Erfolgreiche Geschäftsideen adaptieren, kopieren, nachahmen

Diese 12 Klippen sollten Sie umschiffen!

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Stand: 14. April 2015 (aktualisiert)

Beispiele für erfolgreiche Gründungen und gewinnbringende Geschäftsideen gibt es viele; die einschlägigen Publikationen sind voll davon. In diesen Musterbeispielen klingt alles so einfach, so logisch und überzeugend, dass beim Leser der Eindruck entsteht: Das kann ich auch. In der Realität aber lassen sich erfolgreiche Geschäftsideen nicht so einfach kopieren.

Grundsätzlich gilt: Jedes Beispiel einer erfolgreichen Gründung muss sehr genau und im Detail betrachtet werden, bevor man Rückschlüsse auf das eigene Vorhaben zieht. Denn jede Geschäftsidee hat ihre ganz eigenen individuellen Bedingungen. Und die lassen sich eben meistens nicht so einfach nachahmen. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Person/en

    Mentalität, Charakter, Denkweise, Reaktion, soziale Kompetenz, Ausdauer, Kontakt- und Überzeugungsfähigkeit etc. sind personengebunden und somit niemals identisch. Das hat zur Folge, dass jede Person die realen Bedingungen und Möglichkeiten unterschiedlich interpretiert und somit auch zu anderen Ergebnissen gelangt.

  • Die Idee an sich

    Der "Erfinder" steht seiner eigenen Idee anders gegenüber als jemand, der diese Idee adaptiert. Der Ideengeber wird stets von seiner Idee überzeugt sein – und setzt diese auch gegen Widerstände durch. Der, der nachahmt, muss diesen Kampf meistens nicht mehr führen. Das ist natürlich ein Vorteil. Der Nachteil besteht darin, dass er im Allgemeinen nicht die gleiche Identifikation, die gleiche Begeisterung und Überzeugungskraft besitzen wird. Wer nicht "das Feuer der Begeisterung" in sich trägt, dem fällt es schwerer, andere zu überzeugen. Das gilt sowohl für Mitstreiter als auch in Bezug auf Kreditgeber und Kunden.

  • Kenntnisse

    Wer als Erster eine neue Idee, ein neues Angebot realisiert, hat sich vorher sehr lange und sehr intensiv mit dem Thema und den damit verbundenen Problemen beschäftigt. In Gründungsporträts wird jedoch das oftmals ausgeklammert. Von den zahlreichen, oft kleinteiligen Problemen vor, während und seit der Gründung liest man da selten. Die Folge: Wer lediglich "kopiert", übersieht diese Probleme (oder erkennt sie zumindest nicht in vollem Umfang). Das wiederum führt zu Fehleinschätzungen.

    Der Ideengeber hat sich – manchmal jahrelang – mit seiner Idee beschäftigt. Er hat sie wieder und wieder geprüft, diskutiert und in vielen kleinen Schritten weiterentwickelt. Daher hat er im Normalfall ein deutlich größeres Wissen und kann es auch bei vielen Gelegenheit dementsprechend nutzen.

  • Umfeld

    Über das Umfeld und die speziellen Bedingungen wird ebenfalls selten berichtet, obwohl sie oft entscheidenden Einfluss haben. Wurde der/die Initiator(in) vom Partner/von der Familie unterstützt? Welche Hilfen gab es, über die nicht berichtet wurde? Halfen kompetente Freunde oder Bekannte? Wie hoch war das Startkapital? Womöglich konnte vorhandenes Eigentum belastet werden? All das sind wichtige Punkte, die durchaus über Erfolg und Misserfolg entscheiden!

Die Gründe, warum diese Dinge oft nicht beim Namen genannt werden, sind psychologischer Natur. Erfolgreiche Gründer vermarkten sich gern als "Sieger". (Heimliche) Vorteile wie etwa die große Erbschaft, die die Finanzierung möglich machte, werden daher in der Erfolgsstory gern ausgeblendet – sie könnten unter Umständen die eigene Leistung schmälern –

  • Engagement

    Wer etwas Neues entwickelt oder etwas Bestehendes deutlich verbessert, ist von der Richtigkeit seiner Zielsetzung und seiner Arbeit zweihundertprozentig überzeugt. Wer eine Geschäftsidee kopiert, glaubt zwar ebenfalls an deren Erfolg. Aber ihm fehlen sehr oft die begeisternde Ausstrahlung und somit auch ein Teil der Überzeugungskraft.

    Wer ein Konzept adaptiert, hat es leichter bzw. macht es sich leichter, weil er glaubt, dass alle Risiken bereits durch den Vorgänger gelöst sind. Das Einzige, was noch kontrolliert wird, ist, ob das Modell ohne größere Anpassungen übernommen werden kann. Diese passive Herangehensweise verhindert eine intensive, leidenschaftliche Auseinandersetzung mit der Idee und den Möglichkeiten.

Hat man Glück, wird über die genannten Punkte in Businessporträts wenigstens noch am Rande informiert. Gar nicht oder nur in absoluten Ausnahmefällen wird über folgende Faktoren berichtet:

  • Einzugs- bzw. Verbreitungsgebiet

    Wer eine fremde Geschäftsidee aufgreift, prüft selten, ob das vorhandene Marktpotenzial in dem voraussichtlichen Einzugs- bzw. Verbreitungsgebiet für das eigene Angebot groß genug ist.

    Es leuchtet ein, dass ein Ladengeschäft für Natur-Fußbodenbeläge ein wesentlich größeres Einzugsgebiet benötigt als ein Universal-Dienstleister für Haus- und Gartenarbeiten. Der Anbieter der Natur-Fußbodenbeläge benötigt überschlägig ein Volumen von etwa 40.000 bis 50.000 Haus- und Wohnungsbesitzern, um auf Dauer eine ausreichend große Nachfrage zu haben. Dem Universal-Dienstleister dagegen genügt ein Marktpotenzial von rund 1.000 bis 1.500 Haus- und Wohnungsbesitzern.

  • Standort

    Der Standort entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg einer Existenzgründung. Anbieter, die eine hohe Kundenfrequenz benötigen, um ihr Umsatzziel zu erreichen, müssen sich in einer zentralen oder verkehrsgünstigen Lage ansiedeln. Bei Anbietern, die ihre Kunden besuchen, ist die Lage im Prinzip unwichtig. Spezialisten, die innerhalb einer Region ein monopolartiges Angebot haben, können sich auch außerhalb der Zentren ansiedeln.

    Auch die Verkehrslage ist nicht zu unterschätzen. Unternehmen, die sich an stark frequentierten Straßen ansiedeln – egal ob Fußgängerzone oder Hauptverkehrsstraße –, haben den entscheidenden Vorteil, dass sie täglich Tausende Kontakte zu Passanten und Verkehrsteilnehmern haben, weil ihre Werbung, ihr Angebot, je nach Gestaltung, mehr oder weniger intensiv wahrgenommen wird. Sie erreichen innerhalb kurzer Zeit eine hohe Bekanntheit, ohne größere Beträge für klassische Werbung aufwenden zu müssen.

  • Wettbewerb und Konkurrenz

    Wettbewerb heißt Kampf um Kunden. Also sollte man seine Gegner – die Konkurrenz – kennen. Wer die Konkurrenz nicht wirklich gut kennt, kann sein eigenes Angebot auch nicht so gestalten, dass es sich als die bessere Alternative präsentiert. Wird keine Alternative zur Konkurrenz geboten, kann nur über den Preis argumentiert werden. Das ist aber die denkbar schlechteste Lösung, weil es bei einem Wettbewerb über den Preis immer nur eine Frage der Zeit ist, bis ein noch preiswerterer Anbieter auftaucht.

    Aber Achtung: Konkurrenten lassen sich ihre Kunden nicht ohne Gegenwehr wegnehmen. Daher müssen Sie vor dem Start überlegen, wie Ihre Konkurrenz auf Sie reagieren könnte und mit welchen Gegenmaßnahmen Sie sich behaupten wollen. Über das Konkurrenzverhalten wird in Gründungs-Erfolgsgeschichten nur sehr selten berichtet. Daher ist hier besondere Aufmerksamkeit gefordert!

  • Marktbedingungen

    Die Marktbedingungen sind von Region zu Region verschieden. Was in Berlin richtig ist, gilt nicht automatisch auch für Regensburg oder Wilhelmshaven. Die Kaufkraft, das Kaufverhalten, die Wettbewerbsdichte, die regionalen Gewohnheiten sind im Regelfall anders und können die Geschäftsidee mehr oder weniger stark beeinflussen.

  • Startbedingungen

    Über die realen Startbedingungen schweigen sich erfolgreiche Gründer sehr oft aus. Oft gab es schon im Vorfeld Zusagen oder Verträge mit Abnehmern, die eine bestimmte Grundauslastung garantierten.

    Was ebenfalls gern verschwiegen wird, ist, dass der Zufall in irgendeiner Weise geholfen hat. Manchmal gibt es auch einen Geldgeber im Hintergrund, über den nicht berichtet wird.

    Gehen Sie davon aus, dass nicht jede gute Idee in einer verfallenen Garage geboren wird. In den meisten Fällen gehört weit mehr zum Startkapital!

  • Pionierposition

    Hat der Gründer eine wirklich neue Idee, besetzt er immer die Pionierposition, weil er der Erste ist. Zwar hat er es zunächst schwerer, Dritte von seiner Idee zu überzeugen. Aber dafür hat er es leichter, sich am Markt zu etablieren, weil Medien gern über neue Geschäftsideen, Dienstleistungen und Angebote berichten. Diese kostenlose Werbung erleichtert den Start und erspart dem "Pionier" Werbekosten.

    Über den, der adaptiert, berichtet keiner mehr. Wer eine Geschäftsidee kopiert, kann den Vorteil des Neuen entweder gar nicht oder nur sehr begrenzt nutzen. Sein Angebot ist dann meistens schon bekannt. Ausnahme: Wenn er das neue Angebot als Erster in seiner eigenen Region anbietet.

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Über den Autor:

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Hans-Jürgen Borchardt ist seit 1967 selbstständiger Marketingberater. Er berät mittelständische Unternehmen, vorwiegend im Handel und Handwerk in Deutschland, Schweiz und den Niederlanden. Seit über ...

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