Nebenberuflich selbstständig: Tipps und Informationen für Ihre Gründung im Nebenerwerb

Worauf Sie achten müssen und was Sie wissen sollten: Genehmigungen, Steuern, Buchführung, Krankenversicherung, Kalkulation, Akquise etc.

Von: Robert Chromow
Stand: 25. April 2013 (aktualisiert)
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Die Zahl der nebenberuflich Selbstständigen steigt – und das mit gutem Grund. Unser Ratgeber hilft Ihnen beim Start, wenn auch Sie von Zeit zu Zeit nebenher selbstständig arbeiten wollen:

  • Sie erfahren, wie Sie als "Nebenerwerbs-Unternehmer" Ärger mit Arbeitgeber, Vermieter, Finanzamt und anderen Behörden vermeiden und wie es mit der Sozialversicherung aussieht.

  • Wir geben Ihnen praxistaugliche Tipps rund ums Geld: zum Aufbau Ihrer Buchführung, zu Steuern, zum Mahnwesen und für Ihre Kalkulation.

  • Außerdem unterstützen wir Sie in Ihrem Alltag als nebenberuflich Selbstständige mit Know-how, Tipps und Tricks von der Grundausstattung über Kundenakquise bis zum "einsamen" Arbeiten im Heimbüro.

Nebenberuflich selbstständig: Gründe und Trends, Vor- und Nachteile

Ein Blick in den aktuellen "Gründungsmonitor 2012" (PDF, Langfassung, 885 KB) der KfW-Mittelstandsbank zeigt, dass im vergangenen Jahr die Mehrheit (53 %) aller Gründungen wieder einmal Nebenerwerbsgründungen waren. Und es ist wahrlich nicht nur bloße wirtschaftliche Not, die Menschen dazu bringt, über eine der vielen möglichen Formen nebenberuflicher Selbstständigkeit nachzudenken:

  • Arbeitnehmer, die sich durch ihren Hauptberuf nicht ausgelastet fühlen, erhoffen sich mehr Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung, indem sie sich ein zusätzliches Betätigungsfeld suchen.

  • Potenzielle Umsteiger testen, ob der geplante Wechsel vom Hobby zum Hauptberuf wirtschaftlich tragfähig ist.

  • Neugierige möchten am eigenen Leib erfahren, ob sie dem Abenteuer Selbstständigkeit gewachsen sind. Eine ausgesprochen sinnvolle Überlegung übrigens: Denn am "Learning by doing" führt im Geschäftsleben letztlich kein Weg vorbei: Fachliches und kaufmännisches Know-how ist zwar in gewissen Grenzen erlernbar – echte Selbstständigkeit lässt sich aber beim besten Willen nicht als VHS-Kurs simulieren.

  • Von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitnehmer möchten auf den Fall der Fälle vorbereitet sein: Ein nahtloser Übergang in die Selbstständigkeit macht sich im Lebenslauf einfach besser als die wenig attraktiv wirkende Arbeitssuche aus der Arbeitslosigkeit heraus.

  • Ältere Arbeitnehmer suchen einen Weg, ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Erfahrungen nach dem Übergang in den Ruhestand auf selbstbestimmte Weise zu nutzen: Eine nebenberufliche Selbstständigkeit bietet die Möglichkeit, die Annehmlichkeiten einer interessanten und sinnvollen Beschäftigung mit dem Nützlichen in Form eines willkommenen finanziellen Zubrots zu verbinden.

  • Nicht zu vergessen: der "Status-Vorteil". Angenommen, Sie werden plötzlich arbeitslos: Falls Sie die organisatorischen Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit rechtzeitig geschaffen und bereits einige Erfahrungen gesammelt haben, werden Sie im Handumdrehen zum Unternehmer oder Freiberufler!

    In den Augen von Angehörigen, Freunden und Nachbarn stehen Sie so entschieden besser da, als wenn Sie sich ins unfreiwillige Schicksal einer hilflosen "Couch-Potato" ergeben! Es muss ja nicht für immer sein: Menschen, die wiederholt zwischen Selbstständigkeit und abhängigen Beschäftigungen hin- und herwechseln, gelten hierzulande zwar noch als Exoten. Das wird sich in den nächsten Jahren aber grundlegend ändern.

Manchmal gibt es aber auch ganz triviale Gründe für eine kurzfristige Nebenerwerbs-"Gründung": So kommt es nicht selten vor, dass ein potenzieller Auftraggeber die Vergabe eines interessanten Projektauftrags an die Bedingung knüpft, dass eine Bezahlung "auf Rechnung" möglich ist.

Ganz gleich, ob Sie selbstständige Nebentätigkeiten aufgrund finanzieller Zwänge oder aus Selbsterfahrungs-, Trainings-, Status- oder Sicherheitserwägungen ins Auge fassen: Sie liegen definitiv im Trend! Wer in einer sich rasant entwickelnden wirtschaftlichen Umgebung auf einem extrem schwierigen Arbeitsmarkt mit den Grundlagen des Geschäftslebens vertraut ist und praktische Erfahrungen als Selbstständiger gesammelt hat, kann, falls nötig, jederzeit blitzschnell auf geänderte Bedingungen umschalten. Ihren Job können Sie zwar verlieren, sie bleiben aber aus eigener Kraft handlungsfähig.

Das Versprechen "Nie wieder arbeitslos durch selbstständige Nebentätigkeit!" wäre angesichts schwieriger Marktverhältnisse gewiss überzogen. Die Angst vor Arbeitslosigkeit und die damit zusammenhängenden lähmenden Ohnmachtsgefühle sinken durch erfolgreiche Gehversuche als Freiberufler oder Kleingewerbetreibender aber allemal.

Freiheit für Multitalente und Abenteurer!

In der Anfangsphase jeder noch so "kleinen" nebenberuflichen Selbstständigkeit tun sich erfahrungsgemäß viele Fragen auf. Die häufigsten sollen in den folgenden Kapiteln beantwortet werden.

Vorab jedoch die wichtigste Botschaft: Lassen Sie sich nicht abschrecken oder entmutigen! Zugegeben: Deutschland ist eine Bürokratie-Hochburg. Doch die Hürden vor dem Einstieg in das Unternehmertum, insbesondere das Vermarkten von Dienstleistungen auf eigene Rechnung, sind viel niedriger, als die meisten Menschen glauben.

Ja, Finanz- und andere Ämter interessieren sich für Ihr Tun. Und sie wollen etwas vom Kuchen abhaben, wenn es denn etwas zu verteilen gibt. Solange sie sich an die wichtigsten Spielregeln halten, kommen Solo-Selbstständige und andere "kleine Krauter" aber meist ungeschoren davon. Im Zuge des allgemein wesentlich verbesserten Gründungsklimas ist auch die behördliche Toleranz gegenüber Kleinstgründungen spürbar gewachsen.

Mindestens ebenso wichtig: Selbst wenn wirtschaftliche Zwänge Auslöser für Ihre Nebenberufs-Gründung sind, sollten sie sich ihren Zweitjob von missgünstigen Kollegen oder "Freunden" nicht als peinliche, "zweitklassige" Zusatzbeschäftigung vermiesen lassen: Betrachten Sie ihn lieber als Abschied von der Angestellten-Einöde, als berufliche Bereicherung und Teil eines handlungsorientierten lebenslangen Lernens.

Darf ich das überhaupt?

Los geht's mit der häufigsten Frage: Brauche ich eine Erlaubnis für mein Vorhaben?

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Hauptberuflich Student und Nebenberuflich Versicherungsbranche

Hallo,

ich bin Student und arbeite seit längerem nebenbei in der Finanz- bzw. Versicherungsbranche. Dadurch verdiene ich jeden Monat Geld durch Provisionen, welches ich natürlich in meiner Steuererklärung angeben muss. Ich muss jetzt meine Steuererklärung für 2013 machen und habe in diesem Jahr ca. 9000 € verdient. Bei meiner letzten Steuererklärung von 2012 lag ich unter der 8000 Euro-Grenze und ich musste keine Steuern auf meinen Verdienst zahlen. Jetzt meine Fragen: Stimmt diese Grenze überhaupt? Ich habe natürlich auch relativ hohe Werbungskosten durch die Fahrten zu Kunden. Bis zu welcher Grenze werden diese anerkannt und wie wirkt sich das im Endeffekt aus? Wo muss ich die dann in der Steuererklärung angeben und was wird das Finanzamt dann von mir für Nachweise verlangen? Was kann ich noch machen um mein zu versteuerndes Einkommen zu senken?

Herzlichen Dank im Voraus!

Selbständigkeit als Student mit Werksstudententätigkeit

Hallo,

ich werde in 2 Monaten meinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik abschließen und anschließend ein Masterstudium beginnen.

Um Geld zu verdienen ist der Plan eine Werksstudententätigkeit zu beginnen, hier habe ich auch bereits entsprechende Angebote. Zeitlich dürfte das ganze zwischen 10-15h pro Woche betragen. Verdienst pro Monat ist etwa die 450 € Grenze - je nach Zeitaufwand (in den Semesterferien arbeite ich evtl. etwas mehr).

Nun lange Rede kurzer Sinn - ich möchte gerne zusätzlich eine selbständige Nebentätigkeit (IT-Beratungsthemen) beginnen. Der Aufwand beläuft sich hierbei auf etwa 5-10h pro Woche durchschnittlich. Rein vom Zeitwand ist das für mich gut zu managen, falls dies bzgl. Fragen aufkommen sollten.

Problem: ich werde sicherlich ein Gewerbe anmelden müssen, da diese Tätigkeit nicht der Ausnahme eines Freiberuflers laut Katalog entspricht. Krankenversicherung etc. wäre planmäßig über die Studentenversicherung abgewickelt.

Was wäre hier ratsam zu wählen oder abzuklären, welche Rechtsform ist empfehlenswert? Wie wird sich das Gesamte auf die Sozialversicherungen auswirken?

Viele Grüße,
Fred H.

Antwort: Selbständigkeit als Student mit Werksstudententätigkeit

Hallo Fred,
sorry für die verspätete Antwort: Dreh und Angelpunkt des Werkstudenten-Status ist unter Sozialversicherungs-Gesichtspunkten nicht die Rechtsform der Selbstständigkeit, sondern die wöchentliche Arbeitszeit:

1. Während des Semesters dürfen Sie m. W. nicht länger als insgesamt 20 Wochenstunden ("halbtags") arbeiten: Anderenfalls gilt das Studium unter Umständen nicht mehr als Hauptberuf.

2.
Mit der Abgrenzung zwischen Freiberuflichkeit und Gewerbe würde ich es zu Anfang nicht zu genau nehmen: Da bis zu einem Jahresgewinn von 24.500 Euro ohnehin keine Gewerbesteuer anfällt, sind die Finanzämter bei selbstständigen Beratungstätigkeiten nicht besonders pingelig. Solange Sie Ihre Steuerpflichten erfüllen, werden Sie als Berater vermutlich auch nicht vom Gewerbeamt unter die Lupe genommen. Andererseits: Wenn Ihnen der Gewerbeschein wichtig ist, spricht auch nichts dagegen. Die Details besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater.

3.
Was die Sozialversicherungs-Folgen betrifft: Sofern die genannte Arbeitszeit-Obergrenzen eingehalten werden, sind Studierende gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 3 SGB V
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__6.html
versicherungsfrei in der gesetzlichen Krankenversicherung und gemäß
§ 27 Abs. 4 SGB III
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__27.html
versicherungsfrei in der Arbeitslosenversicherung.

Da die Beschäftigung unter der 450-Euro-Geringfügigkeitsgrenze liegt und selbstständige IT-Berater nicht zu den rentenversicherungspflichtigen Selbstständige gehören, fallen meiner (völlig unmaßgeblichen :-)) Meinung nach auch keine Rentenversicherungsbeiträge an.

Um sicher zu gehen, besprechen Sie die Details Ihres Einzelfalles am besten mit Fachleuten (z. B. an die Sozialberatung Ihrer Hochschule).

Mit Krankenversicherungsfragen wenden Sie sich an die "Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD)"
http://www.unabhaengige-patientenberatung.de/
(bundesweite Hotline: 0800 0117722)

Fragen zur Rentenversicherung beantwortet zum Beispiel die Deutschen Rentenversicherung (DRV):
(kostenloses Servicetelefon: 0800 1000 480 70)

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Wertvolle Hinweise

Ich finde den Artikel sehr interessant und auch für etwas "erfahrenere Gründer" (ich habe 2 Firmen gegründet) interessant. Ich kann auch der-onlinesteuerberater.de empfehlen, dort gibt es ein kosnteloses Buhhaltungstool. Habe mich dort angemeldet und mache meine Umsatzsteuervoranmeldung kostenfrei via ELSTER. Meinen Jahresabschluss mache ich dann mit den eingespeicherten Daten selber. Kann ich nur empfehlen und für Gründer ist es cool, weil die große Hürde Umsatzsteuervoranmeldung entfällt.
Liebe Grüße!
Thomas

Frage zwecks Nebenerwerbstätigkeit, Arbeitsvertrag.

So wie ich den Beitrag verstehe, brauche ich vom Arbeitgeber keine Einwilligung um ein Gewerbe nebenbei zu betreiben?

Dazu nun meine zweite Frage, in meinem Arbeitsvertrag steht ich brauche die schriftliche Einwilligung des Arbeitgebers? Ich bin im Lebensmittel Einzelhandel haben auch des öfteren Aktionsartikel (Non-Food), darf ich trotzdem dann Online Elektronik Artikel verkaufen? Oder Verstoße ich dann gegen ein Gesetz wegen Konkurrenz handeln?

Ich Danke schon im Vorraus hoffe man versteht die Fragen

Konkurrenzschutz

Guten Tag,

wie immer muss ich darauf hinweisen, dass wir keine Rechtsberatung im Einzelfall leisten können oder dürfen. Deshalb nur ganz allgemein: Der Chef kann seinen Angestellten gegenüber nur dann auf einer Erlaubnispflicht für selbstständige Nebentätigkeiten beharren, wenn diese seine eigenen Geschäftsinteressen berühren, z. B. weil dadurch Wettbewerbsfragen berührt sind oder der Angestellte seine im Arbeitsvertrag zugesicherte Leistung nicht mehr erbringen kann. Das ist seit langem Stand der Rechtsprechung.

Dass ein Online-Handel für Elektronik als Beeinträchtigung für den stationären Supermarkt gewertet wird, kann ich mir nur schwer vorstellen. Aber die endgültiche Entscheidung hängt von den Besonderheiten Ihres Einzelfalls ab.

Abgesehen davon: Informieren müssen Sie Ihren Arbeitgeber über Ihre Nebentätigkeit im Allgemeinen ohnehin. Was spricht dagegen, dann gleich einmal auszuloten, ob dort Bedenken bestehen? Vielleicht ist das Problem ja schlicht gar keines ...

beste Grüße und viel Erfolg
Ihre akademie.de-Redaktion

Antwort: Frage zwecks Nebenerwerbstätigkeit, Arbeitsvertrag.

Jein, im Beitrag heißt es zu dieser Frage vielmehr:

------------ Zitat ----------------
Viele Arbeitsverträge schreiben vor, dass Arbeitnehmer ihren Chef über Nebenbeschäftigungen informieren müssen. Nicht selten sehen Arbeits- und Tarifverträge sogar vor, dass Beschäftigte für die Aufnahme einer Tätigkeit eine Genehmigung brauchen. Ungeachtet dessen sind Arbeitsgerichte in der Vergangenheit immer wieder zu dem Ergebnis gekommen, dass

* eine solche Genehmigung im Allgemeinen als reine Formsache zu betrachten ist,
* Verbote nur in besonderen Ausnahmefällen erlaubt sind und
* ein Verstoß gegen eine Meldepflicht zudem keine gravierende Verletzung des Arbeitsvertrages ist, die womöglich eine Kündigung rechtfertigen würde.
----------Zitat-Ende --------------

Zwar bezweifle ich, dass ein Arbeitgeber der Einzelhandelsbranche seinen Mitarbeitern den Online-Handle mit Elektronik-Artikeln verbieten kann.

Trotzdem: Wenn in Ihrem Arbeitsvertrag steht, dass Sie für das Betreiben eines Nebengewerbes die schriftliche Einwilligung Ihres Arbeitgebers benötigen, sollten Sie prüfen lassen, ob diese Einschränkung in Ihrem Einzelfall zulässig ist. Sie können sich mit diesem Anliegen zum Beispiel an Ihre Gewerkschaft wenden.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Teilzeitanstellung und nebenberufliche Selbständigkeit

Sehr geehrter Herr Chromow,

mich würde interessieren, wie die Abgrenzung von haupt- und nebenberuflicher Tätigkeit bezüglich einer Krankenversicherungspflicht vor sich geht, wenn ich mit 12 Stunden/Wo (als Sprachlehrer 16 Unterrichtseinheiten) sozialversicherungspflichtig angestellt bin und mir nebenberuflich etwas hinzuverdienen will. Ich liege unter den monatlichen Bezugsgröße von 1.347,50 Euro.
Würde die Teilzeitanstellung im Sinne der Krankenversicherungspflicht noch als hauptberuflich gelten, solange die Einnahmen der Nebentätigkeit nicht überwiegen? Zeitlich wäre die Nebentätigkeit im Beratungsbereich nicht mehr als 10 Stunden/Wo.
Werden zur Einschätzung der Nebentätigkeit die gesamten Einnahmen zugrunde gelegt oder nur der Gewinn?
Ich bin etwas irritiert wegen des von Ihnen genannten Grundsatzes:
"Bei Arbeitnehmern, die pro Woche 20 Stunden oder weniger abhängig beschäftigt arbeiten und nicht mehr als die Hälfte der monatlichen Bezugsgröße verdienen (50 % von 2.695 Euro = 1.347,50 Euro, Stand: 2013), gelten zusätzlich ausgeübte selbstständige Tätigkeiten grundsätzlich als hauptberuflich."
Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Antwort

M. Rother

Antwort: Teilzeitanstellung und nebenberufliche Selbständigkeit

Guten Tag, Herr / Frau Rother,
welche Tätigkeit oder Beschäftigung haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird, müssen die Krankenkassen in der "Gesamtschau jedes Einzelfalls" entscheiden. Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle leider nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

Das von mir genannte Prinzip entstammt den "Grundsätzlichen Hinweisen zum Begriff der hauptberuflich selbstständigen Erwerbstätigkeit", die vom GKV-Spitzenverband veröffentlicht wurden. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im Beitrag
"Selbstständigkeit als Hauptberuf oder als Nebenberuf: Die Kriterien der Krankenversicherung"
http://www.akademie.de/wissen/haupt-oder-nebenberuf
Dort können Sie die GKV-Richtlinie auch im Volltext herunterladen. Wichtig: Ein Abweichen von der "grundsätzlichen" Einstufung ist im Einzelfall jederzeit möglich!

Tipp: Mit Fragen zu Ihrem Einzelfall können Sie sich zum Beispiel an die "Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)"
http://www.unabhaengige-patientenberatung.de/
wenden. Dort gibt es kostenlose und neutrale Beratungen an 21 regionalen Standorten sowie telefonisch unter 0800 0117722. Sprechzeiten Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr und Donnerstag 10 bis 20 Uhr.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Ihre Antwort

Hallo Herr Chromow,

ich habe mich über Ihre schnelle Antwort gefreut. Vielen Dank für die kenntnisreichen Angaben.
Durch die Datei vom GKV lässt sich alles besser einordnen, danke auch für den Link zur Patientenberatung.

Markus Rother

AlG1 und selbstständiges Nebeneinkommen

Guten Tag,
zunächst die konkrete Frage:
Welche Ausgabenposten genau können / dürfen bei der Gewinn-Verlust-Aufstellung aus nebenberuflicher Selbstständigkeit geltend gemacht und gegen den Gewinn gegen gerechnet werden - bei gleichzeitigem Bezug von AlGeld 1?

Mein Hintergrund:
Als langjährige Freiberuflerin (Trauerrednerin) habe ich mich vor fünf Monaten arbeitslos gemeldet, beziehe AlG 1 aus der Freiwilligen AlVersicherung und bin nunmehr nur noch nebenberuflich selbstständig (plane aber die erneute Selbstständigkeit mit Erweiterung). Entsprechend reiche ich monatlich meine Gewinn- Verlustrechnung samt Belegen beim Arbeitsamt ein.

Neben den entsprechenden Leistungsbescheiden erhielt ich inzwischen mehrere Schreiben von der Leistungsabteilung der Agentur für Arbeit ähnlichen Inhalts. Ich zitiere:
„In der mir vorliegenden Aufstellung …führen Sie… Berufsverband, Website, Website Akademie, Fachliteratur, Handykarte, Fortbildung Gewaltfreie Kommunikation im Klinikum, Büromiete und weitere Kosten auf. Dieses kann nicht anerkannt werden…. “ Die eingereichten Unterlagen könnten höchstens beim Lohnsteuerjahresausgleich geltend machen. Eine Erstattung der Werbungskosten könnte nur für die Fahrkosten erfolgen, heißt es weiter.

Die Reaktionen der Arbeitsagentur haben mich irritiert. Bislang war ich selbstverständlich davon ausgegangen, dass ich die Ausgaben, die mir im Zusammenhang mit meiner Arbeit entstehen, auch gegen den Gewinn gegen rechnen könne, so wie Sie es auch in Ihrer Schrift „Selbstständig statt arbeitslos“, Kapitel 2 S. 30ff., anführen. Haben sich diesbezüglich die Vorschrifte/ Gesetze bei der Agentur für Arbeit geändert?

Vielen Dank für eine Antwort im Voraus!

Und mit freundlichen Grüßen

Antwort: AlG1 und selbstständiges Nebeneinkommen

Guten Tag,
bei der Ermittlung des auf das ALG I anzurechnenden "Nebeneinkommens" aus selbstständiger Tätigkeit gelten lt. SGB III grundsätzlich die Vorschriften des Einkommensteuerrechts. (Anders sieht es beim ALG II aus: Das SGB II schreibt eine deutlich ungünstigere Gewinnermittlung vor - Stichwort "Anlage EKS").

Zurück zum ALG I: Die Grundlagen der Anrechnung von Nebeneinkommen sind in § 155 SGB III geregelt:
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__155.html
In den Weisungen der Bundesagentur für Arbeit heißt es dazu genauer:
------------ Zitat ----------------
(1) Das Erwerbseinkommen wird durch den Überschuss der
Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ermittelt. Als
Betriebsausgaben sind 30 % der Betriebseinnahmen anzusetzen,
soweit nicht höhere Betriebsausgaben nachgewiesen werden.
Maßgebend sind die Betriebseinnahmen und –ausgaben im Leistungszeitraum. Maßgebend ist der Einnahmeüberschuss aus der
selbständigen Tätigkeit und nicht das zu versteuernde Einkommen.

(2) Betriebseinnahmen sind grundsätzlich alle betrieblich veranlassten Zuflüsse in Geld oder Geldeswert.

(3) Betriebsausgaben sind alle Aufwendungen, die durch den Betrieb
veranlasst sind. Betriebsausgaben sind insbesondere (ggf. anteilige) Aufwendungen für Betriebsräume (Miete, Beleuchtung, Heizung, Reinigung), Aufwendungen für Hilfskräfte (Lohn, Arbeitgeberanteil der Sozialversicherungsbeiträge), Aufwendungen, die sonst als Werbungskosten (§ 9 EStG) von den Einkünften aus nicht selbständiger Arbeit abgezogen werden, soweit sie bei der Ausübung der selbständigen Tätigkeit entstanden sind, sowie Beiträge zu Berufsständen und Berufsverbänden. Ebenfalls als Betriebsausgaben zu berücksichtigen sind Absetzungen für Abnutzung oder Substanzverringerung (§ 7 EStG). Bei privat und öffentlich finanzierter Kindertagespflege können pauschal 300 € pro Monat und Kind als Betriebsausgaben berücksichtigt werden. Die
Betriebsausgaben sind zeitanteilig im Leistungszeitraum den
Betriebseinnahmen gegenüberzustellen.
----------Zitat-Ende --------------

Ein Ausschluss bestimmter betrieblich veranlasster Ausgaben aus der Berücksichtigung bei der Einnahmenüberschussrechnung ist aus dieser Vorschrift nicht herzuleiten. Es gibt aus meiner Sicht daher überhaupt keinen Grund für die restriktive Interpretation der Einkommensermittlung Ihrer Arbeitsagentur. Ich kann die Details Ihres Falls nicht beurteilen: Ein Widerspruch gegen den willkürlichen Ausschluss einzelner Ausgabenpositionen scheint mir aber aussichtsreich.

Über die Rechtslage in Ihrem konkreten Einzelfall sprechen Sie am besten mit einer Arbeitslosen-Beratungsstelle, einer Arbeitslosen-Initiative oder einem Rechtsanwalt / einer Rechtsanwältin, die oder der sich mit dem Sozialrecht auskennt.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow
PS: Lassen sie uns wissen, was aus den haarsträubenden Bescheiden geworden ist? Vielen Dank!

Danke!!

Lieber Herr Chromow,
1000 Dank für Ihre Antwort vor einiger Zeit, die mir entscheidend den Rücken gestärkt hat für meinen Widerspruch bei der Agentur für Arbeit. Ihre Infos haben mir gereicht, den Widerspruch selbstständig zu formulieren. Dieser wurde inzwischen bearbeitet, ihm wurde vollständig stattgegeben und ich erhielt eine Nachzahlung!

Herzliche Grüße von einem dankbaren akademie- Mitglied

Antwort: Danke!!

Vielen Dank für Ihre nette Rückmeldung: Ich habe mich sehr darüber gefreut!

Weiterhin viel Erfolg und herzliche Grüße
Robert Chromow

Danke für die schnelle Antwort!!

Lieber Herr Chromow,
vielen Dank für Ihre superschnelle Antwort!! Und auch für die Empathie zwischen den Zeilen.
Ja, ich hatte in den vergangenen Monaten ausreichend Zeit, mich in Freundlichkeit und Gewaltfreier Kommunikation gegenüber meinem Sachbearbeiter in der Leistungsabteilung zu üben! Auch fühlt man/ frau sich so ausgeliefert, weil die Kommunikation mit der Leistungsabteilung nur postalisch oder aber über die zentrale Telefonnummer läuft.

Ihre Antwort hat mich darin bestärkt, jetzt doch etwas zu unternehmen (obwohl ich Besseres mit meiner Zeit und Energie zu tun wüsste!!). Ich werde zu gegebener Zeit berichten.

Mit guten Wünschen und herzlichem Gruß

Nebenerwerb im selben Betrieb der Haupttätigkeit

Hallo,

da in unserer Abteilung ein chronischer Fachkräftemangel herrscht und viele Arbeiten an Dienstleister vergeben werden müssen, kam bei mir der Gedanke hoch ein Nebengewerbe anzumelden und für das Unternehmen in dem ich bereits tätig bin, meine Leistung, beispielsweise Samstags anzubieten.

Intern gilt die Einschränkung das ich nicht in direktem Wettbewerb zum Unternehmen stehen darf.

Es handelt sich dabei um Inbetriebssetzungstätigkeiten im Elektrogewerbe (Hochspannungsbereich). Industriemeistertitel ist vorhanden.

Vielen Dank im Vorraus!

Antwort: Nebenerwerb im selben Betrieb der Haupttätigkeit

Vielen Dank für die schnelle Antwort!

Gilt das auch wenn ich als geringfügig Beschäftigte im Nebengewerbe auftrete und meine Einnahmen auf 450€ pro Monat beschränke?

Fallbeispiel 2.:
Ich wechsel im selben Unternehmen die Tätigkeit als Ausbilder und bin nicht mehr aktiv am Wertschöpfungsprozess tätig.
Wäre dann die Tätigkeit im Nebengewerbe möglich?

Freundliche Grüße
Marek

Antwort: Nebenerwerb im selben Betrieb der Haupttätigkeit

Hallo Marek,
eine geringfügige Beschäftigung neben einer sozialversicherten Beschäftigung ist beim selben Arbeitgeber nicht möglich. Daran ändert auch eine Änderung der Aufgabenbeschreibung nichts.
Viele Grüße
Robert Chromow

Antwort: Nebenerwerb im selben Betrieb der Haupttätigkeit

Hallo Herr Chromow,

vielen Dank für die Antwort!
Wirklich super ihre Beratung!

Freundliche Grüße
Marek Hadrys

Antwort: Nebenerwerb im selben Betrieb der Haupttätigkeit

Danke, Herr Hadrys,
für Ihre nette Rückmeldung: Ich habe mich sehr darüber gefreut!

Alles Gute und herzliche Grüße
Robert Chromow

Antwort: Nebenerwerb im selben Betrieb der Haupttätigkeit

Hallo,
sofern es um die gleiche Tätigkeit geht, können Sie bei Ihrem Arbeitgeber nicht gleichzeitig als Arbeitnehmer und Auftragnehmer/Dienstleister arbeiten: Entweder Sie sind abhängig beschäftigt oder selbstständig tätig. So will es das deutsche Sozialgesetz. Die einschlägige Rechtsvorschrift finden Sie in § 7 SGB IV
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/__7.html ("Beschäftigung")

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Beitrag
"Freier Mitarbeiter oder abhängig beschäftigt? "
http://www.akademie.de/wissen/mitarbeiter-frei-oder-abhaengig

Nur zur Sicherheit: Der komplette Wechsel vom Angestellten-Status in die Selbstständigkeit ist aus Arbeitnehmer-Sicht in den seltensten Fällen eine gute Idee:
"Bisher angestellt, jetzt für den Chef auf Rechnung arbeiten?"
http://www.akademie.de/wissen/fuer-chef-auf-rechnung-arbeiten

Abgesehen davon dürfen Sie natürlich am Wochenende für Ihren Arbeitgeber arbeiten: Das sind dann Überstunden - aber wem sage ich das. :-)

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Nebenerwerb im selben Betrieb der Haupttätigkeit

Ach ja, die Frage natürlich:

Gibt es für diesen Fall rechtliche oder gar andere Einschränkungen bzw Vorschriften?

Rechnungstellung für geleistete Arbeit

Hallo,

ich habe bereits im Nov. und Dezember 2013 Büroarbeiten für einen selbstständigen Berater durchgeführt, da nicht sicher war wie lange und in welchen Umfang die Hilfe dauert und ich mir nun vorstellen kann das ganze als Gewerbe im Nebenerwerb auszubauen (bin angestellte Sachbearbeiterin)... kann ich nun nach einer Gewerbeanmeldung den Betrag für die Arbeit noch nachträglich per Rechnung (damit der Berater diese in Verbindung zu seinem Projekt absetzen kann) abwickeln, obwohl ich ja jetzt erst die Anmeldung gemacht habe und auch noch keine Steuernummer bekommen habe?

Danke für eine Info!!!! LG Marie

Antwort: Rechnungstellung für geleistete Arbeit

Hallo Marie,
eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle bekanntlich nicht möglich - daher nur ganz allgemein:

Ja, Sie dürfen grundsätzlich auch dann Rechnungen schreiben, wenn Sie noch keine separate betriebliche Steuernummer bekommen haben. Übrigens: Bei vielen Selbstständigen ist die "private" Steuernummer gleichzeitig die geschäftliche Steuernummer. Wenn Sie vorläufig Ihre private Steuernummer angeben, Sie sind m. E. auf der sicheren Seite.

Ganz gleich, ob mit oder ohne Rechnung: Ihre Einkünfte aus November und Dezember 2013 sind auf jeden Fall einkommensteuerpflichtig. Insofern ist es auch völlig in Ordnung, wenn Ihr Auftraggeber seine Ausgaben als Betriebsausgaben geltend macht.

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Rechnungsstellung

Hallo, Herr Chromow,

vielen herzlichen Dank für die prompte Antwort! Super!!!

Ich habe noch keine Bezahlung erhalten...
Können in so einem Fall auf EINER Rechnung die Posten angegeben werden für Leistung im Nov./Dez./Jan. oder können im Januar auch drei Rechungen gestellt werden woraus ersichtlich ist, wann die Tätigkeit ausgebübt wurde? Problem: soweit ich weiß darf ich nicht mehr wie 15h/Woche im Nebenerwerb arbeiten.

Nochmals Grüße von Marie

Antwort: Rechnungsstellung

Hallo Marie,
Ob Sie im Januar eine Rechnung über drei verschiedene Leistungszeiträume stellen oder drei separate Rechnungen schreiben, bleibt Ihnen überlassen. Das Finanzamt ist da tolerant.

Abgesehen davon: Wer sagt, dass Sie gelegentlich nicht mehr als "15h/Woche im Nebenerwerb arbeiten" dürfen? Zumal, wenn es sich abrechnungsbedingt um fiktive Wochenstunden handelt?

Solange aus dem Nebenerwerb nicht unversehens der eigentliche Hauptberuf wird (wodurch Probleme bei der Sozialversicherung entstehen können, vgl.
http://www.akademie.de/wissen/haupt-oder-nebenberuf), brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.

Wenn Sie nicht gegen (zulässige) Klauseln Ihres eigenen Arbeitsvertrags und das (in Bezug auf selbstständige Tätigkeiten ziemlich großzügige und dehnbare) Arbeitszeitgesetz verstoßen, kann Ihnen eigentlich nichts passieren. Was Sie sonst noch beachten sollten, können Sie im Kapitel "Genehmigungen und Anträge" unseres Nebenerwerbs-Leitfadens nachlesen:
http://www.akademie.de/wissen/nebenberuflich-selbststaendig/genehmigunge...

Alles Gute und lassen Sie sich bloß nicht ins Bockshorn jagen!

Herzliche Grüße
Robert Chromow

DANKE!!!

Lieber Herr Chromow, ich muss Sie einfach küssen ;-) - vielen herzlichen Dank! Sie haben mir sehr geholfen und ich werde alles ausführlich lesen! LG Marie

Nebenberuflich

Guten Tag,

ich habe eine kleine Frage an Sie, welche Sie mir vielleicht freundlicherweise beantworten mögen.
Ich bin in einem festangestellten Arbeitsverhältnis und habe die Möglichkeit mir nebenbei ca. 100.-€ durch Bürotätigkeit am PC selbstständig zu verdienen.
Wenn ich jetzt ein Kleinstgewerbe anmelden würde,wäre dies ja von der MwSt.bei der Rechnungsstellung befreit.
Falls es aus Zeitmangel nur bei diesem einen Auftrag über längere Zeit bleiben würde, würde dies eventuell als Scheinselbstständigkeit eingestuft werden oder gilt es trotzdem als unternehmerisch?
Vielen Dank für Ihre Mühe im voraus
Erika U.

Antwort: Nebenberuflich

Hallo Frau U.,
um das Thema Scheinselbstständigkeit brauchen Sie sich unter den genannten Bedingungen überhaupt keine Gedanken zu machen: Schon allein wegen der Geringfügigkeit des Auftragsvolumens kann Ihnen überhaupt nichts passieren.

Ausführliche Informationen zum Thema Scheinselbstständigkeit finden Sie bei Bedarf zum Beispiel in folgendem Beitrag
http://www.akademie.de/wissen/scheinselbststaendigkeit-gegenargumente-kr...

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Nur als Kindle-Version erhältlich?

Hallo,

ich würde gerne ihr Werk kaufen, allerdings scheue ich mich davor mir die Sache am Bildschirm durchzulesen. Kann man irgendwo eine gedruckte Fassung erwerben? ich habe zumindest nichts gefunden.

Vielen Dank bereits für ihre Antwort

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