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Spannende Trainings, begeisterte Zuhörer: der Praxis-Ratgeber für Trainer- und Dozenten-Neulinge

Körpersprache

Damit sind wir beim nächsten Punkt, der in einer Schulung wichtig ist und ebenfalls "zwischen den Zeilen" vermittelt wird: die Körpersprache. Da kann man so viel falsch machen, dass es mehrere eigene Beiträge ("'Worüber reden Sie eigentlich?' - Lebendige Vorträge halten" oder "Reden halten: Fesseln statt faseln!") wert ist.

Vor allem ist es erstaunlich, wie viel auch tatsächlich falsch gemacht wird. Daher möchte ich Ihnen einen Überblick geben, woran Sie denken sollten. Es beginnt wie immer am Anfang, nein, sogar noch vorher. Sind Sie nämlich schlecht vorbereitet oder haben Sie eigentlich keine Lust auf die Schulung, werden Sie das ausstrahlen.

Selbst wenn Sie wegen einer langen Anfahrt noch müde sind, sollten Sie sich vor Betreten des Schulungsgebäudes schon ganz klar selber sagen, dass Sie diese Schulung gerne machen und sich darauf freuen. Schließlich haben Sie ja ganz tolle Sachen vorbereitet und die Teilnehmer sind auch schon ganz wild darauf, etwas Neues zu lernen. Grinsen Sie frech in die Gegend, um die Gesichtsmuskulatur zu lockern, und dann los!

Sind Sie zuerst im Raum und bereiten Sie noch dies und jenes vor, so kommen die Teilnehmer meistens einzeln oder in Kleingrüppchen hereingetröpfelt. Es ist eine selbstverständliche Höflichkeit, dass Sie Ihre Arbeit kurz unterbrechen und die Hereinkommenden begrüßen.

Manche gucken direkt auf die Tische und überlegen, welchen Platz sie nehmen wollen, da reichen ein Kopfnicken und ein paar freundliche, einladende Worte. Andere kommen auf Sie zu, geben Ihnen die Hand und stellen sich mit Namen vor. Dann stehen Sie natürlich auf und erwidern die Begrüßung. Beides ist richtig, denn die Kursteilnehmer entscheiden für sich, wie mutig sie sich schon fühlen.

Der Kurs selber beginnt mit einer deutlichen Zäsur. Ich mache zum Beispiel demonstrativ die Tür zu, nehme einen großen Marker und schreibe am FlipChart meinen Namen an. Auch wenn ich meistens ein ausgedrucktes Namensschild auf dem Dozenten-Tisch stehen habe, enthält das die Botschaft "ich werde auch etwas anschreiben". Abgesehen davon haben die meisten Teilnehmer das Namensschild sowieso noch nicht entdeckt und notieren sich schnell meinen Namen. In dieser Zeit hört auch das Murmeln auf, weil selbst die geschwätzigsten Teilnehmer merken, dass sich vorne etwas tut.

Danach drehe ich mich zum Publikum um und stelle mich vor. Im doppelten wörtlichen Sinne übrigens: Ich stelle mich vor die Teilnehmer und ich sage meinen Namen. Dadurch, dass ich den Namen vorher schon angeschrieben hatte, muss nun keiner Angst haben, diesen bei der mündlichen Vorstellung zu verpassen.

Damit ist klar vermittelt, dass Sie als Trainer die Leitung haben und bestimmen, was wann gemacht wird. Sie sind der einzige, der steht und haben daher im wörtlichen Sinne die höhere Position.

Jetzt folgt die Vorstellungsrunde und da können Sie genau diese Botschaft wieder zurücknehmen. Häufig gibt es bei U-förmiger Tisch-Aufstellung noch ein paar freie Randtische vorne, wo keiner sitzen will. Dort setze ich mich oft drauf, baumele mit den Beinen und rede nacheinander mit jedem einzelnen Teilnehmer über seine Vorerfahrungen, Wünsche oder Probleme.

Das ist ein (öffentliches) Zwiegespräch auf Augenhöhe, weshalb ich absichtlich die zentrale Stellung als Trainer verlasse. Deswegen sitze ich auch, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, nicht auf dem Trainertisch. Vielleicht kennen Sie das Tisch-Sitzen noch von früher, wo Lehrer das gemacht haben. Immerhin kommen die dann vor ihrem Schutzschild "Lehrertisch" hervor, aber sie sind weiterhin "vorne".

Vor allem bei der Tisch-Anordnung des Typs "Frontalunterricht" ist es meistens schwierig, einen freien Tisch zu finden. Vor allem säßen Sie ja dann eventuell mit dem Rücken zu den Teilnehmern. Dann sitze ich auch schon mal auf der Fensterbank.

Distanz wahren!

Setzen Sie sich nie auf den Tisch eines Teilnehmers! Damit dringen Sie in seine persönliche Zone ein (und das auch noch mit einem übel beleumundeten Körperteil), die ungefähr ab einem halben Meter Abstand beginnt. Das empfindet ein Mensch, der Sie noch kaum kennt oder nur beruflich mit Ihnen zu tun hat, als unangenehme Grenzüberschreitung.

An seiner Körpersprache werden Sie sofortige Änderungen erkennen können, beispielsweise durch Zurücklehnen (Abstand wiederherstellen) oder an verschränkten Armen (neue Grenze ziehen). Entsprechend verschließt er sich für die Kommunikation mit Ihnen.

Sobald Sie wieder die Richtung vorgeben, sollten Sie auch wieder aufstehen. Damit wird klar, dass Sie nun wieder Ihre Funktion als Leiter der Gruppe aufnehmen. Wobei es keineswegs so ist, dass Sie sitzend die Gruppe nicht leiten würden, aber dann erhalten die Teilnehmer etwas mehr "Freiheit".

Diesen Wechsel in der Position sollten Sie auch im laufenden Kurs beibehalten:

  • Aufgaben zur weiteren Bearbeitung formulieren Sie stehend am Trainertisch, denn es handelt sich um zwar freundlich formulierte, aber doch klare Anweisungen.

  • Theoretisches Wissen erläutern Sie seitlich vom Whiteboard aus. Das dient nicht nur zum Schreiben, Kritzeln, Visualisieren, sondern auch als Positionswechsel. Der Platz am Rande entspricht einem "Zwischenruf", wie er hier im Text etwa durch hellgrau hinterlegte Tipps unterschieden wird.

  • Während einer Bearbeitungsphase für Übungen dürfen Sie vorne sitzen und ruhig ein wenig in Ihren Unterlagen kramen oder ähnlich Belangloses machen. Alternativ können Sie auch herumschlendern und bei allen mal ein wenig über die Schulter gucken. Ich vermeide das Herumgehen allerdings, weil sich gerade die unsicheren Teilnehmer dann unangenehm beobachtet fühlen.

Abwesenheit

Es gibt verschiedene Arten, sich körpersprachlich aus dem Kurs zu entfernen. Sie können am Tisch ein paar Notizen machen oder am Bildschirm ein bisschen tippen, während Sie zwischendurch immer mal wieder kurz in die Runde schauen. Das ist für die Teilnehmer das Signal, dass sie in Ruhe gelassen werden, aber trotzdem jederzeit Fragen an Sie stellen können.

Ich habe aber auch schon gehört, dass Trainer dann telefonieren oder Zeitung lesen. Das ist schlicht unhöflich.

  • Einzelbetreuungen erfolgen nicht von vorne aus, selbst wenn ein Teilnehmer Sie während einer Übung fragt und Sie noch vorne sitzen, um die Gruppe alleine arbeiten zu lassen. Dann stehen Sie auf und gehen zu dem Teilnehmer hin, damit die übrigen wissen, dass sie nicht zuhören müssen.

Sobald Pausen beginnen, muss für alle Teilnehmer klar sein, was jetzt erlaubt ist. Ich kündige erstens an, bis wann die Pause geht, und mache vor allem zweitens die Tür auf, obwohl ich selber oft gar nicht den Raum verlasse. Damit weiß die Gruppe, dass es jetzt erlaubt ist, den Raum zu verlassen (und dass der Kurs weitergeht, wenn ich die Tür schließe).

Uhrzeit beachten

Der Respekt vor den Teilnehmern verlangt, dass Sie sich an die von Ihnen (oder vom Veranstalter) festgelegten Zeiten halten. Es macht aber ziemlich nervös, wenn Sie alle Viertelstunde auf die Armbanduhr schauen. Manche Kollegen legen sich daher die Uhr auf den Tisch. Oder sie nehmen ein Handy, dessen Display die Uhrzeit in großen Ziffern anzeigt (bitte darauf achten, dass es stumm geschaltet ist!).

Ich lasse lieber die Taskleiste des Trainerrechners aktiviert, weil dort rechts unten die Uhrzeit ebenfalls sichtbar ist. Das hat den Vorteil, dass ich sowieso immer mal auf den Bildschirm sehe und daher niemandem auffällt, ob ich die Uhrzeit lese. Vor allem nicht, wenn ich zum Trainertisch zurückgehe und dabei mit dem Rücken zum Publikum das Beamerbild ansehe.

Es wäre schön, wenn Sie in der Pause tatsächlich Pause hätten. Tatsächlich aber wechseln Sie meistens eigentlich nur von der Rolle des Trainers in die des Betreuers. Sie müssen ein Auge darauf haben, ob die Kaffeemaschine läuft oder jemand die Toiletten sucht oder noch verzweifelt am Platz bleibt, weil er unbedingt noch etwas ausprobieren will.

Ihre Körpersprache signalisiert weiterhin, dass Sie ansprechbar sind (und je nach Typ der Teilnehmer auch angesprochen werden), aber jetzt gerade von niemandem etwas erwarten. Erst wenn die Pause vorbei ist, sammeln Sie notfalls die Teilnehmer auch von Raucherecken, langen Fluren oder aus Teeküchen wieder ein, wenn Sie dabei nicht durchs ganze Gebäude laufen müssen.

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