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Psychotherapie - Wie Sie den für Sie richtigen Therapeuten finden

Methoden

Tiefenpsychologische Verfahren und Psychoanalyse

Es gibt unterschiedliche therapeutische Verfahren. Die Kosten für eine Behandlung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nur für verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologische und psychoanalytische Verfahren, die von approbierten Psychotherapeuten durchgeführt werden.

Die Approbation ist die generelle staatliche Zulassung für einen Beruf der Heilkunde, dazu gehören Ärzte und Psychotherapeuten ebenso wie Apotheker, Zahn- und Tierärzte. Für Heilpraktiker gibt es statt einer Approbation eine gesonderte Erlaubnis.

Hintergrund

Die Psychoanalyse wurde ab dem Ende des 19. Jahrhunderts von Sigmund Freud entwickelt. Freud ist zwar ihr Gründer, doch sein Werk ist nicht gleichzusetzen mit ihrem heutigen Stand. Etliche seiner Ansichten, z. B. über Frauen, Penisneid oder Kastrationsangst werden heute in dieser Form nicht mehr vertreten. Die grundlegenden Thesen der Psychoanalyse von der großen Bedeutung des Unbewussten ist von Hirnforschern jedoch wiederholt bestätigt worden.

Eine sogenannte "klassische Psychoanalyse" ist definitionsgemäß immer mit offenem Ende und ohne konkretes Ziel. Die Kassenleistung umfasst dagegen Therapien nur mit vorgegebener Stundenzahl und benanntem Behandlungsziel. In der Korrespondenz mit der Krankenkasse spricht man daher von "Analytischer Psychotherapie".

Vorgehen

Bei der Psychoanalyse liegt der Patient (auch: Analysand) häufig auf der Couch, sodass er den Analytiker nicht sehen und sich besser auf sein Innenleben einlassen kann. Das Liegen ist heute aber keine Bedingung mehr, da nicht jeder Patient davon profitiert. Die Termine einer Psychoanalyse finden "hochfrequent" statt, d. h. zwei-, drei- oder sogar viermal wöchentlich.

Durch diese Anordnung und die Häufigkeit der Termine entsteht kein normales Zweiergespräch, sondern ein innerer und zeitlicher Entwicklungsraum, bei dem sich der Patient seiner Innenwelt zuwenden und in der "freien Assoziation" alle Gedanken aussprechen kann. Dabei entsteht zwischen Analytiker und Analysand eine besondere Beziehung, die im Lauf der Analyse wieder aufgelöst werden muss.

Eine klassische Psychoanalyse dauert mindestens zwei Jahre, das entspricht etwa 240 - 300 Sitzungsstunden.

Tiefenpsychologische fundierte Psychotherapie ist eigentlich eine Anwendungsform der Psychoanalyse. Sie kann jedoch als selbständiges Verfahren erlernt und angewandt werden. Sie findet üblicherweise "niederfrequent", d. h. mit einer Stunde pro Woche statt. Hier liegt man auch nicht auf einer Couch.

Die Gesamtdauer einer tiefenpsychologischen Therapie reicht von Kurzzeittherapien mit 25 Stunden bis zu Langzeittherapien mit 120 Stunden, d. h. von 6 Monaten bis etwa 2,5 Jahren.

Möglichkeiten

Eine Psychoanalyse bzw. tiefenpsychologische Therapie stellt eine große Entwicklungschance dar. Eigene unbewusste Motive und sich selbst besser kennenzulernen, kann faszinierend sein und neue Lebensperspektiven eröffnen. Symptome wie Angst oder Depression können sich erheblich bessern oder ganz verschwinden. Das Verhältnis zu sich selbst und anderen Menschen kann sich vertiefen, Gefühle lebendiger erlebt und das Leben intensiver gelebt werden.

Grenzen

Konflikte besser zu ertragen heißt nicht, keine mehr zu haben. Sich verborgene seelische Probleme bewusst zu machen, kann sehr anstrengend sein. Zeitweise kann man sich während der Behandlung sogar schlechter fühlen als davor.

Ein Umzug, eine längere Reise oder ständiger beruflicher Termindruck lassen sich nicht gut mit einer Psychotherapie vereinbaren, denn auch eine Kurztherapie dauert bereits ein halbes Jahr. Eine abgebrochene Therapie kann den Patienten in schlechterer Verfassung zurücklassen als vorher.

Wenn Psychotherapien wirklich "schief gehen", also der Therapeut nicht hilfreich sein kann oder sogar schwere Fehler macht, kann das für den Patienten schädlich sein. Er kann sich z. B. noch tiefer in seine Problematik verstricken. Gerade dann sollte man jedoch nicht die Hoffnung auf Hilfe verlieren, sondern sich an einen anderen Psychotherapeuten, vielleicht mit einer anderen Methode wenden.

Kontinuität und regelmäßige Teilnahme sind sehr wichtig. Wenn Sie beruflich sehr an flexible Termine gebunden sind, sollten Sie Ihren Therapeuten nach Terminen am Abend oder frühen Morgen fragen, oder mit ihm aushandeln, wie sie mit kurzfristigen Terminverschiebungen umgehen. Wenn man meint, keine Zeit für eine Therapie aufbringen zu können oder das Risiko der Erfolglosigkeit nicht eingehen will, sollte man jedoch bedenken, dass unbehandelte seelische Probleme - Grübeln, Ängste, Verzagtheit, Unentschlossenheit oder falsche Entscheidungen letztlich auch ein Risiko darstellen und viel Arbeits- und Lebenszeit verbrauchen.

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Über die Autorin:

Dr. med. Brigitte Rempp, geb. 1948, ist über die Medizin zur Psychoanalyse gekommen. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst in Kliniken in Tübingen, Berlin und der renommierten Psychotherapeutische ...

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