Kleinunternehmer-Status verloren, das Finanzamt will nachträglich Umsatzsteuer?

Wer die Umsatzgrenze für Kleinunternehmer überschritten hat, ohne es zu bemerken, erlebt im Folgejahr oft einen mittleren Schock. Aber auch dafür gibt es Lösungen.

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Stand: 4. November 2013

Umsatzsteuerliche Kleinunternehmer, deren Jahresumsatz höher als 17.500 Euro ist, unterliegen im Folgejahr automatisch der Regelbesteuerung: Eine Mitteilung des Finanzamtes erfolgt nicht! Ob Sie Ihren Kunden Umsatzsteuer in Rechnung gestellt haben oder nicht, spielt keine Rolle: Früher oder später verlangt das Finanzamt von Ihnen die Umsatzsteuer. Wir erläutern die Rechtslage und geben Tipps zur nachträglichen Umstellung auf die Regelbesteuerung.

Die Kleinunternehmerregelung senkt den Bürokratieaufwand und bringt in vielen Fällen echte Kosten- bzw. Preisvorteile mit sich. Das gilt vor allem für Selbstständige und kleine Betriebe, die überwiegend Geschäfte mit privaten Endverbrauchern machen.

Zum Weiterlesen: Lektüre-Tipps für Kleinunternehmer und solche, die’s werden wollen

Suchen Sie zunächst grundlegende Informationen zur Umsatzsteuer-„Befreiung“ von Kleinunternehmern, bevor Sie sich mit dem Sonderfall befassen möchten, der uns hier beschäftigt? Bei akademie.de finden Sie dazu eine ganze Reihe einschlägiger Beiträge:

Das gefährliche Folgejahr

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wenn Ihr Jahresumsatz im laufenden Jahr (zum Beispiel 2013) die Kleinunternehmergrenze von 17.500 Euro überschreitet, drohen für das laufende Jahr (= 2013) keine rückwirkenden Nachteile.

Am 1. Januar des Folgejahres (im Beispiel: 1.1.2014) wird’s dann aber Ernst: Sie sind dann automatisch kein Kleinunternehmer mehr! Ohne dass das Finanzamt Sie dazu ausdrücklich auffordert, unterliegen Sie ab Januar des Folgejahres unweigerlich der Regelbesteuerung: Sie müssen dann Umsatzsteuer abführen, ganz gleich, ob Sie das rechtzeitig bemerkt haben oder nicht. Und auch völlig unabhängig davon, ob Sie Umsatzsteuer in Rechnung gestellt haben oder nicht.

Keine Benachrichtigung erhalten? Kein Fehler vom Amt.

Bei der fehlenden amtlichen Benachrichtigung handelt es sich übrigens keineswegs um eine Vernachlässigung der staatlichen „Fürsorge-“ oder Aufklärungspflicht gegenüber besonders hilfebedürftigen Selbstständigen. Denn das Überschreiten der Umsatzgrenze fällt dem Finanzamt ja normalerweise erst dann auf, nachdem der Steuerpflichtige seine Einkommen- und Umsatzsteuererklärungen eingereicht hat: Und das ist bekanntlich selten vor Mitte des nächsten Jahres der Fall.

Kein Grund zur Verzweiflung

Don’t worry …

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Zwei Grenzen

Hallo Herr Chromow,

ich stolpere immer wieder über Ihre Artikel und finde diese meistens sehr hilfreich. Aber bei diesem Artikel zum Kleinunternehmer-Status komme ich ins Grübeln.

Im Gesetz heißt es ja: "...im vorangegangenen Kalenderjahr 17 500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50 000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird...".
Es müssen also beide Bedingungen erfüllt sein: Der Kleinunternehmer verliert nur dann seinen Status, wenn er im Vorjahr höhere Umsätze als 17.500 EUR hatte _UND_ im laufenden Jahr voraussichtlich Umsätze von mehr als 50.000 EUR haben wird.

Das bedeutet doch, ein Kleinunternehmer behält seinen Status, auch wenn er mal in einem Jahr Umsätze in Höhe von mehr als 17.500 EUR (und weniger als 50.000 EUR) hat.

IMHO eindeutiges Beispiel:
1. Jahr: Umsatz 15.000 -> Kleinunternehmer
2. Jahr: Umsatz 20.000 -> Kleinunternehmer, da Vorjahr unter 17.500 und laufendes Jahr (voraussichtlich) unter 50.000
3. Jahr: Umsatz 15.000 -> Kleinunternehmer, Vorjahr zwar über 17.500, laufendes Jahr aber unter 50.000

Schon fast zweifelhaftes Beispiel, aber IMHO korrekt:
1. Jahr: Umsatz 15.000 -> Kleinunternehmer
2. Jahr: voraussichtlicher Umsatz 49.000, bei Abschlusserstellung im Folgejahr werden Umsätze i. H. v. 51.000 festgestellt, da er an Silvester noch überraschend 2.000 eingenommen hat -> Kleinunternehmer, da Vorjahr unter 17.500 und im laufenden Jahr voraussichtlich - also nicht nachträglich festgestellt - unter 50.000
3. Jahr: Umsatz 40.000 -> Kleinunternehmer, da im laufenden Jahr weniger als 50.000 Umsatz

Sehe ich das falsch?

Mit freundlichen Grüßen

Timo Labrenz

Antwort: Zwei Grenzen

Hallo Herr Labrenz,
vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung und Ihren kritischen Blick. Mit Ihrem Hinweis auf die "UND"-Verknüpfung haben Sie völlig Recht. Allerdings bezieht sich die doppelte Voraussetzung auf den _Fortbestand_ des Kleinunternehmer-Status - nicht auf deren Verlust.

O-Ton § 19 UStG:
------------ Zitat ----------------
(1) Die für Umsätze im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 geschuldete Umsatzsteuer wird von Unternehmern, (...) nicht erhoben, wenn der in Satz 2 bezeichnete Umsatz (...) im vorangegangenen Kalenderjahr 17 500 Euro nicht überstiegen hat _UND_ im laufenden Kalenderjahr 50 000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird.
----------Zitat-Ende --------------
https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html

Also: Statt wie Sie schreiben ...
------------ Zitat ----------------
Der Kleinunternehmer verliert nur dann seinen Status, wenn er im Vorjahr höhere Umsätze als 17.500 EUR hatte _UND_ im laufenden Jahr voraussichtlich Umsätze von mehr als 50.000 EUR haben wird.
----------Zitat-Ende --------------

... muss es umgekehrt heißen:

Der Kleinunternehmer _behält_ nur dann seinen Status, wenn er im Vorjahr _geringere_ Umsätze als 17.500 EUR hatte _UND_ im laufenden Jahr voraussichtlich Umsätze von _weniger_ als 50.000 EUR haben wird.

In Ihrem eindeutigen Beispiel unterliegt der Unternehmer im dritten Jahr der Regelbesteuerung, weil er im zweiten Jahr über der Kleinunternehmer-Umsatzgrenze lag.

Auch in Ihrem zweiten Beispiel unterliegt der Unternehmer im dritten Jahr der Regelbesteuerung, weil er im zweiten Jahr über der Kleinunternehmer-Umsatzgrenze lag.

Viele Grüße
Robert Chromow

Nachträgliche Rechnungskorrekturen

Hallo Herr Chromow,

vielen Dank für ihren Beitrag. Ist die im Beitrag beschriebene Vorgehensweise zur Rechnungskorrektur auch möglich, wenn die Ursprungsrechnung im Vorjahr gestellt und bezahlt wurde?
Da ich den Guthabenbetrag von der neuen Rechnung abziehe, zahlt der Kunde in diesem Jahr ja nur die vorher fehlende Umsatzsteuer.
Ändert sich etwas für meine EÜR in 2014? Und demzufolge für die Einkommenssteuererklärung? Die Netto-Zahlung ist ja tatsächlich in 2014 angefallen.

Vielen Dank,

Oliver

Antwort: Nachträgliche Rechnungskorrekturen

Hallo Oliver,
Sie wissen ja: Eine Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich. Daher nur ganz allgemein:

Ja, Umsatzsteuer-Korrekturen sind grundsätzlich auch bei Rechnungen erlaubt, die im Vorjahr gestellt und bezahlt wurden. Auf die Vorjahres-EÜR hat das keine Auswirkungen.

Aber wie gesagt: Das ist nur meine völlig unmaßgebliche Privatmeinung. Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater oder Sie wenden sich direkt ans Finanzamt.

Viel Glück & freundliche Grüße
Robert Chromow

Nachträgliche Rechnungskorrekturen

Sehr geehrter Herr Chromow,

danke für die schnelle Antwort! Hab inzwischen auch das OK von einem Steuerberater.

Viele Grüsse,
Oliver

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