Von Flauten, Pech & Auftragsmangel

Was tun bei geschäftlichen Misserfolgen und fehlenden Aufträgen?

Von: Robert Chromow
Stand: 6. Mai 2009
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Über den Autor:

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Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politologe. Seit über fünfzehn Jahren arbeitet er als freiberuflicher Journalist, Texter und Berater im eigenen Projektbüro. Print- und Online-Medien beziehen dort Fach- und Serviceartikel sowie Lernmaterialien. Außerdem schreibt er Handbücher, Webtexte und Newsletter für Unternehmen.

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Für Konzerne mögen Krisen überraschend kommen: Kleinunternehmer und Selbstständige müssen dagegen immer wieder einmal mit Fehlschlägen und Durststrecken fertig werden, ob sie nun hausgemacht oder auf die Wirtschaftslage zurückzuführen sind. Robert Chromow gewinnt auch den unfreiwilligen Auszeiten ihre guten Seiten ab.

Ständig beklagen wir die viele Arbeit und den Zeitdruck. Brechen jedoch einmal etwas ruhigere Zeiten an, kommt erst recht Hektik auf - manchmal sogar Panik. Die Folge ist oft hektischer Aktionismus: hastige Akquisebemühungen, unüberlegte Angebote, kurzsichtige Sparmaßnahmen.

Dabei bringt kopflose Betriebsamkeit überhaupt nichts: Vielmehr verbaut sie den Blick auf die Chancen, die in einem Auftragsmangel liegen - angefangen bei einer schonungslosen Standortbestimmung. Denn entweder ist die Flaute zurückzuführen auf ...

  • harmlose Planungsfehler oder die vorübergehende Schwächeperiode eines Geschäftsmodells, das an sich funktioniert und zukunftsträchtig ist. Dann sollten Sie die Auszeit als Gelegenheit nutzen, um neue Kraft zu schöpfen, Rückschau zu halten, klar Schiff zu machen und einen neuen Anlauf zu starten. Oder aber ...

  • die bislang angebotenen Produkte und Dienstleistungen sind nicht (mehr) markttauglich. Dann bringen kurzfristige Akquisitions-Aktivitäten erst recht herzlich wenig. In dem Fall ist es an der Zeit, das Geschäftsmodell einer Runderneuerung zu unterziehen oder zu ganz neuen Ufern aufzubrechen.

Zugegeben: Durch eine nüchterne Sicht der Dinge wird die schwierige Situation zunächst einmal nicht weniger bedrohlich. Aber es geht ja auch nicht darum, die Lage schönzureden, sondern die Handlungsfähigkeit zu erhalten und vorhandene Möglichkeiten aktiv und beherzt auszuschöpfen.

1. Schritt: Moment mal ...

In schwierigen Zeiten versuche ich, zu allererst Druck herauszunehmen und mich an eine Einsicht aus besseren Zeiten zu erinnern (auch wenn es mir in der Situation schwer fällt): Erfolg ist ohne Misserfolge auf Dauer nicht zu haben - oder wäre langweilig. Und Fehler sind ja immer auch Fingerzeige - sie zeigen, wo Fortschritte zu erzielen sind.

Nein, es geht wahrhaftig nicht darum, die rosa Brille aufzusetzen und eine schwierige Lage schönzureden. Negative Gefühle wie Enttäuschung, Frustration und Angst lassen sich schließlich nicht einfach beiseiteschieben. Aber machen Sie sich klar: "Ich bestehe nicht nur aus diesen Gefühlen und ich bin ihnen nicht hilflos ausgeliefert!" Wer sich die richtigen Fragen stellt und die Antworten in die Tat umsetzt, kann sich in vielen Fällen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.

Sinnvolle Fragen sind zum Beispiel:

  • Was ist mir wirklich wichtig in meinem Leben?

  • Was kann mir schlimmstenfalls passieren?

  • Welche Vorteile und Chancen kann ich für mich aus der Flaute/Krise ziehen?

  • Worauf habe ich im Moment Einfluss - und worauf nicht?

  • Was konkret kann ich jetzt tun?

Zugegeben: Als Selbstständiger bewege ich nur ein vergleichsweise kleines Rad und kann mir Nachdenklichkeit eher leisten - schon deshalb, weil von meinem Erfolg "bloß" meine eigene Existenz und schlimmstenfalls die meiner Familie abhängt. Wer viele Mitarbeiter unter Dampf halten muss, wird sich weniger Zeit beim Durchatmen nehmen können. Mit Aktionismus und hektischer Betriebsamkeit sind aber selbst Unternehmer und Konzernlenker nicht gut beraten. Wie der Holzfäller, der den Bäumen aus Zeitmangel mit einer stumpfen Axt zu Leibe rückt, versäumen wir es dann, zu gegebener Zeit unser "Werkzeug" zu schärfen. Der kluge Rat von Lothar J. Seiwert "Wenn du es eilig hast, gehe langsam!" wird leider viel zu selten beachtet.

Praxistipp: Wieder zu sich selbst finden

Eine bewährte Möglichkeit, auf dem Teppich zu bleiben, ist die ebenso schlichte wie wirkungsvolle "achtsamkeitsbasierte Stressreduktion" (= Mindfulness-Based Stress Reduction - MBSR) des amerikanischen Verhaltenstherapeuten Jon Kabat-Zinn.

2. Schritt: Auszeit für mich

Gerade in schwierigen Phasen mache ich mich gern nützlich. Nützlich für den Erhalt meiner selbstständigen Existenz sind zufriedene Kunden, Überzeugungskraft, Beharrlichkeit, das Vertrauen in meine eigene Leistungsfähigkeit - und deren langfristiger Erhalt.

Weil mein persönliches "Geschäftsmodell" zwangsläufig dazu führt, dass sich Phasen intensiver Belastung mit Zeiten abwechseln, in denen es weniger brummt, habe ich mir angewöhnt, an ruhigen Tagen erst einmal an mich selbst zu denken: Bei schönem Wetter mache ich früher Feierabend oder gönne mir sogar ein verlängertes Wochenende. Falls ich mich damit schwer tue, hilft mir die Frage: "Wenn ich einmal vom Sterbebett aus auf mein Leben zurückblicke: Werde ich es dann wirklich bereuen, heute nicht im Büro gewesen zu sein?"

Praxistipp: Heilfasten

"Zeit für mich" muss sich nicht in Freizeitgestaltung erschöpfen. Überraschend heilsame Wirkung in einer akuten beruflichen Krise habe ich vor einigen Jahren mit einer mehrwöchigen Fastenkur erzielt. Dass mir das Heilfasten körperlich und seelisch gut tut, wusste ich aus Erfahrung. Auf eine geschäftliche Flaute mit einer Fasten-Auszeit zu reagieren, offenbarte mir auf sehr elementare Weise, worauf es wirklich ankommt und befreite mich vorübergehend von vielen vermeintlichen Notwendigkeiten.

(Bitte beachten Sie: Bevor Sie auf eine außergewöhnliche Situation mit Nahrungsentzug und ähnlichen Maßnahmen reagieren, sollten Sie Ihren Arzt zurate ziehen.)

3. Schritt: Kopf frei durch Routine-Tätigkeiten

Fehlen mir für aktive Freizeitgestaltung die erforderliche Ruhe und Gelassenheit, bleiben immer noch eine Menge Aufgaben übrig, die ich sonst nur eilig nebenher oder nach Feierabend erledigen kann. Warum nicht einmal ganz ohne den sonst üblichen Zeitdruck ...

  • Projekte abrechnen und Rechnungen schreiben,

  • Buchführung und Jahresplanung auf Stand bringen,

  • Steuererklärungen vorbereiten und / oder fertigmachen,

  • Büro aufräumen, Papier- und Zeitungsstapel abbauen,

  • Ablage und Archiv ausmisten,

  • kommende Projekte vorbereiten,

  • Website / Geschäftspapiere aktualisieren,

  • Fachbücher und Aufsätze lesen oder auch

  • an Seminaren und Workshops teilnehmen?

Anstrengende körperliche Aktivitäten haben dabei obendrein den Vorteil, dass sie für Stressabfuhr sorgen und den Kopf frei machen. Besser als Trübsal zu blasen, über die Wirtschaftskrise und / oder undankbare Auftraggeber zu lamentieren, ist das Erledigen alltäglicher Routinetätigkeiten allemal. Selbst Staubsaugen, Staubwischen und Fenster putzen kann Spaß machen - und im wahrsten Sinne des Wortes für mehr Durchblick sorgen.

Wenn ich mich ohne Vorbehalte und Vorurteile auf noch so banale Weise nützlich mache, fallen Ärger, Hilflosigkeit, Sorgen oder Angst meist im Handumdrehen von mir ab - und sei es nur vorübergehend.

4. Schritt: Persönliches Aufbauprogramm

Während des "therapeutischen" Abarbeitens von Routine-Aufgaben während einer Flaute nutze ich zwei einfache, aber sehr wirkungsvolle Werkzeuge des "Selbst- und Mentalcoachings". Ich ...

  • besinne mich auf meine persönlichen Stärken und auf das, was ich bereits erreicht habe. Und ...

  • ich führe mir künftige Erfolge und die Lebensumstände, die ich erreichen will, möglichst bildhaft vor Augen.

Dabei helfen mir zum Beispiel ...

  • das Stöbern in den positiven Rückmeldungen meiner Kunden und Leser (die ich laufend in einem separaten "Lob- und Hudel-Ordner" sammele),

  • die Erinnerung an frühere Flauten, Krisen und Missgeschicke: Wie stellen sich diese Situationen im Rückblick dar? Was ist daraus geworden?

  • die Rückbesinnung auf eigene Zukunftsentwürfe, Ziele und Vorsätze oder auch

  • die Lektüre Mut machender Ratgeber, Sachbücher und Biografien.

Außerdem sorge ich in schwierigen Situationen dafür, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen bzw. zu bleiben. Besonders entlastend und aufbauend sind dabei persönliche Gespräche, in denen die Beteiligten ihre Masken fallen lassen und sich offen mit ihren Schwierigkeiten und Schwächen zeigen können.

Je nach konkreter Problemlage und individuellem Leidensdruck kann das zum Beispiel ...

  • ein Unternehmer-Stammtisch,

  • eine klassische Erfahrungsaustauschgruppe zwischen nicht-konkurrierenden Geschäftsleuten ("Erfa-Gruppe"),

  • ein Erfolgsteam,

  • ein passender Weiterbildungs-Workshop oder auch

  • eine therapeutische Selbsthilfegruppe

... sein. Wer in seiner Nähe keine passende Gruppe findet bzw. gründen kann oder will, findet verständnisvolle und hilfreiche Gleichgesinnte notfalls in Online-Communities und Mailinglisten. Wer (noch) das nötige Kleingeld hat, kann sich auch einen professionellen Business-Coach und/oder Unternehmensberater suchen.

Ich selbst habe mit Selbsthilfe-Konzepten wie den bereits erwähnten Erfolgsteams die besten Erfahrungen gemacht. Und das nicht nur aus finanziellen Erwägungen: Funktionierende Selbsthilfe fördert die Übernahme von Verantwortung, verhindert, dass man auf die eigene (Problem-)Sichtweisen fixiert bleibt und sorgt für überraschende "Ideenduschen".

5. Schritt: Betriebliches Aufbauprogramm

Habe ich den akuten Blues erst einmal überwunden, nehme ich mit neuem Elan und der erforderlichen Überzeugungskraft die eigentlichen geschäftlichen Maßnahmen zur Krisenbewältigung in Angriff.

Schnelleren Erfolg als konventionelle Werbung und Kaltakquise von Neukunden verspricht erfahrungsgemäß, ...

  • Bestandskunden anzuschreiben, anzurufen oder zu besuchen und ihnen dabei Zusatzdienstleistungen oder Folgeprojekte anzubieten,

  • Test- und Pilotprojekte zu entwickeln und vorzuschlagen,

  • ehemalige Kunden zu reaktivieren,

  • soziale Netzwerke nach potenziellen Kunden und Kooperationspartnern zu durchforsten und vor allem:

  • präsent zu sein und Flagge zu zeigen - zum Beispiel durch Teilnahme an Versammlungen, Veranstaltungen, Messen und Tagungen. Das garantiert zwar nicht auf Anhieb fette Aufträge - doch vor Ort zu sein und auf sich aufmerksam zu machen, verbessert die Chancen auf Dauer spürbar.

Praxistipp: Langfristige Maßnahmen

Wenn es mit einer verstärkten Marketing-Offensive nicht getan ist, dann gehören die Gesamtstrategie sowie die einzelnen Produkte und Dienstleistungen auf den Prüfstand. Ausführliche Informationen rund um die Themen Stärken-Schwächen-Analyse, Selbstvermarktung und Kundenakquise finden Sie in unseren Beiträgen:

Fazit: Es gibt nichts Gutes ...

In jeder Krise stecken (auch) Chancen. Besonders augenfällig kommt das im chinesischen Schriftzeichen für "Krise" zum Ausdruck, das aus den Zeichen für "Gefahr" und "Chance" gebildet wird. Das heißt aber eben auch: Eine Krise ist nicht per se eine Chance. Die Entwicklungsmöglichkeiten, die in ihr stecken, müssen erst zutage gefördert werden.

Damit die Gefahr nicht zu Lähmung oder wirkungslosem Aktionismus führt, empfiehlt es sich, innezuhalten und für einen klaren Kopf zu sorgen. Nur so ist eine realistische und gelassene Bestandsaufnahme sowie die Entwicklung aussichtsreicher Perspektiven möglich - am besten gemeinsam mit anderen Menschen. Wer sich schließlich darüber im Klaren ist, dass die Verwirklichung willkommener Chancen ein widersprüchlicher, anstrengender, schmerzhafter und obendrein regelmäßig wiederkehrender Prozess sein kann, ist für Krisen gut gerüstet. Und soviel ist sicher: Die nächste Krise kommt bestimmt.

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Klasse Artikel!! Das sorgt jedenfalls bei mir für Ermunterung. Danke :-)