Eine USt-IdNr. auch für Kleinunternehmer

Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer bietet auch Kleinunternehmern zahlreiche Vorteile

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Stand: 16. August 2013

Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gibt es auch für Kleinunternehmer, denn die USt-IdNr. erleichtert EU-weite Geschäfte zwischen Unternehmern und Freiberuflern. Außerdem dient sie als Ersatz für die Angabe der persönlichen Steuernummer auf Rechnungen. Schon deshalb macht es auch für umsatzsteuerbefreite (Klein-)Unternehmer Sinn, die UStIdNr. zu beantragen. Die wissen aber oft gar nicht, dass sie das dürfen.

Die sogenannte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (UStIdNr.) gibt es, um den Austausch von Lieferungen und Leistungen im innereuropäischen Raum zu erleichtern. Geschäftsleute beweisen sich mit ihrer Hilfe gegenseitig den Status als Unternehmer. Dadurch können sie in vielen Fällen von vornherein auf die Berechnung von Mehrwertsteuer verzichten und sparen sich so die umständliche Steuererstattung.

Die spezielle Umsatz-Steuernummer hat aber auch noch einen ganz anderen praktischen Zweck: Laut § 14 Absatz 4 Umsatzsteuergesetz darf sie auf Rechnungen ausdrücklich als Ersatz für die persönliche Steuernummer verwendet werden:

"Eine Rechnung muss folgende Angaben enthalten: [...] 2. die dem leistenden Unternehmer vom Finanzamt erteilte Steuernummer oder die ihm vom Bundeszentralamt für Steuern erteilte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ..."

Das gilt auch für umsatzsteuerliche Kleinunternehmer. Vorteil: Anders als bei der privaten Steuernummer können mithilfe der öffentlichen Umsatzsteuer-Identifikationsnummer keine vertraulichen Informationen über den Steuerpflichtigen ausgekundschaftet werden.

Und was machen die Kleinunternehmer?

Unternehmer mit einem Vorjahresumsatz von nicht mehr als 17.500 Euro und einem voraussichtlichen Umsatz von nicht mehr als 50.000 Euro im laufenden Jahr brauchen ihren Kunden laut § 19 Umsatzsteuergesetz bekanntlich keine Umsatzsteuer zu berechnen. Im Gegenzug dürfen sie aber auch die selbst bezahlte Vorsteuer nicht geltend machen und können sich laufende Umsatzsteuervoranmeldungen sparen (eine jährliche Nullsummen-Umsatzsteuererklärung bleibt aber auch Kleinunternehmern nicht erspart). Umsatzsteuerliche "Kleinunternehmer" werden bei der Umsatzsteuer grundsätzlich wie Privatleute behandelt.

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Hallo,
herzlichen Dank für die ausführlichen Informationen!

Meine Frage: Ich bin Kleinunternehmen (UG) und habe keine USTID beantragt. Jetzt wünscht sich ein Geschäftspartner eine USTID von mir ( aus Reputationszwecken - kein Auslandgeschäft).

Fragen:
1. Kann ich eine USTID (für mich aus Reputationszwecken) beantragen?
2. Wie lange geht eine solche Anmeldung (grobe Schätzung)?
3. Muss ich die USTID beim zuständigen Finanzamt (Körperschaftsstelle) anfordern?
4. Fallen weitere jährliche Verwaltungsaufgaben diesbezüglich an, auch wenn ich die USTID NICHT verwende (weil ich weiterhin Kleinunternehmen bin und bleibe)?

Besten schon mal für die Antworten,
Axel

Hallo,
wenn Sie als Kleinunternehmer eine UStIdNr. beantragen, müssen Sie sich zuvor für die "Erwerbsbesteuerung" entscheiden. Ob sich weiterer bürokratischer Aufwand ergibt, hängt letztlich davon ab, ob Sie die UStIdNr. bei grenzüberschreitenden Geschäften im innergemeinschaftlichen Verkehr einsetzen. Falls Sie die UStIdNr. nur im Inland als Ersatz für Ihre persönliche Steuernummer verwenden, brauchen Sie außer der Umsatzsteuererklärung keine zusätzlichen Erklärungen und Meldungen erforderlich. Anders bei grenzüberschreitenden Geschäften: Die umsatzsteuerlichen Folgen des Einkaufs und Verkaufs von Waren und Dienstleistungen im Ausland sind alles andere als leicht zu überblicken. Die wichtigsten Informationen finden Sie in folgenden Beiträgen
"Umsatzsteuer auf im Ausland erbrachte Dienstleistungen"
http://www.akademie.de/direkt?pid=57244
"Rechnung ohne Grenzen"
http://www.akademie.de/direkt?pid=44091
Die Details Ihres Einzelfalles besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater oder fragen direkt beim Finanzamt nach.
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Ich habe eine Frage, ich bräuchte die Nummer für einen Geschäftspartner der darauf besteht. Wenn ich als Kleinunternehmer die Ust.ID beantrage, müssen dann noch andere Formulare ausgefüllt werden, als die Jährliche Steuererklärung. Die Grenzen werden nicht überschritten. Wenn noch mehr Aufwand dazukommt, kann ich auch auf diesen Partner verzichten, weil es nicht viel ausmacht.

Hallo CD,
bei Auslandsgeschäften spielt der deutsche Kleinunternehmer-Status grundsätzlich keine Rolle. In Ausfuhr-Angelegenheiten lassen Sie sich am besten von einem Steuerberater und / oder der zuständigen Export-Abteilung Ihrer IHK unterstützen. Ganz allgemein lässt sich sagen:
Ob grenzüberschreitende Lieferungen umsatzsteuerpflichtig sind, hängt erst einmal davon ab, ob die Empfänger ihrerseits Unternehmer oder Privatpersonen sind. Handelt es sich um Unternehmer, brauchen Sie bei Lieferungen in EU-Ländern in der Regel keine (deutsche) Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen - Ihre Geschäftspartner werden dann aber mit Sicherheit Ihre UStIdNr. verlangen. Lieferungen an ausländische Privatleute hingegen unterliegen grundsätzlich der deutschen Umsatzsteuer. Ausführlichere Informationen finden Sie im Grundlagenkurs von Steuerberater Martin Winkler:
"Umsatzsteuer bei europaweiten Geschäften"
http://www.akademie.de/direkt?pid=57189
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo, ich möchte nicht Einkaufen, sondern verkaufen was ist dann?
Ich bin als kleinunternehmer tätig. Ich möchte im EU-Ausland an einem Markt oder Messe Teilnehmen. Ist es ein Unterschied ob ich dort direkt verkaufe, oder die Produkte ins Ausland versende?
Muss ich dann eine UStINr haben?
Im voraus vielen Dank
CD

Ja, das haben Sie richtig verstanden. Rechnerisch lohnt sich für deutsche Kleinunternehmer der Einsatz der UStId. bei Einkäufen in anderen EU-Ländern daher nur dann, wenn die deutsche USt. (deutlich) niedriger ist als die des anderen Landes. Angesichts des vergleichsweise geringen Geschäftsvolumens von Kleinunternehmern dürfte der auf diese Weise erzielbare Einkaufsvorteil in den meisten Fällen aber durch den zusätzlichen bürokratischen Aufwand aufgefressen werden. Die UStIdNr. dient Kleinunternehmern daher am ehestens als Ersatz für die persönliche Steuernummer - oder aber, um unfruchtbaren Diskussionen mit internationalen Geschäftspartnern aus dem Weg zu gehen (die auf Mitteilung einer UStIdNr. bestehen und sich nicht für die deutsche Kleinunternehmerregelung interessieren.)
Freundliche Grüße
Robert Chromow

super beitrag. aber ich hab trotzdem ne frage.
das ganze liest sich so, als würde der kleinunternehmer die UID-nummer lediglich für eu-geschäfte verwenden. er wäre demnach der erwerbsbesteuerung unterworfen, gleichzeitig aber nicht vorsteuerabzugsberechtigt. ist das korrekt? bedeutet das auch, dass der kleinunternehmer eine UST-voranmeldung abgeben muss (wo er die erwerbssteuer ausweist, aber nicht gleichzeitig als vorsteuer geltend macht)?
sorry, falls ich da was überlesen oder mißverstanden habe, aber mir ist das noch nicht klar.

Hallo Martina,
als Kleinunternehmerin benötigen Sie m. E. auch bei Auslandsgeschäften keine UStIdNr. Solange Ihr dänischer Kunde mit Ihrer persönlichen Steuernummer Vorlieb nimmt, würde ich mir an Ihrer Stelle auch keine Gedanken über die UStIdNr. machen. Falls Ihr Kunde doch Wert auf die UStIdNr. legt, sprechen Sie am besten mit Ihrem Finanzamt.
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo,
ich habe einen Neukunden in Dänemark, für welchen ich graphische Servicetätigkeiten anbiete. Ich habe in Deutschland ein Gewerbe angemeldet und falle unter die Kleinunternehmerregelung, weise auf meinen Rechnungen also keine Umsatzsteuer aus. Mein Kunde in Dänemark weist die Umsatzsteuer entsprechend der "Reverse charge" Regelung im EU-Ausland selbstständig aus.
Meine Frage nun: als Kleinunternehmer benötige ich in der Regel keine Ust-ID. Kann ich meine Rechnungen ins EU-Ausland auch mit meiner persönlichen Steuernummer versehen oder benötige ich in jedem Fall eine USt-ID? Besten Dank! Martina

Hallo,
vorweg: Kleinunternehmer sind Sie nur, wenn Sie im Vorjahr (bzw. im Jahr der Gründung) nicht mehr als 17.500 Euro Umsatz machen - und zwar hochgerechnet auf ein ganzes Jahr! Die 50.000-Euro-Grenze bezieht sich nur auf das laufende Jahr, sofern im Vorjahr die 17.500-Euro-Grenze unterschritten worden ist.
Sie benötigen auf jeden Fall eine finanzamtsbezogene Steuernummer. Die bekommen Sie im Zuge der ohnehin erforderlichen Anmeldung beim Finanzamt (Stichwort: "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung"). Voraussichtlich werden Sie aber auch eine Umsatzsteueridentifikationsnummer brauchen.
Eine Übersicht über die deutsche Meldeprozeduren finden Sie im Beitrag
"Unternehmer werden: Gründung, Anmeldungen, Genehmigungen"
http://www.akademie.de/direkt?pid=10325
Ansonsten empfehle ich Ihnen angesichts Ihrer internationalen Ausrichtung dringend, sich einen Steuerberater zu suchen, der sich mit der steuerlichen Behandlung grenzüberschreitender Lieferungen und Leistungen innerhalb der EU sowie mit Geschäften mit Drittländern (Schweiz) auskennt.
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Ich bin Ausländer, Südtiroler, und habe deshalb keine Steuernummer in Deutschland. Habe aber ein Gewerbe angemeldet, das des Reiseveranstalters und werde sowohl Leistungen aus der EU wie auch aus dem EU Ausland einkaufen. Ich werde aber sicher in den ersten Jahren nicht über 50.000 Euro Umsatz machen, also Kleinunternehmer sein. Meine Frage ist, welche Nummer ich am besten beantragen soll bzw. wie ich versteuern soll. danke für die Auskunft

Hallo Max H.,
über Ihre nette Rückmeldung habe ich mich sehr gefreut! Meine Redaktionskollegen haben Ihre Anregung außerdem gleich aufgenommen und den zusammenfassenden Passus in den Artikel eingebaut!
Vielen Dank für Ihre Unterstützung und herzliche Grüße
Robert Chromow

Herr Chromow,

ich bin begeistert! Der Artikel und insbesondere die pointierte Zusammenfassung der Voraussetzungen und Auswirkungen der UST-ID-Beantragung auf Kleinunternehmer (§19 UStG) vom 25.10.10 haben mir extrem weitergeholfen. Es würde sich m.E. fast anbieten diese Zusammenfassung noch als inhaltlichen Abbinder in den Artikel aufzunehmen (für die etwas langsameren Denker wir mich)

Besten Dank,
Max H.

Hallo,
bitte entschuldigen Sie die späte Reaktion auf Ihre Nachricht: Ich habe den Kommentar leider jetzt erst gesehen. Zu Ihrer Frage:
Für Einkäufe in den USA und in Thailand benötigen Sie grundsätzlich keine UStIdNr. Bei Importen aus solchen (nicht der EU angehörenden) "Drittländern" ist allerdings Einfuhrumsatzsteuer ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Einfuhrumsatzsteuer
... fällig, die Sie als Kleinunternehmer nicht als Vorsteuer geltend machen dürfen. Das ist aber auch verständlich, schließlich nehmen Sie selbst ja auch keine Umsatzsteuer ein.
Eine Antwort auf Ihre Frage, "wie es dann mit den steuern im allgemeinen aussieht" ist an dieser Stelle leider nicht möglich: Das sprengt leider den Rahmen dieses Kommentarfeldes. :-)
Vielen Dank für Ihr Verständnis und freundliche Grüße
Robert Chromow

hallo,
seit kurzem bin ich nun kleinunternehmer. ich würde gerne meine waren aus den USA und thailand beziehen. ich lese überall nur etwas über den einkauf in der EU. meine frage wäre eigentlich nur, ob ich eine UStId-Nr. dafür benötige oder nicht. ich habe auch keine ahnung wie es dann mit den steuern im allgemeinen aussieht. für eine kleine aufklärung wäre ich sehr dankbar!

Danke ;-)

Ja, richtig - allerdings hat die Erwerbsschwelle von 12.500 Euro nichts mit dem Einkommen zu tun: Es handelt sich dabei vielmehr, um den maximal zulässigen Wert sämtlicher Einkäufe eines Kleinunternehmers im EU-Ausland innerhalb eines Jahres. Noch einmal im Überblick:
1. Als umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer gelten Sie, solange Ihr Jahres*umsatz* (nicht: Jahresgewinn!) im Vorjahr 17.500 Euro nicht überschritten hat und im laufenden Jahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht überschreiten wird. In dem Fall brauchen Sie Ihren Kunden keine Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen.
2. Als umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer *ohne* Umsatzsteueridentifikationsnummer bezahlen Sie in anderen EU-Ländern (wie Privatpersonen) die ausländische Umsatzsteuer.
3. Wenn Sie als umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer eine Umsatzsteueridentifikationsnummer haben möchten, müssen Sie sich gegenüber dem Finanzamt für die sogenannte Erwerbsbesteuerung entscheiden. Das ist nur solange möglich, wie die Summe Ihrer Einkäufe im EU-Ausland 12.500 Euro pro Jahr nicht überschreitet.
4. Erwerbsbesteuerung bedeutet: Sie teilen Ihren EU-Lieferanten Ihre Umsatzsteueridentifikationsnummer mit und erhalten daraufhin Nettorechnungen (= ohne Umsatzsteuer des anderen EU-Lands). Dafür müssen Sie dem deutschen Finanzamt den Wert der ausländischen Lieferungen mitteilen und zahlen darauf die deutsche Umsatzsteuer.
Vielleicht macht das die Sache ja (noch :-)) klarer?
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo, danke für die Antwort.
So wie ich das mit der Erwerbsbesteuerung verstanden habe, betrifft das doch nur die Lieferung/Kauf von Waren. Ich arbeite im Ausland auf Messen auf Gewerbeschein. Hier bin ich bisher von der gesetzlichen Mehrwertsteuer, so wie einer Steuererklärung befreit gewesen. Nun wenn mein jährliches Einkommen weiterhin unter 12.500 Euro bleibt müsste dies doch auch weiterhin mit einer UID-Nummer der Fall sein?! Hoffe ich konnte mich nun verständlicher ausdrücken. Danke Gruß

Hallo, ich bin nicht sicher, ob ich Ihre Frage richtig verstanden habe, deshalb noch einmal ganz allgemein: Wenn Sie Kleinunternehmer im Sinne des § 19 UStG sind, können Sie eine Umsatzsteueridentifikationsnummer bekommen. Voraussetzung dafür wiederum ist, dass Sie sich gegenüber Ihrem Finanzamt für die sogenannte Erwerbsbesteuerung entscheiden. Das wiederum ist nur möglich, solange die Erwerbsschwelle (= Summe aller Einkäufe im EU-Ausland) von 12.500 Euro pro Jahr nicht überschritten ist.
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo,
bin leider eine ziemliche Niete in puncto Gesetze..
habe ich das richtig verstanden, dass wenn ich als Kleinunternehmer weniger als 12.500 Euro verdiene, weiterhin von der gesetzlichen Mehrwertsteuer befreit bin, auch wenn ich eine UID-Nummer habe ?!
Danke um eine kurze Antwort! Gruß

Hallo Fabian,
nur ganz kurz von unterwegs: Die Erwerbsbesteuerung ist nur für Einkäufe im EU-Ausland gedacht. Sie können aber freiwillig auf den Kleinuntdrnehmerstatus verzichten.
Viel Erfolg & schöne Grüße
Robert Chromow

Zunächst nochmal Danke an Robert, dass sie sich so viel Mühe und Zeit nehmen sich der ganzen Fragenflut hier zu stellen. Tolle Aktion !!!

In Sachen USt-ID und Erwerbsbesteuerung wollte ich gerne noch Fragen offen stellen, die auch für andere Kleinunternehmer interessant zu erfahren wären:

Der Kleinunternehmer kann ja über seine USt-ID im Rahmen eines "innergemeinschaftlichen Handels" steuerfrei einkaufen. Soweit nichts neues.
Kann man aber auch innerhalb von Deutschland über diesen Geschäftsweg verfahren, d. h. über USt-ID steuerfrei einkaufen und später Erwerbssteuer an Finanzamt zahlen ?

Ich habe nämlich von meinem Finanzamt mir sagen lassen, dass ich als Kleinunternehmer nur JÄHRLICH die Erwerbssteuer zu begleichen habe. Insofern würde dem Kleinunternehmer innerhalb dieses Jahres MEHR für den Einkauf zur Verfügung stehen (Einkauf STEUERFREI, Verkauf STEUERZUSCHLAG)

Hat jemand damit vielleicht schon Erfahrung gemacht ? Ist das Erwerbsbesteuerungsverfahren auch im Innland möglich ?

Vielen Dank,
Fabian W.

Hallo Fabian,
vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung. Zu Ihrer Frage: ja, das Finanzamt kann. :-) Schließlich geht es ja nicht um ausländische Umsatzsteuer, sondern um die deutsche. Aber Sie _müssen_ sich ja nicht freiwillig für die Erwerbsbesteuerung entscheiden, solange der jährliche Gesamtwert Ihrer Auslandseinkäufe unter der 12.500-Euro-Grenze liegt. Dann zahlen Sie die Umsatzsteuer wie ein Verbraucher im EU-Ausland - und damit hat es sich. Die freiwillige Entscheidung für die Erwerbsbesteuerung ab dem ersten Euro (oder genauer gesagt: der Verzicht auf die Befreiung von der Erwerbsbesteuerung bei Einkäufen im EU-Ausland im Gesamtwert von weniger als 12.500 Euro pro Jahr) ist nur dann erforderlich, wenn Sie Wert auf eine deutsche UStID legen.
Alle Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo allerseits,

Ich bin auch seit kurzem Kleinunternehmer und möchte mich erstmal für den tollen Beitrag hier bedanken. Sehr übersichtlich und verständlich. Danke.
Ich habe gerade eben meine Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bei meinem Finanzamt abgegeben. Bei dem Antrag auf die USt-ID, habe ich auf die "Erwerbsschwellenregelung" für 2 jahre verzichtet (12 500 Eur nicht überschritten). D.H. ich muss laut Finanzamt ALLE steuerfreien Auslandsgeschäfte mit 19% im Inland versteuern.

Kann mir das Finanzamt tatsächlich zwingend vorschreiben, dass ich auch in Ländern in denen die USt niedriger ist als in Deutschland (Bsp. England nur 17,5%) über die Erwerbsteuerregelung schlussendlich 19% Zahlen muss ?

Ich meine wenn ich direkt die Umsatzsteuer beim Kauf zahle, hätte ich doch meine USt-Pflicht erfüllt. Das Finanzamt kann mir doch nicht vorschreiben wie und wo ich meine Steuer begleiche, oder könnte ich da probleme mit dem deutschen Finanzamt bekommen ?

Muss ich jetzt überhaupt Steuern im Inland Zahlen, wenn ich unter der "Erwerbsschwelle von 12 500 EUR" bleibe oder was bedeutet diese Schwelle genau für mich ?

Vielen Dank im Voraus für alle Bemühungen meine Fragen möglichst kompetent zu beantworten.

MFG,
Fabian W.

Vielen Dank für Ihren Hinweis: Das Bundeszentralamt für Steuern hat seine Frage- und Antwortsammlung tatsächlich umformuliert. An der in unserem Beitrag geschilderten Sachlage hat sich dadurch aber nichts geändert. Der von Ihnen zitierte Satzanfang bezieht sich nicht auf die Möglichkeit der Beantragung einer UStIdNr., sondern darauf, dass Kleinunternehmen in der Regel noch nicht "umsatzsteuerlich geführt" werden (was ja in der Natur der Sache liegt). Das komplette Zitat lautet:
------------ Zitat ----------------
Voraussetzung der Erteilung einer USt-IdNr. ist, dass die Person oder Personenvereinigung bei einem deutschen Finanzamt umsatzsteuerlich geführt wird.
Dies ist in der Regel nicht der Fall bei Kleinunternehmern [...]
Vorgenannte Unternehmer müssen sich daher zur umsatzsteuerlichen Erfassung zunächst an ihr zuständiges Finanzamt wenden. Bei diesem kann gleichzeitig auch die Erteilung einer USt-IdNr. beantragt werden.
----------Zitat-Ende --------------
Genau diese Möglichkeit wird in unserem Artikel erläutert.
Noch einem herzlichen Dank für Ihre Unterstützung und freundliche Grüße
Robert Chromow

Sie schreiben, dass in den FAQ des Bundeszentralamtes für Steuern Kleinunternehmer ausdrücklich als Antragsberechtigte gelistet sind.
Wenn ich auf die FAQ-Seite schaue, lese ich aber genau das Gegenteil: "Dies ist in der Regel nicht der Fall bei Kleinunternehmern, ...".

Hat sich die Lage also seit dem Verfassen dieses Textes geändert oder verstehe ich etwas falsch?
So oder so, auf jeden Fall mal Danke für die Ausführungen.

Hallo nwassman,
wenn Sie als nicht vorsteuerabzugsberechtigte Kleinunternehmerin eine UStIdNr. haben und damit im Ausland umsatzsteuerfrei einkaufen, müssen Sie auf die Waren in Deutschland nachträglich Umsatzsteuer bezahlen. Die Einzelheiten besprechen Sie am besten mit einem Steuerberater oder direkt mit dem Finanzamt.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo, auch ich bin Kleinunternehmer und habe im ausland für unter 1000 Euro eingekauft mit meiner neun De Nummer. Muß ich nun die umsatzsteuervoranmeldung jeden Monat machen. ich weiss doch noch gar nicht, ob ich alles verkaufe.
Bitte um Hilfe

Hallo,
zu diesem Thema heißt es weiter oben im Text:
------------ Zitat ----------------
In der offiziellen Frage- und Antwortsammlung des zuständigen Bundeszentralamts für Steuern zur Vergabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer werden Kleinunternehmer ausdrücklich zum Kreis der Antragsberechtigten gezählt:

"Zum Vorsteuerabzug berechtigte Unternehmer erhalten auf Antrag eine USt-IdNr. Außerdem sind antragsberechtigt [...] Kleinunternehmer, die § 19 Abs. 1 Umsatzsteuergesetz (UStG) anwenden ..."

Grundlage ist Paragraf 27a UStG in Verbindung mit Paragraf 1a Abs. 3 und 4 UStG.
Da Einkäufe von Lieferungen und Leistungen im Ausland bei Angabe einer gültigen Umsatzsteuer-Identifikationsnummer von der ausländischen Umsatzsteuer befreit sind, müssen sich Kleinunternehmer gegenüber ihrem Finanzamt zuvor für die sogenannte Erwerbsbesteuerung entscheiden
----------Zitat-Ende --------------
Am besten besprechen Sie die Einzelheiten Einzelheiten mit Ihrem Steuerberater. Falls Sie keinen Steuerberater haben, rufen Sie bei Ihrem Finanzamt und / oder dem BZSt an und klären die erforderlichen Schritte.
Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

mir wurde der hier angegebene Onlineantrag abgelehnt, weil ich lt. Onlinedienst als USt-befreiter Unternehmer keine USt-ID bekommme :-[

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