Theorie
Egal, ob man einen Roman oder Krimi liest, einen Film sieht oder einem Hörspiel lauscht, es sind die darin agierenden Figuren, die den Rezipienten fesseln.
Figuren
Wir gehen mit ihnen durch den Stoff, wollen wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Wie die Geschichte für sie ausgeht. Mit ihnen leiden wir mit, wenn sie in einem Drama oder gar einer Tragödie ihr Schicksal herausfordern, mit ihm hadern bzw. im Fall der Tragödie daran scheitern. In der Komödie lachen wir mit ihnen und über sie und wir fiebern mit ihnen, wenn sie in einem Krimi oder Thriller, gleich ob im Buch oder auf der Leinwand, um ihr Leben kämpfen oder einen Mörder suchen.
Diese enge Bindung zwischen Rezipienten und fiktionaler Figur gelingt nur, wenn die Figur überzeugt. Wenn sie fesselt. Fasziniert. Oder man sich an ihr reiben kann. Wenn sie keine Schablone, sondern dreidimensional und abgerundet ist.
Als Beispiel vorab drei Figuren, die mir in der letzten Zeit besonders gefallen haben:
Da ist zum einen Stieg Larssons schroffe, genialische Heldin Lisbeth Salander, die trotz ihrer Stärke auch Opfer ist.
Zum zweiten Karen Duves Alex Herwig, die Protagonistin ihres Romans "Taxi", eine völlig entscheidungsunfähige, eigentlich ängstliche Figur, die sagt: "Ich wusste, dass ich alles aushalten konnte. Das war meine Stärke. Mir war noch nie irgendetwas Entscheidendes in meinem Leben gelungen, aber aushalten konnte ich alles." Und aushalten muss sie. Und dabei entwickelt sie eine erstaunliche "Toughheit".
Als Drittes der von Robert Atzorn gespielte Jon Ewermann im ZDF-Film "Im Gehege", ein arroganter, gefühlskalter Kerl, der sich in einem Liebeswahn wiederfindet und dabei über Leichen geht.

Gute Anregungen! Dankeschön!