mir vielleicht sagen, was damit gemeint ist? Könnte diese Strafe eventuell noch abgewägt werden? Die Steuer für 2013 ist noch nicht gemacht und wenn dort auch wieder 7.000 € zu erstatten wären, dann wäre das für mich schon ein sehr starker Niederschlag. So müsste ich von meinen jetzigen Einnahmen die USt für die vergangenen zwei Jahre und das jetzige Jahr weglegen. Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass mein Steuerberater mich auf diese Änderungen hinweist. Ich bin jetzt schon sehr beunruhigt.
Die Rechnungen für 2012 werde ich wahrscheinlich nicht mehr abändern und die Ust nachfordern können, aber für 2013 kann ich dies doch noch nachholen, oder? Muss ich eine Gutschrift und alsdann eine neue Rechnung erstellen, oder kann ich eine neue Rechnung erstellen, z.B. die bereits gezahlten 500,00 € in Abzug bringen, so dass nur noch der zu zahlende USt-Betrag zur Zahlung offensteht?

Ich wäre Ihnen für eine hilfreiche Antwort sehr sehr dankbar, denn von meinem Steuerberater habe ich noch keine Antworten auf die vielen Fragen erhalten!

Antwort: Übergang von Klein- in Großgewerbe; Umsatzsteuernachzah

Guten Tag,
und vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Anfrage. Eine steuerliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle leider weder möglich noch zulässig. Daher nur ganz allgemein:

1. Eine amtliche Mitteilung über den Übergang vom Kleinunternehmer-Status zur Regelbesteuerung gibt es grundsätzlich nicht: Wie sollte das Finanzamt z. B. in Ihrem Fall Anfang Januar 2012 wissen, dass Sie die Kleinunternehmer-Umsatzgrenze im Vorjahr überschritten haben!?

Kleinunternehmer genießen einige Privilegien - um das Überwachen der Umsatzgrenze müssen sie sich aber selbst kümmern (oder einen Steuerberater damit beauftragen, s.u.)

2. Die konkreten Sachverhalte Ihres Steuerfalls kann und will ich nicht beurteilen: Dass der Übergang zur Regelbesteuerung jedoch ohne Aufforderung des Finanzamts erfolgt, sollte ein Steuerberater allerdings wissen.

3. Falls Sie Ihrem Steuerberater die Unterlagen rechtzeitig zur Verfügung gestellt haben, hätte er Sie auf diesen Aspekt aufmerksam machen müssen. Wenn er das versäumt hat, ändert das aber leider nichts an Ihrer Steuerschuld.

4. Bei schuldhaftem Verhalten sind Steuerberater allerdings grundsätzlich zum Schadenersatz verpflichtet (ob das bei Ihnen eventuell der Fall war, kann ich nicht beurteilen!) Wegen möglicher Beratungsfehler oder Fristversäumnisse sind Steuerberater jedenfalls verpflichtet, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen.

5. Nachträgliche Rechnungskorrekturen sind durchaus möglich. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im Beitrag
"Kleinunternehmer-Status verloren, das Finanzamt will nachträglich Umsatzsteuer?"
http://www.akademie.de/wissen/kleinunternehmer-umsatzsteuer-nachtraeglich

Die Einzelheiten besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater oder fragen Sie direkt beim Finanzamt nach!

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

UST Voranmeldungsfrist

Hallo!

Vielen Dank für diesen Artikel, eine Frage bleibt mir hier jedoch noch offen.

Folgender Fall:
Ich als Kleinunternehmer habe im vorangehenden Jahr die Umsatzgrenze von 17.500,00 € überschritten, bin aber unter einem Umsatz von 50.000,00 € geblieben. Demzufolge verliere ich für das aktuelle Jahr den Kleinunternehmerstatus und muss für das aktuelle Geschäftsjahr UST abführen. Nun gibt es folgende Regel
"Betrug die Steuer im Vorjahr mehr als 7500 €, ist weiterhin monatlich zu melden."

Nun habe ich Vorjahr aufgrund der Kleinunternehmerregelung keine Vorsteuer abgeführt. Gilt in Bezug auf diese Grenze nun die tatsächlich abgeführte Steuer oder in diesem Fall der Wert den ich ohne UST Befreiung hätte abführen müssen?

Vielen Dank!

Antwort: UST Voranmeldungsfrist

Guten Tag,
als standardmäßiger USt-Voranmeldezeitraum ist in § 18 Abs. 2 UStG
http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__18.html
das Kalendervierteljahr festgelegt. Grundsätzlich können Sie sich vom Finanzamt sogar ganz von der Pflicht zur USt-Voranmeldung befreien lassen. Im UStG heißt es:
----------- Zitat ----------------
Beträgt die Steuer für das vorangegangene Kalenderjahr nicht mehr als 1 000 Euro, kann das Finanzamt den Unternehmer von der Verpflichtung zur Abgabe der Voranmeldungen und Entrichtung der Vorauszahlungen befreien.
----------Zitat-Ende --------------
Am besten rufen Sie kurz beim Finanzamt an und klären die Frage. Vielleicht lassen Sie uns hinterher ja wissen, ob in Ihrem Fall Voranmeldungen erforderlich sind? :-)

Vielen Dank und freundliche Grüße
Robert Chromow

Gewerbe und zusätzliche geringfügige Selbständigkeit

Hallo,
ich bin Arbeitnehmer und habe zusätzlich ein Nebengewerbe (Handelsvertretung/Direktvertrieb) als Kleinunternehmer (keine Kleinunternehmerregelung). Frage: Ich möchte noch zusätzlich eine weitere selbständige Tätigkeit mit monatlich ca. 70 Euro (Austragen von Sonntagszeitungen) annehmen. Zählt dies als geringfügige Selbständigkeit oder wird mir das zum anderen Gewerbe hinzugezählt? Muss ich für diese geringe Tätigkeit auch Umsatzsteuer (7%) abführen?
Danke im Vorraus für die Antwort.
Gruß Oli

Antwort: Gewerbe und zusätzliche geringfügige Selbständigkeit

Hallo Oli,
wenn Sie mit Ihrem Gewerbe nicht die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, ist die weitere Tätigkeit ebenfalls umsatzsteuerpflichtig: Bei der Umsatzsteuer werden grundsätzlich sämtliche umsatzsteuerpflichtigen Einnahmen eines Steuerpflichtigen zusammen berücksichtigt und einheitlich behandelt.

Ihre Frage nach der "geringfügigen Selbständigkeit" habe ich nicht verstanden: Geringfügigkeit im Sinne des Sozialversicherungsrechts kommt aus meiner Sicht bei der von Ihnen beschriebenen Konstellation doch ohnehin nicht infrage. Einkommensteuer und Umsatzsteuer (s. o.) müssen Sie auf Ihre Zusatzeinkünfte jedenfalls zahlen.

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Kleinstunternehmer und Angestellt

Hallo und guten Abend

ich bin alleinerziehend LSKII
5o% angestellt im öffentlichen Dienst
mit zu Versteuerndem
Einkommen Ca 13000E

Zusätzlich freiberuflich Kleinstunternehmerin

Werden die beiden Einkommen für diese 17.500 Euro zusammen gezählt?
Vielen Dank!!
Gast

Antwort: Kleinstunternehmer und Angestellt

Guten Morgen,
keine Sorge: Arbeitnehmereinkünfte sind nicht umsatzsteuerpflichtig und werden somit auch nicht beim Jahresumsatz umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer berücksichtigt.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

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