Urlaubsverzicht? Bloß nicht!
Typisch: Eigentlich brummt es immer gerade viel zu sehr, als dass Sie Zeit für Erholungspausen hätten. Oder es herrscht Auftragsflaute - erst recht keine Zeit für Regeneration. Kennen Sie das auch? Viel zu viele Selbstständige finden stets gute Gründe, um Erholungsurlaub und sogar Wochenend-Auszeiten ausfallen zu lassen. Das Unabkömmlichkeits-Denken ist aber ausgesprochen ungesund: Für Ihr Unternehmen wie für Sie selbst. Was dagegen hilft, sind unsere organisatorischen Tipps für Ihre schöpferischen Pausen.
Selbstständigkeitskriterium: Nie mehr Urlaub?
Es gibt viele Eignungstests und Ratgeber für angehende Existenzgründer, und zwar sehr unterschiedliche. Bei der Feststellung, ob Sie ein Unternehmertyp sind oder nicht, taucht jedoch unweigerlich eine der folgenden stereotypen Formulierungen auf (alles O-Töne): "Sind Sie bereit ...
... weitgehend auf Urlaub, Freizeit und Familienleben zu verzichten?
... auf Urlaub weitgehend zu verzichten?
... auf Urlaub und Freizeit zu verzichten?
... zunächst auf Freizeit und Urlaub zu verzichten?
... viel zu arbeiten und auf Urlaub zu verzichten?
... oft jahrelang auf Urlaub, Freizeit und Familienleben zu verzichten?
Die Bereitschaft zum Urlaubsverzicht gilt also geradezu als Eintrittskarte in den Klub der Selbstständigen.
Unabkömmlichkeits-Denken als Relikt der Gründer-Zeit
Die Ideologie der Vollzeit-/Vollblut-Chefs hat gewiss einen rationalen Kern - und ist oft auch aus der Erfahrung der eigenen Gründung geboren. Schließlich darf ein junger Betrieb oder ein Nachwuchs-Freelancer gerade in der Anlaufphase seinen (neuen!) Kunden nicht den Eindruck vermitteln, man pflege eine "freizeitorientierte Schonhaltung" und setze die eigene Erholung über die Kundenzufriedenheit. Es gilt, präsent zu sein: Wenn Aufträge in größerer Zahl vorliegen, müssen sie abgearbeitet werden. Wenn Auftragsflaute herrscht, dürfen Kunden-Anfragen nicht ins Leere laufen.
Zunächst, in der Pionierphase, fällt der Dauerbetrieb den meisten Gründern auch gar nicht schwer. Wer selbstbestimmt und auf eigene Rechnung arbeitet, hat oft mehr Spaß am eigenen Berufsalltag, ist nicht so schnell erschöpft und daher auch seltener "reif für die Insel".
Zwei typische Workaholiker-Argumente - und die Richtigstellung
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Zweifellos gibt es Ausnahmesituationen, in denen der Betrieb rund um die Uhr Priorität hat. Sie dürfen aber nicht zum Dauerzustand werden. So eine Ideologie des permanenten Verzichts legt nahe, dass das Leben sich auf ungesunde Weise auf den Beruf verengt hat.
Vor allem aber fügt Unabkömmlichkeits-Denken dem unternehmerischen Erfolg eher Schaden zu. Wenn die Regeneration zu kurz kommt, sinken irgendwann unausweichlich Ihre Leistungsfähigkeit und Kreativität als Unternehmer. Wenn Sie für ein dauerhaft hohes Leistungsniveau sorgen wollen, dann müssen Sie einen ausgewogenen Rhythmus aus Spannung und Entspannung erreichen.
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Es ist zwar wahr, dass Menschen unterschiedlich große Leistungs-Batterien haben und unterschiedlich belastbar sind. Manche brauchen keine mehrwöchige Erholung - sie können bereits nach einem verlängerten Wochenende wieder Bäume ausreißen. Die Zahl dieser Zeitgenossen ist aber eher klein. Wichtig ist, dass Sie den eigenen Erholungsbedarf ehrlich einzuschätzen lernen - abseits aller Stereotypen vom "echten Unternehmertyp". Illusionen anzuhängen, das ist auch in diesem Punkt geschäftsschädigend.
Für Psychologen besteht übrigens ein Hauptmerkmal psychischer Gesundheit darin, eigene Bedürfnisse ehrlich zu erkennen und zu respektieren. Dazu gehört auch der Wunsch nach Ruhe und Erholung. Nebenbei ist das nachweislich die beste Vorbeugung gegen die Volkskrankheit Burn-Out.
Der richtige Zeitpunkt
Erholungsauszeiten brauchen nicht unbedingt wochenlang zu dauern, sie müssen aber bewusst geplant und dann auch konsequent genutzt werden. Halbherzige Absichtserklärungen bringen Ihnen genau so wenig wie "Arbeitsurlaube", die den Namen nicht verdienen. Im Zweifel haben Sie mehr davon, wenn Sie an einem verlängerten Wochenende wirklich die Seele baumeln lassen, als wenn Sie zwei Wochen lang im Ferienhaus ständig per Handy und Internet erreichbar und im Einsatz sind.
Solche Pseudo-Urlaube hinterlassen nämlich nicht nur bei den Mitreisenden ein schales Gefühl: Auch der vermeintlich Unersetzliche selbst ist ständig hin- und hergerissen und leidet zudem unter dem zusätzlichen Kommunikationsaufwand und organisatorischen Engpässen.
Machen Sie sich lieber auf die Suche nach passenden Gelegenheiten, an denen Sie Ihren Betrieb vorübergehend hinter sich lassen können. Das sind zum einen die bekannten volkswirtschaftlichen Produktionsflauten ...
zwischen Weihnachten und Neujahr,
in einigen Regionen rund um Fasching und Karneval,
in der Zeit um Ostern und Pfingsten sowie
die Feier- und Brückentage im Mai.
Hier können Sie mit Ihren Erholungszeiten auf das meiste Verständnis Ihrer Kunden rechnen - sofern Ihre Abwesenheit überhaupt bemerkt wird.
Für längere Auszeiten bietet sich nicht unbedingt die Ferienzeit im Sommer an. Das Geschäftsjahr von Selbstständigen unterliegt ganz unterschiedlichen saisonalen Schwankungen. Wenn Sie sich nicht ohnehin sicher sind, wie der Saisonverlauf bei Ihnen aussieht, dann schauen Sie doch mal in Ihre Vorjahres-Unterlagen. Daraus lässt sich ablesen, in welchen Wochen mit den wenigsten Anfragen und Aufträgen zu rechnen ist.
Auch die organisatorischen Konsequenzen eines geplanten Kurzurlaubs unterscheiden sich je nach Art und Größe des Betriebs. Im Kern reduziert sich die Entscheidung jedoch auf die Alternative "Betriebsferien" oder "Chef-Urlaub".
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