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Finanzplanung: Kassensturz für Ihre Zukunfts- und Altersvorsorge

Ertragswert-Ermittlung und Mittelwert-Methode

  • Den Ertragswert des Unternehmens ermitteln Sie in den Zeilen 107 bis 115.

  • Eine zentrale Größe für den meist für die Bewertung wichtigeren Ertragswert ist der "zukünftige, längerfristig erwartbare Gewinn pro Jahr" in Zeile 108. Bei der Gewinnermittlung ist zunächst der eigene "Unternehmerlohn" vom Gewinn abzuziehen, sofern dieser im Gewinn enthalten ist und nicht, wie z. B. bei der GmbH, bereits über das Geschäftsführergehalt abgegolten ist. Bei der überschlägigen Gewinnermittlung sollte vorsichtig verfahren werden und nicht etwa überschäumende Wachstumsraten usw. angenommen werden, wenn diese nicht sehr konkret und sicher erwartet werden können. Eine eingehendere Diskussion der zukünftigen Gewinnermittlung kann hier nicht vorgenommen werden, geht es hier doch nur um eine überschlägige Wertermittlung.

  • Werden im Unternehmen Ertragssteuern (Gewerbesteuer, Kapitalertragssteuer) fällig, sind die Steuern zunächst über Eingabe des Steuersatzes in Zeile 109 vom Bruttogewinn abzuziehen. Daraus ergibt sich in Zeile 111 das Betriebsergebnis nach Ertragssteuern.

  • Der Ertragswert des Unternehmens gemäß Zeile 115 ermittelt sich dadurch, dass der ausgewiesene Nettogewinn durch einen Kapitalzinssatz mit Risikoaufschlag dividiert wird. Diese Kapitalverzinsung ermittelt sich in den Zeilen 112 bis 114. Zunächst ist in Zeile 112 die aktuelle marktübliche Verzinsung für mittelfristige Anleihen guter Bonität einzutragen, also etwa das, was ein Anleger bei Festgeldanlage mit einer mehrjährigen Laufzeit an Zinsen erhalten würde. In Zeile 113 wird dann der Zinsaufschlag eingetragen, der das Risiko berücksichtigt, das der Käufer durch den Kauf der Unternehmensanteile eingeht. Schließlich will der Käufer dafür belohnt werden, dass er eine eher unsichere Investition eingeht, denn das Unternehmen kann auch pleite gehen. Anderswo wäre sein Geld - beispielsweise über den Erwerb von Bundesanleihen - weniger riskant angelegt. Dieser am Markt von potentiellen Käufern berücksichtigte Risikofaktor, der sich in einem Zinsaufschlag ausdrückt, ist sehr abhängig von der Branche, der Branchenkonjunktur, der allgemeinen Konjunkturlage und der Größe des eigenen Unternehmens. Wobei kleinere Unternehmen von Investoren meist als stärker risikobehaftet angesehen werden. Eine Orientierung bieten hier auch die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse einzelner Branchen an der Börse, wobei im Vergleich kleine Unternehmen massive Risikoabschläge in Kauf nehmen müssen. Aus den Zinsangaben errechnet sich sodann der "Unternehmenswert nach Ertragswertmethode" in Zeile 115.

  • Die "Mittelwertmethode Unternehmenswert" in Zeile 117 folgende wurde eingeführt, da weder der Substanzwert noch der Ertragswert allein immer das ideale Bewertungsverfahren darstellen können. So wird häufig eine Mischform beider Bewertungen angewandt. Speziell auch deshalb, weil bei Unternehmen mit höheren Vermögenswerten (beispielsweise Besitz einer Gewerbeimmobilie und zugleich keine Schulden) die Ertragswertmethode unbrauchbar niedrige Ergebnisse liefern würde, wenn zugleich kaum Gewinne sprudeln. Umgekehrt würde die Substanzwertmethode nichts bringen, wenn das Unternehmen einen negativen Substanzwert aufgrund aufgenommener Kredite ausweist, aber erfolgreich wirtschaftet, hohe Gewinne einfährt und die Schuldzinsen locker abzahlen kann. Hier ist die Ertragswertmethode vorrangig.

  • Den Mix zwischen Substanzwert und Ertragswert des Unternehmens legen Sie über die anteilige Prozentangabe des Substanzwerts in Zeile 118 fest. Aus diesem ergibt sich der Unternehmenswert in Zeile 120.

  • Da uns im vorliegenden Grundkurs "Kassensturz" ja eigentlich die persönliche Vermögens- und Vorsorgelage interessiert, ist jetzt noch der Unternehmens-Verkaufserlös der eigenen Anteile zu ermitteln. Dazu wird zunächst vom Unternehmenswert in Zeile 121 der "geschätzte Kostenaufwand für den Verkauf" abgezogen. Die Suche nach Käufern, die Bezahlung von Vermittlern und Unternehmensberatern, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, ggf. auch die Notarkosten und der Dokumentationsaufwand für eine Firmenpräsentation oder Dokumentation und der Zeitaufwand für Verhandlungen können manchmal größere Kostenkomponenten darstellen. Daraus ergibt sich der Unternehmenswert minus Verkaufskosten in Zeile 121.

  • Der Verkaufserlös in Zeile 126 bestimmt sich dann danach, wie hoch die selbst gehaltenen Anteile am Unternehmen sind und wie hoch die eigenen Kapitalertragssteuern sein werden, die die Auszahlung des Verkaufserlöses nach sich zieht.

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Über den Autor:

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Dr. Dietrich von Hase arbeitete nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Psychologie zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später dann als freier Fachjournalist, freier Proje ...

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