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Kommunikationstipps für Maulfaule

Wie Sie Sprechhemmungen erfolgreich ablegen

Kommunikationshemmungen sind kein Schicksal - Sie können etwas dagegen tun. Es gibt ganz konkrete Wege, um zu lernen, flüssiger zu sprechen und besser aus sich herauszugehen.

Maulfaul, missmutig, miese Laune?

Ich habe lange gebraucht, um zu erkennen, dass es nicht immer etwas mit mir selbst zu tun hatte, wenn ich einen Raum betrat und das Gespräch plötzlich abriss. So etwas passierte nämlich oft in den mittelständischen Handwerksbetrieben, die ich leite. Es brachte mich jedes Mal aus dem Konzept und machte mich wütend. Schließlich gehörte ich doch zur Firma! Hatte man etwas vor mir zu verheimlichen?

Nein - das weiß ich heute. Die Mitarbeiter waren schlicht kommunikativ überfordert: Wenn die Chefin den Raum betrat, wussten sie nichts zu sagen.

Als "Nicht-Gesprächspartner" glaubt man in solchen Fällen meistens, die Ursache für die mangelnde Kommunikation liege bei einem selbst. Das stimmt aber oft gar nicht. Deshalb glaube ich an das Motto: Im Zweifelsfall lieber zu viel als zu wenig sagen! Durch Reden vermeidet man solche Missverständnisse.

Im Alltag treffe ich immer wieder auf maulfaule Menschen: Maulfaul, weil sie es generell nicht gelernt haben, ungeniert drauf loszureden, weil ihnen die Situation die Sprache verschlagen hat oder weil sie zu träge sind, den Mund aufzumachen.

In der Handwerksbranche erlebe ich holprige Gesprächssituationen ganz besonders oft. "Der Handwerker" tut sich halt häufig besonders schwer damit, sich klar und deutlich zu artikulieren - und das gilt für die Mitarbeiter oft genauso wie für die Chefs. Früher war das bei uns nicht anders:

  • "Hier, fahren Sie zu der Baustelle und melden Sie sich beim Polier" - und kein Wort mehr: Anweisungen an die Mitarbeiter wurden so knapp wie möglich gehalten. Bloß keine Information zuviel, der Mitarbeiter soll schließlich seine Arbeit erledigen!

  • "Wir kommen heute noch" ... aber wir sagen nicht wann: Kunden erhielten Informationen oft nur spärlich oder gar nicht.

  • Besprechungen gerieten regelmäßig ins Stocken.

  • "Ja die Pumpe ist schuld, wir gehen jetzt erstmal zur anderen Baustelle, wegen der Mauer": Handwerker platzten regelmäßig mit ihren Anliegen ins Büro, ohne dass man verstand, um was es ging - Gedankenlesen war gefragt.

  • ... und begrüßt wurde man morgens mit einem kaum hörbaren "Mrrgn".

Gerade im Geschäftsalltag sorgen solche Kommunikationshemmnisse nicht nur für schlechte Stimmung, sondern auch für "Sand im Getriebe", das weiß ich aus eigener Erfahrung. Mitarbeiter, denen Informationen fehlen, fühlen sich ausgegrenzt. Kunden und Geschäftspartner, die keine oder unzureichende Informationen bekommen, fühlen sich nicht erst genommen - und sind viel schneller bereit, zur Konkurrenz zu wechseln.

Es geht nicht nur um den Informationsfluss, es geht auch um das menschliche Miteinander. Man sollte nur nicht glauben, im Geschäftsalltag regierten nur die Zahlen: Ob Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner sich wohl fühlen oder nicht, ist für den Erfolg eines Unternehmens ganz entscheidend. Schlechtes Betriebsklima, schlechte Motivation, unzufriedene Kunden, verärgerte Geschäftspartner: Wenn man die Kommunikationsmängel bei sich selbst und im eigenen Unternehmen nicht ernst nimmt und bekämpft, bekommt man die Quittung in nackten Zahlen: In Form von nachlassender Produktivität und Umsatzeinbrüchen.

Beispiel: Vorwürfe - aber kein Informationsaustausch

Ein Mitarbeiter hat einen Auftrag nicht ausgeführt. Er wird zum Chef gerufen. Er gibt sich aber nicht gerade auskunftswillig. Der Blick ist gesenkt, der Mann bekommt die Zähne nicht auseinander. Er kommt dem Chef vor wie ein Teenager, der von seinen Eltern zur Rede gestellt wird, weil er zu spät nach Hause kam.

Der Chef reagiert wütend: "Warum hast Du das nicht erledigt? Du weißt doch genau, dass wir das heute dringend brauchen. Jetzt habe ich den Salat und muss meinen ganzen Plan umschmeissen. Nur wegen Dir." Jetzt sagt der Mitarbeiter erst recht nichts mehr oder reagiert mit schnippischen Antworten. Beide gehen frustriert aus dem Gespräch.

Kein Wunder: Kommunikation im Sinne eines echten Austauschs hat ja auch gar nicht stattgefunden. Der Chef hat seinen Angestellten zwar in die Defensive gedrängt - aber hat er auch sein Ziel erreicht? Er weiß immer noch nicht, warum der Mann seine Aufgabe nicht erledigt hat. Und angesicht der offensichtlichen Trotzreaktion ist auch ganz und gar nicht sicher, ob die Rüge wirklich angekommen ist.

Doch schlechte Kommunikation ist zum Glück kein Schicksal. Man kann etwas dagegen tun - das weiß ich aus eigener Erfahrung. In diesem Beitrag will ich Ihnen zeigen, wie Sie ihre berufliche Kommunikation konkret und ganz praktisch verbessern können.

Kommunikationsschwächen auf der Spur

Vieles, was man sagt, kommt ganz anders an, als man selber glaubt. Um den eigenen Kommunikationsschwächen auf die Spur zu kommen, hilft es, den "Blick von außen" auf sich selbst einzunehmen - im Idealfall in Form von Videoaufnahmen. Bei der Analyse des eigenen Kommunikationsverhaltens können Sie sich von folgenden Fragen leiten lassen:

  • Wie ist mein Kommunikationsstil? Rede ich laut genug? Spreche ich zu leise? Rede ich zu langsam oder zu schnell? Wie moduliere ich meine Stimme? Spreche ich zu eintönig? Ist das Zuhören anstrengend?

  • Spreche ich verständlich? Werde ich verstanden? Wie ist mein Satzaufbau? Kurz oder zu kompliziert? Verwende ich zu viele Fachbegriffe bzw. Fremdwörter?

  • Unterstreiche ich das Gesagte mit angemessener Gestik? Fuchtele ich wild herum? Oder fehlt bei mir die unterstützende Wirkung von Gesten ganz?

  • Wie gebe ich Anweisungen? Wie ist meine Argumentationskette aufgebaut? Wie setze ich meine Fragen ein?

  • Wie wirke ich insgesamt? Wirke ich authentisch? Wie "komme ich rüber"?

Die Wirkung lässt sich noch steigern, wenn Sie einen Moderator oder einen Kommunikationstrainer über Ihre Schulter schauen lassen.

Reden ist Gold: Lernen Sie um!

Das Kommunikationsverhalten ändern

Sprachhemmungen können Sie besiegen - mit vielen kleinen Schritten. Das Wichtigste ist erst einmal der beherzte Entschluss, das eigene Kommunikationsverhalten zu verändern.

Erwarten Sie aber keinen Quantensprung. Verhaltensänderungen gehen langsam von statten. Es erfordert Zeit, alte Muster zu "löschen" und durch neue Muster zu ersetzen. Der Weg führt über aktives Einüben des neuen Verhalten. Reden Sie! Üben Sie das Sprechen und Kommunzieren, regelmäßig und beharrlich. Üben Sie täglich!

Gehen Sie aber trotzdem mit Spaß an die Sache heran. Bleiben Sie offen. Sie können das Projekt "Neues Kommunikationsverhalten" ruhig als Experiment sehen: Es macht Ihr Leben spannend und sorgt täglich für neue interessante Erfahrungen!

Redegelegenheiten nutzen

Installieren Sie kleine "Rede-Inseln" in Ihrem Alltag. Pflegen Sie "Zwischendurch-Gespräche" mit Menschen, die Ihnen über den Weg laufen:

  • Fragen Sie Ihren Briefboten, wie es heute bei ihm läuft.

  • Machen Sie eine Kaffeepause im Büro. Fragen Sie Ihren Kollegen, was er am Wochenende oder gestern abend gemacht hat.

  • Machen Sie beim Rasenmähen einen kleinen Nachbarschwatz.

  • Halten Sie am Telefon einen kleinen Small-Talk mit Ihren Kunden.

  • Tauschen Sie sich mit Ihrem Partner am Abend über Gott und die Welt aus.

  • Sprechen Sie bewusst auf Anrufbeantworter, statt aufzulegen!

Den Einstieg finden

Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser? Es gibt eine Reihe nützlicher Tipps dagegen:

  • Warmlaufen!

    Es ist nicht immer leicht, flüssig ins Sprechen zu kommen. Aber das ist nicht weiter schlimm. Fitnesstraining beginnt auch mit Aufwärmen. Beginnen Sie sachte, und suchen Sie sich einen vertrauten Menschen, mit dem Sie gut können. Reden Sie einfach drauflos. Der Redefluss kommt von selber..

  • Wettern Sie über das Wetter!

    Wenn Sie gar nicht wissen, was Sie sagen sollen, dann sprechen Sie doch einfach über das Thema, das jeden beschäftigt und zu dem jeder was sagen kann: das Wetter. "Heute ist es aber wieder extrem heiß", "Dieser ständige Wetterwechsel macht mich ganz fertig" - was bei allen anderen funktioniert, funktioniert garantiert auch für Sie!

  • Verlieren Sie die Angst, etwas Dummes zu sagen!

    Nichts stutzt die Flügel der Sprache so sehr wie die Angst, man könnte etwas Falsches oder Dummes sagen. Dabei sind gerade "dumme" Fragen oft der beste Gesprächseinstieg. Ihr Gegenüber wird Ihnen häufig geradezu dankbar sein dafür.

  • Gehen Sie in Vorleistung!

    Warten Sie nicht darauf, dass Ihr Gegenüber ein Gespräch ankurbelt. Gehen Sie selbst in Vorleistung: Komplimente oder überraschende Statements bringen ein Gespräch schnell ins Rollen. Und Aufmerksamkeit ist mindestens so förderlich wie Redegewandheit: Der Kollege war beim Frisör? Das ist Ihre Chance - egal ob Sie mit "Schöner neuer Haarschnitt, steht Dir echt gut!" eröffnen oder mit "Ach, Du bist wohl unter den Räsenmäher gekommen?"

  • Lächeln verbindet!

    Lächeln Sie Ihren Gesprächspartner bewusst an. Ein Lächeln verbindet schnell und sofort - und es kann Gesprächssituationen, die zu entgleisen drohen, schnell wieder auf Kurs bringen.

  • Vorbilder helfen:

    Achten Sie auf gute Rhetoriker - das hilft Ihnen, die eigenen Fähikgeiten zu verbessern. Ein Tipp von professionellen Rhetoriktrainern besteht darin, Nachrichtensprecher einfach nachzusprechen. Oder "belauschen" Sie bewusst Ihre Mitmenschen: Wem hören Sie gerne zu, und warum?

Beispiel:

Als ich 2000 in unseren Baubetrieb kam, war das Miteinander nicht immer freundlich. Das Gesprächsklima war teilweise sogar recht frostig.

Damals führte ich regelmäßige Mitarbeiterbesprechungen ein. Ich kann mich noch gut erinnern, wie zäh diese Besprechungen zu Beginn abliefen. Wie konnte ich die Mitarbeiter nur zum Sprechen animieren?

Ich fing an, die Gesprächsrunde mit "Blitzlichtrunden" zu beginnen. Die Mitarbeiter sollten ringsum spontan berichten, was sie gerade umtrieb und was ihnen durch den Kopf ging.

Es war ein schwerer Kampf. Alle waren es gewohnt der Stimme des Chefs zu folgen, und ließen sich ungern selbst zum Sprechen bewegen. Aber ich blieb dran - und fing an, über mich zu sprechen. Ich erzählte, wie es mir so ging, was ich alles so trieb, was ich dachte, frei heraus.

Uns siehe da: Langsam tauten die Mitarbeiter auf. Heute verlaufen die Besprechungen unkompliziert und flüssig. Jeder hat sich an das neue Prozedere gewohnt. Die Mitarbeiter haben längst gelernt, zu sprechen - heute muss ich sie zügeln, damit die Besprechungen nicht den Rahmen sprengen.

Und muss ich noch betonen, dass die Stimmung in der Firma heute viel offener und gelöster ist als früher und Informationen viel besser ausgetauscht werden?

Die nächste Stufe: Vorträge vor Zuhörern

Small Talk ist das eine. Vorträge oder Präsentationen vor Zuhörern sind etwas anderes. Aber auch dabei gilt: Reden lernt man am besten durch Reden.

Halten Sie Vorträge! Beginnen Sie mit vertrauten Themen, mit Themen, zu denen Sie etwas zu sagen haben.

Auch Profi-Redner plagen sich vor großen Auftritten mit Lampenfieber. Lampenfieber in Maßen hat sogar etwas Gutes: Es bündelt unsere Energie. Vor allem aber gibt es durchaus Mittel gegen die Aufregung:

  • Vorbereitung

    Üben Sie im stillen Kämmerlein, bis das, was Sie sagen wollen, ganz locker über Ihre Lippen kommt. Sprechen Sie auf einen Rekorder. Spielen Sie es immer wieder ab. Beurteilen Sie sich selbst - aber bitte nicht überkritisch. Achten Sie darauf, was flüssig klingt und was nicht. Starten Sie einen neuen Anlauf.

  • Atmung

    Wenn wir aufgeregt sind, atmen wir hektisch und flach. DDie Versorgung mit Sauerstoff nimmt dadurch ab. Sie bleiben unter Ihrer Leistungsfähigkeit. Beginnen Sie langsam. Stimmen Sie sich auf Ihr Publikum ein, in dem Sie erstmal in die Runde blicken, einen Schluck Wasser trinken tief durchatmen. Verstärken Sie die Atemübung mit Ihrer festen Überzeugung: "Ich habe etwas Geniales mitzuteilen."

  • Lautstärke

    Gewöhnen Sie sich es an, etwas lauter zu sprechen. Das können Sie durch Singen schulen. Singen Sie im Auto, im Bad, unter der Dusche, im stillen Kämmerlein. Völlig uninteressant ist es, ob Sie die richtige Stimmlage erwischen. Wichtig ist nur, dass Sie Ihre Stimme trainieren.

  • Sprechtempo

    Reden Sie langsam. Schnell-Redner, die sich selbst von Satz zu Satz hetzen, wirken abstoßend. Und es kommt nicht nur nicht gut an, es kommt auch niemand mit.

Review: Ein lohnender Rückblick

Nach drei oder vier Wochen, ist es Zeit, Ihre Fortschritte zu begutachten. Haben Sie etwas dazulernen können? Haben Sie einige Hinweise umsetzen können?

  • Konnten Sie täglich das Reden üben?

  • Haben Sie Small Talk gemacht?

  • Sind Sie mit der Zeit beim Reden immer einfacher ins Reden gekommen?

Auch wenn es langsam vorwärts geht: Es geht vorwärts. Bleiben Sie am Ball!

Fazit

Sich nicht äußern zu können, nicht kommunizieren zu können, frisst einen auf. Wer nicht aus sich herausgehen kann, fällt in sich zusammen. Überwindet man seine Kommunikationshemmungen, wird man dagegen belohnt: Sprechen stellt Miteinander und eine positive Grundstimmung her. Ganz abgesehen vom Gewinn durch den verbesserten Informationsfluss: Zum professionellen Arbeiten gehört schließlich auch, professionell zu kommunzieren.

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Über die Autorin:

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Die 1967 geborene Pfälzerin Heike Eberle ist mit Herzblut Unternehmerin und Beraterin. Seit über zwölf Jahren ist sie im eigenen Baubetrieb engagiert, der trotz vieler Turbulenzen gut dasteht.

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