Neuerungen zur Krankenversicherung - Was Versicherte 2012 erwartet

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Zusatzbeitrag, Beitragserhöhung, höhere Einkommensgrenzen - bei diesen Schlagworten blicken die Krankenversicherten in Deutschland eher unglücklich in die Zukunft. Kaum ein Wirtschaftszweig ist solch zahlreichen Reformen und Dynamiken unterworfen wie die Gesundheitswirtschaft. Die Auswirkungen auf die Versichertengemeinschaft sind vielfältig. Wir erläutern, was sich in der Krankenversicherung 2012 tatsächlich ändert und wie Versicherte darauf reagieren können.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kann sich in diesem Jahr weitestgehend über eine ausgeglichene Finanzsituation freuen. Eine erneute Anhebung des allgemeinen Beitragssatzes ist daher nicht vorgesehen. In der privaten Krankenversicherung (PKV) dagegen werden Beitragsanpassungen in einigen Tarifen wohl nicht zu verhindern sein. Wer einen Wechsel der Krankenversicherung in Erwägung zieht, sollte aber in jedem Fall stets das Für und Wider eines neuen Anbieters abwägen.

Neue Einkommensgrenzen in der Krankenversicherung

Die Einkommensgrenzen werden im Bereich der Krankenversicherung wie auch in anderen Sozialversicherungszweigen jedes Jahr an die allgemeine Lohn- und Gehaltsentwicklung per Rechtsverordnung angepasst. Wie die Bundesregierung bereits mitgeteilt hat, werden die Rechengrößen in der Krankenversicherung im kommenden Jahr angehoben:

Bezugsgrößen

Einkommensgrenzen 2011

Einkommensgrenzen 2012

Beitragsbemessungsgrenze der Kranken- und Pflegeversicherung

44.550 Euro jährlich/3.712,50 Euro monatlich

45.900 Euro jährlich/3.825,00 Euro monatlich

Versicherungspflichtgrenze der privaten Krankenversicherung

49.500 jährlich/4.125,00 Euro monatlich

50.850,00 Euro jährlich/4.237,50 Euro monatlich

maximaler Arbeitgeberzuschuss

271,01 Euro im Monat

279,23 Euro im Monat

Damit steigt die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenkasse und der Pflegeversicherung sowie die für die PKV relevante Versicherungspflichtgrenze (Jahresarbeitsentgeltgröße) jeweils um 3,03 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2011 an. Da sich die Rechengrößen zur Krankenversicherung verändert haben, steigt auch der maximale Arbeitgeberzuschuss auf einen höheren Wert.

Folgen, die sich daraus für die Versicherten ergeben, sind insbesondere:

  • höhere Belastung von gutverdienenden Versicherten

  • erschwerte Wechselbedingungen in die PKV für Angestellte bzw. Arbeitnehmer

Pflegereform - die neue soziale Pflegeversicherung ab 2012

Das Bundeskabinett hat bereits die umstrittenen Eckpunkte zur Reform der sozialen Pflegeversicherung beschlossen. 2012 sollen erste Veränderungen in Kraft treten, sodass die geplanten Verbesserungen schon vor der Beitragserhöhung zum 1. Januar 2013 spürbar werden. Der Beitragssatz von derzeit 1,95 Prozent (für Kinderlose ab 23 Jahren 2,2 %) wird dann um 0,1 Prozentpunkte angehoben. Auf diese Weise kommen 1,1 Milliarden Euro mehr in die Pflegekasse. Folgende Neuerungen wurden beschlossen:

  • Unterstützung für Familienangehörige bei der häuslichen Pflege

  • Förderung von alternativen und betreuten Wohnformen für Demenzkranke ("ambulant vor stationär")

  • Stärkung der privaten Vorsorge auf freiwilliger Basis, gefördert durch Steuergeld ("Pflegeriester")

  • Neudefinition der Pflegebedürftigkeit in der Planung

Weiterführende Informationen zum Thema Pflegeversicherung, wie Beiträge, Leistungen und Hintergründe, bietet das Infoportal zur Pflege "Pflegeversicherung.net" oder die Website des Bundesgesundheitsministeriums unter www.bmg.bund.de/pflege.html.

Neuerungen für freiwillig Versicherte

Durch die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung steigen automatisch die Kassenbeiträge für freiwillig versicherte Angestellte und Selbständige mit einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze. Der Höchstbetrag zur gesetzlichen Krankenversicherung 2012 beläuft sich auf insgesamt 592,88 Euro zuzüglich Pflegeversicherung. Bei Angestellten wird dieser Betrag weitgehend paritätisch zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt. Selbständige und Freiberufler zahlen den gesamten Betrag allein.

Wettbewerb der Krankenkassen - Zusatzbeiträge 2012

Reichen die Überweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht aus, haben gesetzliche Krankenkassen grundsätzlich das Recht, einkommensunabhängige und in ihrer Höhe unbegrenzte Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern einzufordern. Ende 2011 erheben 11 der insgesamt 153 Kassen einen Extrabeitrag zwischen 6,50 und 15 Euro monatlich. Für das Jahr 2012 haben mindestens 130 Krankenkassen angekündigt, auf die Einführung des Zusatzbeitrags zu verzichten. Weitere wollen die Extrabeiträge 2012 sogar abschaffen.

Gesundheitsökonomen gehen jedoch davon aus, dass spätestens 2013 weitere Kassen gezwungen sein werden, auf das Instrument des Zusatzbeitrages zurückzugreifen, um ihre laufenden Ausgaben zu decken.

Neuerungen in der privaten Krankenversicherung

Für das kommende Jahr haben bereits einige Anbieter privater Krankenversicherungen angekündigt, Beitragserhöhungen in ausgewählten Tarifen durchführen zu müssen. Ab 1. Januar 2012 müssen PKV-Versicherte daher bis zu 40 Prozent mehr für ihren Krankenversicherungsschutz zahlen. Folgende Gründe führen zu der Beitragsanpassung in der PKV:

  • medizinisch-technischer Fortschritt

  • demografischer Wandel

  • Auswirkungen der neuen Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ)

  • Auswirkungen sogenannter "Billigtarife" und Nichtzahler

Die kontinuierlich steigenden Gesundheitsausgaben sind u. a. auf wachsende Kosten für Arzneimittel, höhere Personalkosten sowie gesteigerte Ausgaben für medizinische Geräte zurückzuführen. Die Alterung der Bevölkerung führt zudem zu einer verstärkten Bildung von Altersrückstellungen in der PKV, was wiederum zu höheren Prämien der Versicherten führt.

Zusätzlicher Einflussfaktor auf die PKV-Beitragserhöhungen 2012 ist die Novellierung GOZ. Diese wurde am 21. September 2011 von der Bundesregierung verabschiedet. Die Änderung der seit 1988 unverändert gültigen Gebührenordnung hat auch Auswirkungen auf die private Krankenversicherung und deren Tarife. Durch die neue GOZ erhalten die Zahnärzte ein durchschnittliches Einkommensplus von sechs Prozent. Langfristig bedeuten die Gebührenänderungen eine Beitragsanpasssung.