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Flaute, Pech & Auftragsmangel? Zeit für die Standortbestimmung.

Was bei geschäftlichen Misserfolgen und fehlenden Aufträgen zu tun ist - ein Plädoyer gegen Hektik und Aktionismus

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Stand: 22. Februar 2013 (aktualisiert)

Für Konzerne mögen Krisen überraschend kommen: Kleinunternehmer und Selbstständige wissen dagegen, dass sie immer wieder einmal mit Fehlschlägen und Durststrecken fertig werden müssen. Ob die Auftragsflaute hausgemacht ist oder ob es an der Wirtschaftslage liegt - man kann den unfreiwilligen Auszeiten sogar guten Seiten abgewinnen. Zumindest hat man so Zeit für eine grundlegende Standortbestimmung.

Ständig beklagen wir die viele Arbeit und den Zeitdruck. Brechen jedoch einmal - unfreiwilligerweise - ruhigere Zeiten an, kommt erst recht Hektik auf, bis hin zur Panik. Die Folge ist oft hektischer Aktionismus: hastige Akquisebemühungen, unüberlegte Angebote, kurzsichtige Sparmaßnahmen.

Dabei bringt kopflose Betriebsamkeit überhaupt nichts: Vielmehr verbaut sie den Blick auf die Chancen, die in einem Auftragsmangel liegen - angefangen bei einer schonungslosen Standortbestimmung. Denn entweder ist die Flaute zurückzuführen auf ...

  • harmlose Planungsfehler oder die vorübergehende Schwächeperiode eines Geschäftsmodells, das an sich funktioniert und zukunftsträchtig ist. Dann nutzen Sie die Auszeit am besten als Gelegenheit, um neue Kraft zu schöpfen, Rückschau zu halten, klar Schiff zu machen und einen neuen Anlauf zu starten. Oder aber ...

  • die bislang angebotenen Produkte und Dienstleistungen sind nicht (mehr) markttauglich. Dann bringen kurzfristige Akquisitions-Aktivitäten erst recht herzlich wenig. In dem Fall ist es an der Zeit, das Geschäftsmodell einer Runderneuerung zu unterziehen oder sogar zu ganz neuen Ufern aufzubrechen.

Sicher: Durch eine nüchterne Sicht der Dinge wird die schwierige Situation zunächst einmal nicht weniger bedrohlich. Aber es geht ja auch nicht darum, die Lage schönzureden, sondern die Handlungsfähigkeit zu erhalten und vorhandene Möglichkeiten aktiv und beherzt auszuschöpfen.

1. Schritt: Moment mal ...

In schwierigen Zeiten empfiehlt es sich, zu allererst Druck herauszunehmen und sich an eine Einsicht aus besseren Zeiten zu erinnern (auch wenn's schwer fällt): Erfolg ist ohne Misserfolge auf Dauer nicht zu haben - oder wäre langweilig. Außerdem sind Fehler immer auch Fingerzeige - sie zeigen, wo Fortschritte zu erzielen sind.

Dabei geht es wahrhaftig nicht darum, die rosa Brille aufzusetzen und eine schwierige Lage schönzureden. Negative Gefühle wie Enttäuschung, Frustration und Angst lassen sich schließlich nicht einfach beiseiteschieben. Aber machen Sie sich klar: "Ich bin diesenGefühle nicht hilflos ausgeliefert!" Wer sich die richtigen Fragen stellt und die Antworten in die Tat umsetzt, kann sich oft tatsächlich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.

Sinnvolle Fragen sind zum Beispiel:

  • Was ist mir wirklich wichtig in meinem Leben?

  • Was kann mir schlimmstenfalls passieren?

  • Welche Vorteile und Chancen kann ich für mich aus der Flaute/Krise ziehen?

  • Worauf habe ich im Moment Einfluss - und worauf nicht?

  • Was konkret kann ich jetzt tun?

Zugegeben: Als Solo-Selbstständiger bewege ich persönlich nur ein vergleichsweise kleines Rad und kann mir Nachdenklichkeit eher leisten - schon deshalb, weil von meinem Erfolg "bloß" meine eigene Existenz und schlimmstenfalls die meiner Familie abhängt. Wer, anders als ich, viele Mitarbeiter unter Dampf halten muss, kann sich weniger Zeit zum Durchatmen nehmen. Mit Aktionismus und hektischer Betriebsamkeit sind aber selbst Unternehmer und Konzernlenker nicht gut beraten. Wie der Holzfäller, der den Bäumen aus Zeitmangel mit einer stumpfen Axt zu Leibe rückt, versäumen wir es dann, zu gegebener Zeit unser "Werkzeug" zu schärfen. Der kluge Rat von Lothar J. Seiwert "Wenn du es eilig hast, gehe langsam!" wird leider viel zu selten beachtet.

2. Schritt: Wieder zu mir selbst finden

Weil sich im Leben eines Solo-Selbstständigen Phasen intensiver Belastung regelmäßig mit Zeiten abwechseln, in denen es weniger brummt, habe ich mir angewöhnt, an ruhigen Tagen erst einmal an mich selbst zu denken: Bei schönem Wetter mache ich früher Feierabend oder gönne mir sogar ein verlängertes Wochenende. Falls ich mich damit schwer tue, hilft mir die Frage: "Wenn ich einst vom Sterbebett aus auf mein Leben zurückblicke: Werde ich es dann wirklich bereuen, heute nicht im Büro gewesen zu sein?"

"Zeit für mich" muss sich nicht in Freizeitgestaltung erschöpfen: Eine bewährte Möglichkeit, auf dem Teppich zu bleiben, ist die ebenso schlichte wie wirkungsvolle "achtsamkeitsbasierte Stressreduktion" (= Mindfulness-Based Stress Reduction - MBSR) des amerikanischen Verhaltenstherapeuten Jon Kabat-Zinn.

Überraschend heilsame Wirkung in einer akuten beruflichen Krise habe ich vor einigen Jahren mit einer mehrwöchigen Fastenkur erzielt. Dass mir das Heilfasten körperlich und seelisch gut tut, wusste ich. Auf eine geschäftliche Flaute mit einer Fasten-Auszeit zu reagieren, offenbarte mir auf sehr elementare Weise, worauf es wirklich ankommt und befreite mich vorübergehend von vielen vermeintlichen Notwendigkeiten. (Bitte beachten Sie: Bevor Sie auf eine außergewöhnliche Situation mit Nahrungsentzug und ähnlichen Maßnahmen reagieren, sollten Sie Ihren Arzt zurate ziehen.)

3. Schritt: Kopf frei durch Routine-Tätigkeiten

Fehlen mir für aktive Freizeitgestaltung die erforderliche Ruhe und Gelassenheit, bleiben immer noch eine Menge Aufgaben übrig, die ich sonst nur eilig nebenher oder nach Feierabend erledigen kann. Warum nicht einmal ganz ohne den sonst üblichen Zeitdruck ...

  • Projekte abrechnen und Rechnungen schreiben,

  • Buchführung und Jahresplanung auf Stand bringen,

  • Steuererklärungen vorbereiten und / oder fertigmachen,

  • Büro aufräumen, Papier- und Zeitungsstapel abbauen,

  • Ablage und Archiv ausmisten,

  • kommende Projekte vorbereiten,

  • Website / Geschäftspapiere aktualisieren,

  • Fachbücher und Aufsätze lesen oder auch

  • an Seminaren und Workshops teilnehmen?

Anstrengende körperliche Aktivitäten haben dabei obendrein den Vorteil, dass sie für Stressabfuhr sorgen und den Kopf frei machen. Besser als Trübsal zu blasen, über die Wirtschaftskrise und / oder undankbare Auftraggeber zu lamentieren, ist das Erledigen alltäglicher Routinetätigkeiten allemal. Selbst Staubsaugen, Staubwischen und Fenster putzen kann Spaß machen - und im wahrsten Sinne des Wortes für mehr Durchblick sorgen.

Wenn ich mich ohne Vorbehalte und Vorurteile auf noch so banale Weise nützlich mache, fallen Ärger, Hilflosigkeit, Sorgen oder Angst meist im Handumdrehen von mir ab - zumindest vorübergehend.

4. Schritt: Persönliches Aufbauprogramm

Während des "therapeutischen" Abarbeitens von Routine-Aufgaben während einer Flaute nutze ich zwei einfache, aber sehr wirkungsvolle Werkzeuge des "Selbst- und Mentalcoachings":

  • Ich besinne mich auf meine persönlichen Stärken und auf das, was ich bereits erreicht habe. Und ...

  • ich führe mir künftige Erfolge und die Lebensumstände, die ich erreichen will, möglichst bildhaft vor Augen.

Dabei helfen mir zum Beispiel ...

  • das Stöbern in den positiven Rückmeldungen meiner Kunden und Leser (die ich laufend in einem separaten "Lob- und Hudel-Ordner" sammele),

  • die Erinnerung an frühere Flauten, Krisen und Missgeschicke: Wie stellen sich diese Situationen im Rückblick dar? Was ist daraus geworden?

  • die Rückbesinnung auf eigene Zukunftsentwürfe, Ziele und Vorsätze oder auch

  • die Lektüre Mut machender Ratgeber, Sachbücher und Biografien.

Außerdem sorge ich in schwierigen Situationen dafür, mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben. Besonders entlastend und aufbauend sind dabei persönliche Gespräche, in denen die Beteiligten ihre Masken fallen lassen und sich offen mit ihren Schwierigkeiten und Schwächen zeigen können.

Je nach konkreter Problemlage und individuellem Leidensdruck kann das zum Beispiel ...

  • ein Unternehmer-Stammtisch,

  • eine klassische Erfahrungsaustauschgruppe zwischen nicht-konkurrierenden Geschäftsleuten ("Erfa-Gruppe"),

  • ein passender Selbstmanagement-Workshop

  • ein Erfolgsteam oder auch

  • eine therapeutische Selbsthilfegruppe

... sein. Wer in seiner Nähe keine passende Gruppe findet bzw. gründen kann oder will, findet verständnisvolle und hilfreiche Gleichgesinnte notfalls in Online-Communities und Mailinglisten. Wer (noch) das nötige Kleingeld hat, kann sich auch einen professionellen Business-Coach und/oder Unternehmensberater suchen.

Ich selbst habe mit Selbsthilfe-Konzepten wie den bereits erwähnten Erfolgsteams die besten Erfahrungen gemacht. Und das nicht nur aus finanziellen Erwägungen: Funktionierende Selbsthilfe fördert die Übernahme von Verantwortung, verhindert, dass man auf die eigene (Problem-)Sichtweisen fixiert bleibt und sorgt für überraschende "Ideenduschen".

5. Schritt: Betriebliches Aufbauprogramm

Habe ich den akuten Business-Blues erst einmal überwunden, nehme ich mit neuem Elan und der erforderlichen Überzeugungskraft die eigentlichen geschäftlichen Maßnahmen zur Krisenbewältigung in Angriff.

Schnelleren Erfolg als konventionelle Werbung und Kaltakquise von Neukunden versprechen dabei Maßnahmen wie diese:

  • Bestandskunden anschreiben, anrufen oder besuchen und ihnen dabei Zusatzdienstleistungen oder Folgeprojekte anbieten,

  • Test- und Pilotprojekte entwickeln und vorschlagen,

  • ehemalige Kunden reaktivieren,

  • soziale Netzwerke nach potenziellen Kunden und Kooperationspartnern durchforsten und vor allem:

  • präsent sein und Flagge zeigen - zum Beispiel durch Teilnahme an Versammlungen, Veranstaltungen, Messen und Tagungen. Das garantiert zwar nicht auf Anhieb fette Aufträge - doch vor Ort zu sein und auf sich aufmerksam zu machen, verbessert die Chancen auf Dauer spürbar.

Zum Weiterlesen: Langfristige Maßnahmen

Wenn es mit einer verstärkten Marketing-Offensive nicht getan ist, dann gehören die Gesamtstrategie sowie die einzelnen Produkte und Dienstleistungen auf den Prüfstand. Ausführliche Informationen rund um die Themen Stärken-Schwächen-Analyse, Selbstvermarktung und Kundenakquise finden Sie in unseren Beiträgen:

Fazit: Es gibt nichts Gutes ...

In jeder Krise stecken (auch) Chancen. Eine Krise ist aber nicht per se eine Chance. Die Entwicklungsmöglichkeiten, die in ihr stecken, müssen erst zutage gefördert werden!

Damit die Gefahr nicht zu Lähmung oder wirkungslosem Aktionismus führt, empfiehlt es sich, innezuhalten und für einen klaren Kopf zu sorgen. Nur so ist eine realistische und gelassene Bestandsaufnahme sowie die Entwicklung aussichtsreicher Perspektiven möglich - am besten gemeinsam mit anderen Menschen. Wer sich schließlich darüber im Klaren ist, dass die Verwirklichung willkommener Chancen ein widersprüchlicher, anstrengender, schmerzhafter und obendrein regelmäßig wiederkehrender Prozess sein kann, ist für Krisen gut gerüstet. Und soviel ist sicher: Die nächste Krise kommt bestimmt.

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Danke.

Vielen Dank, sehr hilfreiche Vorschläge.

Klasse Artikel!! Das sorgt jedenfalls bei mir für Ermunterung. Danke :-)

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