Der erste Jahresabschluss als Selbstständiger? So kommen Sie zur Steuererklärung

Keine Panik: Der Jahresabschluss ist oft schneller erledigt als die Einkommensteuererklärung von Angestellten.

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Stand: 16. April 2015 (aktualisiert)

Sie haben sich letztes Jahr selbstständig gemacht und müssen Ende Mai Ihre erste Steuererklärung als Freiberufler oder Unternehmer abgeben? Kein Grund zur Sorge: Der gefürchtete Jahresabschluss ist gar keine Geheimwissenschaft. Wir sagen Ihnen, welche Formulare Sie ausfüllen müssen und welche Unterlagen Sie benötigen. Übrigens ist es gut möglich, dass Ihre Steuererklärung weniger Mühe macht als die Steuererklärungen aus Ihrer Angestellten-Zeit!

Aktueller Hinweis: GoBD und die Folgen

(März 2016) Durch die vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) können sich zusätzliche Anforderungen an die Belegablage und Aufzeichnungen von Freiberuflern und Kleingewerbetreibenden ergeben:

  • Im Kern regeln die GoBD den Umgang mit elektronischen Belegen, Aufzeichnungen und Unterlagen. Wer in seinem Betrieb komplett auf Software-Einsatz verzichtet, keine Bargeld-Kasse führt und sämtliche Steuerpflichten dem Steuerberater überlässt, hat von den GoBD-Vorschriften wenig zu befürchten.

  • Wenn Sie Ihre Belegablage und Aufzeichnungen jedoch freiwillig mithilfe von Computerprogrammen und anderen elektronischen Hilfsmitteln erledigen, müssen die elektronischen Werkzeuge den GoBD-Vorschriften entsprechen. Excel-Tabellen, Word-Dokumente oder Freeware-Buchführungsprogramme erfüllen die Kriterien in der Regel nicht. Sofern Sie das noch nicht getan haben, sollten Sie sich möglichst bald nach einer GoBD-kompatiblen Software umschauen.

  • Freiberufler und Kleingewerbetreibende müssen grundsätzlich keine „Bücher führen“: Welche GoBD-Bestimmungen letztlich auch für „Nichtbuchführungspflichtige“ gelten werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Denn bei den Vorschriften handelt es sich zunächst einmal „nur“ um Verwaltungsanweisungen der Finanzbehörden ohne Gesetzeskraft. Die genauen Folgen der GoBD für nicht-buchführungspflichtige „Einnahmenüberschussrechner“ werden sich daher erst zeigen, wenn erste Betriebsprüfungen des Jahres 2015 abgeschlossen und von Finanzgerichten überprüft worden sind.

Ausführlichere Informationen zum Thema „GoBD und die Folgen“ finden Sie im Beitrag-Update, das wir in den nächsten Wochen veröffentlichen.

Jahresabschluss ante portas?

Die Aussicht auf die Steuererklärung kann einem den sonnigsten Wonnemonat vergällen. Doch Ende Mai ist nun einmal der Standard-Abgabetermin für Einkommensteuersachen. Mut zur Lücke ist nicht zu empfehlen: Bei Verspätungen drohen Strafzahlungen oder sogar hohe amtliche Steuerschätzungen. Wer mit seinen privaten und betrieblichen Unterlagen noch nicht so weit ist, kann die Frist zum Glück bis Ende September, mit Unterstützung eines Steuerberaters bis zum Jahresende – unter Umständen sogar bis Februar 2016 – verlängern lassen. Wie das geht, zeigt unser aktueller Beitrag "Steuer-Deadline 31. Mai 2015".

Damit sich Ihre erste Steuererklärung als Selbstständiger nicht zum bedrohlichen Dauerbrenner entwickelt, sollten Sie den Weg des geringsten Widerstands allerdings nicht zu lange gehen. Geringer wird der Verwaltungsaufwand ohnehin nicht. Und: Je länger Geschäftsvorfälle zurückliegen, desto schwerer fällt es Ihnen, sich im Zweifelsfall an die Begleitumstände zu erinnern.

Die gute Nachricht: In der Praxis sind die Gewinnermittlung und das Zusammenstellen der erforderlichen Unterlagen bei Geschäftsleuten oft schneller erledigt als das Sammeln der Belege für Werbungskosten von Angestellten. Grund: Die meisten Selbstständigen haben den überwiegenden Teil ihrer Buchhaltungs-Hausaufgaben ja bereits im laufenden Jahr erledigt: Denn nur so waren schließlich die Monat für Monat fälligen Umsatzsteuervoranmeldungen möglich.

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Alle Bilder im Beitrag defekt

Hallo,

im Beitrag funktioniert keines der Bilder mehr...
Den Kommentar können sie dann ja gerne wieder löschen ;-)

Viele Grüße,

Frank Katzer

Jetzt wieder da - Entschuldigung

Sehr geehrter Herr Katzer,

da hatte der Technik-Fehler-Teufel zugeschlagen, die Vorschaubilder waren allesamt weg. Jetzt sind Sie wieder da, für den Fehler bitten wir um Entschuldigung.

Freundliche Grüße
Ihre akademie.de-Redaktion
S. Hengel

Antwort: Alle Bilder im Beitrag defekt

Vielen Dank für den Hinweis, Herr Katzer,
die Kollegen von der Technik werden sich Anfang der Woche darum kümmern. Bis dahin hilft Ihnen bei Bedarf die PDF-Downloadversion des Beitrags weiter:
http://www.akademie.de/file/86967/download
Danke noch einmal für Ihre Unterstützung und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo Herr Chromow, ich freue

Hallo Herr Chromow,

ich freue mich, Sie 'gefunden zu haben'! :)

Bitte sagen Sie mir doch, ob es grds. möglich ist, dass ein Freiberufler mit 1 Auszubildenden sämtliche steuerlich erforderlichen Erklärungen / Meldungen allein über das Elster online - Portal erstellt / abgibt oder ist in jedem Fall ein Buchhaltungsprogramm (bzw. einen Steuerberater) erforderlich.

Mit welcher Steuernummer meldet man sich bei elster ggf. an, was ist bzgl. ELSTAM?

Vielen Dank für Ihre Antwort schon jetzt im Voraus!

Viele Grüße,

Carla

Antwort: Personalabrechnung via Elster online

Hallo Carla,
vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung. Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
ElsterOnline ist ein Portal der Finanzbehörden. Dort können Sie nur Ihre steuerlichen Datenübermittlungen erledigen. Ihre sozialversicherungsrechtlichen und sonstigen Meldepflichten können Sie auf dem Weg nicht erledigen. Dafür benötigen Sie eine Personalbuchhaltungs-Software - und am besten auch die Unterstützung eines Steuerberaters oder erfahrenen Buchführungshelfers.

2.
Was die Steuernummer betrifft: Die für ElsterOnline erforderliche elektronische (Steuer-)Signatur beantragen Freiberufler üblicherweise auf Basis ihrer persönlichen Steueridentifikationsnummer. Die "alte" Finanzamts-bezogene Steuernummer wird seit einiger Zeit nicht mehr akzeptiert. A

3.
Im Beitrag "ELSTER mit Signatur: Steueranmeldungen und Steuererklärungen ans Finanzamt übermitteln"
http://www.akademie.de/wissen/steueranmeldung-steuererklaerung-elster-si...
... finden Sie ausführliche Informationen zum Thema ElsterOnline.

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Auch Private Steuererklärung?

Guten Tag,

ich bin seit letztes Jahr Unternehmer und habe dazu eine Frage,Muss ich zu meiner geschäftlichen Steuerklärung auch separat eine private abgeben?

mfg

T.Maier

Antwort: Auch Private Steuererklärung?

Guten Tag, Herr/Frau Maier,
ja: neben Ihrer geschäftlichen Umsatz- und ggf. Gewerbesteuererklärung müssen Sie auch eine private Einkommensteuererklärung abgeben. Wenn Sie Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb ("Anlage G") und / oder aus selbstständigen Tätigkeiten ("Anlage S") haben, sind die Einnahmenüberschussrechnung ("Anlage EÜR") sowie Anlage S" bzw. "Anlage G" Teil Ihrer privaten Steuererklärung. Das sollte eigentlich aus dem Text weiter oben hervorgehen ("Steuer-Cocktail aus Formularen und Anlagen"). :-)

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo Herr Chromow, ich

Hallo Herr Chromow,

ich konnte schon oft sehr von Ihren Artikeln profitieren, so auch diesmal! Vielen Dank.

Ich bin hauptberuflich Angestellter und nebenberuflich selbständig.

Anlässlich der Steuererklärung für 2014 habe ich folgende Fragen:

- kann ich anteilige Betriebsausgaben für eine Arbeitsecke in meiner Privatwohnung (kein Durchgangszimmer, abgetrennt mit Raumteiler, d.h. ohne Tür) geltend machen?

- kann ich für nebenberuflich veranlasste mehrtägige Außentermine (z.B. Besprechungen mit Arbeitskollegen, mit denen ich kooperiere) Fahrtkosten, Kosten für Unterkunft und Verpflegungspauschalen absetzen? Brauche ich dafür immer Belege oder reichen notfalls auch selbst geschriebene Belege?

Was kann eigentlich passieren, wenn ich einmal ahnungslos Beträge als Betriebsausgaben absetze, die ich eigentlich nicht absetzen dürfte? Droht mir dann eine Strafe wegen Steuerhinterziehung oder kann es im schlimmsten Fall zu einer Nachzahlung kommen?

Mit bestem Gruß
Sebastian

Antwort: Arbeitsecke & Reisekosten

Hallo Sebastian,
vielen Dank für die nette Rückmeldung: Das freut mich! Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle leider nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1. Bislang verweigern die Finanzämter die Anerkennung anteiliger Raumkosten von Arbeitsecken. Soweit ich weiß, ist beim Bundesfinanzhof derzeit dazu aber noch eine Klage anhängig. Daher kann es nicht schaden, die anteiligen Raumkosten vorsorglich geltend zu machen. So stellen Sie sicher, dass die entstandenen Kosten bei einem günstigen BFH-Urteil vom Finanzamt berücksichtigt werden müssen. Mehr als streichen kann das Finanzamt die Aufwendungen nicht. Nachteile entstehen Ihnen dadurch auch nicht. (Damit ist dann auch schon die Frage nach möglichen negativen Sanktionen aufgrund von tatsächlich entstandenen, vom Finanzamt aber nicht anerkannten Aufwendungen beantwortet. :-))

Wichtig: Strittig sind nur die _Raum_kosten einer Arbeitsecke. Aufwendungen für Arbeitsmittel dürfen Sie auf jeden Fall von der Steuer absetzen!

2. Tatsächlich entstandene, betrieblich veranlasste und durch Belege nachgewiesene Reisekosten stellen grundsätzlich Betriebsausgaben dar.

3. Tatsächlich entstandene, aber nur durch "Eigenbelege"
http://www.akademie.de/wissen/eigenbelege
plausibel gemachte Betriebsausgaben werden von Finanzämtern ausnahmsweise anerkannt.

Ob und wenn ja, welche Arbeitszimmer- und Reisekosten im konkreten Fall von Ihrem Finanzamt anlässlich einer Betriebsprüfung letztlich anerkannt werden (und welche nicht), kann ich nicht beurteilen. Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie daher am besten mit einem Steuerberater oder Sie fragen direkt beim Finanzamt nach.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Meine Steuernummer gilt nicht.

Ich bin in Deutschland seit 01.10.2013 und ich wollte zum erste mal das machen. Aber wenn ich es versuche, das Program sagt dass meine Stuernummer nicht gultig ist. Ich verstehe nicht warum. Könnte jemand bitte mich helfen.

Antwort: Meine Steuernummer gilt nicht.

Guten Tag,
es ist bestimmt hart, zum ersten Mal mit dem deutschen Steuerrecht in Berührung zu kommen. Mein Mitgefühl ist Ihnen gewiss. :-)
Aus Ihrer Frage kann ich leider nicht erkennen, was genau Sie machen wollen und mit welchem Programm Sie arbeiten. Was das Problem der Steuernummer angeht: Im Beitrag ...
"Steuernummern: Wer braucht welche IDs und TINs - und wofür?"
http://www.akademie.de/wissen/steuernummer-wirtschafts-identifikationsnu...
... werden die Funktionen der verschiedenen Steuernummern und IDs erläutert. Wenn Ihnen das nicht weiterhilft, fragen Sie am besten direkt bei Ihrem Finanzamt nach.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Anlage EÜR statt formolose Gewnnermittlung

Liebes akademie-Team,
ich habe eine einfache Frage auf die ich aber bisher keine Antwort gefunden habe.. Kann ich auch freiwillig die Anlage EÜR ausfüllen und dafür die formlose Gewinnermittlung auslassen? Ich verdiene mit meinem Gewerbe unter 17.500€ und mit der EÜR könnte ich einfach alles elektronisch übermitteln und müsste nichts mehr per Post abschicken!?
Liebe Grüße

Antwort: Anlage EÜR statt formolose Gewnnermittlung

Guten Tag,
die gute Nachricht vorweg: Wenn Sie zur Abgabe der Anlage EÜR nicht verpflichtet sind, dürfen Sie die Anlage EÜR trotzdem freiwillig ausfüllen und elektronisch ans Finanzamt übermitteln.

Was die Vermeidung des Postwegs betrifft, sollten Sie sich aber nicht zu früh freuen: Da die Anlage EÜR zwar elektronisch übermittelt, aber noch nicht elektronisch _signiert_ werden kann, kommen Sie derzeit am Postversand einer handschriftlich unterzeichnete EÜR-Kurzfassung noch nicht vorbei. (Halt, genau genommen kommen Sie doch am Postweg vorbei: Sie können Ihre Unterlagen ja auch in den Finanzamts-Briefkasten einwerfen oder direkt beim Sachbearbeiter abgeben. :-))

Viele Grüße
Robert Chromow

Einkommensteuererklärung

Unter bestimmten Bedingungen müssen Empfänger von Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit nach Jahresende eine Einkommensteuererklärung abgeben (Pflichtveranlagung). Welche Besonderheit gilt diesbezüglich seit 2009?

Antwort: Einkommensteuererklärung

Guten Tag,
die aktuellen Bestimmungen zur (Pflicht-)"Veranlagung bei Bezug von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit" finden Sie in § 46 EStG
http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__46.html

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Buchung von Umsatzsteuererstattung - mit oder ohne Zins?

Sehr geehrter Herr Chromow,
in der Steuererklärung für 2012 habe ich eine Umsatzsteuererstattung vom Finanzamt als Einkommen zu verbuchen. Meine allgemeine Frage dazu: Muss ich die Buchung gemäß des reinen Rückerstattungsbetrags vornehmen - oder ist auch der vom Finanzamt gezahlte Zins eine Einnahme?
Vielen Dank für die Antwort!
Mit freundlichen Grüßen, S. Starck.

Antwort: Buchung von Umsatzsteuererstattung - mit oder ohne Zins

Hallo Frau Starck,
bei Erstattungszinsen auf (Über-)Zahlungen von betrieblichen Steuern (wie der Umsatzsteuer) handelt es sich um steuerpflichtige Betriebseinnahmen.

Das bedeutet übrigens nicht etwa, dass Erstattungszinsen auf private Steuern steuerfrei wären: Sie unterliegen der Kapitalertragssteuer. Wie Sie's drehen und wenden: Der Fiskus hält die Hand auf.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Steuererklärung: Darf ich auf die Abgabe verzichten?

Hallo Herr Chromow,

ich weiss nicht genau, ob ich für 2012 (also bis Ende Mai 2013) meine Steuererklärung abgeben muss.
Ich war bis 2012 Oktober Studendin und habe im 2012 zweimal auf freiberuflicher Basis und einmal, als Selbstständiger gearbeitet, aber insgesammt nicht mehr, als 650 Eur verdient. Ich habe mir im Juni 2012 vom Finanzamt eine Steuernummer geholt, habe aber bisher, als Selbstständiger nur 350 Eur verdient. Wie gesagt mein "Jahreseinkommen" war so gesehen nur 650 Eur. Muss ich auch eine Steuererklärung abgeben?

Vielen Dank für Ihre Antwort,

Sofia

Antwort: Steuererklärung: Darf ich auf die Abgabe verzichten?

Hallo Sofia,
einkommensteuerlich gibt es zwischen "freiberuflicher" und "selbstständiger" Tätigkeit keinen Unterschied. In beiden Fällen handelt es sich um Einkünfte gemäß § 18 EStG:
http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__18.html

Auch wenn Sie insgesamt "nur" 650 Euro verdient haben, sind Sie verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben.

Das wäre in Ihrem Fall übrigens auch dann erforderlich, wenn Sie nur 350 Euro verdient hätten. Der Härtefall-Paragraf 46 Abs. 2 EStG
http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__46.html,
der eine Freigrenze von 410 Euro pro Jahr vorsieht, gilt nur für Selbstständige, die im Hauptberuf einer nicht-selbstständigen Tätigkeit nachgehen und darauf Lohnsteuer bezahlen. Das war bei Ihnen ja offenbar nicht der Fall.

Aber wie gesagt: Mit 650 Euro liegen Sie ja sowieso über der Freigrenze. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, sollten Sie aber noch einmal mit einem Steuerberater sprechen oder direkt beim Finanzamt nachfragen. Ich kenne die Details Ihres Einzelfalls ja nicht.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Wer und wann Elster Software?

Hallo Akademie-Team,

danke erst einmal für die sehr informative Hilfeseite.
Eine kleine Frage nur zum Elster-Programm:
Ich bin in kleinem Umfang nebenberuflich als Freiberufler tätig. Muss ich die Elster EDV benutzen oder darf die EST-Erklärung noch auf den bekannten Mantelbögen aus Papier eingereicht werden?

Für eine Antwort bedanke ich mich im Voraus.
A. Niemann

Antwort: Wer und wann Elster Software?

Hallo Herr / Frau A. Niemann,

leider ist an dieser Stelle keine Einzelfallberatung möglich, deshalb nur einige allgemeine Informationen:

1.
In Bezug auf die Vorschriften zur Steuerdaten-Übermittlung ist in Ihrem Fall zu unterscheiden zwischen der Umsatzsteuer und der Einkommensteuer - und bei der Einkommensteuer wiederum zwischen der Gewinnermittlung ("Einnahmenüberschussrechnung", EÜR) und der eigentlichen (persönlichen) Einkommensteuererklärung.

2.
Wenn Sie in "kleinem Umfang nebenberuflich als Freiberufler tätig" sind, gelten Sie vermutlich als Kleinunternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes. In dem Fall sind Umsatzsteuervoranmeldungen nicht erforderlich - schon gar nicht in elektronisch signierter Form. Bei der trotz Kleinunternehmerstatus von manchen Finanzämtern geforderten jährlichen (Nullsummen-)Umsatzsteuererklärung besteht grundsätzlich die Pflicht zur elektronischen Übermittlung. Falls Ihnen das Probleme bereitet, sprechen Sie einfach mit Ihrem Finanzamt: Bei geringen umsatzsteuerfreien Umsätzen als Kleinunternehmer akzeptieren viele Finanzämter Umsatzsteuererklärungen auch in Papierform - oder verzichten komplett darauf.

3.
Bei der persönlichen Einkommensteuererklärung (Stichwort: Mantelbogen, Anlage N, Anlage Kind etc.) besteht ebenfalls keine Pflicht zur elektronischen Datenübermittlung.

4.
Elektronisch übermittelt werden muss grundsätzlich die Einnahmenüberschussrechnung (das ist die Gewinnermittlung Ihrer selbstständigen Tätigkeit). Die Pflicht zur elektronischen Übermittlung gilt aber erst ab einem Umsatz von 17.500 Euro aufwärts. Da Sie ja in "kleinem Umfang nebenberuflich als Freiberufler tätig" sind, ist das vermutlich nicht der Fall. Daher können Sie die Form der Gewinnermittlung m. E. selbst bestimmten.

Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn Sie die Papierform bevorzugen, können Sie die Einkommensteuererklärung und die Gewinnermittlung einfach wie gehabt erledigen. In Bezug auf eine eventuell erforderliche jährliche Umsatzsteuererklärung würde ich ebenfalls die Papierform wählen - anschließend aber sicherheitshalber beim Finanzamt anrufen und nachfragen, ob das so reicht.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow
akademie.de-Redaktion

Bewerbungskosten trotz Selbständigkeit?

Lieber Herr Chromow,

zunächst einmal möchte ich mich für Ihren Artikel bedanken! Ich sah aus Sorge vor meiner ersten Steuererklärung schon einer schlaflosen Nacht entgegen. Nachdem ich Ihren Artikel gefunden hatte, konnte ich schließlich doch noch schlafen. Er hat mir die Sorgen genommen!

Dennoch drängen sich mir einige Fragen auf.
Zu meiner Situation: Ich war von Januar bis März 2012 Student.
Im Januar und Februar 2012 habe ich einen 400-Euro Job ausgeführt.
Im Janaur 2012 habe ich ebenfalls ein Kleinunternehmen als freiberuflicher Übersetzer angemeldet und in diesem Rahmen im März 3000 Euro eingenommen. Ausgaben hatte ich kaum.
Seit April 2012 bin ich leider Empfänger von Leistungen nach SGB II. Dementsprechend schreibe ich viele Bewerbungen.

Hieraus ergeben sich für mich folgende Fragen:
a) M.E. muss ich für die Steuer den "Mantelbogen", "Anlage S" und "Anlage N" ausfüllen. Sehe ich das richtig? Die "Anlage UR" scheint bei den geringen Einnahmen unnötig!? Die "Anlage EÜR" kann ich durch eine von mir erstellte Einnahmen-Überschuss-Rechnung ersetzen!?
b) Ich habe eine private Haftpflichtversicherung und habe im Jahr 2012 ca. 400 Euro für die studentische Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt. Lohnt hierfür das Ausfüllen der Anlage "Vorsorgeaufwand" (falls die aufgezählten Leistungen überhaupt darunter fallen)?
c) Kann ich trotz der Anmeldung eines Kleinunternehmens - also trotz "Selbständigkeit" - Bewerbungskosten in der Anlage N geltend machen?
d) Können die Anschaffung eines Handys (ca. 100 Euro) und die Handyrechnungen (Total ca. 45 Euro) (anteilig?) als Ausgaben für das Kleinunternehmen geltend gemacht werden? Oder lohnt das wegen der geringen Summe der Einnahmen und Ausgabe nicht?
e) Tauchen die ca. 800 Euro, die ich in den zwei Monaten als 400-Euro-Jobber verdient habe, in der "Anlage N" auf?

Vielen Dank für Ihre Antwort und Geduld. Und noch einmal ein großes Lob für den Artikel!
Viele Grüße
Kurt Denker

Antwort: Bewerbungskosten trotz Selbstständigkeit

Hallo Herr Denker,
vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung: Gut zu wissen, dass unsere Infos schlaffördernd sind. :-)
Eine Einzelfall-Steuerberatung ist an dieser Stelle leider nicht möglich - vielleicht helfen Ihnen die folgenden allgemeinen Auskünfte aber schon ein wenig weiter:
Zu a) Da Sie keine Einkünfte aus einer nicht-selbstständigen "Beschäftigung" hatten, ist die Anlage N m. E. entbehrlich. Die Einkünfte aus dem 400-Euro-Job brauchen Sie nicht anzugeben: Die wurden von Ihrem Arbeitgeber pauschal versteuert.
zu b) Die Vorsorgeaufwendungen anzugeben kann nicht schaden - angesichts Ihrer geringen Einkünfte werden Sie aber ohnehin keine Einkommensteuer bezahlen müssen: Mit 3.000 Euro liegen Sie weit unter dem Grundfreibetrag von 8.004 Euro.
zu c) Ja, das können Sie. Allerdings gilt hier dieselbe Anmerkung wie unter b).
d) Ja, die Anschaffungs- und laufenden Kosten eines Handys können Sie grundsätzlich (zumindest anteilig - soweit sie tatsächlich "betrieblich veranlasst" sind - als Betriebsausgaben ansetzen. Aber wie gesagt: Weniger als keine Steuern können Sie nicht bezahlen.
Der einzige Grund, trotz geringer Einkünfte möglichst viele Betriebsausgaben, Werbungskosten und Sonderausgaben geltend zu machen, läge darin, unterm Strich einen Verlust geltend zu machen, den Sie in kommenden, besseren Jahren steuermindernd ansetzen können.
Mehr zu diesem Theme finden Sie in folgendem Beitrag:
http://www.akademie.de/wissen/steueroptimierung-verlustabzug
zu e) Nein, s.o.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Antwort: Bewerbungskosten trotz Selbstständigkeit

Lieber Herr Chromow,

vielen lieben Dank für Ihre Antwort!
Heute Abend werde ich Dank Ihrer Hilfe bestimmt noch besser schlafen!
Macht die Angabe der Bewerbungskosten - selbst wenn ich keine Steuern werde zahlen müssen - dennoch Sinn, um einen Verlustabzug für 2013 geltend zu machen?
Danke
Kurt Denker

Verlustvortrag bei Kleingewerbe

Hallo Herr Chromow,
herzlichen Dank für diese tolle Seite! Viele unserer Fragen sind damit schon beantwortet - und was nicht direkt im Text steht findet sich in bereits beantworteten Fragen. Ein Punkt ist noch offen. Es geht um Verluste im ersten Jahr, die meine Frau mit ihrem Gewerbebetrieb (Umsatz < 10.000 EUR) "erlitten" hat. Weitere steuerpflichtige Einnahmen hat meine Frau nicht. Allerdings habe ich Einkommen als Arbeitnehmer, und wir sind steuerlich zusammenveranlagt und geben die formlose EÜR zusammen mit unsere EkSt Erklärung ab. Ich habe verstanden, dass Verlust aus Kleingewerbe grundsätzlich verrechnet werden mit Erträgen aus anderen Einkommensarten. Gilt das auch "personenübergreifend" oder kommt es dann tatsächlich zu einem Verlustvortrag für meine Frau ins Jahr 2013? Herzlichen Dank für ihre private Meinung.
mfg
Stefan

Antwort: Verlustvortrag bei Kleingewerbe

Hallo Stefan,
vielen Dank für Ihre nette Rückmeldung!
Zu Ihren Fragen: Wenn Sie und Ihre Frau gemäß § 26b EStG
http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__26b.html
... "zusammen veranlagt" werden, wird das zu versteuernde Einkommens gemeinsam ermittelt. Der Verlust aus dem Gewerbebetrieb Ihrer Frau wird also von Ihren Einkünften abgezogen. Solange unterm Strich ein positiver Betrag übrig bleibt, findet ein Verlustvortrag nicht statt. Soweit der Normalfall - die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit einem Steuerberater.
Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Jaja der Steuerberater.

Was nutzt mir eine Antwort, in der zu lesen ist: Fragen Sie einen Steuerberater.
So eine Antwort ist so sinnlos wie derm Papst sein Sack.
Das ist wohl nur die reine Werbung für Steuerberater.
Jo, danke für die Antwort. Würde ich einen teuren Steuerberater fragen wollen, dann hätte ich wohl kaum hier gefragt.
Doch, muss ich echt sagen: Sehr clever. Fragen Sie einen Steuerberater ......

Antwort: Jaja der Steuerberater.

Guten Tag,
leider weiß ich nicht, auf welche Antwort sich Ihre Rückmeldung bezieht. Wenn Sie mit einer Information unzufrieden sind, tut mir das leid. Und: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für Ihre Rückmeldung genommen haben.

Der Steuerberater-"Disclaimer" dient zunächst einmal dem Schutz der Leser: Uns ist wichtig, die Grenzen unserer Auskünfte unmissverständlich deutlich zu machen. Unsere Leser sollen wissen, dass Antworten auf Kommentare und Fragen zu Beiträgen auf akademie.de grundsätzlich nicht alle Details eines Einzelfalls berücksichtigen können (weil wir sie gar nicht kennen). Da außerdem die wenigsten Autoren Rechtsanwälte und / oder Steuerberater sind, versuchen wir in unseren Rückmeldungen nach Möglichkeit die _allgemeine_ Rechtslage zu skizzieren sowie seriöse, passende und möglichst kostenlose weiterführende Informationsquellen und Anlaufstellen zu nennen.

Darüber hinaus gilt: Verlässliche Einzelfallberatungen gibt es nun einmal nur nach vorheriger Offenlegung aller Details des Einzelfalls bei qualifizierten Fachleuten. Das mag in Ihren Ohren nach Steuerberater-Werbung klingen - ist aber nicht zu ändern.

Wer sich mehr "Meinungsfreudigkeit" wünscht, findet im Internet eine Vielzahl von Diskussionsforen, in denen mehr oder weniger kompetente Laien und Experten bereit sind, mutige Ferndiagnosen zu stellen. In manchen Fällen liegen sie sogar bestimmt richtig. :-) Auf Basis solcher Auskünfte wichtige Entscheidungen zu treffen, ist jedoch reines Glücksspiel.

In diesem Sinne: Viel Glück, alles Gute und bleiben Sie uns gewogen.
Robert Chromow

Steuererklärung Kleingewerbe Anlage N und Vorsorgeaufw.

Ich habe ein Kleingewerbe ohne UsSt-Regelung bis max.17.000 € angemeldet. Lebe aber immer noch mit meinem Lebensgefährten im Ausland (Türkei), er finanziert seit Jahren meinen Lebensunterhalt und bezahlt meine Krankenversicherung (ich führe den Haushalt).

Jetzt muss ich die Steuererklärung für 2011 abgeben und habe
folgende Fragen:

Muss ich das Formular "Anlage N" auch ausfüllen,
obwohl ich keiner angestellten-Tätigkeit nachgehe?

Und das Formular "Vorsorgeaufwad", wenn ich keine Kranken- und Rentenversicherung in Deutschland habe?

Antwort: Steuererklärung Kleingewerbe Anlage N und Vorsorgeaufw.

Guten Tag,
und keine Sorge: Sie müssen nur die Steuerformulare ausfüllen, die für Sie von Bedeutung sind. Bei zig verschiedenen Formularen allein im Bereich der Einkommensteuer hätten Sie sonst viel zu tun. :-)
Also: Wenn Sie keine Einkünfte aus "nichtselbstständiger Tätigkeit" haben, ist die "Anlage N" entbehrlich. Gleiches gilt für die "Anlage Vorsorgeaufwand", wenn Sie in Deutschland keine Altersvorsorge betreiben, keine Ausgaben für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung haben und auch sonst keine (Alters-)Vorsorge betreiben. Wenn Sie nicht sicher sind, was alles dazugehört, schauen Sie sich das Formular noch einmal in aller Ruhe an:
https://www.formulare-bfinv.de/ffw/action/invoke.do?id=034098_12
Herzliche Grüße in die Türkei
Robert Chromow

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