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10 Tipps, wie Sie Projekte erfolgreich ruinieren

Sich die eigene Arbeit so richtig schwer zu machen, ist einfacher als gedacht.

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Stand: 29. März 2012 (aktualisiert)

Viele Selbstständige schlagen sich im Tagesgeschäft mit den immer gleichen Problemen herum. Aber anstatt diese Probleme zu lösen, werden sie gern aufgeschoben oder als "schlechte Angewohnheit" mit ergebener Trauer hingenommen. Klar, dass darunter Motivation und Arbeit leiden. Wenn es Ihnen auch so ergeht, sind Sie immerhin nicht allein: Auch Lorenz Hölscher weiß, wie man sich erfolgreich Arbeit und Leben schwermacht.

Tipp 1: Sie haben keine Ahnung

Ja, es muss auch mal erwähnt werden: Ein bisschen Ahnung von der Materie kann nicht schaden. Das sei doch eigentlich selbstverständlich? Sie glauben gar nicht, wie schnell Sie zu einem Kerngeschäft noch schnell ein paar Randarbeiten erledigen, bei denen es Ihnen an Fachkenntnis mangelt.

  • Wer die Datenbank entwickelt, kann doch nebenbei auch gleich den ganzen Server einrichten.

  • Wer den Flyer layoutet, schreibt kurz die Texte, weil der Kunde noch keine geliefert hat.

  • Wer die Website programmiert, erstellt schnell mal eben ein paar fehlende Grafiken.

Selbstverständlich werden Kunden das schätzen (allerdings nicht immer honorieren), dass Sie das gleich miterledigen können und nicht noch ein weiterer Externer herangezogen werden muss. Die Gefahr besteht dabei vor allem darin, dass eine solche Nebenaufgabe klein anfängt und groß endet, so dass Sie sich dabei doch überfordern und dann nicht mehr trauen, dem Auftraggeber dies einzugestehen.

Tipp 2: Sie protokollieren nicht

Es riecht nach Erbsenzählerei, jede für ein Projekt gearbeitete Stunde aufzuschreiben und möglichst auch bezahlt zu bekommen. Aber womit sonst wollen Sie Ihr Geld verdienen? Wenn Sie vor lauter Begeisterung immer tollere Ergebnisse liefern, schießen Sie leicht übers Ziel hinaus.

Sie betreiben immerhin ein wirtschaftliches Unternehmen und kein Hobby, daher können Sie es sich nicht unbegrenzt leisten, zu viel Arbeit gegen zu wenig Geld zu leisten. Das merken Sie jedoch nur, wenn Sie auch notieren, wie viel Arbeit Sie in die Projekte hineinstecken. Schätzen Sie es lediglich nachträglich, liegen Sie garantiert deutlich zu niedrig.

Sie wundern sich höchstens jeden Abend, warum Sie immer noch im Büro sitzen und so müde sind, aber das Projekt immer noch nicht abgabereif ist. Gucken Sie daher regelmäßig nach, wie viel Aufwand Sie für diesen Arbeitsabschnitt kalkuliert hatten und wie weit Sie davon entfernt sind.

Tipp 3: Sie bieten die eierlegende Wollmilchsau an

Es ist schön, ein breit gefächertes Angebot zu haben, da ist schließlich für jeden (Kunden) etwas dabei. So ein Gemischtwarenladen bietet aber vor allem die Gefahr, von allem zu wenig zu können. Jeder Spezialist schlägt Sie in jedem Ihrer Segmente locker durch bessere Leistung und das große Allgemeinangebot können größere Konkurrenten doch besser anbieten.

Im Lauf der Jahre werden Sie sowieso entdecken, dass manche Arbeiten Ihnen eher liegen oder vom Markt häufiger erfragt werden. Das muss nicht einmal so verlaufen, wie Sie es ursprünglich geplant hatten. Die Stärke von Freiberuflern besteht ja gerade darin, schnell auf Entwicklungen reagieren zu können. Mit einem (ziemlich optisch orientierten) Architektur-Studium hätte ich persönlich auch nicht gedacht, dass mir gerade das (eher abstrakt mathematische) Thema Datenbank so viel Spaß macht und zu einem Kerngeschäft wird.

Tipp 4: Sie arbeiten alleine

Selbstständigkeit heißt nicht zwangsläufig Einsamkeit. Auch wenn viele Angestellte eher in Büros mit anderen Kollegen zusammen sitzen, gilt für Selbstständige keineswegs die Pflicht, alles anders zu machen. Schon Bürogemeinschaften senken den Aufwand von Miete, Kücheneinrichtung oder gar gemeinsamem Empfang.

Sie können sich dabei mit Gleichgesinnten zusammenschließen, wie es Rechtsanwaltskanzleien, Arztpraxen oder Architekturbüros häufig machen. Das ist sinnvoll, weil teure Geräte gemeinsam genutzt werden können, gegenseitiger Erfahrungsaustausch hilft oder Projekte ab einer bestimmten Größenordnung ohnehin nur noch mit mehreren Partnern zu stemmen sind.

Wenn Sie dabei eher die Konkurrenz fürchten, ist die Zusammenarbeit mit Dienstleistern praktisch, die Ihnen zuarbeiten können. Als Datenbank-Spezialist brauchen Sie immer mal wieder Netzwerk-Fachleute, als Web-Programmierer jemanden für die Grafiken oder als Layouter einen guten Texter. Vieles geht heutzutage via Telefon oder E-Mail, aber ein persönlicher Kontakt (gerade in der Anfangsphase) ist trotzdem unübertroffen.

Tipp 5: Sie kümmern sich nicht um Geld

Die erste (bezahlte) Rechnung macht glücklich. Sie gucken staunend die neue große Zahl auf Ihrem Konto an, gehen lecker essen und glauben fest, dass nun alles gut wird. Da wird locker hochgerechnet, welch unglaublicher Jahresgewinn Ihnen nun winkt, bis die Ausgaben kommen.

Sie wären nicht der erste Selbstständige, der die Umsatzsteuer vergessen hätte und diese aber nach einem Jahr beim Finanzamt abführen muss. Oder irgendwann über den Gewerbesteuer-Freibetrag hinaus erfolgreich war und sich nun einer deftigen Forderung gegenüber sieht.

Allzu gerne werden Umsatz und Gewinn verwechselt, weil manche der Ausgaben erst spät folgen. Nicht nur die Steuern ereilen einen oft erst nachträglich, sondern auch Reparaturkosten, Krankenkassenbeiträge, Rentenbeiträge, Versicherungen oder Mietsteigerungen. Da schrumpft der schönste Gewinn schnell zusammen.

Tipp 6: Sie sagen nicht Nein

Gerade Neulinge glauben, dass sie noch nicht die Position besitzen, um auch mal etwas ablehnen zu können. Das betrifft weniger neue Projekte, also vor allem schleichende Veränderungen in laufenden Projekten. Nachdem Sie ursprünglich einen Papierflieger angeboten haben, kommen im Laufe der Arbeit so viele Anpassungen hinzu, dass Sie am Ende einen Jumbo-Jet abliefern sollen.

Dabei ist nicht nur die zunehmende Arbeitsbelastung das Problem, sondern vor allem die Veränderung des Projekts. Sie sollen schließlich Ihren Kopf dafür hinhalten, dass das technisch alles möglich ist. Jetzt möchte ich mal sehen, wie Sie Ihren Jumbo-Jet aus Papier falten ...

Tipp 7: Sie werden krank

Sicher ist es schwierig, Krankheiten einzuplanen, aber darum geht es eigentlich gar nicht. Sie können im Gegenteil davon ausgehen, dass Sie irgendwann ebenso mal krank werden wie alle anderen Menschen auch. Es geht nicht darum, Krankheiten zu vermeiden, sondern mit ihren Folgen umzugehen.

Kann jemand für Sie einspringen, wenn Sie wegen Grippe ausfallen? Reichen Ihre finanziellen Rücklagen auch über einen zweimonatigen Verdienstausfall nach einem Unfall hinweg? Haben Sie überhaupt einen Unfall-, eine Kranken- oder Krankentagegeldversicherung? Zahlen Sie in die Rentenkasse ein und ab wann greift Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung? Ist Ihre Familie durch eine Lebensversicherung abgesichert?

Das sind Fragen, mit denen man sich am Anfang ungern beschäftigt, weil es schwierig genug ist, Erfolg zu haben. Wer will sich dann schon um potentiellen Misserfolg kümmern? Das hilft aber nix, auch das gehört dazu.

Tipp 8: Sie kümmern sich nicht um Warnungen

Rechnungen sind unerfreulich, Mahnungen noch unerfreulicher. Da liegt es nahe, erst einmal die schönen Arbeiten zu erledigen und die unerfreulichen Dinge zur Seite zu legen. Und wenn es sowieso schon einen Stapel für hässliche Briefe gibt, kommt schnell mehr dazu. So fängt eine Katastrophe an.

Sobald Sie anfangen, Unerledigtes zu stapeln, sehen Sie die Probleme nicht mehr, die auf Sie zukommen. Wenn Sie nicht bald Ihre ganze Energie in die Lösung dieser Angelegenheiten stecken, werden Sie von diesen überrollt. Die Technik des Aussitzens mag für Bundeskanzler funktionieren, im wirklichen Leben haben Probleme das Verhalten einer Lawine: Sie fangen als Schneeflocke an und donnern irgendwann in tödlicher Geschwindigkeit ins Tal.

Wenn Sie nicht alleine mit den Problemen fertig werden, holen Sie sich rechtzeitig professionelle Hilfe wie Steuerberater, Fachleute für unangenehme Teilaufgaben oder einen Aufräum-Coach. Natürlich kostet das Geld, aber Nichtstun könnte Sie Ihre Selbstständigkeit kosten.

Tipp 9: Sie brauchen kein Privatleben

Ein Fischer in einem kleinen griechischen Hafen sitzt in der Sonne. Da fragt ihn ein Tourist, warum er kein größeres Boot kauft, mit dem er mehr Fische fangen könne. "Warum?", fragt der Fischer. "Mit dem größeren Verdienst könnten Sie dann Leute einstellen, die für Sie arbeiten." - "Und dann?" - "Dann würden Sie so viel verdienen, dass Sie sich einfach mal frei nehmen könnten." - "Aber das tue ich doch schon!", sagt der Fischer.

Arbeit darf gerne Spaß machen, ist aber kein Selbstzweck. Wenn Sie so viel arbeiten, dass Ihr Privatleben kaum noch stattfindet, läuft etwas falsch. Ein paar Wochen lang mag ein Projekt so viel Einsatz erfordern, dass eine temporäre Einschränkung Ihrer Lebensqualität vertretbar ist, aber monatelang kann das nicht gut gehen.

Tipp 10: Sie sind veränderungsresistent

Auch wenn Sie gerade eine erfolgreiche Phase haben, schadet es nicht, andere Meinungen zu hören und fremde Erfahrungen auszuwerten. Noch viel mehr gilt das, sobald es nicht wie gewünscht läuft. Gerade in dieser misslichen Lage aber stecken viele gerne den Kopf in den Sand und machen so weiter wie bisher. Bloß keine Experimente!

Neues wagen

"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann", lautet ein Motto, welches auch im geschäftlichen Alltag wichtig ist. Im Beitrag "Geradeaus ins Abseits - oder per Richtungswechsel zum Geschäftserfolg?" finden Sie Anregungen, wie Sie das umsetzen können.

Sorgen Sie dafür, dass genug Reserve bleibt, um immer mal wieder was Neues auszuprobieren. Bestimmte Firmenkulturen fördern das geradezu als offizielles Konzept, beispielsweise 20 % der bezahlten Arbeitszeit (siehe "Mehr Spaß im Beruf - So motivieren Sie Kollegen, Mitarbeiter und sich selbst") über scheinbar ziellose Projekte nachzudenken.

Natürlich wird vieles davon scheitern, bestenfalls ohne besondere finanzielle Verluste, aber einige wenige Testballons werden völlig überraschende Höhenflüge erleben. Erfolg kommt nicht nur durch beharrliche Arbeit, sondern manchmal eben auch durch Zufälle. Sie waren zur richtigen Zeit mit der richtigen Idee am richtigen Ort, auch wenn Sie selbst es gar nicht wussten.

Fazit

Es ist gar nicht so schwer, sich seine Projekte als Selbstständiger zu ruinieren, aber durchaus machbar, besser zu agieren. Ein paar grundlegende Tipps, ein kühler Kopf und Mut zu Veränderungen sind schon wesentliche Hilfsmittel.

Aufträge erfolgreich abwickeln

Neuer Kunde - neues Glück? Oder doch eher: Neuer Kunde, altes Lied? - Wir haben jede Menge Praxistipps für Sie, die Ihnen helfen, dass Aufträge zu zufriedenen Kunden (und bezahlten Rechnungen) führen - und nicht zu Stress, Ärger und unvorhergesehenen Problemen. Mehr in unserer Themengruppe "Aufträge anbahnen und erfolgreich abwickeln" sowie auf der Seite: "Aufträge pünktlich, souverän und schnörkellos erledigen".

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