10 beliebte Zeichensetzungsfehler

Wo gehören Kommas, Punkte, Anführungszeichen und Apostrophen hin, und wo nicht?

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Stand: 6. Januar 2016

Neben Rechtschreibfehlern, die wir im ersten Teil unserer Reihe behandelt haben, gehören Zeichensetzungsfehler zu den augenscheinlichsten Makeln in geschäftlichen und privaten Texten. Man findet sie überall: in Briefen, in E-Mails, in Broschüren, in Büchern, auf Websites. Wir verraten Ihnen, wie Sie häufig vorkommende Fehler erkennen und vermeiden können.

Stellen Sie sich einmal vor, Robinson Crusoe wäre von den Kannibalen entdeckt und zu ihrer Insel mitgenommen worden. Und anderntags würde zur Mittagszeit ein Ruf durch den Dschungel schallen: Entweder Wir essen, Robinson! oder Wir essen Robinson! Im ersten Fall sollte sich Robinson erkundigen, was auf dem Speiseplan steht, im zweiten sich ernsthaft Sorgen machen. Der kleine „Beistrich“, wie das Komma auf Deutsch heißt, kann also eine Satzaussage verändern, ja gar in ihr Gegenteil verkehren.

Ein zweites, nicht fiktives Beispiel: „In einer Umfrage bekannten 70 % der amerikanischen Jugendlichen, sie bedauerten nicht [in Woodstock] dabei gewesen zu sein.“ Dieser Satz aus einem Verlagskatalog zeigt, dass man sinnvollerweise ein Komma vor Infinitivsätzen (x zu sein/tun) macht, auch wenn dies nicht mehr zwingend ist. Man weiß nämlich ohne Komma hier nicht, welcher Sachverhalt zutrifft: 70 % bedauerten, nicht dabei gewesen zu sein oder 70 % bedauerten nicht, dabei gewesen zu sein. Vermutlich kennen Sie ähnliche Beispiele aus Ihrem Alltag.

Nun ist die Kommasetzung im Deutschen zugegebenermaßen nicht ganz einfach, selbst Schreibprofis müssen öfters nachschlagen. Aber es gibt ein paar Kommafehler, die immer wieder vorkommen und die man leicht vermeiden kann. Die wollen wir uns nun anschauen und anschließend noch einige andere kritische Satzzeichen behandeln.

Anrede ohne Punkt und Komma

Lassen Sie in Briefen oder E-Mails bei der Anrede gerne das Komma weg? Schreiben Sie Hallo Herr Hahn und Guten Tag Frau Fink? Dann machen Sie es wie schätzungsweise 99 % aller Schreiber — nämlich inkorrekt. Wahrscheinlich haben wir diese Gewohnheit von den über das Handy verschickten Kurznachrichten übernommen, bei denen oft auf Satzzeichen verzichtet wird. Hinzu kommt wohl, dass wir beim Hallo-Sagen keine merkliche Sprechpause vor dem Namen machen, was ein Komma nahelegen würde.

Anreden werden jedoch durch ein Komma abgetrennt, richtig ist also: Hallo, Herr Hahn und Guten Tag, Frau Fink. Das Robinson-Beispiel demonstriert diese Regel auf eindrucksvolle Art und Weise. Vermutlich setzen Sie ja auch in Briefen bei einer konventionellen Anrede ein Komma: Sehr geehrte Frau Fink, bezugnehmend ... oder Lieber Lars, danke ... Warum also nicht auch bei Hallo und Guten Tag? Grammatisch gesehen gibt es keinen Unterschied.

Konjunktionen: Komma oder nicht Komma?

Oft werden Aufzählungen mit usw. oder etc. beendet und fälschlicherweise wird ein Komma davor gesetzt: Äpfel, Birnen, Clementinen, usw. Vor dem Bindewort (Konjunktion) und steht aber im Deutschen bei Aufzählungen kein Komma. Das gilt natürlich genauso für usw. (= und so weiter) oder das lateinische etc. (= et cetera) mit gleicher Bedeutung. Auch bei anderen verbindenden Konjunktionen kommt kein Komma hin: sowohl Äpfel als auch Birnen, entweder Äpfel oder Birnen, weder Äpfel noch Birnen. Das gilt gleichermaßen für sowie und beziehungsweise: Äpfel sowie Birnen bzw. Clementinen.

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Rechtschreibung

Wo gehören Kommas, Punkten, Anführungszeichen und Apostrophen hin, und wo nicht?
Und wo sind die richtigen Pluralformen!?
Wenn in der Headline schon so geschlampt wird, ...

Entschuldigung

Den mittlerweile korrigierten Tippfehler im Untertitel bitte ich zu entschuldigen, so etwas ist an dieser Stelle natürlich recht peinlich, dem kann ich nicht widersprechen.

Der Ehrenrettung des Autors halber möchte ich betonen, dass nicht Herr Fries, sondern die Redaktion diesen Fehler verschuldet hat.

Ihre akademie.de-Redaktion
Simon Hengel

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Über den Autor:

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Joachim Fries ist freier Lektor und Trainer. Sein Schwerpunkt sind Bücher und Bildungsmedien rund um das Thema Management. Vor seiner Freiberuflichkeit war er viele Jahre als Führungskräftetrainer un ...

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