"Seminarunterlagen? Gibt es doch schon längst, fix und fertig ausformuliert!" Von wegen: Zwar bedienen sich manche Trainer und Seminarleiter beim Erstellen ihrer Handouts gerne mal eben im Internet. Schließlich gibt es da praktisch zu jedem Thema mehr oder weniger gutes Material. Nur: So einfach und naheliegend diese Form der Zweitverwertung erscheint, sie verstößt gegen das Urheberrecht. Fliegt der Materialklau auf, wird es teuer. Zum Glück geht es auch anders.
Klare Gesetzeslage: Das Urheberrecht gilt auch für die Verwendung von Seminarunterlagen
Dass man die Inhalte fremder Internetseiten nicht einfach per Copy & Paste auf die eigene Website übernehmen darf, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Offenbar weit weniger bekannt hingegen ist, dass sich das Urheberrecht auch auf andere Nutzungsformen erstreckt. Die - insbesondere kommerzielle - Nutzung von Texten, Bildern und sonstigen Werken ist generell nicht ohne Zustimmung des Urhebers oder des von ihm beauftragten Verwerters zulässig. Neben dem "Verbreitungsrecht" und dem "Senderecht" behält das deutsche Gesetz über "Urheberrecht und verwandte Schutzrechte" (UrhG) unter anderem die folgenden Verwertungsrechte ausdrücklich allein dem Urheber oder Rechte-Inhaber vor:
das Vervielfältigungsrecht,
das Vortrags-, Aufführungs- und Vorführungsrecht,
das Ausstellungsrecht und auch
das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung.
Die klare Gesetzeslage hält viele Trainer, Seminarleiter und Dozenten aber nicht davon ab, sich für ihre Unterlagen Texte, Illustrationen und andere multimediale Inhalte mittels einer schnellen Google-Recherche und einiger gezielter Kopiervorgänge zu beschaffen.
Das macht doch nichts ...
Bei ihrem Materialrecycling machen sich manche Dienstleister noch nicht einmal die Mühe, Format, Gestaltungselemente und URLs des Originals zu entfernen oder wenigstens zu bearbeiten. Unter dem Motto "Das macht doch nichts - das merkt doch keiner!" setzen sie offenbar darauf, dass die Aneignung fremden Eigentums schon nicht auffallen wird - oder, wenn doch, schlimmstenfalls als Kavaliersdelikt gewertet und folgenlos bleiben wird.
Plagiate stehen jedoch auf tönernen Füßen. Das zeigt nicht nur der prominente Fall einer jugendlichen Nachwuchs-Schriftstellerin, die derzeit die Feuilletons in Atem hält. Auch Schulungsanbieter sind vor bösen Überraschungen nicht gefeit: Denn genauso schnell und einfach, wie sich Inhalte abkupfern lassen, ist Diebstahl geistigen Eigentums nachweisbar.
Fremde Federn finden ...
Mit den historischen, rechtlichen und moralischen Aspekten des Plagiats im Wissenschaftsbetrieb beschäftigt sich der spannende Plagiats-Kurs "Fremde Federn Finden". Dort werden auch brauchbare Software sowie Onlinedienste vorgestellt, mit deren Hilfe sich intellektuelle Raubkopien aufspüren lassen.
... das merkt doch keiner?
Ironischerweise werden illegale Zweitverwerter nämlich regelmäßig wiederum selbst Opfer der Urheberrechtsverletzungen ihrer Kunden bzw. Schulungsteilnehmer. Denn obwohl ja auch Seminar-Handouts ihrerseits grundsätzlich dem Schutz des Urheberrechts unterliegen, neigen Teilnehmer von Seminaren dazu, die dort erhaltenen Unterlagen freigiebig zu verteilen oder selbst im Internet zu veröffentlichen.
Dass die illegale Nutzung dem eigentlichen Urheber oder dessen Rechteverwerter auffällt, ist dann nur noch eine Frage der Zeit.
Die Folge ist dann nicht nur die peinliche Enthüllung der unerlaubten Selbstbedienung: Der legitime Inhaber der Verwertungsrechte kann in solchen Fällen außerdem eine saftige Rechnung über die unerlaubte Nutzung stellen - unter Umständen verbunden mit einer teuren Abmahnung sowie eventuellen Verwaltungs- und Anwaltskosten.
Im Extremfall sind, sofern es sich bei einem Plagiat um eine vorsätzliche Urheberrechtsverletzung handelt, sogar strafrechtliche Konsequenzen denkbar, auch wenn das im Kontext der Seminar-Nutzung eher theoretisch sein dürfte.
Weiterlesen: Urheberrechte und Urheberrechtsschutz
Ausführliche Informationen zum Thema bieten ...
der Grundlagenkurs von Rechtsanwalt Oliver Langner: "Achtung, teuer! Urheberrechtsverletzung im Internet",
Fabian Haslobs Selbstverteidigungs-Leitfaden "Ideenklau im Internet - Was Kreative gegen den Diebstahl geistigen Eigentums tun können" sowie
Karin Seidels Zusammenfassung der Copyright-Bestimmungen für den Anwendungsfall "Checkliste Urheberrecht: Beugen Sie urheberrechtlichen Abmahnungen vor".
Dass sich "Ideen" genau genommen nicht schützen lassen, können Sie im Beitrag "Ideenschutz und Ideenklau: Ideen schützen - und freilassen" nachlesen.
Alternative I: Open Content
Zum Glück geht es auch anders: Wer professionelle Schulungs- oder Seminarunterlagen erstellen will, muss das Rad wahrlich nicht ständig neu erfinden. Am einfachsten machen Sie sich die Sache, indem Sie Inhalte nutzen, die unter eine freie Lizenz gestellt wurden (z. B. "Creative Commons"). Analog zur Freeware oder Public-Domain-Software darf derartiger "Open Content" unter bestimmten Auflagen frei verwendet werden. Mögliche Auflagen sind zum Beispiel die Autoren-Namensnennung, die Festlegung auf nicht-kommerzielle Nutzung oder auch die Weitergabe unter den gleichen Bedingungen.
Bekanntestes Beispiel für gemeinfreie Wissensinhalte sind die Wikipedia und deren Wikimedia-Schwesterprojekte wie die ...
Wikibooks (inhaltsoffene Lehrbücher),
Wikisource (freie Texte),
Wikiquote (bekannte Zitate) oder
Wikinews (freie Nachrichtenseite).
Die Nutzungsbedingungen der Wikimedia-Werke erlauben grundsätzlich auch die kommerzielle Nutzung der Inhalte.
Alternative II: Fragen kostet nichts!
Sie finden für Ihre Zwecke keine frei verwertbaren Inhalte und möchten die Materialien eines ganz bestimmten Anbieters einsetzen? Dann fragen Sie dort doch einfach einmal nach, ob Sie die Unterlagen in Ihren Seminaren oder Schulungen einsetzen dürfen. Dabei müssen Sie gar nicht unbedingt auf die Großzügigkeit oder gar Wohltätigkeit des Urhebers setzen: Mit ein wenig Fantasie lässt sich eine Win-Win-Situation herbeiführen, mit deren Hilfe Lizenzgebühren vermieden werden können - einige Beispiele:
Sie weisen in Ihren Unterlagen auf den Urheber hin und machen in Ihren Veranstaltungen Werbung für dessen Dienstleistungen.
Sie informieren die Autoren über die Teilnehmer-Rückmeldungen, eventuelle Defizite, Ergänzungs- oder Optimierungsmöglichkeiten.
Sie geben inhaltliche Anregungen über neue Themen, bei denen Bedarf besteht.
Sie kooperieren, um das für Lernveranstaltungen optimierte Material an andere Dienstleister zu verkaufen.
Sie bieten Provisionen oder vergünstigte Konditionen für Teilnehmer, die vom Autor zu Ihnen geschickt werden.
Zugegeben: Nicht immer lässt sich das Problem auf derart elegante Weise lösen. In solchen Fällen bleibt Ihnen immer noch die Heimwerker-Variante.
Alternative III: Zitieren und nachbauen
Diese Variante macht zwar die meiste Mühe und Sie begeben sich damit unter Umständen in die Grauzone möglicher Urheberrechtsverletzungen. Wenn Sie dabei aber nicht allzu plump vorgehen, hält sich das Risiko jedoch in Grenzen. Vorteil: Nur wenn Sie einen Sachverhalt von A bis Z durchdenken und praktisch nachvollziehen, sind Sie richtig gut auf Ihre Lehrveranstaltung vorbereitet.
Zulässig beim "Nachbau" von Materialien sind zum Beispiel die Wiedergabe zentraler Zitate (mit Namensnennung) sowie komplette Umformulierungen. Da es bei Schulungsunterlagen selten um die Darstellung einmaliger Forschungsergebnisse geht, sind "Paraphrasen" in der Regel unproblematisch.
Fazit
So verlockend der Selbstbedienungsladen Internet sein mag: Seriöse Trainer, Schulungsanbieter und Seminarleiter tun gut daran, die Inhalte ihrer Handouts legal zu beschaffen oder besser noch: von Grund auf eigenhändig zu erstellen.
Erfolgreich als Trainer
Tipps für Trainer und Seminarleiter finden Sie auch in den Beiträgen ...
Unterlagen veröffentlichen!
Professionelle, selbst erstellte Unterlagen sind ein wichtiger Werbeträger: Unter Umständen lassen sie sich sogar mehrfach verwerten - auch außerhalb Ihrer Veranstaltungen. Anregungen gibt unser Kurs "Selbstmarketing via E-Book: Mit E-Books als Fachautor profilieren".
Haben Sie mit viel Mühe und Herzblut praxisnahe Lern-Unterlagen (insbesondere zu Themen wie diesen) erstellt, die viel zu selten zum Einsatz kommen und ansonsten ein Schattendasein in Ihrer Schreibtischschublade fristen? Dann stellen Sie uns doch Ihr Know-how zur Verfügung: Sie profitieren von einer hochwertigen Umgebung, machen sich einen Namen und verdienen obendrein Geld dabei.
Weitere Infos finden Sie unter "Als Autor bei akademie.de veröffentlichen".
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