öffentlich
Redaktion Druckversion

Der richtige Abstand im Job

Wie viel Nähe und Distanz sollten Führungskräfte zulassen?

4.142855
(7)
Beitrag bewerten
Stand: 6. November 2012

eigene Soft Skills fördern

Klare Kommunikation

Sorgen Sie dafür, dass Ihre Anweisungen klar und unmissverständlich sind. Durchdenken Sie vorher genau, welche Anweisungen Sie geben, warum, an wen - und welches Resultat Sie bis wann erwarten. Überlegen Sie, was Sie tun werden, wenn angestrebte Ergebnisse nicht erzielt werden.

Erstellen Sie eine Flowchart:

  • Was passiert, wenn ...

  • Was passiert, wenn nicht ...?

Erarbeiten Sie kreative Alternativen, zum Beispiel mit der Mindmap-Methode.

Üben Sie richtiges Zuhören - auch wenn Sie glauben, Sie wüssten bereits, was Ihnen Ihr Gesprächspartner mitteilen will.

Lassen Sie mal gelegentlich ein Diktiergerät mitlaufen, wenn Sie mit anderen diskutieren. Achten Sie darauf, ob Sie konzentriert zuhören können und andere nicht unterbrechen. (Aus Datenschutzgründen sollten Sie diese Übung allerdings eher im Privatbereich durchführen.)

Erhöhen Sie Ihre emotionale Intelligenz

Arbeiten Sie als Führungskraft regelmäßig an der Erhöhung Ihres EQ, Ihrer emotionalen Intelligenz. "Man wird wegen seines IQ eingestellt, aber wegen seines EQ befördert."

Arbeiten Sie an Ihrer Motivationsfähigkeit

Stellen Sie sich ein Negativszenario vor: "Alles geht schief". Was werden Sie dann tun, um sich und Ihre Mitarbeiter zu motivieren?

Arbeiten Sie an Ihrer Kontaktfähigkeit

Versuchen Sie mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die Sie auf den Tod nicht ausstehen können. Sie werden feststellen, dass andere auch ganz nett sind, wenn man sie richtig anspricht. Versetzen Sie sich öfter mal in den Kopf der Menschen, die vollkommen anderer Meinung sind als Sie - und versuchen Sie, deren Standpunkt nachzuvollziehen (andere haben nicht automatisch immer Unrecht). Diskutieren Sie mit einer Gruppe, in der vollkommen entgegengesetzte Meinungen herrschen und versuchen Sie dabei, zu jeder Meinung oder Position gleichmäßige Nähe und gleichmäßigen Abstand zu halten.

Orientieren Sie sich am Beispiel aus der Kindererziehung: Ein guter Vater oder eine gute Mutter finden immer die richtige Balance zwischen angenehmer Nähe und erforderlichem Abstand, damit sich der Nachwuchs optimal entwickeln kann. Zum Beispiel bei der Hausaufgabenbetreuung. Für die Fragen, bei denen das Kind nicht alleine weiter kommt, stehen die Eltern mit Tipps und Anregungen zur Verfügung, ohne die Aufgabe für das Kind zu lösen (zu viel Nähe). Gleichzeitig halten sich die Eltern in verfügbarer Nähe auf, um dem Kind zu signalisieren, wir sind für dich da, wenn du uns brauchst (optimale Nähe).

Oder auf dem Spielplatz: Der Betreuer wird wohl kaum mit dem lieben Kleinen gemeinsam im Sandkasten buddeln (zu viel Nähe, die stören würde). Er wird sich aber immer in einem Bereich aufhalten, in dem er für das Kind sichtbar ist (keine zu große Distanz halten).

Oder wenn Ihnen ein anderer Vergleich besser gefällt: werden Sie Dompteur - mit Worten. So wie der Dompteur im Zirkuskäfig permanent die (zum Überleben) richtige Distanz zu seinen Löwen einhält, so halten Sie die für das Funktionieren Ihrer Abteilung richtige Distanz zwischen "oben" und "unten" ein.

Deshalb akzeptieren Sie (zuerst einmal) alle Meinungen, Ansichten und Erfahrungen als legitim und berechtigt. Denn jeder Meinungsinhaber ist von der Richtigkeit seiner Botschaft überzeugt. Halten Sie aber sich und Ihren Mitarbeitern das Ziel Ihrer Abteilung immer klar vor Augen: "Wofür werden wir hier bezahlt?"

Prüfen Sie permanent Risiken und Chancen der anstehenden Entscheidungen. Binden Sie Ihre Mitarbeiter in diesen "Prüfprozess" mit ein, schließlich geht es um ein gemeinsames Ziel, das erreicht werden soll (und den gemeinsamen Arbeitsplatz, der gesichert bleiben soll).

Bringen Sie die unterschiedlichen Standpunkte auf einen Nenner, indem Sie jedem "Meinungsträger" persönliche Sympathie entgegenbringen, gleichzeitig aber faktenorientiert jedem permanent das aktuelle Ziel vermitteln - und die Einhaltung des Ziels freundlich, aber bestimmt einfordern.

Zeigen Sie Ihrem Chef und Ihren Mitarbeitern, dass Sie sich für die Erreichung der klar formulierten Ziele persönlich verantwortlich fühlen - und deshalb Ihren Standpunkt deutlich und pointiert darstellen werden, im Interesse der Ziel-Erreichung.

Dabei kann es gelegentlich zu verbalen Rangeleien kommen. Sie wissen: Der Ton macht die Musik. Nun wird für Chefs keine Grundausbildung im diplomatischen Dienst gefordert, aber ein bisschen Diplomatie, das Spielen mit Worten, kann Ihnen helfen, konflikt- oder emotionsgeladene Situationen leichter zu handhaben. Sei es im Gespräch mit Ihrem Chef (den Sie von Ihrem Führungsstil überzeugen wollen) oder mit einem Mitarbeiter, der nicht Ihrer Meinung ist.

Hier ein paar so genannte "Abschwächer", die einen weicheren Start in ein Gespräch erlauben:

  • "Interesse halber ...

  • "Übrigens ..."

  • "Aus dem Stegreif ..."

  • "Ihrer Meinung nach ..."

  • "Normalerweise ..."

  • "Ungefähr ..."

Spielen Sie mit solchen Gesprächeinstiegen vor allem dann, wenn Sie kritische Gespräche führen müssen und die Distanz erhalten möchten.

Beispiel: Ein Mitarbeiter kommt zu spät. Sie möchten den Grund erfahren. Sie haben zwei Möglichkeiten, ihn zu fragen:

  1. Warum sind Sie heute zu spät gekommen?"

  2. "Gab es einen besonderen Grund für Ihr heutiges Zuspätkommen?"

Mit Frage zwei sichern Sie eine gewisse Distanz zum Gesprächspartner, er muss sich nicht rechtfertigen - und Sie erhalten trotzdem die gewünschte Antwort.

Arbeiten Sie an Ihrer Schlagfertigkeit, um unerwünschten "Annäherungsversuchen" Paroli bieten zu können. Suchen Sie sich einen Sparringspartner, mit dem Sie Wortspiele betreiben können, zum Beispiel das Bilden von so genannten Schwanzworten. Werfen sie sich gegenseitig Worte zu, die der andere jeweils ergänzen muss.

Zum Beispiel: Drucker -Patrone, Patronen - Gürtel, Gürtel - Rose, Rosen - Duft ....

Sie werden sich wundern, wie schnell sich durch solche "Spielereien" Ihre verbale Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen wird.

Lob und Tadel

Zwei weitere hervorragende Werkzeuge für das Pendeln zwischen Nähe und Distanz sind Lob und Tadel. Wie weit Sie sich anderen nähern oder von ihnen entfernen, das bestimmen Sie auch durch den Einsatz dieser beiden klassischen Führungsinstrumente.

Wenn Sie jemanden loben, wird automatisch eine größere Nähe geschaffen - eine angenehme Situation auf beiden Seiten. Tadel hingegen bewirkt das Gegenteil - Distanz baut sich auf, wenn der Tadel nicht gleichzeitig mit Verbesserungsvorschlägen garniert wird.

Vorsicht: Setzen Sie Lob und Tadel nie als "strategisches Hilfsmittel" ein, sondern immer nur dann, wenn die aktuelle Situation das Eine oder das Andere erfordert und das sachlich gerechtfertigt ist. Mit genügend Selbstbewusstsein lässt sich Lob und Tadel nicht nur nach "unten" einsetzen - sondern auch gegenüber Ihrem Chef, denn auch Chefs sind für Lob empfänglich. Und wenn Sie den Tadel humorvoll und diplomatisch verpacken, dann wird er von Chefs auch akzeptiert. Ein Geheimnis für den richtigen Umgang mit Nähe und Distanz ist ohnehin der Humor.

Besonders in kritischen Situationen ist hier die FRÜH-Regel zu empfehlen. Sie besteht aus vier Elementen:

  • Form waren

  • Ruhe behalten

  • Überhören und Übersehen von Provokationen

  • Humor einsetzen

Die FRÜH-Regel, kombiniert mit Ihrer persönlichen Souveränität, erlaubt Ihnen jederzeit auf der Skala zwischen "zu großer Nähe" und "zu großer Distanz" den richtigen Standpunkt zu finden.

Vor allem garantiert die FRÜH-Regel, dass man sich nicht mit der bei vielen Chefs sichtbaren humorlosen Verbissenheit durchs Berufsleben kämpft. Denn schließlich soll jeder Job Spaß machen - auch als Führungskraft.

Beitrag bewerten

Ihre Wertung:

 

Downloads zu diesem Beitrag

Über den Autor:

bild117284

Jürgen W. Goldfuß ist seit 20 Jahren selbstständig als Referent, Redner, Coach und Publizist.

Seine Themenvielfalt und internationale Erfahrung als Marketingleiter, Produktmanager und Schulungslei ...

Newsletter abonnieren