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10 Tipps, wie Sie eine Rede eindrucksvoll beenden können

Ein effektvoller Abgang ist planbar!

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Stand: 3. Juni 2012

Wie man es besser macht

Besser so: 10 Tipps, eine Rede effektvoll zu beenden

  1. Klassisch: die Zusammenfassung - kurz und knackig als take-away-message!

    Klar, eine Zusammenfassung gehört ans Ende. Aber: Als Schluss-Satz eignet sich dabei keine Zusammenfassung, in der Sie Ihre Argumentation nochmals nachzeichnen und alle wichtigen Punkte wiederholen. Gemeint ist hier vielmehr ein prägnanter, kurzer Satz, der es auf den Punkt bringt. Eine take-away-message, die Ihr Publikum leicht behalten und mit nach Hause nehmen kann. Eine Nachricht, die die Quintessenz enthält - selbst wenn sie vielleicht dabei vielleicht sogar etwas vereinfachend und plakativ ist.

    Um diesen Artikel zusammenzufassen, könnten Sie z. B. natürlich noch mal alle "10 Tipps für einen effektvollen Abgang" aufzählen. Sie können aber auch schlichtweg den einfachen Satz wiederholen: "Der letzte Eindruck bleibt!"

  2. Durchdacht: der Refrain

    Refrains kennen Sie aus der Musik - ein Text, eine Melodie, die sich nach jeder Strophe wiederholt. Und Sie wissen auch, wie das wirkt: Der Refrain prägt sich besonders gut ein. Und genau dieser zentrale Slogan, dieser Refrain, bietet sich dann auch als Schlusssatz an.

    Nicht nur ein Song, sondern auch mancher Vortrag lässt sich so aufbauen.

    Barrack Obama hat das oftmals eindrucksvoll demonstriert. "Yes, we can" assoziiert jeder sofort mit Obama.

  3. Beliebt: das Zitat

    Zitate machen sich fast immer gut. Am Anfang einer Rede oder eines Seminars, zwischendurch, am Ende ... Mithilfe eines Zitats lassen Sie jemanden für Sie sprechen, der anerkanntermaßen etwas zu sagen hat - das unterstreicht die Wichtigkeit und die Richtigkeit Ihrer Aussagen. Wichtig dabei: Verwenden Sie Zitate ganz gezielt, denn nur ein wirklich passendes Zitat entfacht seine Wirkung. Und gehen Sie sparsam mit Zitaten um - ein oder zwei passgenaue Zitate wirken weitaus überzeugender als ein Sammelsurium an Zitaten.

    Übrigens: Denken Sie bei Zitaten nicht nur an Klassiker der Weltliteratur. Auch Sprichwörter, Song-Ausschnitte oder bekannte Werbe-Slogans können denselben Zweck erfüllen. Achten Sie bei Zitationen im Zweifelsfall darauf, die Urheberrechte nicht zu verletzen.

  4. Elegant: der Bogen vom Anfang bis zum Ende

    Wollen Sie, dass Ihr Vortrag oder Ihr Seminar wie eine Einheit wirkt und eine in sich stimmige, geschlossene Form aufweist? Dann beschließen Sie ihn doch ähnlich, wie Sie ihn begonnen haben - mit den gleichen Worten, mit demselben Vergleich, mit demselben Beispiel. Spannen Sie einen Bogen vom Anfang zum Ende oder durchziehen Sie sogar die gesamte Rede mit einem Fallbeispiel, dessen Ausgang Sie am Ende benennen.

    Sie können z.B. am Anfang ein Praxisproblem nennen und rhetorisch fragen, wie das wohl zu lösen wäre. Im Lauf des Vortrags entwickeln Sie Ideen dazu ... Und am Ende kehren Sie zu Ihrem Fallbeispiel zurück und verkünden, wie die zuvor in Ihrem Vortrag vorgestellten Tipps erfolgreich genutzt wurden, um das Problem zu lösen.

    Ein anderes Beispiel für solch eine Rahmung, für solch einen Bogen vom Anfang bis zum Ende, finden Sie in diesem Artikel, den Sie gerade lesen. Er beginnt mit dem Satz "Ich bin ein Berliner" von John F. Kennedy. Achten Sie mal am Schluss dieses Artikels darauf, wie dieses Thema noch einmal aufgegriffen wird.

  5. Offensiv: der Aufruf

    Haben Sie in Ihrem Seminar oder Ihrem Vortrag eine Methode vorgestellt, die Ihre Zuhörer in Beruf oder Alltag umsetzen sollen? Haben Sie ein Produkt präsentiert, was Sie verkaufen wollen? Dann bietet sich an, dass Sie mit einem Appell schließen. Vertraut ist uns das etwa aus der Werbung und lautet ungefähr so: "Entscheiden Sie sich für dieses Produkt und bestellen Sie es noch HEUTE". Oder natürlich auch aus der Wahlwerbung der Parteien: "Deshalb: Gehen Sie am Sonntag zur Wahl und setzen Sie Ihr Kreuz bei Partei XY!"

    Wem das zu direkt erscheint, der kann natürlich auch etwas zurückhaltender sprechen und sagen: "Überlegen Sie es sich, lassen Sie sich meine Argumente durch den Kopf gehen und treffen Sie Ihre Entscheidung."

  6. Kraftvoll: der Appell ans Ehrgefühl

    Falls Sie Ihr Publikum zum eigenen Handeln aufrufen wollen, aber einige Widerstände bei der Umsetzung erwarten, ist es hilfreich, wenn Sie an das Ehrgefühl Ihrer Zuhörer appellieren. Zeigen Sie Ihren Zuhörern, dass Sie an sie glauben. Verwenden Sie Begriff wie Kraft, Mut, Erfolg - Begriffe, die positiv belegt sind und den Ehrgeiz Ihres Publikums wecken. Zum Beispiel so: "Beweisen Sie den Mut, zeigen Sie, dass Sie in der Lage sind, Methode XY umzusetzen. Was anderen erfolgreich gelungen ist, können Sie auch!"

    Positive Begriffe bieten sich auch sonst an, wenn Sie in Ihrem Vortrag ein ernstes oder kritisches Thema angesprochen haben. Wenn Sie Ihre Rede positiv beenden, hebt das die Grundstimmung des Publikums - und gut gestimmte Zuhörer sind zufriedenere Zuhörer.

  7. Schön: die Geschichte

    Seit jeher erzählen und mögen Menschen Geschichten. Dabei kann es sich um ein Fallbeispiel, eine Anekdote oder auch eine fiktive Geschichte handeln.

    Manche Geschichten demonstrieren am Beispiel, dass etwas funktioniert. Sie können z.B. die Form eines Erfahrungsberichts haben.

    Andere Geschichte ähneln einer Metapher. Sie bringen bildhaft und im übertragenen Sinn zum Ausdruck, was Sie sagen wollen. Beliebt sind dafür unter anderem Geschichten aus der Kinderliteratur. (Vielleicht kennen Sie das Büchlein "Frederick" von Leo Lionni - alle Mäuse sammeln für den Winter Nüsse und Körner, nur nicht Frederick, er sammelt Wörter und Farben ... Die Geschichte vermag u. a. aufzuzeigen, dass auch Künstler mit ihren zunächst scheinbar "nutzlosen" Tätigkeiten anderen etwas Wichtiges geben können.)

  8. Sympathisch: der Wunsch

    Gute Wünsche werden immer gern genommen. Wenn Sie jemandem etwas wünschen, zeigen Sie ihm: Er ist Ihnen wichtig und Sie hoffen das Beste für ihn.

    Ein Wunsch löst nicht nur positive Emotionen, sondern fast automatisch auch ein gedachtes "Danke" beim Publikum aus. Sehr verbreitet sind dabei allgemeine Wünsche wie "Ich wünsche Ihnen einen guten Nachhauseweg!" Das ist freundlich und zugewandt und passt fast immer - allzu einfallsreich ist es natürlich nicht.

    Wenn Sie aber auch inhaltlich nachhaltige Wirkung erzielen wollen, wenn Sie wollen, dass die Quintessenz Ihrer Rede in Erinnerung bleibt, dann verknüpfen Sie Ihren Wunsch mit dem Credo Ihres Vortrags: "Sie sehen also, wichtig es ist, Mitarbeitern regelmäßig Feedback zu geben. Ich wünsche Ihnen dafür ein gutes Händchen und viel Erfolg!"

  9. Zukunftsorientiert: der Ausblick

    Manchmal bietet es sich an, einen Ausblick auf Kommendes zu geben. Wenn Sie etwa eine Vortrags- oder Seminarreihe halten, dann können Sie am ersten Tag mit den Worten schließen: "Heute haben wir uns die Theorie angesehen. Morgen zeige ich Ihnen, wie Sie das Ganze in die Praxis umsetzen können!"

  10. Schick für Veranstaltungs-Reihen: das "corporate ending"

    Bieten Sie eine Veranstaltungsreihe an? Oder bietet Ihr Institut regelmäßig Seminare oder Vorträge an - und es ist Ihnen wichtig, dabei ein einheitliches Auftreten zu demonstrieren? Dann bietet es sich an, jede Veranstaltung mit dem gleichen Satz oder Ausspruch zu schließen. In Analogie zu Begriffen wie "corporate identity" oder "corporate wording" sei dies hier als "corporate ending" bezeichnet. Zwangsläufig muss solch ein "corporate ending" inhaltlich recht allgemein gehalten sein und kann nicht jeweils die Kernthese eines bestimmten Vortrags oder Seminars zum Inhalt haben - denn es muss ja für alle Veranstaltungen der Reihe passen. Aber genau das ist auch seine Stärke.

    Vielleicht erinnern Sie sich, dass Marcel Reich-Ranicki das Literarische Quartett stets mit den Worten beendet hat: "Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen". Ähnlich verfuhr Jürgen Fliege, der seinem Publikum am Ende jeder seiner Talkshows den Satz mit auf den Weg gab: "Passen Sie gut auf sich auf!" Dieser Satz ist eine Art Markenzeichen, den er nun auch anderweitig (etwa als Buchtitel) einsetzt.

So viele Möglichkeiten, Rede, Vortrag oder Seminar zu beenden ... Und wie endet dieser Artikel? Wie versprochen: Er endet genau so, wie er begonnen hat, nämlich mit Kennedy:

Wussten Sie, dass John F. Kennedy's Satz "Ich bin ein Berliner" als Schluss-Satz seiner Berliner Rede wohl kein spontaner Zufallstreffer war? Neben dem Satz "Ich bin ein Berliner" soll er sich nämlich noch zwei weitere Aussprüche notiert haben, die für den Schluss seiner Rede ebenfalls in Frage gekommen wären. Außerdem soll er diese Passagen zuvor gemeinsam mit einem Journalisten im Amtszimmer des Berliner Bürgermeisters Willy Brandt geübt haben. Er wusste wohl, wie wichtig es ist, das Ende einer Rede bewusst zu planen und auch zu üben. Er wusste und Sie wissen es ja auch: Der letzte Eindruck bleibt!

Zum Weiterlesen: Vorträge halten - leicht gemacht

Egal, ob PowerPoint-Präsentation oder Geburtstags-Ansprache: Einen schlechten Vortrag zu halten ist schlimmer, als gar keinen Vortrag zu halten. Wir verraten, wie Sie überzeugend auftreten:

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Über den Autor:

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Heike Neidhardt ist Diplom-Psychologin und Erwachsenenbildnerin (M.A.). Nach 10 Jahren Berufserfahrung in der Weiterbildung hat sie sich 2009 selbstständig gemacht. In ihren Vorträgen und Seminaren ze ...

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