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Fortbildungs- und Weiterbildungskosten von der Steuer absetzen

Der Finanzamt finanziert viele Fortbildungen mit, wenn Sie die Kosten steuerlich geltend machen.

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Stand: 27. August 2014 (aktualisiert)

Berufsausbildung, Studium sowie Fort- und Weiterbildungen kosten nicht nur Zeit - sie gehen auch ins Geld. Weil die berufliche Qualifizierung die wichtigste Voraussetzung für zukünftige steuerpflichtige Einkünfte darstellt, ist es nur recht und billig, den Fiskus an den Aus- und Fortbildungskosten zu beteiligen. Wir zeigen, worauf dabei zu achten ist.

Stillstand ist Rückschritt: Angesichts der kurzen Halbwertszeit des Wissens sind berufliche Fort- und Weiterbildungen ein Muss. Wer in der Vergangenheit jedoch versuchte, die damit verbundenen finanziellen Aufwendungen als Werbungskosten von der Steuer abzusetzen, stieß bei den Finanzämtern oft auf taube Ohren: Was nicht im engsten Sinn der fachlichen Fortbildung im ausgeübten Beruf zwecks Sicherung der Einnahmen diente, durfte nicht in vollem Umfang steuermindernd geltend gemacht werden. Aus- und Weiterbildungskosten konnten - bis zu der geringen Obergrenze - allenfalls unter Sonderausgaben aufgeführt werden.

Fortbildungen von Selbstständigen

Wenn im Folgenden von den "Werbungskosten" die Rede ist, so entspricht das bei Selbstständigen den "Betriebsausgaben". Betrieblich notwendige Fortbildungen von Selbstständigen (wie zum Beispiel die Mitgliedschaft bei akademie.de oder die Teilnahme an Online-Workshops) dürfen im Rahmen der Einnahme-Überschussrechung bzw. Gewinn- und Verlustrechnung ohne Weiteres als betrieblicher Aufwand geltend gemacht werden. Das Ergebnis ist das Gleiche: Unter dem Strich sinkt das zu versteuernde Einkommen.

Fortbildung oder Weiterbildung?

Die gute Nachricht vorweg: Die anachronistische Unterscheidung zwischen fachlichen Fortbildungen auf der einen und allgemeinen beruflichen Weiterbildungen auf der anderen Seite hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren: Weiterbildungen, die der "Erhaltung beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten" sowie der "Anpassung an die Entwicklung der beruflichen Verhältnisse" dienen, müssen in der Regel von den Finanzämtern anerkannt werden, auch wenn sie nicht in direktem fachlichen Zusammenhang mit einem ausgeübten Beruf stehen.

Voraussetzung ist aber nach wie vor der berufliche Bezug. Bei privaten Koch- und Handarbeitskursen an der Volkshochschule dürfte der Nachweis der beruflichen Verwendbarkeit weiterhin schwerfallen. Bei Computer- und Internet-Weiterbildungen, aber auch beim Erwerb von Sprach- und anderen Kommunikations-Qualifikationen lässt sich dagegen der Nutzen für die Sicherung der eigenen Erwerbsfähigkeit jedoch mühelos herstellen.

So stimmten die Richter des Bundesfinanzhofs der Feststellung einer Vorinstanz zu, dass die Computertechnik in alle Bereiche des täglichen Berufslebens Eingang gefunden habe. Nur ständige Fortbildungen stellten vertieftes und erweitertes Wissen der Arbeitnehmer für ihre ausgeübten Tätigkeiten sicher.

akademie.de-Teilnehmergebühren absetzen

Auch akademie.de-Workshops können als Fortbildungen von der Steuer abgesetzt werden.Die Anerkennung beruflicher Weiterbildungen als Werbungskosten gilt selbstverständlich auch für die Mitglieder und Workshop-Teilnehmer von akademie.de: Sofern Sie Ihre Gebühren bislang noch nicht als Werbungskosten geltend gemacht haben, sollten Sie das bereits bei der Einkommensteuererklärung für 2013 unbedingt tun: Online-Fortbildungen werden steuerlich nicht mehr anders behandelt als Präsenzveranstaltungen!

Berufsausbildung oder Fortbildung?

Als Werbungskosten generell voll abzugsfähig sind Ausgaben für die folgenden Qualifizierungsart:

  • Fortbildungen in einem bereits erlernten Beruf,

  • Umschulungen, die einen Berufswechsel vorbereiten sowie

  • Zweit- und Folgestudien, sofern sie "in einem hinreichend konkreten, objektiv feststellbaren Zusammenhang mit der [...] angestrebten beruflichen Tätigkeit" stehen.

Letzteres könnte zum Beispiel dann der Fall sein, wenn ein Chemiker in Vorbereitung auf eine in Aussicht gestellte Geschäftsführungsfunktion ein berufsbegleitendes Wirtschafts- oder Jurastudium absolviert.

Lange Zeit umstritten war die steuerliche Behandlung der Ausbildungskosten im ersten Beruf: Nur wenn die Erstausbildung oder das Erststudium im Rahmen eines bezahlten Dienstverhältnisses erfolgt ("Ausbildungsdienstverhältnis") ist der Werbungskosten-Abzug ohne Weiteres möglich. Ansonsten gehören die Kosten für die erstmalige Berufsausbildung oder das Erststudium nach dem Willen des Gesetzgebers zu den "Kosten der Lebensführung". Sie dürfen grundsätzlich nur als Sonderausgaben von bis 6.000 Euro pro Jahr geltend gemacht werden.

Großzügiger Bundesfinanzhof

Die gute Nachricht: Durch mehrere erfreulich lebensnahe Urteile hat der Bundesfinanzhofs (BFH) verhindert, dass erstmalige Berufsausbildungen und Erststudien in jedem Fall Privatvergnügen sind und allenfalls als Sonderausgaben Berücksichtigung finden können. Mit ihren Entscheidungen tragen die Richter der grundsätzlich veränderten Wissenslandschaft zumindest ansatzweise Rechnung:

  • Im ersten Fall (Az.: VI R 137/01) ging es um das berufsbegleitende Betriebswirtschafts-Studium einer Rechtsanwalts- und Notargehilfin: Um ihre Position als Personalreferentin einer Bank sichern zu können, hatte sie ihr (Erst-)Studium aufgenommen. Die entstandenen Kosten machte sie als Werbungskosten geltend. Zu Recht, wie der BFH entschied: "Aufwendungen für ein berufsbegleitendes erstmaliges Hochschulstudium seien als Werbungskosten zu berücksichtigen, sofern sie beruflich veranlasst sind."

  • Die zweite Entscheidung (Az.: VI R 120/01) betraf eine arbeitslose Industriekauffrau, die sich auf eigene Kosten zur Fahrlehrerin umschulen ließ. Weil das Arbeitsamt die Lehrgangskosten nicht übernehmen wollte, zog die frischgebackene Fahrlehrerin ihre Aufwendungen als "vorab entstandene Werbungskosten" von ihren Einkünften als Angestellte ab. Auch hier hatten die Richter des BFH ein Einsehen: "Aufwendungen für eine Umschulungsmaßnahme, die die Grundlage dafür bildet, von einer Berufs- oder Erwerbsart zu einer anderen überzuwechseln, können vorab entstandene Werbungskosten sein."

  • Das dritte und wichtigste Urteil (Az.: VI R 14/07) stammt aus dem Jahr 2009: Darin ging es um den Fall einer gelernten Buchhändlerin, die nach Abschluss ihrer Ausbildung und einer folgenden Familienpause ein Lehramtsstudium absolviert hatte. Finanzamt und Finanzgericht lehnten die Anerkennung der Ausbildungskosten als Werbungskosten ab. In seiner Leitentscheidung korrigierte der Bundesfinanzhof die Urteile der Vorinstanzen: Aufwendungen für ein Erststudium nach abgeschlossener Berufsausbildung können seitdem als Werbungskosten abgezogen werden.

Völlig zu Recht stellten die Richter fest, die bisherige Rechtsprechung stamme "aus einer Zeit, in der es zum Regelfall gehörte, den ursprünglich erlernten Beruf das gesamte Berufsleben lang auszuüben." In der heutigen Zeit hingegen könne ein Arbeitnehmer nicht mehr davon ausgehen, nur eine Berufsausbildung absolvieren zu müssen. Die Arbeitsmarktsituation erfordere es immer häufiger, umzulernen und erforderliche Kenntnisse auch für eine völlig andersgeartete Berufstätigkeit zu erwerben.

Zukünftige und rückwirkende Steuerabzüge

Steuerpflichtige, die während einer solchen Ausbildung oder eines solchen Studiums kein (oder nur ein geringes) Einkommen erzielen, dürfen ihre Ausbildungskosten sogar als "vorab entstandene Werbungskosten" geltend machen: Sie geben während ihres Studiums laufend Einkommensteuererklärungen ab, in denen aufgrund der Ausbildungskosten unterm Strich Verluste ausgewiesen sind. In den Jahren nach Beendigung des Studiums darf der aufgelaufene Gesamtverlust dann in Form eines Verlustvortrags nach und nach von den erzielten steuerpflichtigen Einkünften abgezogen werden.

Mehr noch: Wer im Jahr vor Aufnahme des Studiums gut verdient und Steuern bezahlt hat, kann den Verlust des ersten Studienjahres unter Umständen sogar mit bereits gezahlten Steuern verrechnen - und sich über eine Steuerrückzahlung freuen.

Die wichtigsten Informationen zum Thema Verlustvortrag und Verlustrücktrag finden Sie im Beitrag "Steuererminderung durch Verlustabzug".

Und gleich noch ein Tipp hinterher: Klingen Begriffe wie Werbungskosten, Betriebsausgaben oder Sonderausgaben für Sie wie böhmische Dörfer? Dann lohnt sich für Sie ein Blick in unseren Grundlagen-Kurs zu Lohnsteuer, Lohnsteuerjahresausgleich und Einkommensteuer.

Probieren geht über Studieren!

Bei Berufstätigen ist der Werbungskostenabzug in aller Regel günstiger als der beschränkte Sonderausgaben-Abzug. Falls das bei Ihnen zutrifft, Sie jedoch im Zweifel sind, ob die Ausbildungskosten in Ihrem Fall zu den voll abzugsfähigen Werbungskosten oder nur zu den beschränkt absetzbaren Sonderausgaben gehören, entscheiden Sie sich am besten für die Werbungskosten:

Falls das Finanzamt die Werbungskosten streicht, geht Ihnen der Sonderausgabenabzug nicht verloren. Und sofern die Gerichte bei den zurzeit anhängigen Verfahren zugunsten der Steuerzahler entscheiden, kommen Sie auf diese Weise obendrein nachträglich in den Genuss einer Steuererstattung.

Nichts vergessen?

Die wenigsten Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten lassen sich so komfortabel vom Arbeitsplatz oder heimischen Schreitisch aus absolvieren wie die Online-Kurse und -Workshops von akademie.de: Zu den steuerlich absetzbaren Aufwendungen gehören deshalb keineswegs nur Lehrgangskosten und Prüfungsgebühren: Zu den abzugsfähigen Werbungskosten gehören auch ...

  • Fahrtkosten,

  • Übernachtungs- und Verpflegungskosten (zum Beispiel bei Wochenend-Seminaren oder Exkursionen) sowie

  • Fachliteratur und Lernmittel

Bei längeren Ausbildungen (zum Beispiel berufsbegleitenden Studien) können unter Umständen sogar die Aufwendungen für ein heimisches Arbeitszimmer anerkannt werden. Denken Sie künftig also bei Qualifizierungsmaßnahmen aller Art daran, Quittungen zu sammeln!

Fazit

Angesichts der rasanten Veränderungen in der Informationsgesellschaft opfern viele Menschen beträchtliche Teile ihrer Freizeit, um auf dem Laufenden zu bleiben. Da ist es nur recht und billig, wenn sie nicht auch noch die entstandenen Kosten in voller Höhe aus der eigenen Tasche zahlen müssen. Politik und Verwaltung täten gut daran, von der Bevölkerung nicht nur ständig die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen zu fordern. Vielmehr sollten sie den Sonntagsreden Taten folgen lassen und endlich alle beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen als Werbungskosten oder Betriebsausgaben anerkennen!

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Weiterbildung

Hallo,
Ivh möchte gerne im Dezember eine Weiterbildung beginnen zur Stationsleitung. Kann ich auch diese wenn ich sie selber zahle von den Steuern absetzen lassen?

Lg

Antwort: Weiterbildung

Hallo,
_nur_ wenn Sie die Weiterbildungs-Kosten selbst bezahlen, handelt es sich um Werbungskosten, die Sie von der Steuer absetzen dürfen. Bezahlt der Arbeitgeber die Fort- oder Weiterbildung, haben Sie keinen Anspruch auf Anerkennung als Werbungskosten: Warum auch? :-)

Viele Grüße
Robert Chromow

Weiterbildung

Die Weiterbildung dauert 1 Jahr und kostet ca 2800 Euro

Vielen dank für ihre Hilfe

Antwort: Weiterbildung

Hallo,
noch ein Hinweis hinterher: Nicht nur die reinen Seminar- und Prüfungskosten stellen Werbungskosten dar. Vergessen Sie zum Beispiel nicht die Ausgaben für Bücher, Lernmaterialien, Arbeitsmittel, Fahrtkosten sowie ggf. Übernachtungskosten oder auch "Verpflegungsmehraufwendungen" (bei Abwesenheit von mehr als 8 Stunden pro Tag). Unter Umständen können Sie für die Dauer der Fortbildung sogar ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen.

Viele Grüße
Robert Chromow

Lehrgangsgebühren

Hallo,

ich besuche eine Weiterbildung, wo ich jeden Monat meine Kursgebühren selbst zahle und nach bestandener Prüfung einen festgelegten Teil durch die SAB erstattet bekomme.
Welchen Betrag nehme ich hier in die Kosten für das FA rein, meinen gezahlten Betrage oder eben diesen abzüglich der Förderung, die ich später bekomme?

Vielen DANK für Ihre Hilfe

Antwort: Lehrgangsgebühren

Guten Tag,
ich weiß zwar nicht, wer oder was die "SAB" ist - grundsätzlich verhält sich die Sache so:

1.
Als Werbungskosten werden nur solche Aufwendungen berücksichtigt, die zu einer "wirtschaftlichen Belastung des Steuerpflichtigen" führen.

2.
Mit anderen Worten: Erstattungen und Zuschüsse zu Lehrgangsgebühren und anderen Fortbildungskosten müssen Sie bei Ihrer Steuererklärung angeben.

3.
Als Werbungskosten wird nur die Differenz anerkannt.

Viele Grüße
Robert Chromow

Vorab entstandene Werbungskosten

Hallo,

ich arbeite als Grafik Designerin, habe aber im letzten Jahr nebenbei eine Ausbildung zum Fitnesstrainer (B-Lizenz) gemacht, um mich beruflich umzuorientieren.
Die Kosten wurden als Werbungskosten vom Finanzamt aktzeptiert.
Bis jetzt arbeite ich aber noch hauptberuflich als Designer und habe nur einen Nebenjob (450€-Basis) als Trainerin.
Muss ich innerhalb einer bestimmten Zeit einen richtigen Job als Trainerin gefunden haben (also in dem ich Lohnsteuern bezahle) oder kann das Finanzamt sonst sogar bereits erstattete Beträge wieder zurückverlangen?

Vielen Dank im Voraus und viele Grüße,
J.

450-Euro-Job reicht völlig!

Da kann das Finanzamt Dir gar nichts, denn Du hast die Fortbildung ja genutzt, um Dir Kenntnisse anzueignen, die Du nun beruflich einsetzt. Es waren also Aufwendungen für eine nachfolgende Berufstätigkeit. In welchem Umfang die stattfindet geht das Finanzamt nichts an, das ist ja Deine private Lebensplanung. Und außerdem hat das Finanzamt doch offenbar schon einen Steuerbescheid erlassen, dann ist doch Ruhe, eigentlich.

1 Übernachtung zusätzlich bei weit entfernter Fortbildungsstätte

Hallo.
Ich werde eine Fortbildung steuerlich angeben. Die Fortbildungsstätte ist 500km entfernt gewesen, sodass ich ein Hotelzimmer bereits vor eigentlichem Fortbildungsbeginn gebucht habe, zumal diese um 7:30 los ging.
Trotz langer Recherche habe ich hierzu nichts gefunden. Kann ich diese Übernachtung ebenfalls ansetzen oder ist mit die Anfahrt am Fortbildungstag zuzumuten?
Vielen Dank im Voraus.

Antwort: 1 Übernachtung zusätzlich bei weit entfernter Fortbildu

Guten Tag,
ich bin kein Steuerberater - aus meiner Sicht spricht aber überhaupt nichts dagegen, unter den beschriebenen Bedingungen eine zusätzliche Übernachtung zu buchen. Im Gegenteil: Eine Anreise von 500 km direkt vor einer um 7:30 Uhr beginnenden Fortbildung halte ich nicht nur für eine Zumutung und Überforderung, sondern für widersinnig und nicht zielführend: Schließlich erfordert eine Fortbildung Wachheit und Geistesgegenwart...

Abgesehen davon: Mehr als streichen könnte das Finanzamt die zusätzliche Übernachtung ohnehin nicht. In dem (aus meiner Sicht unwahrscheinlichen) Fall, könnten Sie sich immer noch genauer nach einer erfolgversprechenden Einspruchsbegründung umhören.

Alles Gute und viele Grüße
Robert Chromow

Vielen Dank für den Zuspruch

Genau so habe ich auch gedacht, allerdings liegen gesunder Menschenverstand und Amtsrealität oft ein paar mm auseinander.

Aber vielen Dank für den Zuspruch... ich werde es probieren :)

Weiterbildungskosten

Hallo,

ich mach eine Weiterbildung bei der örtlichen Handwerkskammer. Die Kursgebühren werden im Rahmen von Meister-BAföG bezuschusst und der Rest wird mit einem zins- und tilgungsfreien Darlehen der KfW vorfinanziert. Dieses Darlehen ist dann aber 2018, also nach Beendigung der Weiterbildung, zu tilgen und zu verzinsen. Die Frage ist, ob ich erst 2018 Kosten der Weiterbildung als Werbungskosten geltend machen kann bzw. muss?

Antwort: Weiterbildungskosten

Guten Tag,
eine steuerliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

1.
Bei der Einkommensteuer werden Einkünfte und Aufwendungen grundsätzlich in dem Jahr berücksichtigt, in dem sie tatsächlich angefallen (= gezahlt worden) sind.

2.
Für eine berufliche Fortbildung im Jahr 2016, deren Kursgebühren erst 2018 bezahlt werden müssen, bedeutet das:

* Alle in 2016 bezahlten und nicht bezuschussten bzw. vorfinanzierten Aufwendungen (Fahrtkosten und evtl. Verpflegungsmehraufwendungen, Fachbücher, evtl. Prüfungsgebühren etc.) machen Sie in 2016 geltend.
* Zins und Tilgung des KfW-Darlehens stellen erst im Jahr 2018 Werbungskosten dar.

3.
Am besten erstellen Sie für jedes Jahr eine Aufstellung mit sämtlichen Ausgaben und Einnahmen (Ausgaben ./. Zuschuss ./. anteiligem Darlehensanteil). Unterm Strich ergeben sich dann die als Werbungskosten geltend gemachten Fortbildungskosten. Die tragen Sie in Zeile 44 der "Anlage N" ein: "Fortbildungskosten (soweit nicht steuerfrei ersetzt)".

4.
Die Details besprechen Sie bitte mit einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein.

Viele Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Steuererstattung bei ALG 1

Hallo,

eine sehr wichtige Frage:

ich habe im gesamten Jahr 2015 ALG 1 bezogen und durch eine Weiterbildung (BWL-Zertifikat, dessen Kosten die BA nicht übernimmt) private Weiterbildungskosten in Höhe von 6.000€.
Das Finanzamt lehnt eine Anerkennung als Werbungskosten ab, so dass ich jetzt auf den erheblichen Kosten sitzen bleiben würde. Dies ist besonders ungünstig, da ich derzeit von Reserven lebe, die auch nicht ewig halten.
Besteht noch eine Möglichkeit, wenigstens Teile dieser erheblichen Summe anerkannt zu bekommen.
Es handelte sich immerhin um Eigeninitiative, um wieder einen Job zu bekommen!?

Danke im Voraus

Chris

Antwort: Steuererstattung bei ALG 1

Guten Tag,
die Details Ihres Einzelfalls kann ich nicht beurteilen - aber ich würde gegen die Nicht-Anerkennung des Werbungskosten-Abzugs durch das Finanzamt auf jeden Fall Einspruch einlegen:

Ein BWL-Zertifikat ist ja ganz offensichtlich kein Freizeitvergnügen und dient aus meiner Sicht in sehr vielen Berufen offensichtlich dem Erwerb und Erhalt aktueller und künftiger steuerpflichtiger Einkünfte.

Lehnt das Finanzamt die Anerkennung endgültig ab, können Sie die Aufwendungen unter Umständen noch als Sonderausgaben geltend machen. Mehr dazu weiter oben im Beitrag.

Wichtig: Die grundsätzliche Zulässigkeit des Werbungskosten- oder Sonderausgabenabzugs gilt übrigens auch dann, wenn Ihre Ausgaben durch den Werbungskostenabzug höher sind als Ihre steuerpflichtigen Einnahmen des laufenden Jahres! Entsteht unterm Strich ein Verlust, kann der mit gezahlten Steuern der Vergangenheit oder Zukunft verrechnet werden. Weitere Informationen zum Vor- und Rücktrag von Verlusten finden Sie im Beitrag
http://www.akademie.de/wissen/steueroptimierung-verlustabzug

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Absetzbarkeit eine privaten Ausbildung

Hallo, ich bin seit 20 Jahren als Angestellter tätig. Nun übe ich seit geraumer Zeit bereits eine Kampfkunst aus und habe mich entschieden hier eine 3 jährige Trainerausbildung zu machen (Beginn 12.2015). Mein Ziel ist es, hiermit auch nach Beendigung dieser Ausbildung Einkünfte zu erzielen. Daher stellt sich mir die Frage ob die Kosten hierfür (mtl. ca. 150 € sowie Kosten für Material) entsprechend als Aufwendungen in der Steuer abgesetzt werden können. Über eine Antwort wäre ich dankbar.

Viele Grüße Ben

Antwort: Absetzbarkeit eine privaten Ausbildung

Hallo Ben,
"private Ausbildungen" sind im Steuerrecht nicht vorgesehen: Sofern eine Aus-, Fort- oder Weiterbildung dem Erwerb oder Erhalt gegenwärtiger oder zukünftiger steuerlicher Einkünfte dient, handelt es sich in der Regel um Werbungskosten (in manchen Fällen auch um Sonderausgaben). In Ihrem Fall müssten Sie glaubhaft machen können, dass Ihre Kampfkunst-Trainerausbildung auf Dauer zur Erzielung von steuerpflichtigen Einkünften führen wird und die Ausbildungskosten von 5.000 bis 10.000 Euro in einem angemessenen Verhältnis zu den zu erwartenden Einkünften stehen.

Ist das nicht der Fall, verfolgt die Bildungs- oder Qualifikationsmaßnahme keinen beruflichen oder geschäftlichen Zweck, dann handelt es sich aus Sicht des Finanzamts um "Liebhaberei"
https://de.wikipedia.org/wiki/Liebhaberei

Viele Grüße
Robert Chromow

Danke

Super, danke für die schnelle Antwort. Ich denke dass sich hier eine Gewinnerzielungsabsicht nachweisen oder sogar beweisen läßt.

Viele Grüße

Ben

Sonderausgaben oder Werbekosten?

Hallo,

bei der Frage, ob man eine Zweitausbildung als Sonderausgaben oder aber "nur" als Werbekosten oder ggf. als Betriebsausgaben absetzen kann, scheint es kein allzu einheitliches Vorgehen zu geben. Meine Frau studiert nebenberuflich - in ihrem Jahrgang sind einige der berufstätigen Studentinnen mit den Sonderausgaben durchgekommen, andere nicht. Und unser Steuerberater meinte sogar, die Chancen dafür wären höher, wenn man seine Steuererklärung selbst schreibt, weil dann nicht so genau geprüft wird ...

Ist das nicht merkwürdig? Auch in der Beziehung scheint die Einkommensteuererklärung so eine Art Lotteriespiel zu werden.

Beste Grüße
S.

Arbeitgeberbescheinigung

Guten Morgen,

ich absolviere zur Zeit ein nebenberufliches Studium (das ich komplett selber zahle) und werde im nächsten Jahr die Studiengebühren natürlich in der Steuererklärung angeben. Vom Arbeitgeber würde ich deshalb gerne eine Bescheinigung anfordern, um dem Finanzamt eine Bestätigung über die Weiterbildungsmaßnahme zu geben. Durch die Bescheinigung erhoffe ich mir keine weiteren Nachfragen durch das Finanzamt und eine Art "Garantie" das die Angaben zu den Studiengebühren akzeptiert werden.
Meine Frage wäre, was genau müsste der Arbeitgeber in so eine Bescheinigung schreiben?

Ich freue mich auf die Antwort!

Viele Grüße

Nick

Antwort: Arbeitgeberbescheinigung

Guten Morgen, Nick,
"Garantien" gibt es im Steuerrecht nicht. :-)

Abgesehen davon: Sofern eine eindeutige berufliche Veranlassung besteht, ist die Anerkennung von Fortbildungskosten nicht von einer Arbeitgeberbescheinigung abhängig. Damit würden Arbeitnehmer benachteiligt, die ihre Karriere bei einem anderen Arbeitgeber fortsetzen wollen.

"Genaue" Inhaltsvorschriften über eine solche Bescheinigung gibt es schon gar nicht. Falls Sie eine Bescheinigung Ihres Arbeitgebers vorlegen, kann das natürlich nicht schaden. Welche inhaltlichen Angaben darin gemacht werden, hängt davon ab, welchen Zusammenhang es zwischen den Inhalten Ihres nebenberuflichen Studiums und
* Ihrem Ausbildungsberuf,
* einem eventuellen Erststudium,
* dem zurzeit ausgeübten Beruf und
* einem ggf. angestrebten Beruf bzw. Aufstiegsposition
... gibt. Wie erklärungsbedürftig das ist, hängt von den Details des Einzelfalls ab.

Aber wie gesagt: Nötig ist eine Bescheinigung des Arbeitgebers nicht. Sie könnten sie sich auch für den Einspruch gegen eine eventuelle Nicht-Anerkennung der Werbungskosten aufheben.

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Seit kurzem auch berufliche Feiern als Werbungskosten absetzbar

Hallo, der Fiskus finanziert nicht nur Fort- und Weiterbildungen, sondern seit dem Urteil vom 8. Juli 2015 – VI R 46/14 auch beruflich veranlasste Feiern wie hier berichtet wird:

http://www.dr-carl-partner.de/news/aufwendungen-fuer-berufliche-feiern-a...

Das gilt natürlich nur wenn die Einladung der Gäste nahezu ausschließlich beruflich veranlasst war, was ja auch eine Auslegungssache ist.

Was meinen Sie dazu?

Viele Grüße aus Ansbach

Martin

Antwort: Seit kurzem auch berufliche Feiern als Werbungskosten a

Hallo Martin,
dazu meine ich: Wenn der BFH das so entscheidet, steht es Steuerpflichtigen frei, die Steilvorlage aufzunehmen. :-)

Sie schreiben:
------------ Zitat ----------------
Das gilt natürlich nur wenn die Einladung der Gäste nahezu ausschließlich beruflich veranlasst war, was ja auch eine Auslegungssache ist.
----------Zitat-Ende --------------

Das Urteil ist sogar _noch_ günstiger: Die berufliche Veranlassung bezieht sich nur auf die "Gäste aus dem beruflichen Umfeld"!

O-Ton BFH:
------------ Zitat ----------------
Der als Werbungskosten abziehbare Betrag der Aufwendungen kann anhand der Herkunft der Gäste aus dem beruflichen/privaten Umfeld des Steuerpflichtigen abgegrenzt werden, wenn die Einladung der Gäste aus dem beruflichen Umfeld (nahezu) ausschließlich beruflich veranlasst ist. Hiervon kann insbesondere dann auszugehen sein, wenn nicht nur ausgesuchte Gäste aus dem beruflichen Umfeld eingeladen werden, sondern die Einladungen nach abstrakten berufsbezogenen Kriterien (z.B. alle Auszubildenden, alle Zugehörigen einer bestimmten Abteilung) ausgesprochen werden.
----------Zitat-Ende --------------

Viele Grüße
Robert Chromow

zur Steuer 2014: Rechnung aus Nov. 13 f. Fortbild. angegeben

Hallo Herr Chromow,

ich habe da eine Frage: ich bin im Einzelhandel tätig und besuchte letztes Jahr (möchte mich verändern bzw. eine 2.Berufsrichtung fahren) eine Fortbildung in einem anderen berufl. Bereich, ist bereits der 2. Kurs in Folge.
Der Kursanbieter stellte die Rechnung im November 13 aus, Beginn des Kurses war im Juli 14, gezahlt habe ich im Juli 14. Das FA hat die Rechnung zum Kurs angefordert. Kann mir diese Rechnung da aus 2013 für die Steuer 2014 gestrichen werden?

Danke für die Info.

Gruß,
D. Gruber

Antwort: zur Steuer 2014: Rechnung aus Nov. 13 f. Fortbild. ange

Guten Tag, Herr / Frau Gruber
entscheidend ist der Zeitpunkt der Zahlung. Dass Sie eine Rechnung vom November 2013 im Juli 2014 bezahlen, ist völlig unbedenklich. Wenn Sie die Zahlung im Rahmen der Einkommensteuererklärung 2014 als Werbungskosten absetzen, ist ebenfalls korrekt. Nachteile können Ihnen m. E. daraus nicht entstehen.

Viele Grüße
Robert Chromow

Kosten Fernstudium als Verlust abziehen?

Hallo Herr Chromow,

ich hätte da eine Frage. Ich bin EU-Rentnerin und im Nebenerwerb selbstständige Lebensberaterin, seit 7 Jahren. Nun möchte ich ein Fernstudium Psychotherapie nach Heilpraktikergesetz machen.

Kann ich die Kosten, wenn ich diese im Dezember 2015 bezahle, für 2015 als Verlust in meiner Gewinnermittlung angeben, auch wenn die Prüfung erst Oktober 2016 sein wird?

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Mit freundlichen Grüßen
Mila Konowa

Antwort: Kosten Fernstudium als Verlust abziehen?

Hallo Frau Konowa,
eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

Im deutschen Steuerrecht gilt der Grundsatz, dass Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben in dem Jahr steuerlich geltend gemacht werden (müssen), in dem sie angefallen (= bezahlt) worden sind.

Viel Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Umschulungskosten / Muss ich Gewerbe anmelden?

Hallo Herr Chromow,

zurzeit bin ich als Arbeitnehmer beschäftigt. Letztes Jahr habe ich mich zu einem 2-Jährigen Kurs angemeldet, was mit meiner jetzigen Arbeits nichts zu tun hat, will aber in der Zukunft zu diesem Beruf wechseln. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich mich selbstständig mache, es besteht aber auch die möglichkeit wieder als Arbeitnehmer einen Job zu finden.
Ich habe die Umschulungskosten als Werbungskosten bei meiner Steuererklärung 2014 angegeben. Daraufhin habe ich vom Finanzamt ein Formular zur Gewerbeanmeldung erhalten. Hier habe ich geantwortet, dass ich zurzeit kein Gewerbe angemeldet habe, da ich mich in der Ausbildungsphase befinde und auch noch kein Einkommen von dieser Tätigkeit habe. Wenn ich ein Gewerbe anmelde, dann frühstens nach dem Schulabschluss, was Mitte 2016 wäre.
In meinem Steuerbescheid wurden dann diese Werbungskosten nicht berücksichtigt mit der Erklärung:"Der Ansatz der vorweggenommenen Betriebsausgaben erfolgt vorläufig mit 0,-€, da die Gewinnerzielungsabsicht derzeit noch nicht absehbar ist."

Jetzt meine Fragen hierhu:

1. Bin ich verpflichtet ein Gewerbe anzumelden, wenn ich diesen Beruf am Anfang nur als Nebentätigkeit ausüben möchte, da ich zum Start nicht mit vielen Kunden rechne?

2. Lohnt sich hier ein Einspruch gegen diesem Steuerbescheid? Mit welcher Begründung?

3. Falls die Werbungskosten nach dem Einspruch anerkannt werden, gibt es hier eine Frist bis wann ich ein Einkommen von dieser Tätigkeit nachweisen muss, bzw. bis wann ich ein Gewerbe anmelden muss?

4. Falls die Werbungskosten in diesem Steuerbescheid nicht anerkannt werden, kann ich die später noch absetzen auch wenn die im Jahr 2014 entstanden sind? Auch wenn ich nicht selbstständig, sondern wieder Angestellt wäre, aber in dem neu erlerntem Bereich?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antworten.

Liebe Grüße,
Martina

Antwort: Umschulungskosten / Muss ich Gewerbe anmelden?

Hallo Martina,
eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Deshalb nur ganz allgemein: Der Ansatz beruflicher Fortbildungskosten als vorweggenommene Werbungskosten ist grundsätzlich auch dann möglich, wenn es keinen unmittelbaren Zusammenhang mit dem aktuell ausgeübten Beruf gibt. Warum Ihr Finanzamt postwendend einen Bezug zur Selbstständigkeit hergestellt hat, kann ich nicht beurteilen.

Am besten besprechen Sie die Details mit Ihrem Steuerberater. Oder Sie wenden sich an einen Lohnsteuerhilfeverein - z. B. über die bundesweiten Dachorganisationen:

Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine e.V.
http://www.bdl-online.de/
Neuer Verband der Lohnsteuerhilfevereine e.V.
http://www.nvl.de/

Viele Erfolg und freundliche Grüße
Robert Chromow

Seminarkosten von der Steuer absetzen

Guten Abend,

ich arbeite derzeit als Sportwissenschaftlerin nach meinem Masterabschluss in einem Sportverein.

Da ich zukünftig im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements tätig sein möchte, würde der Besuch eines Seminars zum TÜV-Betrieblicher Gesundheitsmanager(8 Tage) mit anschließender Prüfung zur Zertifikatausstellung meine Bewerbungschancen in diesem Bereich erhöhen.
Ist es möglich diese Kosten als Werbungskosten von der Steuer abzusetzen?

Vielen Dank vorab.
N. Wedekind

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