Doppelte KSK-Abgabe bei Unteraufträgen an andere Freelancer lässt sich vermeiden

Ein Unterauftrag macht Sie schnell zum "Verwerter" wider Willen. Lesen Sie, wie Sie Diskussionen mit KSK-Prüfern umgehen.

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Stand: 22. Januar 2015 (aktualisiert)

Wenn eine Texterin für eine Broschüre einen Unterauftrag an einen Fotografen vergibt und das Gesamtwerk anschließend dem Kunden in Rechnung stellt, wird Sie zum „Verwerter wider Willen” und damit selbst ksk-abgabepflichtig. Besonders ärgerlich: In diesem Fall verlangt die KSK zweimal die Künstlersozialabgabe, von ihr und vom Endkunden. Gibt es Wege, das zu vermeiden?

Die Künstlersozialabgabe - jetzt mit verschärften Prüfungen

Dass sich Funk- und Fernsehen, Theater, Verlage und ähnliche Medien-Unternehmen durch Zahlung einer vergleichsweise moderaten Sozialabgabe an den Kosten der Künstlersozialversicherung beteiligen sollen, klingt einleuchtend. In § 24 Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) steht aber auch, dass beliebige andere Unternehmen zum abgabepflichtigen "Verwerter" werden, wenn sie regelmäßig "Aufträge an selbständige Künstler oder Publizisten erteilen, um deren Werke oder Leistungen für Zwecke ihres Unternehmens zu nutzen ..."

Die Künstlersozialabgabe beträgt zurzeit 5,2 % (Stand: 2015) auf sämtliche Netto-Entgelte, die ein Verwerter im Laufe eines Jahres an Künstler und Publizisten gezahlt hat.

Anfang 2015 ist die jüngste KSVG-Novelle in Kraft gereten. Künftig soll bundesweit flächendeckend geprüft werden, ob die Künstlersozialabgabe fällig und tatsächlich entrichtet worden ist.

Die Grundlageninfos zur KSK und Hinweise zur Beitragspflicht können Sie in den Beiträgen "Künstlersozialkasse aus Auftraggebersicht" sowie "Künstlersozialabgabe und KSK-Prüfung" nachlesen.

Wichtig: Betroffen von den Überprüfungen sind nicht nur kommerzielle Endverwerter künstlerischer Leistungen, sondern auch Künstler und Publizisten selbst (z. B. Webdesigner), die ihrerseits regelmäßig Leistungen freiberuflicher Kollegen in Anspruch nehmen (z. B. die eines Texters), um anschließend das Gesamtwerk (z. B. die fertige Website) einem Geschäftskunden in Rechnung zu stellen.

Mehrfach-Abgabe?

Wenn der Webdesigner das Texter-Honorar selbst zahlt, muss er vom Grundsatz her darauf auch die Künstlersozialabgabe abführen: Schließlich nutzt er die Arbeiten des Texter-Kollegen ja für Zwecke seines Unternehmens und erzielt mit dieser Nutzung Einnahmen.

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Autorin und Herausgeberin und doppelte KSK-Abgabe

Sehr geehrter Herr Chromow,
vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen zum genannten Thema. Als Herausgeberin und Autorin eines Fachbuchs finde ich mich in einer ähnlichen Situation der von Ihnen geschilderten Fälle: als Autorin und Herausgeberin des Buches rechnet der Verlag alle Honorare mit mir ab, und ich leite die Honorare an meine Co-Autoren, die für einzelne Kapitel verantwortlich zeichnen, anteilsmäßig weiter (ich stelle dafür Gutschriften aus). Der Verlag, der das Buch veröffentlicht hat, zahlt ja schon an die KSK die Beiträge für alle (da er meinen Anteil an den Beiträgen, der 50% beeträgt, auch gar nicht getrennt berechnet/berechnen kann). Nun steht zu befürchten - eine Prüfung steht an - dass ich für die Co-Autoren die Beiträge ein zweites Mal zahlen muss. Die KSK hat das auf Nachfrage so bestätigt. Mir selbst war diese Problematik bis vor drei Tagen überhaupt nicht bewusst, da sich auch niemand als "Publizist" versteht. Aus meiner Sicht liegt der Fall ähnlich wie in dem von Ihnen geschilderten Fall 2,die Honorare an meine Co-Autoren sind doch de fakto nur durchlaufende Posten. Wie man das formal richtig darstellt ist mir aber noch nicht ganz klar oder liegt das immer noch im Ermessensspielraumder KSK? Jedenfalls bin ich nicht bereit, diese Beiträge zu leisten, zumal keiner der Beteiligten Autoren (und auch ich selbst nicht) dies als Hauptberuf betreibt und somit auch nicht in der KSK versichert ist. Wir sind alle planerisch tätig, teilweise in der freien Wirtschaft, teilweise an Universitäten beschäftigt. Vielleicht könnten Sie dazu noch etwas aus Ihrer Sicht sagen?
Freundliche Grüße, A.Zimmermann

Antwort: Autorin und Herausgeberin und doppelte KSK-Abgabe

Sehr geehrte Frau Zimmermann,
vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung und die vertrauensvolle Anfrage. Eine rechtliche Einzelfallberatung kann und darf ich Ihnen leider nicht anbieten.

Da bereits eine Betriebsprüfung anberaumt ist, wenden Sie sich mit den Details des Einzelfalls am besten an einen Rechtsanwalt oder Unternehmensberater, der sich mit der Materie auskennt.

Empfehlen kann ich Ihnen zum Beispiel den Kollegen Stefan Kuntz, der bei akademie.de regelmäßig zum KSK-Thema informiert:
https://www.akademie.de/profil/stefan-kuntz

Herzliche Grüße und alles Gute
Robert Chromow
PS: Eine Bitte noch: Lassen Sie uns wissen, zu welchem Ergebnis die Überprüfung Ihres Einzelfalles gekommen ist? Vielen Dank!

Stockfoto-Bilder

Herr Chromow, vielen Dank für diese Tips, Sie haben diese schwierige Materie sehr gut erklärt. Eine Unklarheit besteht jedoch noch weiterhin. Muss ich selber auf die bei istock-photo einbezahlten Credits die KSK-Abgabe abführen und danach mein Kunde noch ein weiteres Mal? (Ich verwende die Fotografien für ihn und seine Aufträge.) Vielleicht fällt das auch gar nicht in Zuständigkeit der KSK. Für Ihre freundliche Auskunft danke ich vorweg.

Antwort: Stockfoto-Bilder

Hallo,
und vielen Dank für die nette Rückmeldung. Aus meiner Sicht ist die KSK-Abgabe auf iStock-Produkte schon allein deshalb nicht fällig, weil es sich beim Anbieter "Getty Images International" lt. deutschem Impressum um eine irische Kapitalgesellschaft handelt. Am besten schauen Sie mal auf Ihre iStock-Rechnungen, welche Rechtsform der Aussteller hat.
Viele Grüße
Robert Chromow

Hallo Jürgen,
dass die Abgabe auf (unveränderte!) Leistungen nur einmal zu zahlen ist, ergibt sich aus dem Gesetzestext und dem Kommentar zum KSVG (s. o.).
Brand gelöscht? :-)
Freundliche Grüße
Robert Chromow

Hallo Herr Chromow,
mich würde brennend interessieren, auf welcher Grundlage die Abgabenfreiheit für durchlaufende Posten basiert. Vielen Dank für die Info.
mfg
Jürgen

Hallo Herr Chromow,

ich habe Ihren Artikel mit Interesse gelesen. Es stellt sich jedoch in der Praxis recht schwierig heraus, den Prüfern glaubhaft zu machen, daß nur einmal KSK gezahlt werden muß und daß man die Leistung des Künstlers nicht veredelt hat. Ich bin ein Tonstudio und handle nur im Auftrag von Werbeagenturen, die mich für Ihre Kunden beauftragen um z.B. Werbespots, Telefonansagen oder Industriefilmvertonung herzustellen. Dazu brauche ich natürlich Sprecher, die ich bezahle. Den gelieferten Sprachtext baue ich dann mit Musik zu einem Film oder Werbespot und stelle der Agentur Sprecher, Musik (meine künstl. Leistung) und die Mischung von beiden in Rechnung. Auf das Sprecherhonoroar hab ich einen kleinen Aufschlag.

Nun ist die Frage, muß ich für den Sprecher KSK zahlen. Meine Agentur hat nachweislich auf meinen gesamten Rechnungsbetrag schon KSK gezahlt.

Ich danke Ihnen für Ihre Antwort im voraus und wünsche noch einen schönen Tag.

Mit musikalischen Grüßen

Thomas Schmidt

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