Nebenberuflich selbstständig: Tipps und Informationen für Ihre Gründung im Nebenerwerb

Worauf Sie achten müssen und was Sie wissen sollten: Genehmigungen, Steuern, Buchführung, Krankenversicherung, Kalkulation, Akquise etc.

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Stand: 26. April 2013 (aktualisiert)

Die Zahl der nebenberuflich Selbstständigen steigt – und das mit gutem Grund. Unser Ratgeber hilft Ihnen beim Start, wenn auch Sie von Zeit zu Zeit nebenher selbstständig arbeiten wollen:

  • Sie erfahren, wie Sie als "Nebenerwerbs-Unternehmer" Ärger mit Arbeitgeber, Vermieter, Finanzamt und anderen Behörden vermeiden und wie es mit der Sozialversicherung aussieht.

  • Wir geben Ihnen praxistaugliche Tipps rund ums Geld: zum Aufbau Ihrer Buchführung, zu Steuern, zum Mahnwesen und für Ihre Kalkulation.

  • Außerdem unterstützen wir Sie in Ihrem Alltag als nebenberuflich Selbstständige mit Know-how, Tipps und Tricks von der Grundausstattung über Kundenakquise bis zum "einsamen" Arbeiten im Heimbüro.

Nebenberuflich selbstständig: Gründe und Trends, Vor- und Nachteile

Ein Blick in den aktuellen "Gründungsmonitor 2012" (PDF, Langfassung, 885 KB) der KfW-Mittelstandsbank zeigt, dass im vergangenen Jahr die Mehrheit (53 %) aller Gründungen wieder einmal Nebenerwerbsgründungen waren. Und es ist wahrlich nicht nur bloße wirtschaftliche Not, die Menschen dazu bringt, über eine der vielen möglichen Formen nebenberuflicher Selbstständigkeit nachzudenken:

  • Arbeitnehmer, die sich durch ihren Hauptberuf nicht ausgelastet fühlen, erhoffen sich mehr Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung, indem sie sich ein zusätzliches Betätigungsfeld suchen.

  • Potenzielle Umsteiger testen, ob der geplante Wechsel vom Hobby zum Hauptberuf wirtschaftlich tragfähig ist.

  • Neugierige möchten am eigenen Leib erfahren, ob sie dem Abenteuer Selbstständigkeit gewachsen sind. Eine ausgesprochen sinnvolle Überlegung übrigens: Denn am "Learning by doing" führt im Geschäftsleben letztlich kein Weg vorbei: Fachliches und kaufmännisches Know-how ist zwar in gewissen Grenzen erlernbar – echte Selbstständigkeit lässt sich aber beim besten Willen nicht als VHS-Kurs simulieren.

  • Von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitnehmer möchten auf den Fall der Fälle vorbereitet sein: Ein nahtloser Übergang in die Selbstständigkeit macht sich im Lebenslauf einfach besser als die wenig attraktiv wirkende Arbeitssuche aus der Arbeitslosigkeit heraus.

  • Ältere Arbeitnehmer suchen einen Weg, ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Erfahrungen nach dem Übergang in den Ruhestand auf selbstbestimmte Weise zu nutzen: Eine nebenberufliche Selbstständigkeit bietet die Möglichkeit, die Annehmlichkeiten einer interessanten und sinnvollen Beschäftigung mit dem Nützlichen in Form eines willkommenen finanziellen Zubrots zu verbinden.

  • Nicht zu vergessen: der "Status-Vorteil". Angenommen, Sie werden plötzlich arbeitslos: Falls Sie die organisatorischen Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit rechtzeitig geschaffen und bereits einige Erfahrungen gesammelt haben, werden Sie im Handumdrehen zum Unternehmer oder Freiberufler!

    In den Augen von Angehörigen, Freunden und Nachbarn stehen Sie so entschieden besser da, als wenn Sie sich ins unfreiwillige Schicksal einer hilflosen "Couch-Potato" ergeben! Es muss ja nicht für immer sein: Menschen, die wiederholt zwischen Selbstständigkeit und abhängigen Beschäftigungen hin- und herwechseln, gelten hierzulande zwar noch als Exoten. Das wird sich in den nächsten Jahren aber grundlegend ändern.

Manchmal gibt es aber auch ganz triviale Gründe für eine kurzfristige Nebenerwerbs-"Gründung": So kommt es nicht selten vor, dass ein potenzieller Auftraggeber die Vergabe eines interessanten Projektauftrags an die Bedingung knüpft, dass eine Bezahlung "auf Rechnung" möglich ist.

Ganz gleich, ob Sie selbstständige Nebentätigkeiten aufgrund finanzieller Zwänge oder aus Selbsterfahrungs-, Trainings-, Status- oder Sicherheitserwägungen ins Auge fassen: Sie liegen definitiv im Trend! Wer in einer sich rasant entwickelnden wirtschaftlichen Umgebung auf einem extrem schwierigen Arbeitsmarkt mit den Grundlagen des Geschäftslebens vertraut ist und praktische Erfahrungen als Selbstständiger gesammelt hat, kann, falls nötig, jederzeit blitzschnell auf geänderte Bedingungen umschalten. Ihren Job können Sie zwar verlieren, sie bleiben aber aus eigener Kraft handlungsfähig.

Das Versprechen "Nie wieder arbeitslos durch selbstständige Nebentätigkeit!" wäre angesichts schwieriger Marktverhältnisse gewiss überzogen. Die Angst vor Arbeitslosigkeit und die damit zusammenhängenden lähmenden Ohnmachtsgefühle sinken durch erfolgreiche Gehversuche als Freiberufler oder Kleingewerbetreibender aber allemal.

Freiheit für Multitalente und Abenteurer!

In der Anfangsphase jeder noch so "kleinen" nebenberuflichen Selbstständigkeit tun sich erfahrungsgemäß viele Fragen auf. Die häufigsten sollen in den folgenden Kapiteln beantwortet werden.

Vorab jedoch die wichtigste Botschaft: Lassen Sie sich nicht abschrecken oder entmutigen! Zugegeben: Deutschland ist eine Bürokratie-Hochburg. Doch die Hürden vor dem Einstieg in das Unternehmertum, insbesondere das Vermarkten von Dienstleistungen auf eigene Rechnung, sind viel niedriger, als die meisten Menschen glauben.

Ja, Finanz- und andere Ämter interessieren sich für Ihr Tun. Und sie wollen etwas vom Kuchen abhaben, wenn es denn etwas zu verteilen gibt. Solange sie sich an die wichtigsten Spielregeln halten, kommen Solo-Selbstständige und andere "kleine Krauter" aber meist ungeschoren davon. Im Zuge des allgemein wesentlich verbesserten Gründungsklimas ist auch die behördliche Toleranz gegenüber Kleinstgründungen spürbar gewachsen.

Mindestens ebenso wichtig: Selbst wenn wirtschaftliche Zwänge Auslöser für Ihre Nebenberufs-Gründung sind, sollten sie sich ihren Zweitjob von missgünstigen Kollegen oder "Freunden" nicht als peinliche, "zweitklassige" Zusatzbeschäftigung vermiesen lassen: Betrachten Sie ihn lieber als Abschied von der Angestellten-Einöde, als berufliche Bereicherung und Teil eines handlungsorientierten lebenslangen Lernens.

Darf ich das überhaupt?

Los geht's mit der häufigsten Frage: Brauche ich eine Erlaubnis für mein Vorhaben?

Inhaltsverzeichnis

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Nachhilfe-/Dozententätigkeit/Prüfungsvorbereitung

Hallo!

Ich überlege, meine Tätigkeiten als Nachhilfelehrerin sowie Dozentin, die auch Prüfungsvorbereitungen für Azubi-Zwischen- und Abschlussprüfungen abhält "offiziell" zu machen und dieses als Nebenerwerb anzumelden.

Ich bin Hausfrau mit zwei kleinen Kindern und würde gerne über meinen (angestellten) Mann (gemeinsame Veranlagung bei Steuern) familienversichert in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben. (Mein Mann ist freiwillig gesetzlich versichert.) Wieviel dürfte ich dann monatlich/jährlich (da Prüfungsvorbereitungen in manchen Monaten intensiv stattfinden, in anderen gar nicht) verdienen?

Müsste ich mich selbst gesetzlich rentenversichern? Und in welcher Höhe?
Oder könnte man das auch "freiwillig einzahlen", um die Rentenjahre vollzubekommen?

Und welche Steuern würden anfallen?
(Zur Einkommenssteuer: Bislang haben wir ein zu versteuerndes Einkommen von ca. 70.000 EUR.)

Könnten Sie mir hierzu einige Größen nennen, die z. B. nicht überschritten werden dürften?
Ich würde gerne 12.000 EUR jährlich hinzuverdienen, möchte aber "natürlich nicht" Grenzen überschreiten und dann progressive Abzüge haben. :-)

Ich bedanke mich im Vorfeld für Ihre Antwort!

Antwort: Nachhilfe-/Dozententätigkeit/Prüfungsvorbereitung

Guten Tag,
das sind eine Menge Fragen auf einmal. :-) Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Die monatliche Einkommensgrenze, bis zu der eine beitragsfreie Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung möglich ist, beträgt im Jahr 2016 m. W. 415 Euro (Jahresgrenze: 4.980 Euro).
Weitere Grundlagen-Informationen zum Thema Familienversicherung (Stand: 2013) finden Sie im Beitrag:
"Beitragsfreie Krankenversicherung für Selbstständige"
https://www.akademie.de/wissen/krankenversicherung-gruender-familienvers...

2.
Erzieher und Lehrer (inklusive Dozenten, Trainer, Sprach-, Fahr- und Nachhilfelehrer) gehören zu den rentenversicherungspflichtigen Selbstständigen. Das gilt sogar für nebenberufliche Tätigkeiten.
Weitere Grundlagen-Informationen zum Thema Rentenversicherung (Stand: 2012) finden Sie im Beitrag:
"Rentenversicherungspflicht für Selbstständige"
https://www.akademie.de/wissen/rentenversicherungspflicht-fuer-selbststa...

3.
Zusätzliche freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung sind möglich.

4.
Wenn Ihr zu versteuerndes Familieneinkommen von 70.000 Euro auf 82.000 Euro steigt, beträgt die Jahres-Steuerbelastung (ESt plus Soli) unter ansonsten gleichen Bedingungen statt knapp 15.000 Euro rund 19.400 Euro. Quelle:
"Lohn- und Einkommensteuer-Rechner des Bundesfinanzministeriums"
https://www.bmf-steuerrechner.de/ekst/
Nicht eingerechnet sind dabei die steuerlichen Auswirkungen eventueller Sozialversicherungsbeiträge.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Nachhilfe-/Dozententätigkeit/Prüfungsvorbereitung

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Das heißt, ich könnte auch nebenberuflich "nur" 4.980 Euro jährlich hinzuverdienen (oder darf sogar die monatliche Grenze nicht überschritten werden?) und müsste davon noch die Rentenbeiträge abziehen? In welcher Höhe wären diese bei 415 Euro im Monat?

Könnte ich das mit der Übungsleiterpauschale verbinden?

Vielen Dank und viele Grüße!

Antwort: Nachhilfe-/Dozententätigkeit/Prüfungsvorbereitung

Guten Tag,
wie gesagt: Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Aufgrund der üblicherweise schwankenden Einkünfte von Selbstständigen, berechnen sich GKV-Beiträge grundsätzlich auf Basis der "Einkünfte im Sinne des Einkommensteuerrechts" (d.h. das Jahreseinkommen entscheidet). Die Einzelheiten erfragen Sie am besten bei Ihrer Krankenkasse.

2.
Ja, Einnahmen für Nachhilfe- und Dozententätigkeiten können grundsätzlich auch in Form der steuer- und sozialversicherungsfreien Übungsleiterpauschale abgerechnet werden - vorausgesetzt natürlich, die Voraussetzungen sind erfüllt. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Leitfaden
"Übungsleiterpauschale und Ehrenamtspauschale: Steuerfreie Nebenverdienste"
https://www.akademie.de/wissen/uebungsleiterpauschale-steuerfreibetrag

Viele Grüße
Robert Chromow

Freiberuflich - Studium - Nebenjob > Familienversicherung?

Sehr geehrter Herr Chromow,

ich danke Ihnen für Ihre Tipps - sie haben mir sehr weiter geholfen.

Ich habe mich vor einigen Wochen beim Finanzamt als nebenberuflich freiberuflich melden lassen und auch schon die erste Rechnung geschrieben.

Ab 1.10 nehme ich zusätzlich zu meinem Studium und der Freiberuflichkeit, eine Studentische Hilfskraftstelle an. Meine Frage ist nun, ob ich die Freiberuflichkeit meiner Krankenversicherung melden muss. Da ich noch familienversichert bin, ist mir diese Frage besonders wichtig.

Mit freundlichen Grüßen

Clara Scholz

Antwort: Freiberuflich - Studium - Nebenjob > Familienversicheru

Sehr geehrte Frau Scholz,
vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung. Zu Ihrer Frage:

1.
Ja, Sie müssen Ihre Krankenkasse unaufgefordert über Einkommensänderungen informieren.

2.
Zu den beitragspflichtigen Einkünften zählen sowohl "Arbeitsentgelte" (das sind alle laufenden oder einmaligen Einnahmen aus einer abhängigen Beschäftigung = Arbeitnehmerin) als auch "Arbeitseinkommen" (das ist der Gewinn aus einer selbständigen Tätigkeit).

3.
Weitere Informationen zum Thema Familienversicherung finden Sie im Beitrag "Beitragsfreie Krankenversicherung für Selbstständige: Familienversicherung als Starthilfe für Gründer" (Stand: 1/2013)
https://www.akademie.de/wissen/krankenversicherung-gruender-familienvers...

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Krankenversicherung - Pures Chaos

Sehr geehrter Herr Chromow,

ich bin Student und stehe kurz vor meiner Bachelorarbeit. Diese ist bis spätestens Februar 2017 fertig . Allerdings habe ich mich mit einem alten Kommilitone Ende April selbstständig gemacht und eine Werbeagentur gegründet. Nun zu meinem Problem / Frage:

Ich bin/war familienversichert über meine Mutter bei der AOK. Ziel war/ist es, mich in der Familenversicherung drin zu behalten, bis ich mein 25. Lebensjahr (Dezember 2016) erreicht habe. Mein aktueller Geschäftsführervertrag sagt:
- 10 Std. Wöchentlich
- Festgehalt: 400€

Die Krankenkasse hat allerdings eine Prüfung durchgeführt, ob ich überhaupt weiterhin familienversichert sein darf. Diese Prüfung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass ich nicht familienversichert sein kann, da ich laut AOK selbstständig (hauptberuflich in den Augen der KV?) bin.

"Nach ihren Angaben sind Sie selbstständig tätig. Selbstständige sind nicht familienversichert, soweit sie hauptberuflich selbstständig erwerbstätig sind (vgl. § 10 Abs. 1 Nr. 4 SGB V)."

Nach einem Telefonat mit der KV ging daraus hervor, das es nicht möglich ist, weil wir einen Werkstudenten (Arbeitszeit Wöchentlich 11-19 Std, ~800€) eingestellt haben. Dessen Gehalt würde mir Prozentual meiner Anteile der Firma (40% Beteiligung) auf meine 400€ angerechnet werden.

Nunja - Ich bin ja hauptsächlich in der Uni als Student und nur 10 Std. wöchentlich in meinem "Startup" tätig! Und von den 320€ (40% von 800€) habe ich ja überhaupt nichts von. Aus diesem Grund sei übrigens auch keine Versicherung als Student möglich. Die KV hat mir einen Beitrag mitgeteilt von rund 170€ monatlich. Das kann ich mir einfach nicht leisten mit meinen 400€ monatlich! Und den Werkstudenten kündigen würde meinem Startup schon schaden. KV meinte nur "Wenn er ein Minijobber ist wäre es gar kein Problem". Ich kann also 100 Minijobber einstellen aber nicht einen Werkstudenten?

Ich bin einfach derzeit an einem Punkt an dem ich nicht mehr kann. Es kann doch nicht sein das mein Zukunftsplan (eigenes Startup, Selbstständigkeit neben der Bachelorarbeit aufbauen) an meiner KV scheitert?????

Antwort: Krankenversicherung - Pures Chaos

Guten Tag,
nach "purem Chaos" klingt die Einschätzung Ihre KV meines Erachtens nicht. Die Beschäftigung sozialversicherungspflichtiger Mitarbeiter kann durchaus als Indiz für eine hauptberufliche Selbstständigkeit herangezogen werden.

Andererseits heißt es in den "Grundsätzlichen Hinweisen zum Begriff der hauptberuflich selbstständigen Erwerbstätigkeit" des GKV-Spitzenverbandes:

------------ Zitat ----------------
Die Beschäftigung von Arbeitnehmern im Zusammenhang mit der selbstständigen Tätigkeit
stellt für sich allein betrachtet kein entscheidungserhebliches Merkmal für eine hauptberuflich
ausgeübte selbstständige Tätigkeit dar, ohne dass die wirtschaftliche Bedeutung und der
zeitliche Umfang der selbstständigen Tätigkeit regelmäßig näher zu prüfen wären. Bei Personen,
die mindestens einen Arbeitnehmer mehr als geringfügig beschäftigen, kann daher
nicht generalisierend angenommen werden, dass sie aufgrund ihrer tatsächlichen oder potentiellen
Arbeitgeberfunktion – unabhängig von einem persönlichen Arbeitseinsatz – hauptberuflich
selbstständig erwerbstätig sind, zumal die gesetzlichen Regelungen zur Hauptberuflichkeit
einer selbstständigen Tätigkeit – im Gegensatz zu anderen Regelungen außerhalb
der gesetzlichen Krankenversicherung – ein solches Merkmal der Arbeitnehmerbeschäftigung
nicht enthalten
----------Zitat-Ende --------------

Weitere Informationen zum Thema Hauptberuflichkeit finden Sie im Beitrag
https://www.akademie.de/wissen/haupt-oder-nebenberuf

Ob Sie mit Verweis auf diese Bestimmung erfolgreich gegen die Einstufung Ihrer Krankenkasse vorgehen können, ist nur nach genauer Prüfung der Details Ihres Einzelfalls möglich. Am besten fragen Sie bei der "Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD)" nach:
http://www.unabhaengige-patientenberatung.de/
Die UPD bietet neutrale und kostenlose Beratungen telefonisch unter 0800 0117722. Sprechzeiten Montag bis Freitag 8 bis 22 Uhr und Samstag 8 bis 18 Uhr.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Prüfung der Haupt- und Nebenberuflichkeit bei zwei Jobs

Sehr geehrter Herr Chromow,

ich habe eine Frage zur Prüfung der Haupt- und Nebenberuflichkeit bei zwei Jobs - vielleicht können Sie mir weiterhelfen..?

Ich bin bis zum 31.07.16 selbstständig tätig und mit dieser Tätigkeit über die Künstlersozialkasse versichert. Ab dem 01.08. entfällt meine Versicherungspflicht in der KSK, da mein Tätigkeitsschwerpunkt nicht mehr künstlerisch/publizistisch ist. Ab dem 01.08. nehme ich dann zusätzlich zu meiner selbstständigen Tätigkeit auch eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitstelle auf. Die Krankenkasse muss dann feststellen, welcher der beiden Jobs neben- und welcher hauptberuflich ausgeübt wird.

Nun meine Frage: Welche Monate werden für die Ermittlung des Einkommens zugrundegelegt? Für die sozialversicherungspflichtige Tätigkeit gilt natürlich der Bruttolohn (1300 Euro), den ich ab 01.08. erhalte. Aber wie ist es bei der selbstständigen Tätigkeit? Denn hier hatte ich als KSK-Mitglied von Januar bis Juli einen durchschnittlichen monatlichen Gewinn von 1500 Euro. Ab August werde ich aber voraussichtlich nur noch auf 700 Euro kommen, so dass die selbstständige Tätigkeit ab 01.08. eigentlich als nebenberuflich gelten müsste. Welche Monate legt die Kasse nun zugrunde (sie hat ja nur die aktuellen Zahlen der Monate Januar bis Juli)? Oder geht es nach dem letzten Einkommenssteuerbescheid?

Vielen Dank für Ihre Auskunft & viele Grüße,
F.W.

Antwort: Prüfung der Haupt- und Nebenberuflichkeit bei zwei Jobs

Hallo F.W.,
eine rechtliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Ihr neuer Arbeitgeber wird Sie ab 1.8. sozialversicherungspflichtig beschäftigen und die Aufnahme der Beschäftigung Ihrer Krankenkasse mitteilen. Damit ist die Sache aus meiner Sicht wahrscheinlich auch schon erledigt.

2.
Wenn die Krankenkasse wider Erwarten Zweifel daran hat, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung der Hauptberuf ist, wird sie prüfen, welche Ihrer Tätigkeiten im Hauptberuf und welche im Nebenberuf ausgeübt wird. Worauf es dabei ankommt, können Sie im Beitrag
"Selbstständigkeit als Hauptberuf oder als Nebenberuf: Die Kriterien der Krankenversicherung"
https://www.akademie.de/wissen/haupt-oder-nebenberuf
... nachlesen.

3.
Was die Ermittlung des Einkommens betrifft: Da das "Arbeitseinkommen" von Selbstständigen immer erst im Nachhinein feststeht, werden die GKV-Beiträge von Selbstständigen üblicherweise auf Basis des Vorjahres-Einkommensteuerbescheids ermittelt. Bei der Hauptberuflichkeitsprüfung geht es jedoch um die "Gesamtschau der tatsächlichen Verhältnisse" - und das ist in Ihrem Fall der Zeitraum ab 1. August. Dass Sie nach der Aufnahme der Beschäftigung weniger Zeit für die selbstständige Tätigkeit haben und daher weniger verdienen werden als den bisherigen monatlichen Gewinn, klingt plausibel.

4.
Aus meiner Sicht scheint mir Ihre Arbeitnehmer-Beschäftigung ab August der Hauptberuf zu sein. Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie aber am besten mit der "Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD)"
http://www.unabhaengige-patientenberatung.de/
Die UPD bietet neutrale und kostenlose Beratungen telefonisch unter 0800 0117722. Sprechzeiten Montag bis Freitag 8 bis 22 Uhr und Samstag 8 bis 18 Uhr.

Eine Bitte: Lassen Sie usn wissen, was aus der Sache geworden ist?

Vielen Dank und freundliche Grüße
Robert Chromow

Antwort

Hallo Herr Chromow,

vielen Dank für Ihre Einschätzung und den Hinweis auf die UPD! Ich nehme auch an, dass die sozialversicherungspflichtige Tätigkeit als Hauptberuf gelten wird - ansonsten müsste ich mich ja, da ich keinen KSK-Anspruch mehr haben werde, freiwillig gesetzlich oder privat kranken- und pflegeversichern (und auch noch rentenversichern..). Die Kosten dafür würden die voraussichtlichen Einnahmen aus der Selbstständigkeit komplett "auffressen". Ich lasse Sie wissen, wie es sich weiterentwickelt hat!

Schöne Grüße,
F.W.

Hauptberuflich angestellt, nebenberuflich Tänzer

Hallo,
ich bin hauptberuflich in einem Hotel angestellt und arbeite Vollzeit. Nebenbei versuche ich mich als Choreograph und Tänzer selbstständig zu machen. Muss ich diese nebenberufliche Selbstständigkeit beim Finanzamt melden, wenn ich damit nur wenige Einnahmen durch Ticketverkäufe machen (meist sind die Ausgaben höher). Wenn ja, was genau muss ich beim Finanzamt anmelden bzw. angeben?

Vielen Dank

Antwort: Hauptberuflich angestellt, nebenberuflich Tänzer

Hallo,
grundsätzlich ist jede selbstständige und mit "Gewinnerzielungsabsicht" betriebene Tätigkeit meldepflichtig. Auf die Höhe des tatsächlich erzielten Gewinns kommt es dabei nicht an.

Für freie Berufe ist kein Gewerbeschein erforderlich - es genügt die Anmeldung beim Finanzamt. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im Beitrag
"Fragebogen zur steuerlichen Erfassung: So melden Sie Ihr Unternehmen beim Finanzamt an"
https://www.akademie.de/wissen/fragebogen-steuerliche-erfassung

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Steuerberater!

Brauch ich einen Steuerberater?ich arbeite als vollzeit im Einzelhandel und möchte neben beruflichen zu hause Torten machen!was muss ich denn beachten?im voraus Danke! !!

Antwort: Steuerberater!

Guten Abend,
vieles von dem, was Sie beim Einstieg in die nebenberufliche Selbstständigkeit beachten müssen, finden Sie weiter oben im Text - im Praxisleitfaden "Nebenberuflich selbstständig: Tipps und Informationen für Ihre Gründung im Nebenerwerb"
http://www.akademie.de/wissen/nebenberuflich-selbststaendig

Bitte beachten Sie: Herstellung und Verkauf von Nahrungsmitteln werden in Deutschland streng überwacht. Informationen zum Thema "Hausgemachte Torten verkaufen" gibt es zum Beispiel auf der Website des Bundeswirtschaftsministeriums:
http://www.existenzgruender.de/SharedDocs/BMWi-Expertenforum/Gruendungsp...

Und was den Steuerberater betrifft: Auch zu diesem Thema gibt es einen Grundlagenartikel bei akademie.de:
"Brauche ich einen Steuerberater? Wo finde ich den, was kostet er?"
http://www.akademie.de/wissen/steuerberater-finden-kosten

Alles Gute und herzliche Grüße
Robert Chromow

Danke!!!!

Vielen Dank für schnelles antworten! !!!

Krankenversicherung

Hallo kann mir jemand ein tip geben bin selbständig Haupt beruflich und gleich zeitig angestellt als Gleitzone auf 480 Brutto hab aber AOK bis heute nicht gemeldet was passiert jetz

Antwort: Krankenversicherung

Guten Tag,
wenn Sie hauptberuflich selbstständig und in dieser Tätigkeit privat oder freiwillig gesetzlich krankenversichert sind, kann ich auf Anhieb kein Problem erkennen: Es genügt, das dem Arbeitgeber Ihres Nebenjobs mitzuteilen. Sie brauchen dann für den Nebenjob m.W. keine zusätzlichen KV-Beiträge zu bezahlen.
Tipp: Antworten auf Fragen zu Ihrem konkreten Einzelfall bekommen Sie bei der "Unabhängigen Patientenberatung Deutschland"
http://www.patientenberatung.de/
Die öffentlich geförderten KV-Beratungen sind kostenlos.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hauptberuflich Student und Nebenberuflich Versicherungsbranche

Hallo,

ich bin Student und arbeite seit längerem nebenbei in der Finanz- bzw. Versicherungsbranche. Dadurch verdiene ich jeden Monat Geld durch Provisionen, welches ich natürlich in meiner Steuererklärung angeben muss. Ich muss jetzt meine Steuererklärung für 2013 machen und habe in diesem Jahr ca. 9000 € verdient. Bei meiner letzten Steuererklärung von 2012 lag ich unter der 8000 Euro-Grenze und ich musste keine Steuern auf meinen Verdienst zahlen. Jetzt meine Fragen: Stimmt diese Grenze überhaupt? Ich habe natürlich auch relativ hohe Werbungskosten durch die Fahrten zu Kunden. Bis zu welcher Grenze werden diese anerkannt und wie wirkt sich das im Endeffekt aus? Wo muss ich die dann in der Steuererklärung angeben und was wird das Finanzamt dann von mir für Nachweise verlangen? Was kann ich noch machen um mein zu versteuerndes Einkommen zu senken?

Herzlichen Dank im Voraus!

Antwort: Hauptberuflich Student und Nebenberuflich Versicherungs

Hallo,
bitte entschuldigen Sie: Gerade sehe ich, dass wir Ihnen die Antwort auf Ihr Anliegen schuldig geblieben sind (oder sie versehentlich gelöscht worden ist).

Zu Ihren Fragen:

1. Die von Ihnen angesprochene "Grenze" (= Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer) lag im Jahr 2013 bei 8.130 Euro. In 2014 wurde der Grundfreibetrag auf 8.354 Euro angehoben.

2. Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer ist das "zu versteuernde Einkommen". Soweit es sich um Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb oder einer selbstständigen Tätigkeit handelt, ist der Gewinn (= Einnahmenüberschuss) Grundlage des zu versteuernden Einkommens (Gewinn = Einnahmen minus Ausgaben). Von Ihren Einnahmen dürfen Sie also die Fahrtkosten und sonstigen Betriebsausgaben abziehen.

Da bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens außerdem noch persönliche Vorsorgeaufwendungen und andere Sonderausgaben und Steuerermäßigungen berücksichtigt werden, dürften Sie keine Probleme haben, unter dem Grundfreibetrag zu bleiben.

3. Alle weiteren Antworten finden Sie weiter oben im Kapitel "Steuern und Buchführung"
http://www.akademie.de/wissen/nebenberuflich-selbststaendig/steuern-buch...

Alles Gute und viele Grüße
Robert Chromow

Selbständigkeit als Student mit Werksstudententätigkeit

Hallo,

ich werde in 2 Monaten meinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik abschließen und anschließend ein Masterstudium beginnen.

Um Geld zu verdienen ist der Plan eine Werksstudententätigkeit zu beginnen, hier habe ich auch bereits entsprechende Angebote. Zeitlich dürfte das ganze zwischen 10-15h pro Woche betragen. Verdienst pro Monat ist etwa die 450 € Grenze - je nach Zeitaufwand (in den Semesterferien arbeite ich evtl. etwas mehr).

Nun lange Rede kurzer Sinn - ich möchte gerne zusätzlich eine selbständige Nebentätigkeit (IT-Beratungsthemen) beginnen. Der Aufwand beläuft sich hierbei auf etwa 5-10h pro Woche durchschnittlich. Rein vom Zeitwand ist das für mich gut zu managen, falls dies bzgl. Fragen aufkommen sollten.

Problem: ich werde sicherlich ein Gewerbe anmelden müssen, da diese Tätigkeit nicht der Ausnahme eines Freiberuflers laut Katalog entspricht. Krankenversicherung etc. wäre planmäßig über die Studentenversicherung abgewickelt.

Was wäre hier ratsam zu wählen oder abzuklären, welche Rechtsform ist empfehlenswert? Wie wird sich das Gesamte auf die Sozialversicherungen auswirken?

Viele Grüße,
Fred H.

Antwort: Selbständigkeit als Student mit Werksstudententätigkeit

Hallo Fred,
sorry für die verspätete Antwort: Dreh und Angelpunkt des Werkstudenten-Status ist unter Sozialversicherungs-Gesichtspunkten nicht die Rechtsform der Selbstständigkeit, sondern die wöchentliche Arbeitszeit:

1. Während des Semesters dürfen Sie m. W. nicht länger als insgesamt 20 Wochenstunden ("halbtags") arbeiten: Anderenfalls gilt das Studium unter Umständen nicht mehr als Hauptberuf.

2.
Mit der Abgrenzung zwischen Freiberuflichkeit und Gewerbe würde ich es zu Anfang nicht zu genau nehmen: Da bis zu einem Jahresgewinn von 24.500 Euro ohnehin keine Gewerbesteuer anfällt, sind die Finanzämter bei selbstständigen Beratungstätigkeiten nicht besonders pingelig. Solange Sie Ihre Steuerpflichten erfüllen, werden Sie als Berater vermutlich auch nicht vom Gewerbeamt unter die Lupe genommen. Andererseits: Wenn Ihnen der Gewerbeschein wichtig ist, spricht auch nichts dagegen. Die Details besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater.

3.
Was die Sozialversicherungs-Folgen betrifft: Sofern die genannte Arbeitszeit-Obergrenzen eingehalten werden, sind Studierende gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 3 SGB V
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__6.html
versicherungsfrei in der gesetzlichen Krankenversicherung und gemäß
§ 27 Abs. 4 SGB III
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__27.html
versicherungsfrei in der Arbeitslosenversicherung.

Da die Beschäftigung unter der 450-Euro-Geringfügigkeitsgrenze liegt und selbstständige IT-Berater nicht zu den rentenversicherungspflichtigen Selbstständige gehören, fallen meiner (völlig unmaßgeblichen :-)) Meinung nach auch keine Rentenversicherungsbeiträge an.

Um sicher zu gehen, besprechen Sie die Details Ihres Einzelfalles am besten mit Fachleuten (z. B. an die Sozialberatung Ihrer Hochschule).

Mit Krankenversicherungsfragen wenden Sie sich an die "Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD)"
http://www.unabhaengige-patientenberatung.de/
(bundesweite Hotline: 0800 0117722)

Fragen zur Rentenversicherung beantwortet zum Beispiel die Deutschen Rentenversicherung (DRV):
(kostenloses Servicetelefon: 0800 1000 480 70)

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Wertvolle Hinweise

Ich finde den Artikel sehr interessant und auch für etwas "erfahrenere Gründer" (ich habe 2 Firmen gegründet) interessant. Ich kann auch der-onlinesteuerberater.de empfehlen, dort gibt es ein kosnteloses Buhhaltungstool. Habe mich dort angemeldet und mache meine Umsatzsteuervoranmeldung kostenfrei via ELSTER. Meinen Jahresabschluss mache ich dann mit den eingespeicherten Daten selber. Kann ich nur empfehlen und für Gründer ist es cool, weil die große Hürde Umsatzsteuervoranmeldung entfällt.
Liebe Grüße!
Thomas

Frage zwecks Nebenerwerbstätigkeit, Arbeitsvertrag.

So wie ich den Beitrag verstehe, brauche ich vom Arbeitgeber keine Einwilligung um ein Gewerbe nebenbei zu betreiben?

Dazu nun meine zweite Frage, in meinem Arbeitsvertrag steht ich brauche die schriftliche Einwilligung des Arbeitgebers? Ich bin im Lebensmittel Einzelhandel haben auch des öfteren Aktionsartikel (Non-Food), darf ich trotzdem dann Online Elektronik Artikel verkaufen? Oder Verstoße ich dann gegen ein Gesetz wegen Konkurrenz handeln?

Ich Danke schon im Vorraus hoffe man versteht die Fragen

Konkurrenzschutz

Guten Tag,

wie immer muss ich darauf hinweisen, dass wir keine Rechtsberatung im Einzelfall leisten können oder dürfen. Deshalb nur ganz allgemein: Der Chef kann seinen Angestellten gegenüber nur dann auf einer Erlaubnispflicht für selbstständige Nebentätigkeiten beharren, wenn diese seine eigenen Geschäftsinteressen berühren, z. B. weil dadurch Wettbewerbsfragen berührt sind oder der Angestellte seine im Arbeitsvertrag zugesicherte Leistung nicht mehr erbringen kann. Das ist seit langem Stand der Rechtsprechung.

Dass ein Online-Handel für Elektronik als Beeinträchtigung für den stationären Supermarkt gewertet wird, kann ich mir nur schwer vorstellen. Aber die endgültiche Entscheidung hängt von den Besonderheiten Ihres Einzelfalls ab.

Abgesehen davon: Informieren müssen Sie Ihren Arbeitgeber über Ihre Nebentätigkeit im Allgemeinen ohnehin. Was spricht dagegen, dann gleich einmal auszuloten, ob dort Bedenken bestehen? Vielleicht ist das Problem ja schlicht gar keines ...

beste Grüße und viel Erfolg
Ihre akademie.de-Redaktion

Antwort: Frage zwecks Nebenerwerbstätigkeit, Arbeitsvertrag.

Jein, im Beitrag heißt es zu dieser Frage vielmehr:

------------ Zitat ----------------
Viele Arbeitsverträge schreiben vor, dass Arbeitnehmer ihren Chef über Nebenbeschäftigungen informieren müssen. Nicht selten sehen Arbeits- und Tarifverträge sogar vor, dass Beschäftigte für die Aufnahme einer Tätigkeit eine Genehmigung brauchen. Ungeachtet dessen sind Arbeitsgerichte in der Vergangenheit immer wieder zu dem Ergebnis gekommen, dass

* eine solche Genehmigung im Allgemeinen als reine Formsache zu betrachten ist,
* Verbote nur in besonderen Ausnahmefällen erlaubt sind und
* ein Verstoß gegen eine Meldepflicht zudem keine gravierende Verletzung des Arbeitsvertrages ist, die womöglich eine Kündigung rechtfertigen würde.
----------Zitat-Ende --------------

Zwar bezweifle ich, dass ein Arbeitgeber der Einzelhandelsbranche seinen Mitarbeitern den Online-Handle mit Elektronik-Artikeln verbieten kann.

Trotzdem: Wenn in Ihrem Arbeitsvertrag steht, dass Sie für das Betreiben eines Nebengewerbes die schriftliche Einwilligung Ihres Arbeitgebers benötigen, sollten Sie prüfen lassen, ob diese Einschränkung in Ihrem Einzelfall zulässig ist. Sie können sich mit diesem Anliegen zum Beispiel an Ihre Gewerkschaft wenden.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Teilzeitanstellung und nebenberufliche Selbständigkeit

Sehr geehrter Herr Chromow,

mich würde interessieren, wie die Abgrenzung von haupt- und nebenberuflicher Tätigkeit bezüglich einer Krankenversicherungspflicht vor sich geht, wenn ich mit 12 Stunden/Wo (als Sprachlehrer 16 Unterrichtseinheiten) sozialversicherungspflichtig angestellt bin und mir nebenberuflich etwas hinzuverdienen will. Ich liege unter den monatlichen Bezugsgröße von 1.347,50 Euro.
Würde die Teilzeitanstellung im Sinne der Krankenversicherungspflicht noch als hauptberuflich gelten, solange die Einnahmen der Nebentätigkeit nicht überwiegen? Zeitlich wäre die Nebentätigkeit im Beratungsbereich nicht mehr als 10 Stunden/Wo.
Werden zur Einschätzung der Nebentätigkeit die gesamten Einnahmen zugrunde gelegt oder nur der Gewinn?
Ich bin etwas irritiert wegen des von Ihnen genannten Grundsatzes:
"Bei Arbeitnehmern, die pro Woche 20 Stunden oder weniger abhängig beschäftigt arbeiten und nicht mehr als die Hälfte der monatlichen Bezugsgröße verdienen (50 % von 2.695 Euro = 1.347,50 Euro, Stand: 2013), gelten zusätzlich ausgeübte selbstständige Tätigkeiten grundsätzlich als hauptberuflich."
Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Antwort

M. Rother

Antwort: Teilzeitanstellung und nebenberufliche Selbständigkeit

Guten Tag, Herr / Frau Rother,
welche Tätigkeit oder Beschäftigung haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird, müssen die Krankenkassen in der "Gesamtschau jedes Einzelfalls" entscheiden. Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle leider nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

Das von mir genannte Prinzip entstammt den "Grundsätzlichen Hinweisen zum Begriff der hauptberuflich selbstständigen Erwerbstätigkeit", die vom GKV-Spitzenverband veröffentlicht wurden. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im Beitrag
"Selbstständigkeit als Hauptberuf oder als Nebenberuf: Die Kriterien der Krankenversicherung"
http://www.akademie.de/wissen/haupt-oder-nebenberuf
Dort können Sie die GKV-Richtlinie auch im Volltext herunterladen. Wichtig: Ein Abweichen von der "grundsätzlichen" Einstufung ist im Einzelfall jederzeit möglich!

Tipp: Mit Fragen zu Ihrem Einzelfall können Sie sich zum Beispiel an die "Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)"
http://www.unabhaengige-patientenberatung.de/
wenden. Dort gibt es kostenlose und neutrale Beratungen an 21 regionalen Standorten sowie telefonisch unter 0800 0117722. Sprechzeiten Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr und Donnerstag 10 bis 20 Uhr.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Ihre Antwort

Hallo Herr Chromow,

ich habe mich über Ihre schnelle Antwort gefreut. Vielen Dank für die kenntnisreichen Angaben.
Durch die Datei vom GKV lässt sich alles besser einordnen, danke auch für den Link zur Patientenberatung.

Markus Rother

AlG1 und selbstständiges Nebeneinkommen

Guten Tag,
zunächst die konkrete Frage:
Welche Ausgabenposten genau können / dürfen bei der Gewinn-Verlust-Aufstellung aus nebenberuflicher Selbstständigkeit geltend gemacht und gegen den Gewinn gegen gerechnet werden - bei gleichzeitigem Bezug von AlGeld 1?

Mein Hintergrund:
Als langjährige Freiberuflerin (Trauerrednerin) habe ich mich vor fünf Monaten arbeitslos gemeldet, beziehe AlG 1 aus der Freiwilligen AlVersicherung und bin nunmehr nur noch nebenberuflich selbstständig (plane aber die erneute Selbstständigkeit mit Erweiterung). Entsprechend reiche ich monatlich meine Gewinn- Verlustrechnung samt Belegen beim Arbeitsamt ein.

Neben den entsprechenden Leistungsbescheiden erhielt ich inzwischen mehrere Schreiben von der Leistungsabteilung der Agentur für Arbeit ähnlichen Inhalts. Ich zitiere:
„In der mir vorliegenden Aufstellung …führen Sie… Berufsverband, Website, Website Akademie, Fachliteratur, Handykarte, Fortbildung Gewaltfreie Kommunikation im Klinikum, Büromiete und weitere Kosten auf. Dieses kann nicht anerkannt werden…. “ Die eingereichten Unterlagen könnten höchstens beim Lohnsteuerjahresausgleich geltend machen. Eine Erstattung der Werbungskosten könnte nur für die Fahrkosten erfolgen, heißt es weiter.

Die Reaktionen der Arbeitsagentur haben mich irritiert. Bislang war ich selbstverständlich davon ausgegangen, dass ich die Ausgaben, die mir im Zusammenhang mit meiner Arbeit entstehen, auch gegen den Gewinn gegen rechnen könne, so wie Sie es auch in Ihrer Schrift „Selbstständig statt arbeitslos“, Kapitel 2 S. 30ff., anführen. Haben sich diesbezüglich die Vorschrifte/ Gesetze bei der Agentur für Arbeit geändert?

Vielen Dank für eine Antwort im Voraus!

Und mit freundlichen Grüßen

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