2010: Was gibt's Neues für Selbstständige?

Bilanzrecht, Einkommen- und Gewerbesteuer

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Bilanzrecht, Einkommen- und Gewerbesteuer

Kurz vor dem Jahreswechsel läuft die Gesetzgebungsmaschine wie üblich auf Hochtouren. So richtig frohe Botschaften sind aus Sicht von Selbstständigen und Kleinunternehmern auch diesmal nicht dabei. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten rechtlichen und steuerlichen Neuerungen des Wirtschaftsjahres 2010.

Mit dem dieser Tage vom Bundesrat gebilligten Wachstumsbeschleunigungsgesetz und dem (bislang erst vom Kabinett beschlossenen) Gesetzentwurf zur Umsetzung steuerrechtlicher EU-Vorgaben werden wieder einmal kurz vor Toresschluss wichtige Änderungen fürs neue Jahr auf den Weg gebracht. Am 1. Januar treten aber auch einige steuerliche und rechtliche Neuerungen in Kraft, die schon länger feststehen:

Modernisiertes Bilanzrecht

Ab 2010 gilt das neue Bilanzrecht: Für nicht bilanzierende Kleinunternehmen ergeben sich daraus grundsätzlich keine Änderungen - mit einer wichtigen Ausnahme: Ins Handelsregister eingetragene Einzelunternehmer, die an in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren ...

  • nicht mehr als 500.000 Euro Umsatzerlöse und

  • 50.000 Euro Jahresüberschuss

... erzielt haben, sind in Zukunft von den HGB-Buchführungsvorschriften befreit. Anstelle eines Jahresabschlusses mit Inventur, Gewinn- und Verlustrechnung und Bilanz genügt künftig die einfache Einnahmenüberschussrechnung - und zwar sowohl handels- als auch steuerrechtlich. Anders als ursprünglich geplant kommen kleine Personen- und Kapitalgesellschaften jedoch nicht in den Genuss dieser Erleichterung.

Für bilanzierungspflichtige Unternehmen bringt die Reform darüber hinaus eine weitere Annäherung des deutschen HGB-Bilanzrechts an die internationalen Rechnungslegungsstandards. Einzelheiten entnehmen Sie Dr. Ellen Ulbrichts ausführlichem Beitrag "Neues Bilanzrecht und BilMoG-Übergangsregelungen".

Einkommensteuer I: Tarif- und Freibetragsänderung

Viele Steuerzahler - darunter auch Selbstständige - profitieren von den allgemeinen Erleichterungen bei der Einkommensteuer:

  • Der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer steigt für Singles von bislang 7.834 Euro auf 8.004 Euro. Für Verheiratete wurde der Grenzwert von 15.669 Euro auf 16.009 Euro angehoben. Was es mit Grundfreibetrag, Grenz- und Durchschnittssteuersatz bei der Einkommensteuer auf sich hat, erfahren Sie im Grundlagenbeitrag zur Steuerprogression.

  • Der Kinderfreibetrag wurde von 6.024 Euro auf 7.008 Euro erhöht. Parallel steigt das monatliche Kindergeld um jeweils 20 Euro - auf 184 für das erste und zweite Kind, auf 190 Euro für das dritte Kind und 215 Euro pro Kind für alle weiteren Kinder.

  • Die Steuerberatungskosten für den privaten Teil der Einkommensteuererklärung mindern künftig wieder das zu versteuernde Einkommen. (Betriebliche Steuerberaterkosten waren vom zwischenzeitlichen Abzugsverbot nicht betroffen.)

Wie im Vorjahr vom Bundesverfassungsgericht verlangt, können schließlich Krankenversicherungsbeiträge ab 2010 besser steuerlich geltend gemacht werden: Mitglieder der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung dürfen bis zu 3.885 Euro als Sonderausgabe vom zu versteuernden Einkommen absetzen, Privatversicherte durchschnittlich rund 80 Prozent ihrer Versicherungsprämien.

Einkommensteuer II: neue/alte GWG-Grenze - neue Wahlfreiheit

Ab 2010 können Selbstständige und Unternehmer anstelle des umstrittenen GWG-Sammelpostens wieder die GWG-Sofortabschreibung bis zu 410 Euro in Anspruch nehmen - so wie das im Prinzip bis zum Jahr 2007 möglich war. In dem Fall beginnt die klassische lineare oder degressive Abschreibung über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer bei Anschaffungskosten wieder ab 410 Euro aufwärts.

Außerdem muss für GWG im Wert zwischen 150 Euro und 410 Euro ein GWG-Verzeichnis angelegt werden, aus dem folgende Angaben zu ersehen sind:

  • Tag der Anschaffung, Herstellung oder Einlage ins Betriebsvermögen sowie

  • die Anschaffungs- oder Herstellungskosten.

Das GWG-Verzeichnis braucht nicht geführt zu werden, wenn die Angaben ohne weiteres aus der Buchführung ersichtlich sind (z. B. in Form eines Kontoblattes).

Ab 2010 existieren bei Abschreibungen bis zu 1.000 Euro demnach zwei verschiedenen Abschreibungsvarianten nebeneinander:

  • Variante 1 (wie in den Jahren 2008 und 2009 vorgeschrieben):
    Anschaffungskosten bis 150 Euro: GWG-Sofortabschreibung,
    Anschaffungskosten zwischen 150 und 1.000 Euro: GWG-Sammelposten ("Pool"),
    Anschaffungskosten über 1.000 Euro: lineare oder degressive Abschreibung.

  • Variante 2 (ab 2010):
    Anschaffungskosten bis 410 Euro: GWG-Sofortabschreibung
    Anschaffungskosten über 410 Euro: lineare oder degressive Abschreibung

Wichtig: Der Sammelposten in Variante 1 hat nicht nur Nachteile. Wirtschaftsgüter bis zu 1.000 Euro, deren betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer länger als fünf Jahre ist, werden schneller abgeschrieben als bei der klassischen Abschreibung. Besonders spürbar ist das zum Beispiel bei Büro- und anderen Einrichtungsgegenständen, die standardmäßig über die vergleichsweise lange Nutzungsdauer von 13 Jahren abgeschrieben werden müssen. Beim Sammelposten werden die Anschaffungskosten hingegen schon innerhalb von fünf Jahren steuerlich geltend gemacht.

GWG gleich als Aufwand buchen

Da Sie über GWG im Wert bis zu 150 Euro keinen Nachweis in Form eines GWG-Verzeichnisses erbringen müssen, können Sie in beiden GWG-Varianten sämtliche Anschaffungen bis zu 150 Euro auch gleich als betrieblichen Aufwand buchen (z. B. Büromaterial, Werkzeuge oder sonstige Betriebsausgaben).

Bitte beachten Sie: Die Entscheidung für eine der beiden GWG-Abschreibungsvarianten gilt einheitlich für alle Anschaffungen des betreffenden Wirtschaftsjahres.

Für kleine Unternehmen weniger bedeutsam sind die Erleichterungen beim Abzug von Zinsaufwendungen: Die sogenannte Zinsschranke greift jetzt erst bei einem Zinsaufwand von über 3 Millionen Euro.

Gewerbesteuer: weniger Hinzurechnungen

Aus Sicht von Kleinbetrieben ebenfalls keine große Wirkung dürfte die kosmetische Korrektur des Gewerbesteuergesetzes nach sich ziehen: Mieten, Pachten und Leasingraten für Immobilien werden, soweit sie 100.000 Euro nicht überschreiten, künftig nur noch zu 50 Prozent der Gewerbesteuer unterworfen. Bislang waren es 65 Prozent. Die Hinzurechnung zum Gewerbeertrag sinkt entsprechend.